Vulvodynie: Eine Krankheit, über die gesprochen werden muss
Die Krankheit Vulvodynie ist in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt, und die Betroffenen kämpfen um Anerkennung und Unterstützung. Die Fotografin Celia Joy Homann setzt sich dafür ein, für die dauerhaften Schmerzen im Intimbereich zu sensibilisieren und das Thema zu enttabuisieren. In Dortmund fand im August 2025 eine erste Ausstellung statt.
Der Sonderforschungsbereich SFB/TRR 289 „Treatment Expectation“ (Behandlungserwartung), der Placebo- und Noceboeffekte sowie Therapieansätze erforscht, unterstützt die Arbeit von Celia Joy Homann. In ihrer fotografischen Arbeit widmet sich die Fotografin der noch wenig bekannten Diagnose Vulvodynie. Ihre Bilder machen einen Schmerz sichtbar, der in der Gesellschaft kaum benannt wird. Durch intime Porträts und atmosphärische Bildwelten entsteht ein visueller Raum, in dem das Unsichtbare eine greifbare Form annimmt. Ziel der Arbeit ist es, Bewusstsein zu schaffen und das Tabu rund um chronische Schmerzen im Intimbereich zu durchbrechen.
Vulvodynie: Chronischer Schmerz mit Aufklärungsbedarf
Prof. Ulrike Bingel, Neurologin und Leiterin der Schmerzmedizin am Universitätsklinikum Essen und Sprecherin des Sonderforschungsbereichs, begrüßt den neuen Ansatz, „denn die Vulvodynie braucht, wie jede chronische Schmerzerkrankung, mehr Öffentlichkeit – im medizinischen Umfeld und im privaten Bereich“. Mehr Aufklärung und bessere Kommunikation sind hier entscheidend. Gerade eine unsensible Kommunikation oder falsche Informationen können negative Erwartungen in Bezug auf eine Therapie fördern. Und dann können Noceboeffekte wirken und sich nicht nur psychologisch, sondern auch körperlich negativ auf das Krankheitsgeschehen und den Therapieerfolg auswirken.
Was ist Vulvodynie?
Vulvodynie bezeichnet chronische Schmerzen im Bereich der Vulva, die länger als drei Monate andauern und keine klare Ursache haben. Die Beschwerden reichen von Brennen über Stechen bis hin zu Jucken oder Trockenheit. Zwischen fünf und zehn Prozent aller Frauen leiden im Laufe ihres Lebens unter unerträglichen Schmerzen im äußeren Genitalbereich, was selbst alltägliche Aktivitäten wie Fahrradfahren oft unmöglich macht. In Deutschland bleibt die Diagnose oft jahrelang unerkannt. Betroffene erleben nicht nur körperliche, sondern auch psychosoziale Belastungen. Wenn die Diagnose schließlich gestellt wird, stehen viele Betroffene vor der Aufgabe, sich selbst intensiv über die Krankheit zu informieren, da sie auf ihrem Heilungsweg häufig auf sich allein gestellt sind. Zwar existiert ein multimodaler Behandlungsansatz, doch seine Wirksamkeit ist so individuell, dass unklar bleibt, was letztlich Linderung verschafft.
Vertrauen in den Körper verloren
Ziel der Ausstellung (lief im August 2025) und Examensarbeit von Celia Joy Homann war es, die Betrachtenden zu sensibilisieren, einen Beitrag zur Enttabuisierung von Schmerzen im Intimbereich zu leisten und vielleicht so auch Behandlungen, vor allem aber auch die Kommunikation zwischen Therapeutinnen oder Therapeuten und Patientin, zu verbessern. Ihr künstlerisch-fotografischer Ansatz beschreibt eine neue Dimension, Information über chronische Schmerzen zu transportieren:
"Über die Fotografie lässt sich eine breite Masse von Menschen ansprechen, weil sie Themen auf eine verständliche und zugleich fühlende Weise zugänglich macht",
sagt Celia Joy Homann.
Homann hat für ihre Arbeit mit Betroffenen und Experten gesprochen. Janine Batale, Sexualtherapeutin in Gelsenkirchen, ergänzt: „Häufig eint die betroffenen Frauen, dass sie sich von ihrer Vulva entzweien und das Vertrauen in ihren Körper verlieren: Sie ärgern sich über ihn und erleben ein Gefühl der Entfremdung.“
- Ein Bildband ist geplant.
Quelle: Universitätsklinikum Essen