„Reizmagen“: Neue S1-Leitlinie sieht Kombination aus Pfefferminz- und Kümmelöl als First-Line-Option
Funktionelle Dyspepsie (FD) ist eine der häufigsten Erkrankungen des Verdauungssystems. Sie zählt zu den Disorders of Gut-Brain-Interaction (DGBI). In bis zu 60 % findet sich eine Überlappung mit einem Reizdarmsyndrom.
Die neue S1-Leitlinie Funktionelle Dyspepsie der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) stärkt jetzt die Rolle der Phytotherapie in dieser Indikation: Die Leitlinie bewertet die Evidenz für bestimmte pflanzliche Präparate positiv.
Die Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl wird als eine Erstlinientherapie empfohlen, da sie die typischen FD-Symptome spürbar lindern kann. Druck- und Völlegefühl, Schmerzen und Blähungen werden damit reduziert.
Für die Pfefferminzöl/Kümmelöl-Kombination zeigen zwei Reviews/Metaanalysen zu fünf klinischen Studien (RCTs), dass die globalen Symptome von FD (Schmerzintensität, Clinical Global Impression Scale) mittel- und langfristig signifikant verbessert werden und dies mit einer ähnlichen Sicherheit wie Placebo. Mit der guten Verträglichkeit und der einfachen Integration in den Alltag eignet sich diese Kombination besonders für den frühzeitigen Einsatz.
Weitere positive klinische Studien in der medikamentösen Therapie der funktionellen Dyspepsie gibt es zu Prokinetika und Helicobacter-pylori-Eradikation, bei Sodbrennen und Regurgitation als führender Symptomatik zu Protonenpumpen-Inhibitoren und H2-Rezeptorantagonisten. Der Einsatz dieser Wirkstoffe ist aufgrund der fehlenden Zulassung in der Indikation FD jedoch ein Off-label-use.
Funktionelle Verdauungsstörungen entstehen multifaktoriell im Sinne eines biopsychosozialen Modells*. Phytotherapie wird als Baustein einer umfassenden Behandlung gesehen – inklusive Aufklärung, Lebensstil- und Ernährungsberatung und, je nach Bedarf, psychotherapeutischer Verfahren.
Die Leitlinie betont eine empathische Arzt-Patienten-Kommunikation, klare Therapieziele (Symptomreduktion, Lebensqualität) und Geduld, empfiehlt häufigere kleine, fettarme Mahlzeiten und eine individualisierte Ernährungsberatung. Psychotherapie, achtsamkeitsbasierte Verfahren, Stressmanagement, Zwerchfellatmung und Akupunktur können demnach zusätzlich helfen.
*Das biopsychosoziale Modell erklärt funktionelle Verdauungsstörungen als Ergebnis eines Zusammenspiels von Körper, Psyche und Umfeld über die Darm-Hirn-Achse – ohne dass strukturelle Schäden vorliegen.
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