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Augenärztliche Vorsorge

Moderne Krebstherapien: Wie lassen sich schwere Nebenwirkungen am Auge verhindern?

Moderne Krebsmedikamente wie Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) und Immuntherapien können schwerwiegende Nebenwirkungen am Auge bis hin zur Erblindung verursachen. Augenärztliche Kontrollen vor und während der Therapie sind deshalb erforderlich, um eine wirksame Behandlung einzuleiten.


29.09.2025
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Laut der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft e.V. (DOG) ist unser Gesundheitssystem strukturell nicht auf Patientinnen und Patienten ausgerichtet, die Nebenwirkungen an den Augen durch moderne Krebstherapien aufweisen. Die Fachgesellschaft fordert angesichts der Tatsache, dass ihre Zahl in Zukunft noch zunehmen wird, eine engere Verbindung zwischen Onkologie und Augenheilkunde sowie neue Versorgungswege. 

Moderne Krebstherapien: Toxische Veränderungen an der Hornhaut des Auges durch Antikörper-Wirkstoff-Konjugate

„Die Fortschritte in der Onkologie sind beeindruckend, aber sie haben aus augenärztlicher Perspektive mitunter einen Preis“, stellt Prof. Dr. Philipp Steven vom Centrum für Integrierte Onkologie der Uniklinik Köln fest. Vor allem neuartige Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) zeigen zwar vielversprechende Effekte gegen Tumoren, können jedoch auch toxische Veränderungen an der Hornhaut hervorrufen. „Wir sehen sogenannte Pseudomikrozysten, die sich in die optische Achse bewegen und das Sehvermögen massiv beeinträchtigen können“, erläutert Steven, Experte für onkologische Nebenwirkungen am Auge.

Nebenwirkungen am Auge: Nur 10 bis 20 Prozent der Betroffenen werden in spezialisierten augenärztlichen Zentren versorgt

Nicht nur, dass diese Nebenwirkungen eine Belastung darstellen: Sie können auch dazu führen, dass die Krebstherapie abgebrochen werden muss, um das Augenlicht zu retten. „Umso wichtiger ist es, die vorgeschriebenen augenärztlichen Kontrollen vor und während der ADC-Therapie konsequent umzusetzen“, betont er. Ähnliches gilt für klassische Therapien wie Chemotherapie und Bestrahlung – sie können das Auge dauerhaft schädigen, von der Netzhaut bis zur Tränendrüse. Gravierend sind auch die Folgen nach Knochenmarktransplantationen: Von jährlich 4.000 Transplantierten entwickeln bis zu 1.200 eine schwere behandlungsbedürftige Augennebenwirkung. „Umfragen zeigen, dass aber nur 10 bis 20 Prozent der Betroffenen in spezialisierten Zentren versorgt werden“, berichtet der DOG-Experte.

In Zukunft viele Krebsbehandlungen mit Immuntherapien oder Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten 

Moderne Krebstherapien: Welche Schäden am Auge kommen unter anderem vor?

  • Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs): toxische Veränderungen an der Hornhaut. Pseudomikrozysten, die sich in die optische Achse bewegen und das Sehvermögen beeinträchtigen.
  • Chemotherapie und Bestrahlung: dauerhafte Schädigung des Auges von Netzhaut bis Tränendrüse
  • Knochenmarktransplantation: Von 4.000 Transplantierten pro Jahr entwickeln bis zu 1200 eine schwere behandlungsbedürftige Augennebenwirkungen.

Diese Zahl wirft ein Schlaglicht auf das grundsätzliche Problem. „Es gibt keine flächendeckend etablierten Vor- und Nachsorgestrukturen für Nebenwirkungen am Auge, die infolge neuer Krebstherapien auftreten“, stellt Steven fest. Noch handle es sich bei den ADCs um eine relativ geringe Zahl an Patientinnen und Patienten, die innerhalb von Studien behandelt werden. „In Zukunft aber ist zu erwarten, dass viele weitere Tumorerkrankungen mit ADCs oder anderen Immuntherapien behandelt werden“, meint Steven. Dementsprechend würde auch die Rate an okulären Nebenwirkungen ansteigen, die einer Therapie bedürfen.

Wirksame Ansätze zur Behandlung von Nebenwirkungen am Auge

Wirksame Ansätze zur Behandlung gibt es bereits. „Wir empfehlen Tränenersatzmittel, je nach Befund auch Cortison-Augentropfen“, so Steven. „Gute Erfahrungen haben wir außerdem mit Spezialkontaktlinsen und Eigenblut-Augentropfen gemacht.“ Entscheidend sei jedoch die enge Kommunikation zwischen onkologischem und augenärztlichem Fachpersonal. „Am effektivsten ist, gemeinsam die Dosis der Krebsmedikamente anzupassen“, erläutert Steven. So könne die Toxizität begrenzt und in vielen Fällen eine vollständige Abheilung erreicht werden.


Es gibt keine flächendeckend etablierten Vor- und Nachsorgestrukturen für Nebenwirkungen am Auge, die infolge neuer Krebstherapien auftreten.“

Prof. Dr. Philipp Steven, Köln


Wirksame Behandlungsansätze zum Schutz des Auges bei einer Krebstherapie

  • Tränenersatzmittel
  • Cortison-Augentropfen
  • Spezialkontaktlinsen
  • Eigenblut-Augentropfen


Spezialisierte (Studien-)Zentren und augenärztliche Schwerpunktpraxen für die Betreuung von Krebspatienten

Der DOG-Experte fordert ein gestuftes Versorgungskonzept für die Zukunft: Kurzfristig sollten spezialisierte (Studien-)Zentren die Betreuung dieser Patientinnen und Patienten übernehmen, während mittelfristig augenärztliche Schwerpunktpraxen dafür zuständig sein sollten. Das Thema sollte auf lange Sicht in die Facharztausbildung integriert werden. „Wir müssen jetzt handeln, um die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu sichern“, betont der Augenarzt.

Die Kosten dafür blieben überschaubar. „Die zusätzlichen Untersuchungen erscheinen im Vergleich zu den Therapiekosten verschwindend gering“, sagt Steven. Strukturen wie in der Ambulanten Spezialärztlichen Versorgung (ASV) oder der „Besonderen Versorgung“ könnten prinzipiell als Modell dienen, müssten aber kostendeckend kalkuliert sein. „Die Augenheilkunde ist gefordert, sich aktiv in die onkologische Versorgung einzubringen – und die Zukunft mitzugestalten.“

Quelle: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft