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Dermatologie, Plastische und Ästhetische Chirurgie, Gynäkologie, Medizin Dermatologie Ästhetik, HAUT
Langlebigkeit

Mentale Stärke als Schlüsselfaktor für Longevity

Mentale Stärke ist ein bedeutsamer Prädiktor für Gesundheit und Langlebigkeit (Longevity). Dabei spielen neurobiologische, psychologische, genetische und epigenetische Zusammenhänge eine Rolle. Mithilfe eines einfachen Tools lässt sich mentale Stärke fördern. Es kann als wirksame Unterstützung in der klinischen Praxis eingesetzt werden.


10.10.2025
M. Täuber
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Zitierweise: HAUT 2025; 36 (5): 274-278

Psychische Faktoren wirken sich nicht nur auf Wohlbefinden aus, sondern haben nachweislich Einfluss auf biologische Alterung inklusive Hautbild und Lebenserwartung. Während somatische Erkrankungen seit jeher im Fokus medizinischer Versorgung stehen, gewinnt die Rolle mentaler Aspekte zunehmend an Bedeutung – nicht nur zur Prävention psychischer Störungen, sondern als potenter Faktor für Anti-Aging-Strategien und Langlebigkeit.

Stress beschleunigt Alterungsprozesse

Der biologische Alterungsprozess verläuft nicht einheitlich, sondern unterliegt inter­individuellen Unterschieden. Chronischer psychosozialer Stress, insbesondere in Form von Kindheitstraumata, Depressionen oder dauerhafter Überforderung, ist mit einer beschleunigten epigenetischen Alterung assoziiert. Der zugrunde liegende Mechanismus besteht darin, dass Stress über die Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) zu anhaltend erhöhten Kortisolspiegeln führt. Das zieht hautschädigende Effekte nach sich, wie Hemmung der Kollagen­synthese, vermehrte Bildung freier Radikaler (oxidativer Stress), Störung der Haut­barrierefunktion und Fördern inflammatorischer Prozesse. Generell werden biologische Alterungs­prozesse beschleunigt.

Die epigenetische Uhr nach Steve Horvath11 basiert darauf, dass die DNA-Methylierung bestimmter CpG-Stellen* mit Gesundheit und Langlebigkeit korreliert. Sie hat als Goldstandard zur biologischen Altersberechnung die Längenbestimmung der Telomere abgelöst.

Zannas et al.10 haben epigenomweite Methylierungsanalysen bei Erwachsenen mit chronischem Stress durchgeführt. Das Ergebnis: Stress erhöht die epigenetische Altersrate um 0,35 bis 0,50 Jahre pro chronischer Stressbelastungseinheit. Wolf et al.9 untersuchten Patientinnen und Patienten mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS). PTBS ist dabei mit signifikant beschleunigtem epi­genetischem Altern assoziiert – insbesondere bei starkem Kortisolanstieg und Inflammation. Diese Befunde legen nahe, dass psychosozialer Stress biologische Spuren hinterlässt, die über hormonelle Veränderungen hinaus­gehen und in die epigenetische Regulation der Genexpression eingreifen. Die dadurch beschleunigte Alterung betrifft unter anderem Systeme, die für Immunfunktion, Entzündungsregulation und Neurodegeneration relevant sind.

* Cytosin-Phosphat-Guanin, d. h. Stellen an der DNA, die vermehrt Cytosin- und Guanin-Basen enthalten.

Mentale Stärke als Schlüssel zur Longevity

Mentale Stärke umfasst spezifische psychologische Kompetenzen, die durch das 4C-Modell von Clough et al.4 dargestellt werden können. Es umfasst vier Kernkomponenten:

  1. Control – Fähigkeit zur Emotions- und Verhaltenskontrolle unter Stress,
  2. Commitment – Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen trotz Rückschlägen,
  3. Challenge – Neugier auf Veränderungen und aktiver Umgang mit Unsicherheiten,
  4. Confidence – Vertrauen in eigene Fähigkeiten und soziale Wirksamkeit. 

Im Zentrum mentaler Stärke steht vor allem die Fähigkeit, mit stressigen Situationen umzugehen – sie ist neurophysiologisch wie psychologisch der Schlüsselmechanismus. Mentale Stärke zeigt sich auf neuronaler Ebene in der balancierten Interaktion dieser Systeme. Ein zentrales Merkmal ist dabei die Fähigkeit des präfrontalen Kortex, die Aktivität der Amygdala zu hemmen – insbesondere bei emotionalen oder stressreichen Reizen. Dieser Regulationsmechanismus ist auch ein zentrales Kennzeichen psychischer Resilienz.

Studien zeigen, dass Personen mit hoher Resilienz – und damit oft auch hoher mentaler Stärke – eine stärkere neuronale Konnektivität zwischen präfrontalem Kortex und Amygdala aufweisen. Das bedeutet: Sie sind besser in der Lage, emotionale Reize zu modulieren, Bedrohungen realistisch einzuschätzen und flexibler zu reagieren. Psychologisch spiegelt sich dies insbesondere in den 4C-Komponenten Control (Emotionsregulation) und Challenge (positive Stressbewertung) wider.

In den vergangenen Jahren hat sich zunehmend gezeigt, dass psychologische Schutzfaktoren nicht nur das subjektive Wohlbefinden im Alter verbessern, sondern auch signifikant mit erhöhter Lebenserwartung korrelieren. Verschiedene großangelegte Längsschnitt- und Kohortenstudien liefern konsistente Hinweise darauf, dass Menschen mit einer ausgeprägten Fähigkeit zur psychischen Selbstregulation langsamer altern, seltener chronisch erkranken und häufiger ein überdurchschnittlich hohes Lebensalter erreichen.

Laut einer Analyse aus der Health and Retirement Study ist hohe psychologische Resilienz mit einer um bis zu 53 % reduzierten Mortalitätsrate assoziiert2. Ähnliche Ergebnisse zeigen sich auch in europäischen Kohortenstudien. Resilienz schützt nicht nur vor psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen, sondern reduziert auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurodegenerative Prozesse und chronischen Stress3.

Mechanistisch betrachtet reduziert Re­silienz die Freisetzung von Kortisol bei Belastung, stärkt auch die immunologische Resilienz (z. B. erhöhte NK-Zell-Aktivität) und fördert eine raschere Rückkehr zum neurophysiologischen Gleichgewicht nach Stresssituationen4.

Optimistische Menschen leben nachweislich länger. In einer prospektiven Studie mit über 70.000 Teilnehmern war ein hoher Optimismus-Score mit einer um 11 bis 15 % erhöhten Lebenserwartung und einer 70 % höheren Wahrscheinlichkeit assoziiert, das 85. Lebensjahr zu erreichen5. Der Effekt blieb auch bei Kontrolle somatischer Vorerkrankungen und Lebensstilfaktoren bestehen.

Insgesamt legen diese Befunde nahe, dass Resilienz, Optimismus und mentale Stärke nicht nur Wohlbefinden und Lebensqualität im Alter verbessern, sondern auch die biologische Lebensspanne signifikant verlängern können. Die Inte­gration dieser psychologischen Ressourcen in Präventions-, Therapie- und Public-Health-Strategien könnte daher ein zentraler Hebel zur Förderung von Healthy Aging und Longevity sein.

Eigene Erfahrungen mit Gesundheitsmarkern und mentalem Training

Ich selbst habe mittels Lifestyle- und Epi­genetik-Check7 die genetischen Voraussetzungen für mentale Gesundheit und das biologische Alter bestimmen lassen. Mein genetisches Profil zeigt ein erhöhtes Risiko für Ängste, Depressionen und zwanghafte Tendenzen, mit Perzentilen von 82 % für Ängste, 93 % für Depressionen und sogar 99 % für Zwänge.

In meiner Biografie, insbesondere in Kindheit und Pubertät, finden sich Beispiele, die diese genetische Ausprägungen bestätigen. Ich, heute 52 Jahre alt, fühle mich seit vielen Jahren mental fit und gesund. Der epigenetische Test bestätigt dieses subjektive Befinden: Das biologische Alter ist rund 6 Jahre unter dem chronologischen Alter, was für mentale Gesundheit und Stärke spricht. Lediglich der Risikofaktor für Entzündungen (CRP-­System) ist leicht erhöht, was kongruent ist mit meiner Ernährungsweise.

Wie lässt es sich die Diskrepanz zwischen Genetik und Epigenetik erklären? Ich habe in der Kindheit erstmals aus Neugierde Erfahrungen mit autogenem Training gemacht – seit rund 25 Jahren verschiedene Kurse und Ausbildungen im mentalen Bereich besucht, und trainiere regelmäßig seit mehr als 10 Jahren mental. Dazu gehören Achtsamkeit und Meditation, Affirmationen und Visualisierung. Ich rauche nicht und habe in den letzten Jahren zudem meinen Alkoholkonsum sukzessive auf mittlerweile Null gesenkt. In den letzten 15 Jahren bemerke ich eine starke Zunahme von positiver Lebenseinstellung, Resilienz und Zufriedenheit.

Ich biete mentales Coaching und psychologische Beratung an – und setze dabei selbst bei Klientinnen und Klienten auf die Aus­testung von Genetik und Epigenetik sowie auf mentale Interventionen. Letztere sind niedrigschwellig möglich mit der Brain-Changer®-App2, die auf der Brain-Changer®-Methode aus Bildern, Affirmationen und Tönen basiert.

Kurzintervention für mentale Stärke im Extrembereich

Extremsportarten verlangen nicht nur physische Hochleistung, sondern auch außer­ordentliche psychische Stabilität. Im Februar 2024 stellte sich der österreichische Apnoetaucher Chris Redl am Weißensee in Kärnten (Österreich, 930 m ü. NN) der Herausforderung, 75 Meter unter einer geschlossenen Eisdecke zu tauchen – ohne Neoprenanzug, ohne Atemgerät, nur in Badebekleidung. Neben physiologischen Anforderungen durch Kälte und Sauerstoff­entzug ist ein solches Vorhaben mit erheblichem psychischem Stress verbunden, insbesondere Angst vor Kontrollverlust und Kälteschock.

Trotz physischer Vorbereitung zeigte Redl in den Wochen vor dem Versuch massive Stressreaktionen auf Kälteexposition – ­Verkrampfung, flache Atmung, Abwehr­verhalten. Dies verhinderte eine effiziente Atemtechnik und gefährdete die Leistungs­fähigkeit.

Zur gezielten Emotions- und Stressregulation kam die Brain-Changer®-Methode zum Einsatz. Sie kombiniert konkret Bilder eines Vorbilds, Suggestionen der Entspanntheit und Freude bei Kälte und motivierende Musik. Die Intervention erfolgte im Coaching­rahmen und wurde auf das Smart­phone des Sportlers für weiteres Training aufgenommen.

Bereits am Folgetag konnte Redl erstmals seit Beginn des Trainings in eiskaltes Wasser eintauchen, ohne die bisher beobachteten Stresssymptome. Er absolvierte eine mehr­minütige Schwimm- und Tauchsequenz im Freiwasser – begleitet von einem deutlich veränderten emotionalen Erleben. In seiner Rückmeldung beschrieb er die Erfahrung als „Game Changer“, verbunden mit einem Gefühl von Klarheit, Kontrolle und Souveränität. Beim Rekordversuch im Weißensee im Februar 2024 gelang es Redl, den kompletten 75-Meter-Tauchgang unter Eis erfolgreich durchzuführen.

Die Brain-Changer®-Methode vereint 4 evidenzbasierte Module:

  • Visuelle Naturstimulation: Angelehnt an die Stress Reduction Theory8 und die Attention Restoration Theory12 nutzen Naturbilder gezielt die regenerativen Effekte von Umweltreizen auf das vegetative Nervensystem.
  • Affirmationen: Positive Selbstbekräftigungen aktivieren laut fMRT-Studien3 das Belohnungssystem (ventromedialer prä­frontaler Kortex) und verbessern die kognitive Reframing-Fähigkeit – ein zentraler Aspekt psychischer Resilienz.
  • Binaurale Beats. Leicht differenzierte Frequenzen in beiden Ohren synchronisieren Gehirnwellen (Alpha-/Theta-Aktivität) und fördern entspannte Konzentration5. Studien zeigen Effekte auf Angst­reduktion, Schmerzverarbeitung und kognitive Leistung.
  • Wiederholung: Durch tägliche Anwendung wird – im Sinne langfristiger Hebbian-­Learning-Prozesse – ein stabileres Muster positiver Selbstregulation aufgebaut.

Die zugehörige App führt Nutzerinnen und Nutzer täglich durch ein fünfminütiges Programm, bei dem Naturbilder, Affirmationen und akustische Stimuli kombiniert werden. Die Inhalte variieren bei jeder Anwendung leicht, um die Aufmerksamkeit aufrecht­zuerhalten und gezielte neuronale Aktivierung zu fördern.

Eine physiologische Messung der Pulsrate nach dem „Trier Social Stress Test“ zeigt, dass mit der Anwendung der App (Naturbilder, Affirmationen und binaurale Beats) eine tendenziell doppelt so schnelle Entspannungs­reaktion mit signfikant geringerer Varianz versus Kontrollgruppe (Betrachten des Timers am Smartphone) zu beobachten ist (Patrick Dobrovits, Marcus Täuber, unpublizierte Daten).

Pilotstudien zeigen, dass die regelmäßige Anwendung der App nach 3 Monaten zu signifkanten Verbesserungen von Re­silienz (Brief Resilience Scale) und mentaler Stärke (Mental Toughness Questionaire 10) führt (Marcus Täuber, unpublizierte Daten).

Fazit

Der deutliche Zusammenhang von chronischem Stress und mentaler Stärke für die Longevity wurde in Studien gezeigt. Es erscheint sinnvoll, Angebote für die klinische Praxis zu erstellen, um diesen Schlüsselfaktor positiv zu beeinflussen.

Meine persönlichen Erfahrungen unterstreichen die Möglichkeit, durch Lebensstilmaßnahmen, die insbesondere auf den mentalen Bereich abzielen, eine unvorteilhafte Genetik auszuhebeln und durch epigenetische Mechanismen die biologische Uhr relativ zum chronologischen Alter zurückzudrehen.

Seit mehreren Jahren setze ich im mentalen Coaching und in der psychologischen Beratung Bilder, Affirmationen und Töne ein. Aus meiner Erfahrung und unterstützt durch Studien wurde mit der Brain Changer®-App ein Tool entwickelt, dass rasche und verlässliche Entspannung induziert, und durch ein längerfristiges regelmäßiges Training auch Resilienz und mentale Stärke signifikant erhöht. Die App zeigt somit Potenzial für den Einsatz in psychosomatischer Medizin, Prävention und Longevity-orientierten Gesundheitsprogrammen.

1. Boehm JK, Chen Y, Koga H et al. JAMA Network Open 2019.

2. Brain Changer®, https://www.brainchanger.tv

3. Cascio CN et al. SCAN 2016;11(5):621-629.

4. Clough P, Earle K, Sewell D. In: Cockerill (Ed.), Solutions in sport psychology 2002.

5. Jirakittayakorn N, Wongsawa, Y. Clinical Neurophysiology 2017;128(2): 297-304.

6. ORF Kärnten, 5. Februar 2024. kaernten.orf.at/stories/3238775/

7. Permedio GmbH. www.permedio-genetik.com

8. Ulrich RS. In: Altman & Wohlwill (Eds.), Behavior and the Natural Environment 1983.

9. Wolf EJ et al. Translational Psychiatry 2018.

10. Zannas AS et al. Genome Biology 2015.

11. Horvath S. Genome Biology 2013;14(10):3156.

12. Kaplan R, Kaplan S.Journal of Environmental Psychology 1995;15(3):169-182.

Korrespondenzadresse

Dr. Marcus Täuber

Institut für mentale Erfolgsstrategien e.U. & Brain Changer GmbH
Schwarzottstraße 2a
A-2620 Neunkirchen, Österreich

E-Mail: office(at)ifmes.com 
www.ifmes.com