Zu viel Sonne verursacht zwar Hautkrebs, aber zu wenig Sonne geht mit einer erhöhten kardiovaskulären Mortalität und einer höheren Inzidenz für andere Erkrankungen einher, etwa der multiplen Sklerose. Am Ende gilt wohl auch in Bezug auf die Sonne Paracelsus‘ Grundsatz: „Dosis facit venenum“ – „Die Dosis macht das Gift!“
09.10.2025
P. A. Gerber
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Meinung
„Schaden wir also letztlich unseren Patienten, wenn wir die Sonne verteufeln? Das Verhältnis der Todesfälle durch Hautkrebs versus kardiovaskulärer Ereignisse sollte uns hier vielleicht zu denken geben.”
Prof. Peter Arne Gerber
HAUT 2025; 36 (5): 225
Als Dermatologen empfehlen wir den konsequenten Sonnenschutz fast reflexartig, wissen wir doch, dass UV Strahlung der mit Abstand wichtigste Risikofaktor für die Entstehung von Hautkrebs und -alterung ist.
Überrascht war ich daher, als ich im vergangenen Jahr über das sogenannte „Sonnencreme-Paradoxon“ las. So zeigten zwei Studien, dass Patienten, die konsequent Sonnencreme nutzen, am Ende nicht weniger, sondern mehr Hautkrebs entwickelten als ihre Vergleichsgruppe ohne topischen Lichtschutz. Erklärung der Experten: Das Auftragen von Sonnencreme gibt ein falsches Sicherheitsgefühl und verleitet zu einer zu unkritischen UV-Exposition1. Aber was ist dann die Konsequenz für die tägliche Praxis? Die Empfehlung, die Sonne gänzlich zu meiden? In diesem Kontext ließ mich unlängst ein Fernsehbeitrag mit dem Titel „Unsere Haut – Wie viel Sonne ist gesund?“ auf horchen2. Das Ergebnis unter Berücksichtigung verschiedener Studien: Zu viel Sonne verursacht zwar Hautkrebs, aber zu wenig Sonne geht mit einer erhöhten kardiovaskulären Mortalität und einer höheren Inzidenz für andere Erkrankungen einher, etwa der multiplen Sklerose.
Schaden wir also letztlich unseren Patienten, wenn wir die Sonne verteufeln? Das Verhältnis der Todesfälle durch Hautkrebs versus kardiovaskulärer Ereignisse sollte uns hier vielleicht zu denken geben. Am Ende gilt wohl auch in Bezug auf die Sonne Paracelsus‘ Grundsatz: „Dosis facit venenum“ – „Die Dosis macht das Gift!“
Eine der nächsten Gelegenheiten, diese kontroversen Positionen mit ausgewiesenen Expertinnen und Experten unseres Fachs zu diskutieren, bietet sich auf dem diesjährigen hybriden Fachkongress von Spektrum Dermatologie in Köln am 25.10.2025. Thematisch gut passt da auch der Kongresstitel „Haut am Limit – Unser Integument im (Klima-) Wandel“3. Dort finden sich neben Autoren von Fachbeiträgen aus dieser Ausgabe der HAUT, wie Prof. Joachim Dissemond, auch fachfremde Referenten, etwa ein Expeditionsmediziner und ein Polarforscher, die über unsere Haut unter Extrembedingungen berichten. Ein sicherlich spannender Blick über den Tellerrand! Also hoffentlich auf Wiedersehen in Köln im Oktober.
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