Gleich zwei Alzheimer-Medikamente wurden im Laufe des Jahres 2025 von der Europäischen Kommission zugelassen: erst Lecanemab, nun auch Donanemab. Ein Überblick, welche Besonderheiten beachtet werden müssen.
Zulassungen der Alzheimer-Medikamente
Die Europäische Kommission hat zum 15.04.2025 den Wirkstoff Lecanemab (Leqembi) zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit im frühen Stadium zugelassen. Damit hat es erstmals in Deutschland eine Alzheimer-Behandlung gegeben, die ursächlich an einer der möglichen Krankheitsursachen angreift. Ende September ist der Alzheimer-Wirkstoff Donanemab (Kisunla) von der Europäischen Kommission zugelassen worden – nach Leqembi nun das zweite Antikörper-Medikament in der EU.
Die Zulassung von Donanemab sollte auf Erkrankte mit höchstens einer Kopie der Genvariante ApoE4 beschränkt werden. Hintergrund ist, dass Erkrankte mit einer doppelten ApoE4-Kopie ein höheres Risiko auf Nebenwirkungen haben. Im März hatte sich der Ausschuss noch gegen den Wirkstoff ausgesprochen – mit dem Hinweis auf zu große Nebenwirkungen. Daraufhin hatte der Hersteller Lilly eine erneute Prüfung beantragt. Die endgültige Entscheidung über die Zulassung lag bei der Europäischen Kommission.
Die Besonderheit: Kisunla wird nur einmal im Monat als Infusion verabreicht und die Behandlung kann beendet werden, sobald die krankheitsrelevanten Proteinablagerungen weitgehend entfernt sind. Leqembi dagegen muss alle zwei Wochen gegeben werden und ist als Dauertherapie angelegt.
„Nach Leqembi ist nun auch Kisunla in der EU zugelassen. Für die Forschung ist das ein wichtiger Schritt, für Erkrankte jedoch ein eher kleiner Hoffnungsschimmer. Denn nur ein begrenzter Kreis von Patientinnen und Patienten kommt für die Behandlung infrage, und auch Kisunla kann die Krankheit nicht heilen. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Therapie zeitlich begrenzt sein kann – das eröffnet eine neue Perspektive in der Alzheimer-Therapie“, sagt Dr. Anne Pfitzer-Bilsing, Leiterin der Abteilung Wissenschaft bei der Alzheimer Forschung Initiative.
Alzheimer-Medikamente – Wer bekommt Leqembi, wer Kisunla?
Welche der beiden neuen Therapien infrage kommt, bleibt immer eine Einzelfallentscheidung, die gemeinsam mit erfahrenen Ärztinnen und Ärzten getroffen werden muss. Ein Vorteil von Kisunla ist, dass es nur einmal monatlich verabreicht wird und die Behandlung beendet werden kann, sobald die krankheitsrelevanten Ablagerungen entfernt sind. Leqembi dagegen muss alle zwei Wochen gegeben werden, zeigt aber eine geringere Rate an symptomatischen Nebenwirkungen (ARIAs).
Es gibt Hinweise darauf, dass Leqembi bei Frauen schlechter wirkt als bei Männern. Für Kisunla gibt es diese Beobachtung bislang nicht. Ob das Geschlecht also künftig eine Rolle bei der Wahl der Therapie spielen wird, muss noch genauer diskutiert werden.
Menschen mit fortgeschrittener Alzheimer-Erkrankung oder einer anderen Demenz kommen nicht für eine Behandlung infrage. Die Therapie sei aufwändig und es seien diverse Voruntersuchungen nötig, um festzustellen, ob Kisunla überhaupt in Betracht gezogen werden kann. Um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen, sind regelmäßige MRT-Untersuchungen erforderlich. Die Patientinnen und Patienten müssen also mobil und körperlich belastbar sein.
Wichtiger Fortschritt für die Forschung
Trotz der genannten Einschränkungen in der praktischen Anwendung bedeute die Entwicklung der beiden Antikörper Donanemab und Lecanemab einen wichtigen Schritt für die Alzheimer-Forschung, sagt Pfitzer-Bilsing.
Die beiden Wirkstoffe greifen zum ersten Mal erfolgreich eine der möglichen Krankheitsursachen an. Sie beseitigen die schädlichen Ablagerungen aus Amyloid-beta, die mit dem Absterben der Nervenzellen bei Alzheimer in Verbindung gebracht werden. Bisher kann Alzheimer nur symptomatisch mit sogenannten Antidementiva behandelt werden.
Alzheimer-Heilung durch Kombinationstherapien
Die Alzheimer Forschung Initiative betont, dass beide Wirkstoffe eine mögliche Krankheitsursache angehen, indem sie krankhafte Proteinablagerungen im Gehirn reduzieren. Das ist ein Fortschritt, aber weder ein Stopp noch eine Heilung.
Um wirksamere Therapien zu entwickeln, ist weiterhin Forschung zu anderen Ansätzen nötig, etwa zu Tau-Ablagerungen oder Entzündungsprozessen sowie zu Stoffwechsel- oder Durchblutungsstörungen, genetischen Veränderungen oder zum Mikrobiom des Darms. Langfristig wird eine maßgeschneiderte Kombinationstherapie mehrerer Wirkstoffe Alzheimer zu einer medikamentös einstellbaren Erkrankung machen, glauben die Expertinnen und Experten.
www.alzheimer-forschung.de/alzheimer
Quelle: Alzheimer Forschung Initiative e. V.