Skip to main content

Dieser Beitrag ist nur für Mitglieder verfügbar!

Allgemein- & Innere Medizin, Angiologie, Dermatologie, Gefäßchirurgie, Gefäßmedizin, Medizin, Phlebologie Gefäßmedizin, Allgemein- & Innere Medizin Allgemein- & Innere Medizin, Gefäßmedizin, vasomed, TEST Katrin Breitenborn
vasomed 6/25

Das geschwollene Bein – ein Symptom mit vielen Gesichtern

Bei einer Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG) erläuterte Dr. Hans-Walter Fiedler, Soest, wie Diagnostik und Therapie eines geschwollenen Beines in der gefäßchirurgischen Praxis ablaufen sollten.


05.11.2025
K. Breitenborn
Teilen auf:
drucken Gefällt mir merken

Die Pressekonferenz fand anlässlich der 11. Dreiländertagung der D-A-CH Gesellschaften für Gefäßchirurgie statt, die vom 22.-25. Oktober 2025 in Luzern/Schweiz veranstaltet wurde.

Bei einem geschwollenen Bein – im Volksmund oft als „dickes Bein“ bezeichnet - handele es sich meist um ein Beinödem. „Es ist eines der häufigsten Symptome in der gefäßchirurgischen Sprechstunde – und zugleich ein Leitsymptom für sehr unterschiedliche Erkrankungen, von harmlos bis akut lebensgefährlich (4)“, betonte Fiedler.

Ein Beinödem könne ein- oder beidseitig auftreten kann. Ärztlich werde unterschieden zwischen eindrückbaren Ödemen (z.B. bei Venen- oder Herzerkrankungen) und nicht eindrückbaren Ödemen (z.B. bei fortgeschrittenen Lymphödemen) sowie Umfangsvermehrungen ohne Ödembildung (z.B. Lipödem). Entscheidend sei, dass das Ödem selbst nicht als Krankheit, sondern als Signal verstanden werde, das auf eine zugrunde liegende Ursache verweisen würde (Tab. 1).

Geschwollenes Bein: Differenzialdiagnostik beim Beinödem

Da ein geschwollenes Bein kein eindeutiges Krankheitsbild darstellt, ist eine strukturierte Abklärung erforderlich (4), um die zugrundeliegende Ursache festzustellen. Diese umfasse, so Fiedler:

  • Anamnese: Wann treten die Schwellungen auf? Ein- oder beidseitig? Gibt es Risikofaktoren wie Operationen, Reisen, Gerinnungsstörungen?
  • Körperliche Untersuchung: Hautveränderungen, Eindrückbarkeit des Ödems, Temperatur, Schmerzpunkte
  • Bildgebung: Ultraschall (Duplexsonographie) der Venen und gegebenenfalls Arterien zur Abklärung von Thrombosen oder Abflussstörungen (1)
  • Erweiterte Diagnostik: bei Bedarf CT- oder MRT-Bildgebung, MRT/CTA-Phlebographie, Laboruntersuchungen, Echokardiographie, MRT-Lymphangiographie.
     
UrsacheHäufigkeitSymptome
venöse Erkrankungen (z.B. Varikose, chronische venöse Insuffizienz)Ca. 16 % der Bevölkerung (5)Schwellungen oft beidseitig, im Tagesverlauf zunehmend, Besserung durch Hochlagerung.
tiefe Venenthrombosen (TVT)In Deutschland jährlich etwa 80-160 TVT pro 100.000 Einwohner (1)oft plötzliche, einseitige Schwellungen, Spannungsgefühl, Schmerzen. Akuter Notfall, da eine TVT zu einer Lungenembolie führen kann.
LymphödemPrävalenz circa 1-2 % in der Bevölkerung (2)chronische, meist einseitige Schwellung, nicht eindrückbar, positives Stemmer-Zeichen
Lipödemca. 5-18 % aller Frauen (3)symmetrische, schmerzhafte Vermehrung des Fettgewebes an den Beinen und Armen bei Frauen. Rumpf, Hände und Füße sind ausgespart.
systemische Erkrankungen (Herz-, Nieren-, Leberinsuffizienz)In Deutschland ca. 2-3 % der Erwachsenen mit Herzinsuffizienz (6)beidseitige Schwellungen, oft kombiniert mit weiteren Symptomen wie Atemnot oder Leistungsminderung
Tab. 1: Häufige Ursachen für ein Beinödem.

Beinödem: Therapie – von Kompression bis Operation

Die Behandlung richtet sich laut Fiedler nach der Ursache:

  • konservativ: Kompressionsstrümpfe, Bewegung, Gewichtsreduktion, Lymphdrainagen
  • medikamentös: Thromboseprophylaxe- oder therapie, entwässernde Medikamente (bei systemischen Erkrankungen)
  • operativ: Entfernung oder Ausschaltung kranker Venen, Rekonstruktionen bei Abflussbehinderungen, operative Ansätze beim Lipödem und Lymphödem

Auch Patienten könnten aktiv beitragen, sagte Fiedler: „Regelmäßige Bewegung, das Hochlagern der Beine, konsequentes Tragen von Kompressionsstrümpfen und das Vermeiden langen Sitzens oder Stehens sind einfache, aber wirksame Maßnahmen. Eine ausgewogene Ernährung und genügend Flüssigkeit unterstützen zusätzlich.“

Fazit

Das dicke Bein, so Fiedler, sei ein vieldeutiges Symptom, das nicht unterschätzt werden dürfe. „Es ist Aufgabe der Gefäßmedizin, die Ursache sorgfältig zu klären und eine zielgerichtete Therapie einzuleiten. Wer Schwellungen der Beine bemerkt, sollte frühzeitig ärztliche Hilfe suchen, um mögliche Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität zu erhalten.“

Katrin Breitenborn/DGG
 

Literatur
  1. Linnemann B et al. S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der tiefen Venenthrombose und Lungenembolie, Stand 2023. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/065-002
  2. Brauer WJ. Klinische Diagnostik des Lymphödems. Eine Einführung für Ärzte. Springer, Berlin, Heidelberg 2023. https://link.springer.com/978-3-662-67169-6
  3. Faerber G et al.  S2k‐Leitlinie Lipödem. J Deutsche Derma Gesell 2024;22(9):1303–1316. 
  4. Fiedler HW. Das „dicke Bein“ in der gefäßchirurgischen Sprechstunde. In: Gefässchirurgie 2025;30(3):183–194. 
  5. Rabe E et al. Bonner Venenstudie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie: Epidemiologische Untersuchung zur Frage der Häufigkeit und Ausprägung von chronischen Venenerkrankungen. Phlebologie 2003;32(1):1–14.
  6. Deutsche Herzstiftung e.V. (Hrsg.). Deutscher Herzbericht – Update 2024. epaper.herzstiftung.de

Quelle: Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG) anlässlich der 11. Dreiländertagung der D-A-CH Gesellschaften für Gefäßchirurgie am 16.10. 2025