Das geschwollene Bein – ein Symptom mit vielen Gesichtern
Bei einer Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG) erläuterte Dr. Hans-Walter Fiedler, Soest, wie Diagnostik und Therapie eines geschwollenen Beines in der gefäßchirurgischen Praxis ablaufen sollten.
Die Pressekonferenz fand anlässlich der 11. Dreiländertagung der D-A-CH Gesellschaften für Gefäßchirurgie statt, die vom 22.-25. Oktober 2025 in Luzern/Schweiz veranstaltet wurde.
Bei einem geschwollenen Bein – im Volksmund oft als „dickes Bein“ bezeichnet - handele es sich meist um ein Beinödem. „Es ist eines der häufigsten Symptome in der gefäßchirurgischen Sprechstunde – und zugleich ein Leitsymptom für sehr unterschiedliche Erkrankungen, von harmlos bis akut lebensgefährlich (4)“, betonte Fiedler.
Ein Beinödem könne ein- oder beidseitig auftreten kann. Ärztlich werde unterschieden zwischen eindrückbaren Ödemen (z.B. bei Venen- oder Herzerkrankungen) und nicht eindrückbaren Ödemen (z.B. bei fortgeschrittenen Lymphödemen) sowie Umfangsvermehrungen ohne Ödembildung (z.B. Lipödem). Entscheidend sei, dass das Ödem selbst nicht als Krankheit, sondern als Signal verstanden werde, das auf eine zugrunde liegende Ursache verweisen würde (Tab. 1).
Geschwollenes Bein: Differenzialdiagnostik beim Beinödem
Da ein geschwollenes Bein kein eindeutiges Krankheitsbild darstellt, ist eine strukturierte Abklärung erforderlich (4), um die zugrundeliegende Ursache festzustellen. Diese umfasse, so Fiedler:
Anamnese: Wann treten die Schwellungen auf? Ein- oder beidseitig? Gibt es Risikofaktoren wie Operationen, Reisen, Gerinnungsstörungen?
Körperliche Untersuchung: Hautveränderungen, Eindrückbarkeit des Ödems, Temperatur, Schmerzpunkte
Bildgebung: Ultraschall (Duplexsonographie) der Venen und gegebenenfalls Arterien zur Abklärung von Thrombosen oder Abflussstörungen (1)
Erweiterte Diagnostik: bei Bedarf CT- oder MRT-Bildgebung, MRT/CTA-Phlebographie, Laboruntersuchungen, Echokardiographie, MRT-Lymphangiographie.
medikamentös: Thromboseprophylaxe- oder therapie, entwässernde Medikamente (bei systemischen Erkrankungen)
operativ: Entfernung oder Ausschaltung kranker Venen, Rekonstruktionen bei Abflussbehinderungen, operative Ansätze beim Lipödem und Lymphödem
Auch Patienten könnten aktiv beitragen, sagte Fiedler: „Regelmäßige Bewegung, das Hochlagern der Beine, konsequentes Tragen von Kompressionsstrümpfen und das Vermeiden langen Sitzens oder Stehens sind einfache, aber wirksame Maßnahmen. Eine ausgewogene Ernährung und genügend Flüssigkeit unterstützen zusätzlich.“
Fazit
Das dicke Bein, so Fiedler, sei ein vieldeutiges Symptom, das nicht unterschätzt werden dürfe. „Es ist Aufgabe der Gefäßmedizin, die Ursache sorgfältig zu klären und eine zielgerichtete Therapie einzuleiten. Wer Schwellungen der Beine bemerkt, sollte frühzeitig ärztliche Hilfe suchen, um mögliche Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität zu erhalten.“
Faerber G et al. S2k‐Leitlinie Lipödem. J Deutsche Derma Gesell 2024;22(9):1303–1316.
Fiedler HW. Das „dicke Bein“ in der gefäßchirurgischen Sprechstunde. In: Gefässchirurgie 2025;30(3):183–194.
Rabe E et al. Bonner Venenstudie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie: Epidemiologische Untersuchung zur Frage der Häufigkeit und Ausprägung von chronischen Venenerkrankungen. Phlebologie 2003;32(1):1–14.
Deutsche Herzstiftung e.V. (Hrsg.). Deutscher Herzbericht – Update 2024. epaper.herzstiftung.de
Wir erheben und verarbeiten Ihre Daten auf dieser Website, um besser zu verstehen, wie sie verwendet wird. Wir holen hierfür immer Ihre Einwilligung ein. Sie können Ihre Datenschutzeinstellungen hier ändern.
Sie haben noch kein Benutzerkonto?
Jetzt kostenlos registrieren und von Ihrem Mitgliedsstatus profitieren: