Spieglein, Spieglein – Die Schönsten verdienen mehr
Eine Studie der Bergischen Universität Wuppertal zeigt: Menschen, die als attraktiv wahrgenommen verdienen im Schnitt mehr – und das unabhängig von Geschlecht oder Berufsfeld. Der Vorteil gilt selbst bei Berufen, die für das jeweilige Geschlecht untypisch sind.
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Wer gut aussieht, hat es leichter – auch im Berufsleben. In Deutschland erhalten als körperlich attraktiv wahrgenommene Menschen durchschnittlich 2 bis 3 % höhere Stundenlöhne als ihre weniger attraktiven Kolleginnen und Kollegen.
Auch die weit verbreitete Annahme, dass Attraktivität in geschlechtsuntypischen Berufen zum Nachteil werden könnte, widerlegt die Datenlage: „Attraktive Frauen in männerdominierten Berufen oder attraktive Männer in frauendominierten Berufen verdienen nicht weniger – im Gegenteil: Die positive Wirkung von Attraktivität bleibt stabil.“, erklärt Studienautor und Soziologe Prof. Dr. Reinhard Schunck von der Universität Wuppertal.
Widerlegt: Bisher wurde vermutet, dass sich bei geschlechtsuntypischen Berufen durch Attraktivität Nachteile ergeben könnten. Es wurde angenommen, dass attraktive Personen als geschlechtstypisch wahrgenommen und ihnen entsprechende Merkmale zugeschrieben werden, die möglicherweise nicht zu gelernten Rollenmustern in der Arbeitswelt passen – folglich würde ihnen die Ausübung der für sie untypischen Tätigkeit nicht zugetraut.
Große Datenbasis, innovative Methode
Für ihre Analyse griffen Schunck und sein Team auf Daten des German Family Panel (pairfam) zurück – eine repräsentative Langzeitstudie, die das Leben von über 12.000 Menschen in Deutschland über viele Jahre hinweg begleitet. In den Daten enthalten sind Angaben über das Einkommen und den ausgeübten Beruf sowie umfangreiche soziodemografische Informationen wie Alter, Geschlecht und Bildungstand. Außerdem bewerten die Interviewerinnen und Interviewer das Aussehen der Teilnehmenden auf einer Skala von „sehr attraktiv“ bis „weniger attraktiv“. Diese Informationen wurden mit offiziellen Statistiken der Bundesagentur für Arbeit verknüpft, um den Grad der Geschlechterdominanz in verschiedenen Berufen zu erfassen.
Besonders aufwendig war die methodische Absicherung: In einer sogenannten Multiverse-Analyse berechnete das Forschungsteam über 6.900 unterschiedliche Modelle, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse nicht von der jeweiligen Analysemethode abhängen. Das Resultat: Die Ergebnisse zum Zusammenhang zwischen Attraktivität und Lohn sind äußerst robust.
„Damit wollten wir zeigen, wie stabil der sogenannte Schönheits-Effekt tatsächlich ist“, erklärt Dr. Johanna Gereke von der Universität Mannheim und dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden. „Attraktive Menschen verdienen etwas mehr, egal in welchem Beruf sie tätig sind“
Attraktivität macht ungleich
Die Studie liefert weitere Evidenz dafür, dass körperliche Attraktivität auf dem deutschen Arbeitsmarkt eine messbare ökonomische Dimension ist. Damit erweitert sie die Literatur über soziale Unterschiede, die auf dem Aussehen basieren. „Schönheit mag oberflächlich erscheinen, doch sie kann reale Konsequenzen haben“, so Reinhard Schunck. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass gesellschaftliche Vorstellungen von Attraktivität dauerhafte Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt erzeugen können – selbst in einem stark regulierten Arbeitsmarkt wie dem deutschen, der weniger Ermessensspielraum für Arbeitgebende bei der Lohnfestlegung im Vergleich zu anderen Ländern bereithält.“ So erweitern die Forschenden auch frühere Forschungsarbeiten, die überwiegend in Ländern mit vergleichsweise weniger regulierten Arbeitsmärkten durchgeführt wurden.
Die Ergebnisse stellen die bisherigen Annahmen über die Rolle der körperlichen Attraktivität in geschlechtsuntypischen Berufen in Frage. „Sie unterstreichen die Notwendigkeit, das Zusammenspiel von körperlichem Erscheinungsbild, Geschlechtsnormen und Arbeitsmarktergebnissen weiter zu erforschen“, betont Emily Hellriegel.
Quelle: Bergische Universität Wuppertal
Originalpublikation: Reinhard Schunck, Johanna Gereke, Emily Hellriegel: Gendered beauty inequalities? A multiverse analysis of physical attractiveness, occupational gender-typicality and earnings in the German labour market. https://academic.oup.com/esr/advance-article/doi/10.1093/esr/jcaf008/8124738