Impfdefizite bei rheumatologischen Patienten aufholen
Anlässlich eines GSK-Symposiums auf dem Deutschen Rheumatologie-Kongress 2025 in Wiesbaden referierte Prof. Klaus Krüger, München, über die Impfstrategie bei rheumatologischen Patienten. Ebenso verwies er auf die in Deutschland bestehenden Impfdefizite in dieser Patientengruppe, bei der ein signifikant erhöhtes Risiko für Infektionen besteht.
So wiesen laut Krüger im Jahr 2019 nur 37 % von 229.913 befragten Rheumapatienten eine Impfung gegen Influenza und nur 6 % gegen Pneumokokken auf.1 Eine andere Untersuchung zeigte, dass nur 18,8 % der Patienten (50–59 Jahre) mit Rheumatoider Arthritis (RA) und 4,1 % mit rheumatologisch-inflammatorischen Erkrankungen gegen Herpes Zoster (HZ) geimpft waren.2 Dabei besäßen besonders Personen mit Systemischem Lupus erythematodes (SLE) (Hazard Ratio, HR = 3,18), RA (HR = 2,13) und Psoriasisarthritis (PsA)(HR = 1,62) ein signifikant erhöhtes Risiko, an HZ zu erkranken.3 Dieses Risiko könne sich bei immunsuppressiver Therapie noch erhöhen.
Impfung mit inaktivierten Impfstoffen
Laut Krüger können jedoch auch bei immunsupprimierten Patienten sämtliche Impfungen mit inaktivierten Impfstoffen durchgeführt werden. Impfungen mit Lebendimpfstoffen seien kontraindiziert bzw. es sei ein bestimmter zeitlicher Abstand zur immunmodulierenden Therapie einzuhalten. „Der Impfstatus sollte möglichst vor Beginn der Immuntherapie aktualisiert werden“, riet er. Eine HZ-Impfung sollte möglichst vor einer Therapie mit Januskinase-Inhibitoren erfolgen.4
Herpes Zoster-Impfung
Der Totimpfstoff gegen HZ (Shingrix®) ist langanhaltend wirksam und zeigt ein gutes Sicherheitsprofil.5 Er ist für Menschen mit erhöhtem HZ-Erkrankungsrisiko ab 18 Jahren zugelassen.6 Daher ist die Impfung von Patienten unter 50 Jahren von der Zulassung abgedeckt; sie kann z. B. bei Patienten mit SLE, der häufig bereits bei jungen Erwachsenen zwischen 20 und 40 Jahren auftritt, sinnvoll sein.7 In diesen Fällen sollte die Kostenübernahme individuell mit der Krankenkasse abgesprochen werden. Eine HZ-Impfung bei erwachsenen RA-Patienten ab 50 Jahren war in Untersuchungen nicht mit einer Zunahme von Krankheitsschüben assoziiert.8
Impfung gegen RSV
Krüger wies ebenso darauf hin, dass eine Impfung gegen das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) bei allen Personen mit schweren Grunderkrankungen ab 60 Jahren indiziert sei. Bisher gäbe es laut STIKO keine Hinweise für eine unterschiedliche Wirkung der drei vorhanden Impfstoffe (u. a. Arexvy®). Die notwendigen Impfungen könnten in der hausärztlichen oder in der rheumatologischen Praxis durchgeführt werden. kb
1 Kiltz U et al. EULAR 2025 – POS0097.
2 IQVIA-Datenset (Q12019–Q42023) aus IQVIATM Disease Analyzer und German Statutory Health Claims Data.
5 Strezova A, et al. ECCMID 2024; Barcelona, Spain.
6 Fachinformation Shingrix Stand 06/2025.
7 RKI. Rheumatische Erkrankungen – Herausforderungen und Ansätze zur Prävention. Berlin: RKI; 2010.
8 Rayens E et al. ACR 2024; Abstract 1820549.
Quelle: Symposium „Aktuell für Ihre Praxis: Impfen bei Immunsuppression & Ihr Nutzen bei der Umsetzung der S3-LL 2025 für SLE“, 18.09.2025 anlässlich des Deutschen Rheumatologiekongresses 2025 in Wiesbaden. Veranstalter: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG
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