Bauchspeicheldrüsenkrebs: Tumorwachstum durch „Pseudosynapsen“
Ein Team der Technischen Universität München (TUM) fand heraus, dass das Tumorwachstum bei Bauchspeicheldrüsenkrebs das Nervensystem des Körpers ausnutzt, indem sogenannte Pseudosynapsen gebildet werden.
© Ekin Demir / TUM
Es ist bereits bekannt, dass nicht nur Nervenzellen aus dem gesunden Teil des Körpers in Tumore hineinwachsen können, sondern der Krebs kann auch eigene Synapsen bilden kann, die sich die Funktionsweise des Nervensystems zunutze machen. Prof. Ekin Demir, TUM Klinikum, und sein Team haben diese Entdeckung nun aufgegriffen und wollten herausfinden, ob auch Tumore außerhalb des Gehirns solche Strukturen bilden.
Das Tumorwachstum bei Bauchspeicheldrüsenkrebs geschieht besonders häufig gemeinsam mit der Einwanderung von Nervenzellen in den Tumor, wodurch die Wahrscheinlichkeit für die Existenz von Synapsen hoch ist.
Tatsächlich fanden die Forschenden in einigen Proben von Pankreastumoren Anhäufungen des NMDA-Rezeptors, an den der Neurotransmitter Glutamat bindet – und schließlich auch Synapsen. Da es kleinere physiologische Unterschiede zu Synapsen von gesunden Zellen gibt, spricht das Team hierbei von „Pseudosynapsen“.
Bauchspeicheldrüsenkrebs-Wachstum durch „Pseudosynapsen“?
Als Drüse wird die Funktion des Pankreas über das Nervensystem reguliert. Die gesunden Zellen empfangen über eigene Synapsen je nach den Anforderungen des Körpers den Neurotransmitter Glutamat. In diesen natürlichen Prozess schalten sich die Pseudosynapsen ein.
Demir erläutert: „Wenn das Glutamat an die NMDA-Rezeptoren bindet, öffnet sich ein Kanal und Kalzium strömt von außen in die Krebszelle ein. Das wiederum setzt andere molekulare Prozesse in Gang, die dafür sorgen, dass der Tumor wächst und Metastasen bildet.“ Auffallend sei dabei, dass die Zellen charakteristische langsame und langanhaltende Kalziumwellen erzeugen, die das Wachstum des Tumors nachhaltig förderten.
Zukünftig eine Möglichkeit, Pankreaskrebs zu therapieren?
In Versuchen mit Mäusen ist es den Forschenden zudem gelungen, die NMDA-Rezeptoren der Tumorzellen mit einem Medikament zu blockieren. Das führte dazu, dass der Bauchspeicheldrüsenkrebs langsamer wuchs, weniger Metastasen bildete und die Tiere länger überlebten.
Die Forschenden sind daher auf der Suche nach bereits zugelassenen Medikamenten, die neben ihrer eigentlichen Funktion auch diese spezifischen NMDA-Rezeptoren der Pankreaskrebszellen blockieren können.
Ren et al., “Sensory neurons drive pancreatic cancer progression through glutamatergic neuron-cancer pseudo-synapses”, Cancer Cell (2025). DOI: https://doi.org/10.1016/j.ccell.2025.09.003
Quelle: Technische Universität München