Kunst schärft die diagnostische Genauigkeit
Die Medizinische Fakultät Augsburg nutzt künftig „Visual Thinking Strategies“, um mit Kunstbetrachtung die klinische Wahrnehmung, Diagnosefähigkeit und Kommunikation von Medizinstudierenden zu stärken – ein innovativer Ansatz für mehr Präzision und Empathie in der Medizin.
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Die Medizinische Fakultät der Universität Augsburg setzt künftig verstärkt auf die „Kunst des Hinsehens“. Mit den „Visual Thinking Strategies“ (VTS) kommt eine international bewährte Lehrmethode zum Einsatz, die die professionelle Wahrnehmung, das kritische Denken und die Kommunikationsfähigkeit von Medizinstudierenden stärken soll – indem sie gemeinsam Kunst betrachten und reflektieren.
VTS in der medizinischen Ausbildung
Im Mittelpunkt von VTS stehen grundlegende Fragen: Wie genau beobachten wir? Welche Schlüsse ziehen wir aus dem, was wir sehen? Und wie tauschen wir diese Beobachtungen im Team aus? Beim gemeinsamen, strukturierten Betrachten von Kunstwerken werden kognitive, soziale und kommunikative Fähigkeiten gezielt gefördert.
„VTS bietet eine eindrucksvolle Möglichkeit, klinische Beobachtungsfähigkeit, Empathie und Teamkommunikation zu fördern – Fähigkeiten, die für die ärztliche Praxis wesentlich sind“, sagt Projektleiter und Studiendekan Prof. Thomas Rotthoff. Die Methode hat einen psychologischen und museumspädagogischen Hintergrund.
Die Kunst des Hinsehens lehrt Genauigkeit und Empathie
Internationale Forschungsergebnisse zeigen, dass VTS die diagnostische Präzision, die Ausdrucksfähigkeit und das Einfühlungsvermögen angehender Medizinerinnen und Mediziner nachhaltig stärkt. „Durch den bewussten Umgang mit Mehrdeutigkeit und der Vielfalt von Wahrnehmungen lernen angehende Ärztinnen und Ärzte, Unsicherheit auszuhalten und ihre Beobachtungen klar und respektvoll zu kommunizieren“, erklärt Rotthoff.
Mit der Einführung von VTS unterstreicht die Medizinische Fakultät Augsburg das Zusammenspiel von wissenschaftlicher Qualität, Reflexionsfähigkeit und menschlicher Kompetenz in der medizinischen Ausbildung.
Von Harvard nach Augsburg: Kunst im medizinischen Seminarraum
Zwischen September 2024 und Februar 2025 absolvierte Rotthoff selbst einen VTS-Kurs an der Harvard Medical School. „Die Methode ist in den USA bereits fester Bestandteil vieler medizinischer Curricula und in der ärztlichen Weiterbildung“, erklärt er.
Im Seminarraum analysieren die Studierenden gemeinsam projizierte Kunstwerke und diskutieren sie anhand dreier Leitfragen:
- „Was ist auf diesem Bild zu beobachten?“
- „Was veranlasst Dich zu dieser Aussage?“
- „Was können wir sonst noch entdecken?“
Durch diesen moderierten Austausch werden differenziertes Beobachten, evidenzbasiertes Argumentieren, aktives Zuhören und die Wertschätzung unterschiedlicher Sichtweisen systematisch eingeübt.
Quelle: Universität Augsburg