Proktologische Basisdiagnostik: Keine Diagnose durch die Hose
Auch in der hausärztlichen Praxis gehören anorektale Beschwerden zum Alltag. Nach der Devise „nicht glauben, sondern sehen“, können durch strukturierte Anamnese und proktologische Basisdiagnostik häufige Ursachen wie Analfissur oder Hämorrhoidalleiden meist unkompliziert diagnostiziert werden.
Bei akuten anorektalen Beschwerden kann die hausärztliche Praxis für eine rasche Einschätzung die erste Anlaufstelle sein. Zudem fällt es manchen Patientinnen und Patienten mitunter leichter, die Symptome einer vertrauten ärztlichen Person zu schildern. Allerdings kann im Anschluss ein Besuch in der proktologischen Praxis erforderlich sein.
Ziel des Erstgesprächs ist es, ein umfassendes Bild von den Betroffenen und den Beschwerden zu bekommen und somit mögliche Ursachen einzugrenzen. Hilfreich sind dabei zielgerichtete Fragen zu den „üblichen Verdächtigen“ Schmerz, Blutung, Prolaps und Juckreiz, deren Antworten häufig schon im Vorfeld der Untersuchung zu einer (Verdachts-) Diagnose führen können.
Mögliche Fragen zum Blutungsverhalten sind z. B.: „welche Farbe?“ oder „nur während der Defäkation?“ Mit Blick auf den Schmerz liefern Fragen wie z. B. „wie lange dauert er an?“ oder „gibt es bestimmte Auslöser?“ wertvolle Hinweise. Zudem kann das Gespräch ganz nebenbei auch vertrauensbildend wirken und auf die anschließende, oftmals schambesetzte Untersuchung vorbereiten.1
Hört sich nach „Hämorrhoiden“ an, sind aber keine!
Gezielte Fragen ebnen den Weg zur Diagnose, doch Vorsicht: Was sich beim ersten Patientenbericht z. B. eindeutig nach einem Hämorrhoidalleiden anhört, kann sich als Analfistel oder gar als Rektumkarzinom entpuppen. Daher sollte für die diagnostische Herangehensweise die Devise gelten: Nicht glauben, sondern sehen.
Auf der sicheren Seite sind Sie mit einer auf 4 Säulen fußenden Basis-Diagnostik:2,3
Anamnese,
Inspektion,
Palpation und
Proktoskopie.
Die Anamnese – verbunden mit einer Inspektion der Analgegend – und die rektal-digitale Untersuchung sind einfach durchzuführen.4 Tatsächlich lassen sich auf diesem Wege viele proktologische Erkrankungen in der Hausarztpraxis diagnostizieren. Wichtig: Es sollte keine Scheu vor Inspektion und digitaler Untersuchung bestehen.5
So heißt es auch in der Leitlinien-Konsensempfehlung:6 „Zur Erkennung des Hämorrhoidalleidens ist die proktologische Basisdiagnostik ausreichend.“
Proktologische Basisdiagnostik: Wissen to go (nach Leitlinie „Hämorrhoidalleiden“)6
Anamnese
Art, Ausmaß und Dauer der Beschwerden (z. B. Blutung, Prolaps, Hygiene, Ernährung, Flüssigkeitszufuhr)
Eventuelle familiäre Karzinom-Fälle (v. a. kolorektales CA).
Grundlegende Untersuchungen
Aufklärung der Patient:innen (Ablauf, Schritte, Positionen)
Durchführung der Untersuchung (unter guten Lichtverhältnissen) in Steinschnitt (SSL)-, Linksseiten (SIMS)- oder Knie-Ellenbogen-Lage6
Untersuchungsschritte der Basisdiagnostik
Inspektion
Digital-rektale Austastung
Proktoskopie
Reproduzierbare Lokalisation der Befunde7 nach Uhrzifferblatt
12:00 Uhr = perineal
6:00 Uhr = Richtung Steißbeinspitze (in SSL)
Betrachtung des gesamten Beckenbodens (in Ruhe)
Sanftes Spreizen der Nates
Genaues Inspizieren der Perianalregion sowie der Rima ani (Gesäßzwischenfalte)7
Fragestellungen zur Diagnostik
Hautbeschaffenheit: Sind Rötungen, Rhagaden, Ekzeme erkennbar?
Sind (z. B. perianale) Schwellungen zu sehen?
Ist ein Prolaps des Analkanals, des Hämorrhoidalgewebes oder des Rektums erkennbar?
Klafft der Analkanal (u. a. Hinweis auf eine Sphinkterinkontinenz)?
Sind Marisken, Kondylome oder Analrandkarzinome sichtbar?
Wie verhält sich der Beckenboden (z. B. hoher Tonus)?
Ist eine anatomische Asymmetrie erkennbar (Verziehungen durch Narben infolge von Voroperationen, Episiotomie)?
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Wann zur proktologischen Spezialpraxis?
Eine Übergabe des Patienten oder der Patientin an spezialisierte bzw. proktologische Praxen kann erfolgen:
bei ausbleibender Besserung auf die hausärztlich eingeleitete Basistherapie,
bei Verdacht auf abwendbar gefährliche Verläufe und
bei Indikation zur endoskopischen Diagnostik und Therapie.
Auch bei Verdacht auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) ist die Einbindung eines Spezialisten (Gastroenterologe) sinnvoll. Als nächster Schritt kann dann die Proktoskopie und/oder Rektoskopie Aufschluss geben. Auch Hämorrhoiden im Stadium I, die nicht palpabel sind, können so entdeckt werden.2
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