Immunschwäche und Herzerkrankungen: Vitamine und Mineralstoffe im Fokus
Das Immunsystem spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen. Essenzielle Biofaktoren wie Vitamine und Mineralstoffe können es unterstützen, oxidativen Stress reduzieren und Entzündungen hemmen – Prozesse, die für den Herzschutz oft entscheidend sind.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen nicht nur durch Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte oder ungesunde Lebensweise. Studien zeigen, dass auch chronische Entzündungen und immunologische Prozesse, ob akut oder als sogenannte Silent Inflammation, beteiligt sind – etwa bei Arteriosklerose, Myokarditis oder bestimmten Kardiomyopathien.1,2 Ein zentraler Mechanismus ist oxidativer Stress: ein Ungleichgewicht zwischen reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) und antioxidativen Abwehrmechanismen. Überschüssige ROS schädigen Zellstrukturen, beeinträchtigen die Endothelfunktion und aktivieren das Immunsystem. Entzündung und oxidativer Stress verstärken sich gegenseitig, unter anderem durch Zytokine wie Il-6 und TNF-a, die ROS-bildende Enzyme anregen.3,4
Zink wirkt gegen oxidativen Stress5-7
Vor diesem Hintergrund rücken Biofaktoren wie Zink und Vitamin D zunehmend in den Fokus. Zink als Kofaktor der Kupfer-Zink-Superoxid-Dismutase ist wichtig für den Abbau von Superoxid-Anionen zu weniger schädlichem Wasserstoffperoxid. Dadurch werden Zellstrukturen, Lipide und DNA vor oxidativen Schäden geschützt und entzündliche Prozesse gehemmt. Bereits orale Tagesdosen von etwa 25 mg können den Zinkstatus bei Risikopatienten stabilisieren und das antioxidative Schutzsystem stärken.
Mehr über essenzielle Biofaktoren in der Praxis erfahren
Weitere Informationen zu den hier genannten Biofaktoren, einschließlich Labordiagnostik bei Verdacht auf einen Mangel, finden Sie auf der Webseite der Gesellschaft für Biofaktoren e. V.:
www.gf-biofaktoren.de
Zink reguliert das Immunsystem8-11
Der Biofaktor schützt nicht nur als Bestandteil antioxidativer Enzyme die Zellen, sondern ist auch für eine funktionierende Immunabwehr essenziell – besonders bei chronischen Entzündungen, wie sie bei Herzerkrankungen häufig auftreten. Sowohl angeborene als auch erworbene Immunmechanismen sind auf eine ausreichende Zinkversorgung angewiesen. Ein Mangel kann die Differenzierung von T-Zellen stören, das Gleichgewicht zwischen Typ-1- und Typ-2-T-Helferzellen verschieben und damit die humorale wie zelluläre Abwehr schwächen. Auch Makrophagen, neutrophile Granulozyten, Monozyten, B-Lymphozyten und natürliche Killerzellen benötigen Zink, ebenso das Komplementsystem. Bei Zinkmangel steigt die Produktion proinflammatorischer Zytokine, während weniger naive B-Lymphozyten mit der Folge einer reduzierten Antikörperantwort gebildet werden – ein Zustand, der häufig unterschätzt wird.
Immunabwehr und Herzschutz: Was bewirkt Vitamin D?12-16
Vitamin D reguliert das Immunsystem und kontrolliert chronische Entzündungen und ist damit ebenfalls ein wichtiger Schutzfaktor für das Herz-Kreislauf-System. Nahezu alle Immun- und viele Körperzellen, darunter Darm, Bauchspeicheldrüse, Prostata, Lunge und Herz, tragen Vitamin-D-Rezeptoren (VDR). Durch deren Aktivierung werden Gene gesteuert, die für Immunfunktionen entscheidend sind. Vitamin D unterstützt die Reifung und Differenzierung von T-Zellen und Makrophagen, bremst überschießende Immunreaktionen und greift regulierend in Signalwege der Entzündungsregulation wie NF-κB ein. Es senkt die Produktion proinflammatorischer Botenstoffe und fördert antiinflammatorische Signale.
Vitamin-D-Mangel ausgleichen17,18
Laut Studiendaten empfiehlt sich eine orale Supplementierung bis 4.000 IE Vitamin D pro Tag. Bei Adipositas, chronischen Resorptionsstörungen und um einen Vitamin-D-Mangel rasch auszugleichen, können in den ersten vier bis zwölf Behandlungswochen auch Tagesdosen bis zu 6.000 IE eingesetzt werden.
Fazit für die Praxis
Chronische Entzündungen und oxidativer Stress fördern Herz-Kreislauf-Erkrankungen, indem sie Zellen schädigen. Zink trägt zum antioxidativen Schutz bei und stabilisiert Zellmembranen. Vitamin D reguliert das Immunsystem und verhindert übermäßige Entzündungen. Gemeinsam können diese Biofaktoren die Prävention und Therapie unterstützen und das Risiko für Folgeschäden senken.
Internationales GfB-Online-Symposium 2025
Am 25. Oktober 2025 veranstaltete die Gesellschaft für Biofaktoren e. V. ihr internationales Online-
Symposium zum Thema
Das metabolische Syndrom – Biofaktoren im Fokus
Wissenschaftliche Erkenntnisse und fundierte Praxistipps
In Kürze steht Ihnen die Aufzeichnung des Symposiums zur Verfügung.
Diese finden Sie hier: www.gf-biofaktoren.de/symposium-2025/
- Boyalla V et al.: Immunity and inflammation in cardiovascular disorders. BMC Cardiovasc Disord 2023 Mar 23; 23: 148
- Dal Lin C et al.: The crosstalk between the cardiovascular and the immune system. Vasc Biol 2019 Aug 15; 1(1): H83-H88
- Minciullo PL et al.: Inflammaging and Anti-Inflammaging: The Role of Cytokines in Extreme Longevity. Arch Immunol Ther Exp (Warsz) 2016 Apr; 64(2): 111-126
- Fulop T et al.: The integration of inflammaging in age-related diseases. Semin Immunol 2018 Dec; 40: 17-35
- Classen HG et al.: Zink. Das unterschätzte Element. MMP 2020; 43(4): 149-157
- Fukada T et al.: Zinc homeostasis and signaling in health and diseases: Zinc signaling. J Biol Inorg Chem 2011; 16: 1123-1134
- Zago MP et al.: The antioxidant properties of zinc: interactions with iron and antioxidants. Free Radic Biol Med 2001 Jul 15; 31(2): 266-274
- Prasad A et al.: Zinc supplementation decreases incidence of infections in the elderly: effect of zinc on generation of cytokines and oxidative stress. Am J Clin Nutr 2007 Mar; 85(3): 837-844
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- Haase H et al.: Multiple impacts of zinc on immune function. Metallomics 2014 Jul; 6(7): 1175-1180
- Wessels I et al.: Zinc as a gatekeeper of immune function. Nutrients 2017 Nov 25; 9(12): 1286
- Barnett JB et al.: Effect of zinc supplementation on serum zinc concentration and T-cell proliferation in nursing home elderly: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Am J Clin Nutr 2016 Mar; 103(3): 942-951
- Fenercioglu AK: The Anti-Inflammatory Roles of Vitamin D for Improving Human Health. Curr Issues Mol Biol 2024; 46(12): 13514-13525
- Liu W et al.: The Anti-Inflammatory Effects of Vitamin D in Tumorigenesis. Int J Mol Sci 2018 Sep 13; 19(9): 2736
- Desai SR et al.: Vitamin D Deficiency, Inflammation, and Diminished Endogenous Regenerative Capacity in Coronary Heart Disease JACC; 2024 Feb; 3: 2
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Dr. Daniela Birkelbach
Gesellschaft für Biofaktoren e. V.
daniela.birkelbach@gf-biofaktoren.de
www.gf-biofaktoren.de