Neue S3-Leitlinie Delir im höheren Lebensalter veröffentlicht
Die neue S3-Leitlinie Delir im höheren Lebensalter umfasst 69 evidenz- und konsensbasierte Empfehlungen für alle Versorgungssettings. Sie definiert damit sektorenübergreifende Standards für die Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge eines Delirs von hochbetagten Patientinnen und Patienten.
12.01.2026
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S3-Leitlinie Delir im höheren Lebensalter
Auf einen Blick
Die neue Leitlinie enthält 69 evidenz- und konsensbasierte Empfehlungen für alle Versorgungssettings: ambulante Versorgung, Notaufnahme, Krankenhaus, Pflegeeinrichtung und Rehabilitation
Sie behandelt alle Fragen der Versorgungspraxis von der Früherkennung, Prävention, leitliniengerechten Therapie bis zur Nachsorge.
Klarer Fokus sind nicht-medikamentöse Maßnahmenbündel, sogenannte Multikomponenten-Interventionen, z.B. strukturierte Kommunikation, Orientierungshilfen, Mobilisationsförderung und Schlafunterstützung.
Von der ambulanten Versorgung über die Notaufnahme und das Krankenhaus bis hin zu Pflegeeinrichtungen und der Rehabilitation adressiert die S3-Leitlinie alle zentralen Fragestellungen der Versorgungspraxis. Dies gilt für Früherkennung und Prävention über die leitliniengerechte Therapie bis zur Nachsorge.
„Die Leitlinie ist das Ergebnis eines außergewöhnlich breiten interprofessionellen Konsenses aus Medizin, Pflege, Therapie und weiteren Gesundheitsberufen“, so die wissenschaftliche Leiterin, PD Dr. Christine Thomas, Ärztliche Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie für Ältere am Klinikum Stuttgart. So gilt die Publikation als eines der bisher größten interprofessionellen Leitlinienprojekte im deutschsprachigen Raum. „Ziel war es, klare und umsetzbare Empfehlungen für alle Berufsgruppen zu formulieren.“
Fokus auf nicht-medikamentöser Prävention und Therapie
Ein zentrales Merkmal der Leitlinie ist der klare Fokus auf nicht-medikamentöse Maßnahmenbündel, sogenannte Multikomponenten-Interventionen. Dazu zählen zum Beispiel strukturierte Kommunikation, Orientierungshilfen, Mobilisationsförderung und Schlafunterstützung. „Ihre Wirksamkeit wurde durch eine eigens durchgeführte Meta-Analyse belegt – sowohl in der Prävention als auch in der Behandlung des Delirs“, betont Thomas. Maßnahmen dieser Art seien fester Bestandteil der leitlinien-basierten Versorgung. Sie ermöglichen insbesondere auch professionell Pflegenden eine evidenzbasierte Handlungsgrundlage.
Delir hat hohe Bedeutung für die Versorgung älterer Menschen
„Der zentrale Referenzrahmen für alle Versorgungsbereiche, der uns so lange gefehlt hat, ist jetzt endlich geschaffen“, sagt Prof. Christine von Arnim. Die Direktorin der Klinik für Geriatrie an der Universitätsmedizin Göttingen war federführend für die DGG an der Erstellung der Leitlinie beteiligt. „Ein Delir bei unserem Patientenklientel ist häufig, schwerwiegend und wird oft nicht erkannt!“, erklärt die Geriaterin. Denn die akute Funktionsstörung des Gehirns tritt häufig bei älteren Menschen auf und gilt zugleich als die folgenreichste Komplikation im höheren Lebensalter.
Häufige Auslöser: Infektionen, operative Eingriffe, Medikamente oder akute Belastungen
Typische Symptome seien Aufmerksamkeitsstörungen, Desorientierung, Denkstörungen und Bewusstseinsveränderungen, so von Arnim. Auslöser eines Delirs sind häufig Infektionen, operative Eingriffe, Medikamente oder akute Belastungen.
Patientenleitline ermöglicht individuelle Prävention von Delir
Vor diesem Hintergrund wurde eine kompakte und stark praxisorientierte Patientenleitlinie entwickelt, die sich an Betroffene und insbesondere an deren Angehörige richtet. „Die Broschüre erklärt, was ein Delir ist und wie man es erkennt, um mehr Verständnis für die Situation zu schaffen“, sagt von Arnim. „Mit der Weitergabe dieser Informationen können alle an der Behandlung Beteiligten aufklären und optimal unterstützen“, ergänzt Thomas.
So haben die Autorinnen und Autoren auch Checklisten zur Überprüfung eines Delir-Risikos als präventive Maßnahme eingefügt und geben Tipps zur Delir-Vermeidung. Beachtenswert sind auch Lesetipps, Hinweise auf YouTube-Filme sowie auf Unterstützungsmöglichkeiten durch Stiftungen, Patientennetzwerke oder Selbsthilfegruppen.
Prädisponierende Faktoren für ein Delir
Vorbestehende Faktoren
Höheres Lebensalter
Kognitive Einschränkungen (z.B. Demenz oder neuromentale Entwicklungs- verzögerungen)
Faktoren, die mit der Erkrankung selbst zusammenhängen
Akute bzw. schwere Erkrankungen (z.B. Sepsis, Hypoglykämie, Schlaganfall, Leberversagen)
Ungeplante Krankenhausaufnahme
Traumata (z.B. Frakturen oder Kopfverletzungen)
Operative Eingriffe, insbesondere kardiovaskuläre Operationen, große abdominale Operationen, Aortenoperationen, große Gelenksoperationen, sowie Notfalloperationen
Prädisponierende und auslösende Faktoren (mod. nach S3-Leitlinie Delir im höheren Lebensalter; Wilson et al. 2020 ; Ormseth et al. 2023)
Literatur
S3-Leitlinie Delir im höheren Lebensalter - Eine transsektoral umsetzbare, interdisziplinär-interprofessionelle Leitlinie zu Delir-Prävention, -Diagnostik und –Therapie beim alten Menschen. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/109-001
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