Keuchhusten ist für Neugeborene eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung. Säuglinge erhalten ihre erste Impfung frühestens ab dem zweiten Lebensmonat und erst nach der zweiten Dosis mit etwa vier Monaten besteht ein erster eigener Schutz.
Eine Keuchhustenimpfung in der Schwangerschaft schließt diese kritische Schutzlücke: Werdende Mütter geben ihre Antikörper über die Plazenta an das ungeborene Kind weiter und schützen es so von Geburt an.
Keuchhustenimpfung wirkt direkt an der Eintrittspforte
Eine internationale Studie1 bringt nun neue Erkenntnisse zur Wirkweise dieser indirekten Immunisierung. Das Forschungsteam um Prof. Beate Kampmann, Direktorin des Instituts für Internationale Gesundheit an der Charité, konnte erstmals nachweisen: Die mütterlichen Antikörper sind nicht nur im Blut der Neugeborenen vorhanden, sondern auch in ihrer Nasenschleimhaut – genau dort, wo der Erreger Bordetella pertussis in den Körper eindringt.
„Wir wussten, dass mütterliche Antikörper über die Plazenta weitergegeben werden. Überraschend war allerdings, dass wir sie auch auf der Nasenschleimhaut der Neugeborenen – auf für die Kinder schonende Weise – nachweisen konnten. Das unterstreicht die Wirksamkeit der indirekten Impfung", erklärt Prof. Kampmann.
Im Rahmen der Untersuchung wurden 343 schwangere Frauen im westafrikanischen Gambia entweder mit einem Keuchhusten- oder einem Tetanus-Impfstoff geimpft. Bei den Säuglingen geimpfter Mütter ließen sich mütterliche Antikörper gegen Keuchhusten sowohl im Blut als auch auf der Nasenschleimhaut nachweisen.
Keuchhustenimpfung in der Schwangerschaft: Ganzzell-Impfstoffe lösen stärkere Immunantwort aus
Die Forschenden untersuchten zudem Blut und Nasensekrete von rund 160 Neugeborenen vor und nach deren routinemäßiger Keuchhustenimpfung mit unterschiedlichen Impfstoffarten. Dabei zeigte sich: Säuglinge, die im Alter von 8, 12 und 16 Wochen einen Ganzzell-Keuchhustenimpfstoff erhalten hatten, entwickelten im Durchschnitt eine stärkere Immunantwort als diejenigen, denen ein azellulärer Impfstoff verabreicht wurde.
„Azelluläre Impfstoffe verursachen in der Regel weniger Nebenwirkungen, bieten aber meist einen kürzer anhaltenden Schutz. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass auch der Keuchhusten-Ganzzellimpfstoff länger schützt", so Kampmann.
„Beide Impfstoffarten können Keuchhusten bei Neugeborenen in mehr als 90 Prozent aller Fälle verhindern."
– Prof. Kampmann, Charité
In Europa wird seit 2005 der azelluläre Impfstoff verwendet, während die meisten Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen weiterhin den Ganzzellimpfstoff einsetzen. Kampmann dazu: „Entscheidend aber bleibt die Keuchhustenimpfung von Schwangeren mit dem azellulären Impfstoff, unabhängig davon, welcher Impfstofftyp danach den Kindern gegeben wird. Beide Arten können Keuchhusten bei Neugeborenen in mehr als 90 Prozent aller Fälle verhindern."
Impfquote in Deutschland deutlich unter Zielwert
In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) seit 2020 die Keuchhustenimpfung für Schwangere zu Beginn des letzten Schwangerschaftsdrittels. Dennoch liegt die Impfquote mit etwa 50 Prozent deutlich unter dem empfohlenen Zielwert. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Keuchhustenimpfung in der Schwangerschaft Säuglinge in ihrer anfälligsten Lebensphase doppelt schützt. Angesichts steigender Fallzahlen ein starkes Argument, das Impfangebot zu nutzen", betont Prof. Kampmann.
Aktuellen Zahlen unterstreichen Dringlichkeit
2024 wurden in Deutschland die meisten Keuchhustenfälle seit Einführung der Meldepflicht 2013 verzeichnet. Mit fast 122 Fällen pro 100.000 Einwohner waren Säuglinge unter einem Jahr am stärksten betroffen. Für 2025 erwarten Expertinnen und Experten ähnlich hohe Fallzahlen.
Keuchhustenimpfung und Influenza-Impfung: Bewährter Doppelschutz für Säuglinge
Eine große Beobachtungsstudie2 aus Italien mit über 100.000 Mutter-Kind-Paaren bestätigt die Schutzwirkung der mütterlichen Impfung zudem: Die Keuchhustenimpfung sowie die Influenza-Impfung in der Schwangerschaft reduzierten Krankenhausaufenthalte und Notaufnahmebesuche bei Säuglingen deutlich.
Dabei zeigte der Impfstoff bei der Keuchhustenimpfung eine Wirksamkeit von 88,6 % und bei der Influenza-Impfung von 69,7 % (Impfstoff-Wirksamkeit bzw. Vaccine Effectiveness (VE) abhängig von der Hazard Ratio (HR): VE = (1 − HR) × 100%).
Als optimal erwies sich laut Studie die Keuchhustenimpfung in der Schwangerschaft zwischen der 27. und 36. Schwangerschaftswoche.
Quelle: Charité – Universitätsmedizin Berlin