Spinale Muskelatrophie: Neue Therapieperspektiven für Jugendliche und Erwachsene
Anlässlich eines Symposiums von Novartis auf dem DGN-Kongress 2025 beschrieben Experten, wie sich die Spinale Muskelatrophie (SMA) durch neue Therapieoptionen in ihrem Krankheitsbild verändert hat. Ebenso stellten sie Behandlungsperspektiven für Jugendliche und Erwachsene vor sowie Fortschritte in der Gentherapie, die über das Kindesalter hinausgehen.
In seinem Vortrag präsentierte Dr. Zeljko Uzelac, Ulm, wie sich das klinische Bild der SMA in den letzten Jahren seit Einführung neuer Therapien gewandelt hat. Früher habe es klare Klassifikationen, starre Prognosen und begrenzte therapeutische Optionen gegeben. So seien Patienten nach der Schwere der Erkrankung eingeteilt worden als „Non-Sitter“ (schwerste Form mit frühem Beginn), „Sitter“ (freies Sitzen, aber kein Stehen möglich) und „Walker“ (selbständiges Gehen mit Einschränkungen möglich). Heute sei bei den Patienten ein dynamisches Krankheitsspektrum mit veränderten Phänotypen und neuen Herausforderungen zu finden. Dies mache es dringend notwendig, die zahlreichen Komorbiditäten zu behandeln, wie z. B. Skoliose, Depression oder bulbäre Dysfunktion.
i. v.-Genersatztherapie Onasemnogen-Abeparvovec
Ursache der SMA ist ein Defekt im SM1-Gen, sodass kein oder zu wenig SMNProtein gebildet wird, was zum Absterben von Motoneuronen führt. Zurzeit stehen zwei verschiedene Behandlungsansätze zur Verfügung: Die Spleiß-Modifikatoren Risdiplam (Tablette/Lösung) und Nusinersen (intrathekale Gabe) führen zu mehr SMNProtein durch alternatives Spleißen des SMN2-Gens. Bei der i. v.-Genersatztherapie Onasemnogen-Abeparvovec (Zolgensma®) wird mit einem rekombinanten AAV-Vektor eine gesunde Kopie des SMN1-Gens in die betroffenen Nervenzellen eingeschleust. Dort wird sie nicht in die chromosomale DNA des Patienten integriert, sondern getrennt von ihr als Episom im Zellkern eingefügt. Dies führt zur Exprimierung des Proteins.
Laut Prof. Tim Hagenacker, Essen, gebe es für die i. v.-Gentherapie keine Sicherheitsdaten bei Personen > 13,5 kg. In der Erprobung sei jedoch eine Therapie mit intrathekal verabreichtem Onasemnogen-Abeparvovec (OAV101 IT), die derzeit in klinischen Studien untersucht werde. So habe in der Shamkontrollierten Phase-III-Studie STEER die Behandlung mit OAV101 IT eine statistisch signifikante Verbesserung um 2,39 Punkte auf der erweiterten Hammersmith Functional Motor Scale bewirkt im Vergleich zu 0,51 Punkten in der Kontrollgruppe (p = 0,0074). In der Phase-IIIb-Studie STRENGTH zeigte die Behandlung mit OAV101 IT laut dem Experten bei Patienten, die die Behandlung mit Nusinersen oder Risdiplam abgesetzt hatten, eine Stabilisierung der motorischen Funktion über einen Nachbeobachtungszeitraum von 52 Wochen. In STEER sei die Häufigkeit unerwünschter und schwerwiegender unerwünschter Ereignisse in beiden Gruppen ähnlich gewesen. STRENGTH habe das gleiche Sicherheitsprofil wie STEER gezeigt. In beiden Studien waren die Probanden ≥ 2 bis < 18 Jahre alt.
Katrin Breitenborn, Redakteurin
Quelle: Satelliten-Symposium „Spinale Muskelatrophie im Wandel: Perspektiven für Jugendliche und Erwachsene“, 14.11.2025, im Rahmen des DGN-Kongresses 2025, Berlin. Veranstalter: Novartis Pharma GmbH
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