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Gesunde Knochen, starke Muskeln

Osteoporose, Arthrose und Sarkopenie: Wie Biofaktoren die Mobilität im Alter sichern

Ältere Menschen leiden oft unter Osteoporose, Arthrose oder Muskelschwund. Im Interview beschreibt der Internist Prof. Klaus Kisters, welche Rolle die Ernährung sowie Biofaktoren wie Vitamine und Mineralstoffe im Alter bei der Gesunderhaltung von Knochen, Gelenken und Muskulatur spielen.


22.01.2026
Dr. Daniela Birkelbach
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Herr Prof. Kisters, gerade ältere Patienten leiden häufig unter Osteoporose, Arthrose oder Muskelschwund. Welche Rolle spielt die Ernährung für unsere Knochen, Gelenke und Muskeln?

Prof. Kisters: Die Ernährung ist ein zentraler Faktor für den langfristigen Erhalt der Struktur und Funktion des Bewegungsapparates. Wir wissen, dass Knochen, Gelenke und die Muskulatur auf eine kontinuierliche Versorgung mit essenziellen Nährstoffen angewiesen sind. Soweit die Theorie. Die Praxis sieht allerdings leider oft anders aus: Insbesondere ältere Menschen geraten leicht in einen Mangelzustand, der sich negativ auf den Bewegungsapparat auswirken kann. Mit zunehmendem Alter nimmt die Resorption vieler Nährstoffe ab, während der Energiebedarf sinkt. Gleichzeitig bleiben die Bedürfnisse, vor allem im Hinblick auf Proteine und bestimmte Biofaktoren wie Vitamine und Mineralstoffe gleich oder sie steigen sogar an. Das Ergebnis: Das Risiko für die Entwicklung von Osteoporose, Sarkopenie oder degenerativen Gelenkerkrankungen steigt an.

Wie hoch sollte denn die Proteinzufuhr bei älteren Patienten sein? Unterscheidet sie sich von jüngeren Erwachsenen?

Prof. Kisters: Tatsächlich benötigen ältere Patienten mehr Protein als jüngere Erwachsene. Während bei gesunden Erwachsenen unter 65 Jahren täglich etwa 0,8 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen werden, steigt der Bedarf bei älteren Menschen an. Hier liegt die Empfehlung zwischen 1 und 1,2 g, bei bereits vorhandener Gebrechlichkeit oder Muskelschwund werden sogar 1,5 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen.

Grund für den erhöhten Bedarf ist die sogenannte anabole Resistenz: Mit zunehmendem Alter spricht der Muskel weniger effizient auf Protein an. Höhere Mengen Protein, gleichmäßig über den Tag verteilt, stimulieren die Muskelproteinsynthese effektiver. Und sie helfen, Muskelschwund zu verhindern und die Muskelkraft zu erhalten – wichtige Faktoren für Mobilität und Sturzprävention im Alter. Unter den Aminosäuren ist die essenzielle Aminosäure Leucin besonders wichtig, da sie direkt den Muskelaufbau über den sogenannten mTOR-Signalweg aktiviert. Der mTOR-Signalweg ist ein zellulärer Signalweg, der das Wachstum, die Teilung, den Stoffwechsel und die Proteinproduktion von Zellen reguliert.

Und wie sollten ältere Menschen ihren erhöhten Proteinbedarf decken?

Prof. Kisters: Hier empfiehlt sich, die Proteinzufuhr möglichst gleichmäßig auf drei bis vier Mahlzeiten zu verteilen, idealerweise 25 bis 30 g hochwertiges Protein pro Mahlzeit. Als Quellen eignen sich Eier, Milchprodukte, Fleisch, Fisch oder Hülsenfrüchte. Reichlich Leucin für eine gezielte Stimulation der Muskelproteinsynthese findet sich in Lebensmitteln wie Eiern, Milchprodukten, Fleisch, Fisch und Soja, während Hülsenfrüchte zwar Protein liefern, aber etwas weniger Leucin enthalten.

Durch die Kombination verschiedener Proteinquellen können ältere Menschen ihre Muskelmasse und funktionelle Leistungsfähigkeit deutlich besser erhalten. Und noch ein Tipp: Aufgrund der genannten Zusammenhänge ist leicht nachvollziehbar, dass eine vegane Ernährung gerade für Senioren wenig optimal ist. Hier ist eine ausreichende Proteinzufuhr deutlich schwerer zu erreichen. Zwar enthalten Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs – vor allem Hülsenfrüchte und Sojaprodukte, aber auch Nüsse und Vollkorngetreide – relevante Mengen an Protein, doch ist deren biologische Wertigkeit meist etwas geringer und der Leucingehalt niedriger als bei tierischen Quellen.

Kommen wir nun zu einem anderen Aspekt. Welche Rolle spielen Biofaktoren bei Erkrankungen des Bewegungsapparats im Alter? Können Vitamine und Mineralstoffe von Nutzen sein?

Prof. Kisters: Auf jeden Fall. Biofaktoren leisten einen wesentlichen Beitrag zur Gesunderhaltung von Knochen, Muskeln und Gelenken. Sie sind an verschiedenen wichtigen Stoffwechselprozessen beteiligt – vom Aufbau der Knochenmatrix bis zur Energieversorgung der Muskulatur.

Nehmen wir als erstes Beispiel die Osteoporose: Hier denken viele zunächst an Calcium, doch allein reicht das nicht aus. Für einen gesunden Knochenstoffwechsel sind mehrere Biofaktoren entscheidend: Auch Vitamin D, Magnesium, Zink, Kupfer, Mangan und Vitamin K2 spielen eine zentrale Rolle. Das wissen wir aus der Physiologie der einzelnen Biofaktoren und so hat es die Wissenschaft der letzten Jahre gezeigt.

Vitamin D hat hier sicherlich die stärkste Evidenz: Es fördert die Calciumresorption im Darm und dessen Einbau in die Knochenmatrix. Vitamin K2 aktiviert Osteocalcin, ein Protein, das Calcium in die Knochen einlagert, und wirkt somit synergistisch. Magnesium wiederum ist entscheidend für die Stabilität der Knochenstruktur, da es den Einbau von Calcium reguliert und die Aktivität der Osteoblasten unterstützt. Und Spurenelemente wie Zink, Kupfer und Mangan sind an der Synthese von Kollagen und anderen Ma­trixproteinen der Knochenmatrix beteiligt.

Und wie sieht es bei Rheuma und Arthrose aus?

Prof. Kisters: Auch bei rheumatischen Erkrankungen spielen Biofaktoren eine wichtige Rolle, speziell durch ihre entzündungsmodulierenden Effekte. Eine Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren aus fettem Seefisch, Leinöl oder Algen ist, kann die Bildung entzündungsfördernder Eicosanoide reduzieren. Darüber hinaus sind Antioxidantien, zu denen die Vitamine E und C, Selen und Zink gehören, von Bedeutung. Antioxidantien reduzieren oxidativen Stress und können Entzündungsreaktionen beeinflussen. Aus Studien wissen wir, dass Patienten mit rheumatoider Arthritis häufig erniedrigte Antioxidantienspiegel haben. Auch auf Magnesium und Vitamin D ist zu achten. Beide Biofaktoren wirken modulierend auf das Immunsystem und können die Muskel- und Gelenkfunktion verbessern.

Bei Arthrose ist Vitamin C für die Kollagensynthese und damit für die Elastizität des Knorpels wichtig. Kupfer, Mangan und Zink unterstützen enzymatische Prozesse beim Aufbau und Schutz der Knorpelmatrix. Und Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren können Entzündungsprozesse im Gelenk mildern und die Regeneration fördern.

Muskelabbau und Kraftverlust, als Sarkopenie bezeichnet, sind bei älteren Menschen weit verbreitet. Welche Rolle spielt die Ernährung, und welche Biofaktoren sind hier besonders wichtig?

Prof. Kisters: Neben einer ausreichenden Proteinzufuhr sind für die Muskelgesundheit verschiedene Biofaktoren von Bedeutung. Vitamin D verbessert nicht nur die Calciumaufnahme – Stichwort Osteoporose – sondern auch Muskelkraft und Koordination. Studien zeigen, dass ältere Menschen mit niedrigen Vitamin-D-Spiegeln ein deutlich höheres Risiko für Stürze und Muskelschwäche haben.

Magnesium ist unverzichtbar für die Muskelkontraktion und Energieproduktion und damit für den Erhalt von Muskelmasse und Muskelkraft. Und die Vitamine B6, B12 und Folsäure sind an der Synthese von Aminosäuren und der Energiegewinnung beteiligt. Ein Mangel kann Muskelschwäche, Kraftverlust, körperliche Erschöpfung und eine reduzierte Leistungsfähigkeit fördern – und damit zur Entwicklung von Sarkopenie beitragen. Oder anders formuliert: In Kombination mit regelmäßiger körperlicher Bewegung und ausreichender Proteinzufuhr kann eine gute Versorgung mit diesen Biofaktoren die Muskelkraft erhalten und die Regeneration verbessern.

Eine letzte Frage: Welche Bedeutung werden Biofaktoren Ihrer Meinung nach bei der Prävention und Therapie von Erkrankungen des Bewegungsapparates in Zukunft haben?

Prof. Kisters: Ich sehe Biofaktoren als wichtigen Baustein für Prävention und Therapie. Mit einer älter werdenden Bevölkerung gewinnen Osteoporose, Arthrose, Sarkopenie und entzündliche Gelenkerkrankungen zunehmend an Bedeutung. Und Sie sehen an den hier genannten Beispielen, wie wichtig bestimmte Vitamine und Mineralstoffe für die Physiologie dieser Erkrankungen sind. Was sollte also das Ziel sein? Eine möglichst individualisierte Therapie, bei der Bewegung, Ernährung und eine optimale Versorgung mit Biofaktoren berücksichtigt werden. Die Labordiagnostik spielt dabei übrigens eine wichtige Rolle, um Mängel möglichst frühzeitig zu erkennen und gezielt auszugleichen. Meine Empfehlung: Eine Kombination aus ernährungsmedizinischer Beratung, Bewegungstherapie und gezielter Supplementierung sollte künftig stärker in den Fokus der Versorgung älterer Patienten rücken.

Vielen Dank für das Interview, Herr Prof. Kisters.

Autorin

Dr. Daniela Birkelbach
Gesellschaft für Biofaktorene. V.
daniela.birkelbach@gf-biofaktoren.de
www.gf-biofaktoren.de

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