Schlaganfall und Herzinfarkt: Antikörper als Ursache schwerer Gefäßerkrankungen
Warum erleiden auch junge Menschen ohne klassische Risikofaktoren einen Schlaganfall oder Herzinfarkt? Eine Forschungsgruppe untersucht, wie fehlgeleitete Antikörper Entzündungen in Blutgefäßen auslösen und so schwere Gefäßerkrankungen verursachen können.
Die Forschenden unter der Leitung der Universität Lübeck haben das Ziel, die Entstehung und den Verlauf von Atherosklerose, Schlaganfällen sowie seltenen, aber besonders schweren Gefäßerkrankungen der Lunge wie dem Lungenhochdruck besser zu verstehen.
Forschungsgruppe FOR 5930 "Autoantikörper gegen G Protein-gekoppelte Rezeptoren als Treiber vaskulärer Erkrankungen (AbsInVasc)"
Federführend koordiniert wird die neue Forschungsgruppe von der Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, und der Universität zu Lübeck. Sprecherin der Forschungsgruppe ist Prof. Dr. Gabriela Riemekasten, Direktorin der Klinik. Gemeinsam mit 14 Projektleitenden bündelt sie die Expertise aus mehreren Teilprojekten, die an der Universität zu Lübeck, der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel sowie weiteren Partnerinstitutionen angesiedelt sind. Durch die enge Zusammenarbeit über Fach- und Institutionsgrenzen hinweg sollen krankheitsübergreifende Mechanismen identifiziert und Grundlagen für neue diagnostische und therapeutische Ansätze geschaffen werden.
Autoantikörper als Ursache von Gefäßerkrankungen
Im Mittelpunkt der Forschung stehen Autoantikörper. „All diese Gefäßerkrankungen treten bei rheumatischen Erkrankungen deutlich häufiger und oft auch schwerer auf“, erklärt Prof. Gabriela Riemekasten, Lübeck. „Entzündliche Prozesse spielen dabei eine zentrale Rolle, doch die zugrunde liegenden Mechanismen sind bislang nur unzureichend verstanden.“
Die Forschenden verfolgen einen neuartigen Ansatz: Sie gehen davon aus, dass bestimmte Autoantikörper gezielt Rezeptoren auf Gefäß- und Immunzellen aktivieren. Dadurch könnten Ort, Stärke und Verlauf von Entzündungen entscheidend beeinflusst werden. Dieses Konzept könnte erklären, warum es auch bei jüngeren Menschen oder bei Patientinnen und Patienten ohne klassische kardiovaskuläre Risikofaktoren zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen kommt.
Perspektiven für neue Therapien gegen Autorantikörper bei Gefäßerkrankungen
Langfristig soll die Arbeit der Forschungsgruppe nicht nur grundlegende Krankheitsmechanismen aufklären, sondern auch neue therapeutische Ansätze ermöglichen. „Wenn wir verstehen, welche Antikörper krankmachend wirken, können diese künftig gezielt bei der Entwicklung neuer Medikamente berücksichtigt werden“, so Riemekasten. Auch der wissenschaftliche Nachwuchs profitiert von der neuen Forschungsgruppe. „Die enge Zusammenarbeit von Klinik, Grundlagenforschung und modernster Datenanalyse bietet ideale Bedingungen, um Entzündungsprozesse im Gefäßsystem ganzheitlich zu erforschen“, sagt Dr. Hanna Graßhoff. Sie ist Assistenzärztin der Klinik für Rheumatologie und klinische Immunolgie und eine der Teilprojektleiterinnen aus Lübeck.
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