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Dermatologie, Allergologie, Gastroenterologie Dermatologie Dermatologie, HAUT
Nahrungsmittelreaktionen

Zwischen Allergie und Intoleranz

Nahrungsmittelreaktionen umfassen ein breites Spektrum immunologischer und nicht-immunologischer Mechanismen. Während IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergien durch prompt einsetzende ­klinische Beschwerden gut zuordenbar und präzise diagnostizierbar sind, verlaufen nicht-IgE-vermittelte Reaktionen häufig verzögert und unspezifisch. Der Beitrag beleuchtet klinische Unter­schiede, mögliche Beschwerden und diagnostische Strategien im Spannungsfeld beider Entitäten.


05.02.2026
P. Zieglmayer
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Zitierweise: HAUT 2026; 37 (1): 24-26

Schlüsselwörter: Nahrungsmittelallergie, IgE, nicht-IgE-vermittelte Reaktionen

Key words: food allergy, IgE, non-IgE-mediated reactions

Nahrungsmittelreaktionen stellen eine häufige Ursache für dermatologische und gastroenterologische Beschwerden dar. In der klinischen Praxis ist es oft schwierig, klar zwischen IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien und nicht-IgE-vermittelten Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu unterscheiden. Diese Differenzierung ist jedoch entscheidend, da Pathophysiologie, Klinik und Diagnostik erheblich variieren und therapeutische Konsequenzen nach sich ziehen. Auch nicht-IgE-mediierte ­allergische und nicht-allergische Immun­mechanismen müssen pathophysiologisch bedacht werden. Hier zu nennen sind ­Protein-­­induzierte Enteropathien, die nicht nur bei Kindern vorkommen, oder Zöliakie, aber auch Stoffwechselstörungen sowie toxische oder unspezifische Reaktionen, die sich beispiels­weise als Reizdarmsyndrom manifestieren (Abb. 1)1.

IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergien

IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergien beruhen auf einer Sensibilisierung gegen ­spezifische Nahrungsmittelproteine mit ­Bildung allergenspezifischer IgE-Anti­körper. Nach erneuter Exposition werden Mastzellen aktiviert und vasoaktive Mediatoren frei­gesetzt. Klinische Beschwerden treten typischer­weise innerhalb von Minuten bis maximal zwei Stunden nach Nahrungs­aufnahme auf. Häufige Manifestationen sind Urtikaria, Angioödem, Rhinitis, Broncho-/Laryngospasmus, Diarrhö, Erbrechen (bei Kindern oft Erstsymptom), Anaphylaxie und das orale Allergiesyndrom (häufig bei sekundärer Nahrungsmittelallergie).

Die Diagnostik stützt sich auf eine gezielte Anamnese und die Bestimmung spezifischer IgE-Antikörper, da heute nur noch in Einzelfällen Hautpricktests zur Anwendung kommen. Eine Komponenten-basierte ­Diagnostik erlaubt eine genauere Zuordnung der aus­lösenden Einzelallergene auch im Hinblick auf die Risikoabschätzung2. Die orale Provokation gilt als Goldstandard bei unklaren Befunden3, allerdings gewinnen zelluläre Assays zunehmend an Bedeutung, da sie für die Betroffenen risikolos sind und eine hohe diagnostische Sensitivität haben4.

Nicht-IgE-vermittelte Nahrungsmittelreaktionen und -unverträglichkeiten

Nicht-IgE-vermittelte Reaktionen sind überwiegend zellvermittelt und betreffen primär den Gastrointestinaltrakt. Sie zeigen einen verzögerten Symptombeginn, oft Stunden bis Tage nach Exposition, was die Identifikation des auslösenden Nahrungsmittels erschwert (Tab. 1)1. Klinisch kommt es zu chronischer oder rezidivierender Diarrhö, abdominellen Schmerzen und Blähungen, im Kindesalter auch zu Gedeihstörungen, Obstipation oder wechselnden Stuhlbeschwerden5,6. Seltener finden sich ein chronischer Pruritus oder Ekzem-Exazerbationen. Systemische allergische Symptome fehlen meist, was eine Abgrenzung zu funktionellen Darm­erkrankungen erschwert7.

Wahrscheinlich IgE-vermittelte
Reaktion
Wahrscheinlich nicht-
IgE-vermittelte Reaktion
Keine Unverträglichkeit
eines oder mehrere der folgenden
Symptome ≤ 2 Stunden:
• Hautsymptome: Hautausschlag,
Urtikaria, Pruritus, Flush
• Angioödem
• Rhinitis oder Rhinokonjunktivitis
• Bronchospasmus (Brustenge,
Kurzatmigkeit, Giemen, Husten,
Zyanose)
• hämodynamische Instabilität
(Präsynkope,
Synkope, Arrhythmie,
Krampfanfälle, Herzstillstand)
• OAS (orales Allergiesyndrom)
isolierte Magen-Darm-
Symptome:
• Bauchschmerzen
• Übelkeit
• Erbrechen
• Durchfall
• Blähungen
• Reflux-Symptome
• kein zeitlicher Zusammenhang zwischen Symptomen und Nahrungsmittelaufnahme
(cave: Kann bei α-Gal-Reaktion bis zu 12 Stunden betragen!)
• nachträgliche Exposition gegenüber dem gleichen Lebensmittel ohne
Reaktion
• Symptome, die nicht auf eine immunvermittelte Reaktion hinweisen
(z. B. Kopfschmerzen, Obstipation, Hypertonie, verschwommenes
Sehen)
• Der zeitliche Zusammenhang zwischen Lebensmittelkonsum und
Auftreten
von Symptomen ist vage/unbekannt.
• vage Historie ohne Details (z. B. „Lebensmittelallergie in der Kindheit“!)
Tab. 1: Klinische Symptomatik (1). IgE: Immunglobulin E; α-Gal: Galaktose-α-1,3-Galaktose. Mit freundlicher Genehmigung von Springer Nature.

Protein-induzierte Enteropathien können sich bereits im ersten Lebensjahr mani­festieren und wachsen sich bei Kindern im Gegensatz zu Erwachsenen meistens aus. Auslöser sind oft Eier, Kuhmilch, aber auch Fisch oder bei Kindern Reis8. In den letzten Jahren durch ihre steigende Prävalenz zunehmend in den Fokus gerückt ist die eosinophile Ösophagitis, eine Erkrankung des atopischen Formenkreises. Sie kann in jedem Lebensalter auftreten und wird als eher nicht-IgE-mediiert erachtet. Die Di­agnose muss zur Gewährleistung der Übernahme der Therapiekosten durch die gesetz­lichen Kranken­versicherungen zwingend bioptisch mit ≥ 15 Eos per high power field (HPF) gestellt werden9.

Hauttests und spezifisches IgE sind bei nicht-IgE-mediierten Reaktionen in der Regel negativ. Es existieren keine validierten serologischen Marker. Die Diagnostik beruht daher auf strukturierter Anamnese, Symptom-­ und Ernährungstagebüchern und zeitlich begrenzten Eliminationsdiäten mit kontrollierter Re-Exposition10.

Für spezifische IgG-Bestimmungen fehlt bis heute eine aussagekräftige Evidenz; sie werden aktuell nicht empfohlen.

Fazit

Die klinische Abgrenzung zwischen IgE-­vermittelten Allergien und nicht-IgE-vermittelten Nahrungsmittelreaktionen ist essenziell, aber häufig schwierig. Während IgE-­vermittelte Reaktionen klar definierte diagnostische Pfade aufweisen, bleibt die Diagnose der nicht-IgE-vermittelten Formen eine Ausschluss­diagnose.

Für die allergologische Praxis bedeutet dies bei negativen Allergietests und persistierenden Beschwerden, auch verzögerte immunologische Mechanismen in Betracht zu ziehen. Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Gastroenterologie und Ernährungs­medizin ist entscheidend, um Fehldiagnosen und unnötige Diätrestriktionen zu vermeiden.

Dr. U. Petra Zieglmayer

1. Zieglmayer UP, Hemmer W, Wieser S et al. Food intolerances – a diagnostic challenge. Allergo J Int 2022;31:23-35.

2. Matricardi PM, van Hage M, Custovic A et al. Molecular allergy diagnosis enabling personalized medicine. J Allergy Clin Immunol 2025;156(3):485-502.

3. Santos AF, Riggioni C, du Toit G et al. An algorithm for the diagnosis and management of IgE-mediated food allergy, 2024 update. Allergy 2025;80:629-632.

4. Bergmann MM & Santos AF. Basophil activation test in the food allergy clinic: its current use and future applications. Exp Rev Clin Immunol 2024;20:11.

5. Borrelli O, Barbara G, Di NG et al. Neuroimmune interaction and anorectal motility in children with food allergy-related chronic constipation. Am J Gastroenterol. 2009;104(2):454-463.

6. Meyer R, Vandenplas Y, Lozinsky AC et al. Diagnosis and management of food allergy-induced constipation in young children – An EAACI position paper. Pediatr Allergy Immunol 2024;35:e14163.

7. Groetch M, Venter C, Meyer R. Clinical Presentation and Nutrition Management of Non-IgE- Mediated Food Allergy in Children. Clin Exp Allergy 2025;55(3):213-225.

8. Akashi M, Kaburagi S, Kajita N et al. Heterogeneity of food protein-induced enterocolitis syndrome (FPIES). Allergology International 2024;73(2):196-205.

9. Erdle SC, Carr S, Chan ES et al. Eosinophilic esophagitis. Allergy, Asthma & Clinical Immunology 2024;20(suppl.3):72.

10. Gonzalez-Delgado P, Anvari S, Entrala A et al. Medical algorithm: Diagnosis and management of adult food protein-induced enterocolitis syndrome. Allergy 2024;79(10):2881-84.

Korrespondenzadresse

Priv. Doz. Dr. U. Petra Zieglmayer
Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften
Department für AllgemeineGesundheitsberufe
Kompetenzzentrum für Allergologie und Immunologie
Dr.-Karl-Dorrek-Straße 30
3500 Krems/Austria
E-Mail: Petra.Zieglmayer@kl.ac.at