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Dermatologie, Allergologie Dermatologie Dermatologie, HAUT
Eine unheilige Allianz

Klimawandel und Typ-I-Allergien im Beruf

Die Folgen des Klimawandels, die zunehmende Häufigkeit, Dauer und Intensität von extremen Ereignissen wie exzessive Trockenheit, Hitzewellen, großflächige Waldbrände, Starkregen und den damit verbundenen Überflutungen, wirken sich auf die Bedingungen von Beschäftigten an ihren Arbeitsplätzen aus.


06.02.2026
M. Raulf
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Zitierweise: HAUT 2026; 37 (1): 16-23

Auch arbeitsplatzbedingte Allergien werden zunehmend direkt und indirekt durch die Auswirkungen des Klimawandels beeinflusst. Längere Pollenflugzeiten, höhere Allergenbelastungen und die Ausbreitung neuer Organismen mit potenziell sensibilisie­render Wirkung erhöhen besonders für Outdoor-Beschäftigte das Risiko von Atemwegs­allergien. Gleichzeitig verändern klimabedingte Anpassungen in Produktions­prozessen sowie nachhaltigkeits­orientierte Lebensstil- und Materialumstellungen die Exposition an Arbeitsplätzen gegenüber beruflichen Allergenen. Dadurch entstehen neue Sensibilisierungsquellen und potenziell neuartige Allergien. Für die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz bedeutet dies, allergierelevante Risiken frühzeitig zu erkennen und präventive Maßnahmen konsequent umzusetzen.

Schlüsselwörter: Allergie, Klimawandel, Berufskrankheiten
Key words: allergy, climate change, occupational diseases

Allergische Erkrankungen, vor allem Inhalationsallergien, haben ein epidemisches Ausmaß erreicht. In Deutschland sind circa 25 % der Bevölkerung von einer Allergie betroffen. Etwa doppelt so viele weisen eine Sensibilisierung auf, das heißt: Sie haben IgE-Antikörper gegen häufige Umweltstoffe wie Pollen, Milben, Tierhaare und Nahrungsmittel, die bei möglichem wiederholtem Kontakt im späteren Leben zu allergischen Symptomen führen können. Allergien, die man als Umwelt­krankheiten bezeichnen kann, entwickeln sich häufig auf Basis einer individuellen Suszeptibilität: eine immunologische, krankmachende Reaktion auf einen biogenen bzw. anthropogenen Umweltstoff. Umweltfaktoren und veränderte Umweltbedingungen spielen demzufolge bei der Allergieentstehung und -ausprägung eine wichtige Rolle1. Der Klimawandel beeinflusst auf vielfältige direkte und indirekte Weise das Auftreten, die Häufigkeit und die Schwere allergischer Erkrankungen.

Besonders sichtbar wird das Ausmaß der Veränderungen durch die zunehmende Häufigkeit, Intensität und Dauer extremer Wetterereignisse wie Hitzewellen, Dürren, großflächige Waldbrände, Stürme, Stark­regen und den damit verbundenen Überschwemmungen2,3. Neben Hitze und UV-Strahlung kommt es durch den Klima­wandel-bedingten Anstieg der Temperatur und des CO2-Gehalts zu einer vermehrten und prolongierten Produktion von Pollen und Schimmelpilzsporen, außerdem zum Auftreten neuer, ursprünglich nicht endemischer Pollen-, Milben- und Schimmelpilz­arten. Insgesamt wirken sich diese klimatischen Entwicklungen direkt und indirekt auf die Arbeitsbedingungen in unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen aus. Daher ist es notwendig, die sich aus dem Klimawandel ergebenden Herausforderungen bereits heute umfassend in Maßnahmen zur Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz einzubeziehen. Dies betrifft die physikalischen Faktoren der Arbeitsumgebung, z. B. Hitze und UV-Strahlung. Durch die zunehmende UV-Strahlung wird global mit einer weiteren Zunahme der Hautkrebsfälle bei bestimmten beruflichen Tätigkeiten gerechnet. Von Hitzebelastung oder extremen Wetter­ereignissen sind besonders Beschäftigte betroffen, die im Freien arbeiten und solche, deren Tätigkeit körperlich anstrengend ist. Die Land- und Forstwirtschaft und das Baugewerbe, ebenso wie die Postzustellung und auch die Fischerei, gelten als besonders gefährdete Sektoren. Neben der Hitze sind diese „Outdoor-Worker“ auch einer erhöhten Belastung durch UV-Strahlung ausgesetzt. Durch direkte und indirekte Folgen des Klimawandels können auch allergische Erkrankungen der Atemwege und der Haut, die durch Expositionen an Arbeitsplätzen auftreten, entstehen oder beeinflusst werden4. Der fortschreitende Klimawandel, aber auch jene Maßnahmen, die diesen vermindern und der Nachhaltigkeit dienen sollen, wirken sich auf Expositionen an unterschiedlichen Arbeitsplätzen aus.

Klimawandel: veränderte Allergenbelastungen im Outdoor-Bereich

Zu einer Verstärkung der gesundheitlichen Probleme von Personen mit Allergien, insbesondere während beruflicher Tätigkeiten im Freien, kann es nicht nur durch tätigkeitsbedingte Exposition, sondern auch durch die intensivere und längere Pollen­saison kommen5-7. Durch die steigenden Temperaturen sowie erhöhte Konzentrationen von NOx, CO₂ und Ozon können sich immunologisch relevante Eigen­schaften von Pollen verändern18. So konnte gezeigt werden, dass eine höhere CO₂-Belastung die Allergenität von Ambrosia­pollen steigert8. Zudem treten vermehrt Pollenallergene auf, die an pflanzlichen Abwehrmechanismen beteiligt sind oder bei Hitze-, UV- und Trockenstress stärker exprimiert werden. Auch Pollen-assoziierte Lipidmediatoren mit proinflammatorischer Wirkung (PALMs) werden bei der Keimung im feuchten Milieu freigesetzt, etwa auf Schleimhäuten9.

Parallel verändert sich in Deutschland das Spektrum allergener Pollen10, da Pollen nichtheimischer Arten, z. B. invasiver Neophyten, hinzukommen. Die klimatischen Bedingungen begünstigen zunehmend mediterrane Pflanzenfamilien wie Olivenbaum, Zypresse, Glaskraut und Ambrosia. Auch der ursprünglich aus China und ­Vietnam stammende, trockenheitsresistente Götterbaum (Ailanthus altissima) breitet sich invasiv aus und wurde 2022 EU-weit mit einem Handels- und Pflanzverbot belegt; zudem zeigen atopische Patienten häufig IgE-vermittelte Sensibilisierungen gegen ihn11. Insgesamt haben Pollen­allergiker per se mehr allergische Symptome durch diese Veränderungen. Insbesondere aber sind Beschäftigte im Außenbereich mit einer Pollenallergie betroffen, die während ihrer beruflichen Tätigkeiten in der Natur verstärkt exponiert sind, beispielsweise Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft, im Gartenbau, in der Landschafts­pflege und bei der Post- und Paketzustellung.

Klimawandel: günstige Bedingungen für heimische und eingewanderte Insekten

Ebenfalls durch den Klimawandel begünstigt sind tierische Allergenquellen wie der Eichenprozessionsspinner (EPS), Zecken und andere Insekten. Der EPS verursacht nicht nur forstwirtschaftliche Schäden, sondern bedeutet auch eine gesundheitliche Gefahr, besonders für Berufsgruppen wie Land- und Baumpfleger. Seine Entwicklung wird stark von Wetterbedingungen beeinflusst12; milde Frühjahre und günstige Bedingungen während Falterflug und Ei­ablage im Spätsommer führen zu besonders starken Populationen. Die gesundheitliche Gefährdung entsteht durch das Protein Thaumetopoein (Nesselgift) in den brüchigen Brennhaaren der Raupen, die ab dem dritten Larven­stadium ausgebildet und durch den Wind über weite Strecken verbreitet werden können. Die Haare haften über Widerhaken an Haut und Schleim­häuten und lösen mechanisch-irritative, toxische oder aller­gische Reaktionen aus. Mögliche Folgen sind Hautirritationen (Raupendermatitis), Augenreizungen, Fieber, Schwindel oder in seltenen Fällen ein allergischer Schock – eingeatmete feine Härchen können zu Atem­beschwerden wie Bronchitis und Asthma führen. In Einzelfällen sind auch IgE-­vermittelte Typ-I-Reaktionen beschrieben. So konnten wir bei einem Landschafts-/Baumpfleger, der trotz meist konsequentem Schutz einmal ungeschützt ein Nest zersägte, anschließend Hautsymptome, Juckreiz, Kopf­schmerzen und Atemnot feststellen. Serologisch zeigte sich ein Gesamt-IgE von 35 kU/L, negatives IgE gegen sx1 (0,11 kU/L), aber ein spezifisches IgE gegen EPS von 0,94 kU/L, was eine spezifische Sensibilisierung bestätigt13. Für den Eichenprozessionsspinner sind bisher noch keine A­llergene identifiziert worden. Allerdings konnte ­aktuell die De-novo-­Transkriptom-Zusammensetzung von unterschiedlichen Larvenstadien des EPS aufgeklärt werden14.

Klimawandel und globaler Warenhandel führen zur Ausbreitung neuer Tierarten in Deutschland, besonders unter den Mücken. Die Asiatische Tigermücke und die Japanische Buschmücke, beides Arten, die Krankheiten übertragen können, finden zunehmend geeignete Lebensbedingungen in unseren Breiten.

Zecken als Allergenquelle

Auch heimische Zecken profitieren von der Wärme und hohen Luftfeuchtigkeit durch mildere Winter. Dadurch verlängern sich ihre Aktivitätsphasen, was zu stärkerer Vermehrung führt. Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), europaweit verbreitet, ist nicht nur bedeutsam als Überträger von Borreliose und Frühsommer-Meningo­enzephalitis (FSME), sondern kann auch Allergien verursachen. Eine bevölkerungsbasierte Studie aus Südwestdeutschland mit 300 Forstbeschäftigten und Jägerinnen und Jägern zeigte eine hohe Prävalenz des Alpha-Galactose-Syndroms, welches durch Zeckenstiche verursacht wird: Bei 35 % der Untersuchten fand sich spezifisches IgE gegen Galactose-α-1-3-Galactose (α-Gal). 8,6 % dieser Personen entwickelten nach dem Verzehr von rotem Fleisch ver­zögerte anaphylaktische Reaktionen15. Das Syndrom entsteht durch IgE gegen das für Menschen immunogene Disaccharid Galactose-α-1,3-Galactose; Zeckenstiche gelten als zentrale Auslöser der Induktion von α-Gal-spezifischen IgE-Antikörpern16. Da Vögel, Reptilien und Fische kein α-­­Gal-Epitop tragen, können Betroffene deren Fleisch weiterhin verzehren. Das α-Gal-Epitop ist als einziges Kohlen­hydrat in die WHO/IUIS-Allergenliste (www.allergen.org) aufgenommen worden. Der Einfluss des Zecken­speichels auf die Entwicklung des α-Gal-Syndroms sowie die immunologischen Mechanismen, die hinter der verzögerten Reaktion stehen, werden aktuell weiter untersucht17. Die aktuelle Veröffentlichung aus den USA einer tödlichen Anaphylaxie vier Stunden nach dem Verzehr von Rindfleisch verdeutlicht die Bedeutung des Galactose-α-1,3-Galactose-Syndroms, ausgehend von der Rolle von Zecken über die Schwere ver­zögert auftretender Reaktionen bis hin zu der großen Vielfalt möglicher Symptome18. Dieser Fall zeigt auch, dass sowohl Fach­personal als auch die Öffentlichkeit besser über den Zusammenhang zwischen Zeckenstichen, α-Gal-Syndrom und den ver­zögerten anaphylaktischen Reaktionen nach dem Verzehr von rotem Fleisch aufgeklärt werden müssen.

Mehr Pilzallergene im wärmeren Klima

Ein weiteres klimabedingtes Gesundheits­problem verursacht der Pilz Cryptostroma corticale, der Erreger der Rußrinden­krankheit. Dieser Pilz betrifft Beschäftigte bei Wald- und Forstarbeiten, insbesondere bei der Holzfällung, -be- und verarbeitung. Durch Trockenheit und extreme Hitze­perioden, verstärkt seit den 2000er-Jahren, kommt es in Deutschland zu einem erhöhten Befall von Ahornbäumen. Bei Befall verfärbt sich das Holz und wird für die weitere Verarbeitung unbrauchbar, was zu erheblichen forstwirtschaftlichen und wirtschaft­lichen Schäden in der Holz­industrie führt. Zudem können die ein­geatmeten Konidiosporen von C. corticale bei Personen mit intensivem beruflichem Kontakt zu befallenen Bäumen oder Hölzern – etwa Holzfäller, Forstarbeiter oder Papierfabrikarbeiter – zu gesundheitlichen Problemen bis hin zu einer exogen-­allergischen Alveolitis führen19,20. Typ-I-­Sensibilisierungen durch eine Exposition mit C. corticale sind bislang nicht beschrieben.

Auch andere Schimmelpilz-Spezies werden durch die klimatischen Veränderungen beeinflusst, z. B. erhöhte Feuchtigkeit verbunden mit höheren Temperaturen und CO2-Werten. In Nordeuropa treten die höchsten Konzentrationen von Schimmelpilzsporen (z. B. Alternaria alternata, Cladosporium herbarum) üblicherweise von Juni bis Oktober auf, in Südeuropa von Mai bis August21,22. Wie bei Pollen führen Klima­wandel und steigende CO₂-Werte zu einer verlängerten Sporen­saison und einer insgesamt erhöhten Menge an Myzel und Sporen in der Luft. Für Alter­naria alternata wurde unter erhöhtem CO₂ eine Verdreifachung der Sporen­zahl und eine Verdopplung des Allergen­gehalts nachgewiesen23. Extreme Wetterereignisse wie Stürme, Starkregen und Überschwemmungen fördern zusätzlich das Wachstum und die Verbreitung von Schimmel­pilzen6,24. Beschäftigte, die unmittelbar nach den Hochwasser­ereignissen Sanierungsarbeiten durch­führten, waren einer erhöhten Belastung an Schimmelpilzen ausgesetzt25. Nach den Wirbelstürmen Katrina und Rita wurden hohe Schimmelpilz­konzentrationen gemessen, besonders in Häusern mit größeren Überschwemmungsschäden. Schimmelbelastung in Innen­räumen wurde bereits mit dem Ausbruch und der Verschlimmerung von Asthma in Verbindung gebracht26. Neben Sporen fungieren auch Myzelfragmente (0,2 – 10 mm) als luftgetragene Allergenträger und können sogar in größerer Menge als Sporen auftreten, sodass eine Schimmelpilz-Exposition sowohl gegen Sporen als auch gegen Myzelfragmente bestehen kann27.

Maßnahmen zur Nachhaltigkeit verändern Allergenbelastungen

Nicht nur direkte Einflüsse des Klima­wandels verändern die beruflichen Expositionen zu Allergenen, sondern auch Prozesse und Produkte, die dem Klimaschutz und der Nachhaltigkeit dienen. Diese indirekten Folgen können ebenfalls die Gesundheit Beschäftigter beeinflussen. Als ein Beispiel kann hier die Exposition und das Sensibilisierungsrisiko bei der Herstellung des Enzyms Phytase genannt werden13. Phytase ist ein Enzym, das Phytin hydrolytisch abbaut und somit das gebundene Phosphat freisetzt. Es macht dadurch den in Pflanzen vorhandenen Phosphor für Tierorganismen verfügbar und wird deshalb in steigendem Maße kommerziellem Tierfutter zugesetzt. Auf diese Weise kann an der Zugabe von mineralischem Phosphat gespart werden. Dadurch sinkt die Abwasser­belastung durch ausgeschiedenes Phosphat, was einen positiven Effekt für die Umwelt hat und ein durchaus sinnvoller Beitrag zur nachhaltigen Tierhaltung ist. Allerdings kann es, wie von Kuske et al. beschrieben, bei der Produktion von granulierter Phytase zu Sensibilisierungen bei den Beschäftigten im Sinne einer Typ-I-Allergie kommen28.

Insekten: Proteinquelle mit Allergierisiko

Als nachhaltige Proteinquelle werden zunehmend Insekten eingesetzt. Sie bieten eine günstige Nährstoffzusammensetzung und sollen den steigenden Proteinbedarf für Mensch und Tier decken; mehrere Arten sind bereits in der EU als Lebensmittel zugelassen. So haben der gelbe Mehlwurm (Tenebrio molitor), die europäische Wander­heuschrecke (Locusta migratoria) und die Hausgrille/Heimchen (Acheta domesticus) in den letzten Jahren die Zulassung erhalten. Seit Anfang 2023 trifft das auch auf den Getreideschimmel­käfer (Buffalo­wurm, Alphitobius diaperinus) zu. Es ist bereits hinlänglich bekannt, dass beim Verzehr von Insekten allergische Reaktionen auftreten können und Produkte daher entsprechend gekennzeichnet werden müssen. Gleich­zeitig steigt der berufliche Kontakt in der Insektenzucht. Studien zeigen, dass luft­getragene Insektenpartikel allergische Atemwegs­symptome und Sensibilisierungen auslösen können, weshalb Maßnahmen zur Staub­reduktion notwendig sind29-32.

Allergie durch Hanf

Hanfgewächse zählen zu den Profiteuren des Klimawandels. Die Pflanze kann nicht nur einer erhöhten UV-Strahlung wider­stehen, sondern auch unter den klimatisch veränderten Bedingungen besser gedeihen. Als vielseitiger Biorohstoff erlebt Hanf eine Renaissance (Celluloselieferant, Textil­rohstoff, Öllieferant, Grundstoff für die Bau­industrie, Basis für Lifestyle-Produkte etc.), was zu mehr Beschäftigten in Anbau und Verarbeitung führt. Durch die Exposition mit organischen und mikrobiell belasteten Stäuben an diesen Arbeits­plätzen treten zunehmend gesundheitliche Probleme auf, insbesondere allergische Beschwerden33. Studien berichten über hohe Prävalenzen von Atemwegs­beschwerden und Hanf-spezifischem IgE. Sussman et al.34 warnen vor einem Szenario ähnlich der La­texproblematik durch gepuderte Latexhandschuhe, verbunden mit allergischen Atemwegs- und Haut­beschwerden, unter Beschäftigten im Gesundheitswesen der 1980/90er-Jahre.

Hülsenfrüchte: klimafreundlich mit Allergiepotenzial

Um den CO₂-Ausstoß zu senken, müssen Bereiche wie Transport, Bau, Energie, Produktion und Landwirtschaft neu gedacht werden. Letztere verursacht durch ­Düngung und Viehzucht viele Emissionen und einen ressourcenintensiven Wasser­verbrauch. Gleichzeitig wächst der Wunsch der Bevölkerung nach nachhaltigerem Leben und geringerer CO₂-Belastung, was u. a. zur Umstellung von Ernährungs­gewohnheiten führt. Nachhaltige Ernährung kann Treib­hausgase mindern, bringt jedoch neue Allergen­quellen und berufliche Expositi­onen mit sich.

Hülsenfrüchte sind gesundheitlich vorteilhaft, benötigen wenig Wasser und ­Dünger und haben einen geringen ökologischen Fußabdruck. Sie werden zunehmend für pflanzliche Ernährung und Fleisch­alternativen verwendet – mit neuen Marktchancen, aber auch Sensibilisierungsrisiken. Allergische Reaktionen wurden nach dem Verzehr verschiedener Hülsenfrüchte wie Kichererbsen, Linsen, Erbsen und Bohnen beschrieben, teils mit Anaphylaxie. Ihre ­Allergene gehören oft zu typischen Pflanzen­proteinfamilien wie Prolaminen, Cupinen oder PR-10-Proteinen35.

Diese Proteine dienen als Basis für pflanzliche Joghurt-, Käse-, Fleisch-, Fisch- oder Ei-Ersatzprodukte sowie vegane Fertig­gerichte. Auch Hülsenfruchtmehle kommen bei Backwaren, Snacks und Teigen zum Einsatz. Zudem gewinnen Samen wie Sesam, Sonnenblumen, Senf, Mohn, Hanf und Kürbis sowie Buchweizen, Chia und Quinoa an Bedeutung. Bei der Herstellung pflanzen­basierter Lebensmittel entstehen Staub­expositionen, die Sensibilisierungen und respiratorische Beschwerden auslösen können36,37.

Fazit

Auch wenn die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels für die Arbeitswelt derzeit noch nicht exakt abschätzbar sind, müssen die damit verbundenen Gefährdungen für die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz im globalen Arbeitsschutz verstärkt berücksichtigt werden. Neben Hitze und UV-Strahlung sollten auch allergische Risiken in den Fokus rücken. Erforderlich ist ein proaktives Vorgehen, einschließlich zielgruppenspezifischer Informationen für betroffene Berufsgruppen über mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf Tätigkeiten und Expositionen. Die Forschung muss Wissen zu Art, Verbreitung und Wirkung neuer und veränderter Allergenexpositionen bereitstellen, das als Grundlage für die Implementierung von präventiven Maßnahmen dienen kann. Der Klimawandel betrifft somit auch Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz.

Klimawandel und Typ-I-Allergien im Beruf

  • Der Klimawandel beeinflusst auch berufliche Allergien direkt und indirekt.
  • Stärker betroffen sind Beschäftigte, die im Freien arbeiten und mit potenziellen Allergen­quellen wie Eichenprozessionsspinnern, Zecken oder Schimmelpilzen Kontakt haben.
  • Lebensstil-Veränderungen, die primär dem Klimaschutz und der Nachhaltigkeit dienen, erzeugen neue Produkte und Herstellungsprozesse und damit neue sensibilisierende Gefährdungen an ­Arbeitsplätzen.
  • Das Risiko inhalativer Enzymexpositionen in Produktion, Verarbeitung und Qualitätskontrolle verdient besondere Aufmerksamkeit.
  • Zielgruppenspezifische Informationen zu klimabedingten Veränderungen von Tätigkeiten und Expositionen sind notwendig, um Risiken zu erkennen und Schutzmaßnahmen einzuleiten.

Interessenkonflikte: M. Raulf erhielt zwischen 2023 und 2025 Honorare für Vortragstätigkeiten von folgenden Firmen und Verbänden: Alk-Abelló Arzneimittel GmbH, LetiPharma, ThermoFisher Scientific (Phadia). In Bezug auf den Inhalt dieses Beitrags bestehen keine Interessenskonflikte, die sich aus einem Beschäftigungsverhältnis, Zuwendungen für Vorträge oder andere Tätigkeiten ergeben könnten.

1    Weißbuch – Allergie in Deutschland. Hrsg.: Klimek L (AeDA), Vogelberg C (GPA), Worm M, (DGAKI). 5. Auflage 2025, Springer Medizin Verlag GmbH
2    Traidl-Hoffmann C, Schulz C. Herrmann M, Simon B (Hrgb): Planetary Health: Klima, Umwelt und Gesundheit im Anthropozäen. 2021, 1. Auflage 
3    https://www.wbgu.de/de/publikationen/publikation/gesundleben
4    https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung/Klimawandel-und-Arbeitsschutz/Klimawandel-und-Arbeitsschutz_node.htm
5    Agache I, Akdis C, Akdis M, Al-Hemoud A, Annesi-Maesano I, Balmes J, Cecchi L, Damialis A, Haahtela T, Haber AL, Hart JE, Jutel M, Mitamura Y, Mmbaga BT, Oh J-W, Ostadtaghizadeh A, Pawankar R, Prunicki M, Renz H, Rice MB, Filho NAR, Sampath V, Skevaki C, Thien F, Traidl-Hoffmann C, Wong GWK, Nadeau KC. Immune-mediated disease caused by climate change-associated environmental hazards: mitigation and adaptation. Front Sci. 2024; 2: 1279192
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Korrespondenzadresse
Professor Raulf, Abteilunsleiterin am Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV

Prof. Dr. rer. nat. Monika Raulf
Abteilung Kompetenz-Zentrum Allergologie/Immunologie, 
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV,
Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
E-Mail: monika.raulf(ett)dguv.de