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Venöse Thromboembolie

Leitlinie empfhielt erstmals Aspirin zur Thromboseprophylaxe bei Hüft- und Knie-OPs

Thrombose und Lungenembolie sind gefürchtete Komplikationen nach der Implantation von Hüft- und Knieprothesen. Die aktualisierte S3-Leitlinie empfiehlt nun erstmals Acetylsalicylsäure (Aspirin) zur Vorbeugung bei Patienten ohne erhöhtes Risiko für eine venöse Thromboembolie.


20.02.2026
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S3-Leitlinie
“Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE)”

Auf einen Blick
 

  • Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin) zur Thromboseprophylaxe: erstmals Empfehlung bei Hüft- und Knie-Ops bei geringem Thromboserisiko
  • Individuelle Risikobewertung bei Prophylaxe von Thrombose und Lungenembolie  
  • Frühe Mobilisation als Schlüssel der Vorbeugung von Thrombose und Lungenembolie
  • Mehr Eigenverantwortung der Patienten bei der Frühmobilisation
  • Fast-Track-Prinzip soll flächendeckend in Deutschland etabliert werden.

Die am 21. Januar 2026 veröffentlichte aktualisierte S3-Leitlinie "Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE)" empfiehlt erstmals auch die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin) zur Vorbeugung von Lungemembolie und Thrombose. Voraussetzung ist, dass keine individuellen Risikofaktoren für eine Thrombose vorliegen. Ebenso sollte ein konsequentes Fast-Track- oder Rapid-Recovery-Konzept mit früher Mobilisation am OP-Tag angewendet wird. Die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. begrüßt diese Empfehlung. Sie ermöglicht eine wirksame, einfach anzuwendende und kostengünstige Thromboseprophylaxe, die Patientinnen und Patienten selbstständig umsetzen können.

Nach größeren Operationen wie der Implantation von Hüft- und Knieprothesen besteht ein erhöhtes Risiko für Thromben in den tiefen Venen des Beckens oder der Beine. Die gefährlichste Folge kann eine Lungenembolie sein. Um dies zu verhindern, erhalten Patientinnen und Patienten rund um den Eingriff eine medikamentöse Thromboseprophylaxe. Bislang kamen dafür vor allem Heparinspritzen oder direkte orale Antikoagulanzien (DOAKs) zum Einsatz. „Letztere sind jedoch insbesondere bei Begleiterkrankungen oder bei ungeplanten Folgeoperationen schwieriger zu steuern“, so Pof. Rüdiger von Eisenhart-Rothe, Präsident der AE, Klinikum rechts der Isar.

Aspirin zur Prophylaxe von Thrombose und Lungenembolie: praktisch, bewährt und kosteneffizient

Mit der Aufnahme von ASS erweitert die Leitlinie das verfügbare Spektrum um eine einfach handhabbare und oral verfügbare Option. Diese ist in anderen Ländern seit Jahrzehnten etabliert. Neben der praktischen Handhabung sieht die AE auch ökonomische Vorteile. „Die ASS-Prophylaxe ist deutlich kostengünstiger als die bisherige Standardtherapie – ohne Einbußen bei Wirksamkeit oder Sicherheit, sofern die genannten Voraussetzungen erfüllt sind“, betont Prof. Georgi Wassilew, Generalsekretär der AE, Universitätsmedizin Greifswald.

Prophylaxe von Thrombose und Lungenembolie nach individueller Risikobewertung

Die Leitlinie empfiehlt die ASS-Prophylaxe nur für Patientinnen und Patienten ohne erhöhtes Thromboserisiko. „Menschen mit schweren Begleiterkrankungen wie aktiven Krebserkrankungen oder bekanntem Thrombose- und Blutungsrisiko gehören nicht dazu“, sagt Wassilew. Für sie bleibe eine intensivere, individuell angepasste Thrombosevorbeugung notwendig. ASS sei daher keine pauschale Lösung, sondern Teil einer differenzierten, interdisziplinär abgestimmten Behandlungsstrategie.

Mehr Eigenverantwortung der Patienten bei der Frühmobilisation

Die neue Leitlinienempfehlung stärkt aus Sicht der Fachgesellschaft auch die Rolle der Patientinnen und Patienten.


 „Mit der frühen Mobilisation und der vergleichsweise einfachen Einnahme von ASS-Tabletten übernehmen Patientinnen und Patienten mehr Verantwortung für ihre Genesung und werden aktiver in den Behandlungsprozess eingebunden." 
Prof. Christian Merle, AE-Vizepräsident und Chefarzt, Diakonie-Klinikum Stuttgart


Voraussetzung sei allerdings die aktive Mitarbeit der Patientinnen und Patienten: frühes Aufstehen noch am Tag der Operation, regelmäßige Teilnahme an der Physiotherapie sowie eine einfache und zuverlässige Einnahme der Medikamente.

Frühe Mobilisation als Schlüssel der Prophylaxe von Thrombose und Lungenembolie 

Die AE spricht sich für eine qualitätsgesicherte Einführung der ASS-Prophylaxe aus. Diese sollte auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus den USA, aus Skandinavien basieren und europäische Empfehlungen berücksichtigen. Gleichzeitig bestehe weiterer Forschungsbedarf – etwa zur Therapiedauer und zum Einfluss der Frühmobilisation auf das Thromboserisiko.

Merle hält dies für zentral: „Die frühe Mobilisation ist wahrscheinlich der relevanteste Aspekt der Thromboseprophylaxe.“ Die meisten Studien zu Thromboseraten und Prophylaxemaßnahmen basierten auf inzwischen überholten Nachbehandlungskonzepten. Früher sei es üblich gewesen, Patientinnen und Patienten nach der Operation länger im Bett „ausruhen“ zu lassen. Dies ist heute nicht mehr zeitgemäß. „Umso wichtiger ist es, das in der aktuellen Leitlinie eindeutig empfohlene Fast-Track-Prinzip flächendeckend in Deutschland zu etablieren.“

Die Leitlinie entstand unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) unter Beteiligung zahlreicher weiterer Fachgesellschaften.

Literatur

S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE). AWMF-Reg.-Nr. 003 - 001
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/003-001