Dr. David Werner ist niedergelassener Facharzt für Radiologie in Bad Kreuznach und setzt in seiner Praxis KI-Lösungen ein – in Eigenregie und im Rahmen von Forschungsarbeiten. Gerade die Radiologie eigne sich dafür hervorragend, erklärte er vor einigen Wochen im Talk mit Dr. Andreas Bartels, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz. So werde sein Praxisteam zum Beispiel momentan im Rahmen eines Forschungsprojekts bei der Prostata-MRT-Auswertung durch KI unterstützt.
Die größte Chance für den KI-Einsatz sieht Werner aber in der hausärztlichen Praxis, in der KI-Lösungen wie Live-Übersetzungen und automatisierte Aufzeichnungen von Untersuchungsgesprächen wichtige Ressourcen schonen könnten. Privat sei er momentan in ein Projekt involviert, das es perspektivisch ermöglichen könnte, KI als praxisinternen Wissensmanager einzusetzen – etwa um neue Mitarbeitende einzuarbeiten.
„Die KI kann Aufgaben übernehmen, die einen im Arbeitsalltag unnötig aufhalten, damit mehr Zeit für die Interaktion zwischen Menschen bleibt.“
Dr. David Werner
Veränderung braucht Vertrauen – KI & New Work
In Bartels‘ Podcast-Reihe „Talk mit Doc Bartels“, in der er regelmäßig Gesundheitsthemen mit Gästen diskutiert, vergleicht David Werner den Einsatz Künstlicher Intelligenz im Praxisablauf mit „New Work“-Prozessen, wie der Einführung von Home-Office-Optionen: Es brauche zunächst Vertrauen. Als Kollegin oder Vorgesetzte müsse man darauf vertrauen, dass das Team neue Arbeitsprozesse gewissenhaft umsetze, ebenso, wie das Team dem Arzt und dem ausgewählten System einen Vertrauensvorschuss geben müsse.
„New Work“ steht weitgehend für intelligente Arbeitsbedingungen und flexibel nutzbare Arbeitswelten. Dies kann auch neue, experimentelle Arbeitsformen beinhalten, die z.B. die individuelle Entwicklung der Menschen fördern und mit den Unternehmenszielen in Einklang bringen sollen.1
Ähnliches gilt für die Patientinnen und Patienten: nicht nur Diagnose, Behandlung und Verschwiegenheit setzen Vertrauen voraus, sondern auch die Einführung neuer Methoden.
Die ganz eigene Lösungen finden
Dr. Werner rät allen Praxen, sich selbst auf die Suche zu machen, was für die eigenen Abläufe passt, anstatt nur äußerem Druck stattzugeben. Die Technik allein dürfe nicht den Einsatz bestimmen: „Die technischen Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt und schnell umgesetzt“, erklärt der Radiologe. Doch ein Einsatz ohne Austausch mit dem Team oder der Patientenschaft führe oft nicht zu den gewünschten Ergebnissen. Alle Beteiligten seien wichtig. Deshalb lohnen sich Fragen wie: „Gefällt Ihnen das?“, „Kommen Sie mit dem System klar?“ oder „Was stört Sie daran? Welche Änderungen brauchen Sie?“. Sein Tipp: Bei der Umsetzung von KI-Lösungen von Anfang an interdisziplinär vorgehen, zum Beispiel in einem Team, dass aus der leitenden Ärztin, einer MFA und einem Entwickler besteht.
Sorgen und Ängste beim Einsatz von KI
Eine rosarote Brille hat Werner in Sachen KI nicht auf. Die Sorgen von Patientinnen, Patienten und Anwendenden seien in vielen Fällen verständlich. Ängste wie „Wird es in Zukunft noch einen Arzt geben, der mich persönlich berät, oder ist es am Ende nur noch eine Maschine?“ seien naheliegend, wenn einem die technischen Möglichkeiten in ihrer Eindringlichkeit aufgezeigt werden – etwa durch Social-Media-Videos, die zeigen, wie KI-Modelle den Besuch in der ärztlichen Praxis auf den Gebrauch eines Automaten herunterbrechen.2