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CME Neurologie, Pädiatrie CME
Fortbildung

Aktuelle Diagnostik und Therapie von ADHS im Kindes- und Jugendalter

Dieser CME-Beitrag beschreibt Diagnostik und Therapie der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) Diese haben sich in letzter Zeit stark weiterentwickelt. Das betrifft insbesondere das Verständnis der Störung sowie diagnostische Kriterien und Behandlungsmöglichkeiten.


03.03.2026 - 02.03.2027
E. Möhler
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3 CME-Punkte
Schlüsselwörter: Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Hyperkinetische Störung (HKS)

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Diagnose der Aufmerksamkeitsdefizit-
Hyperaktivitätsstörung (ADHS) erheblich weiterentwickelt, sowohl in Bezug auf das Verständnis der Störung als auch auf die diagnostischen Kriterien und Behandlungsmöglichkeiten. Besondere Aufmerksamkeit erhielt ADHS als eine ernstzunehmende lebenslange Erkrankung, die nicht nur Kinder betrifft, sondern auch bis ins Erwachsenenalter fortbestehen kann, und die oft mit anderen psychischen Störungen einhergeht. Eine verstärkte Forschung und Innovation in der Behandlung, sowohl psychosozial, medikamentös als auch therapeutisch, hat dazu beigetragen, dass betroffene Personen und ihre Familien heute effektive Strategien zur Bewältigung der Herausforderungen von ADHS nutzen können, die auch Gegenstand dieses Fortbildungsbeitrages sind.

CME: Aktuelle Diagnostik und Therapie von ADHS im Kindes- und Jugendalter


Definition und Epidemiologie

Der Unterschied zwischen ADHS und Hyperkinetischer Störung (HKS) nach dem Internationalen Klassifikationssystem für Krankheiten (ICD) liegt hauptsächlich an der diagnostischen Terminologie und den spezifischen Kriterien für die Klassifizierung. ADHS ist nur definiert im Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen (DSM-IV und -5) und wird daher in den USA sowie hierzulande oft in Forschungszusammenhängen verwendet. Im ICD-10 ist ADHS nicht explizit als eigener Begriff beschrieben; die Diagnose erfolgt unter dem Begriff der „Hyperkinetischen Störung“ (HKS). Im ICD-11, das seit 2022 in Gebrauch ist, wurde ADHS jedoch als spezifische Diagnose eingeführt, die eine klarere Unterscheidung zu anderen Verhaltensauffälligkeiten ermöglicht.

In den USA wurde in den letzten zwei Jahrzehnten ein besonders deutlicher Anstieg der Erkrankung verzeichnet, wobei Schätzungen zeigen, dass derzeit etwa 9 bis 10 % der Kinder im schulpflichtigen Alter betroffen sind. In Deutschland betrug die Prävalenzrate im Jahr 2024 etwa 6 bis 7 % bei Kindern und Jugendlichen (14). Im Jahr 2018 lag die Schätzung bei um die 5 % (10).

Ursachen von ADHS

Bildgebende Verfahren haben bei Personen mit ADHS Unterschiede in der Gehirnstruktur und -funktion aufgezeigt, insbesondere in Bereichen, die für die Regulierung von Aufmerksamkeit und Impulsivität verantwortlich sind. Umweltfaktoren, wie pränatale Exposition gegenüber Alkohol, Nikotin oder bestimmten Schadstoffen, genetische Faktoren sowie psychosoziale Aspekte, wie familiäre Belastungen oder frühkindliche Traumata, können ebenfalls das Risiko erhöhen, an ADHS zu erkranken.

Neben genetischen Faktoren sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Studienergebnisse zum Einfluss von ‚Early Life Stress‘ auf die frühkindliche Hirnreifung erschienen. Diese betreffen insbesondere den präfrontalen Kortex, die frontolimbischen Bahnen und andere Strukturen, die für Impulskontrolle und Emotionsregulation zuständig sind (für einen Überblick s. (2, 13)).

CME: “Aktuelle Diagnostik und Therapie von ADHS im Kindes- und Jugendalter”:  Hier weiterlesen

1 Baumgartner SE, Weeda WD, van der Heijden LL, Huizinga M. The relationship between media multitasking and executive function in early adolescents. J Early Adolesc 2014;34:1120–1144. https://doi.org/10.1177/0272431614523133

2 Bock J, Breuer S, Poeggel G, Braun K. Early life stress induces attention-deficit hyperactivity disorder (ADHD)-like behavioral and brain metabolic dysfunctions: functional imaging of methylphenidate treatment in a novel rodent model. Brain Struct Funct. 2017;222(2):765-780. doi: 10.1007/s00429-016-1244-7. Epub 2016 Jun 16. PMID: 27306789; PMCID: PMC5334429.

3 Cardoso-Leite P, Buchard A, Tissieres I et al. Media use, attention, mental health and academic performance among 8 to 12 year old children. Plos One 2021;16:e259163. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0259163

4 Conners CK. Conners 3rd Edition (Conners 3). Multi-Health Systems, Toronto, ON 2001.

5 Döpfner M, Hennighausen K. DISYPS: Diagnostisches Screening für psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter. (Diagnostisches Manual). Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2000.

6 Falkai P, Wittchen U. Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen – DSM-5. Göttingen 2015.

7 Frölich J, Lehmkuhl G. Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen: Risiken und Chancen. Klett-Cotta, 2023.

8 Frölich J. Zusammenhänge von Schlafproblemen und Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen. Monatsschrift Kinderheilkunde 2024;172(1):52-59.

9 Hebestreit A, Sina E. Wirkungen digitaler Medien auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen mit Schwerpunkt auf dem Verzehr ungesunder Lebensmittel. Bundesgesundheitsbl 2024;67, 292–299 https://doi.org/10.1007/s00103-024-03834-4

10 Klipker K, Baumgarten F, Göbel K et al. Psychische Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Journal of Health Monitoring 2018;3(3). Robert Koch-Institut, Berlin. DOI: 10.17886/RKI-GBE-2018-077.

11 McAllister C, Hisler GC, Blake AB et al. Associations between adolescent depression and self-harm behaviors and screen media use in a nationally representative time-diary study. Res Child Adolesc Psychopathol 2021;49:1623–1634. https://doi.org/10.1007/s10802-021-00832-x

12 Memaran N, Schwalba M, Borchert-Mörlins B et al. Gesundheit und Fitness von deutschen Schulkindern. Monatsschrift Kinderheilkunde 2020;168:597-607.

13 Möhler E, Resch F. Early Life Stress [Early Life Stress]. Prax Kinderpsychol Kinderpsychiatr. 2019;68(7):575-591. DOI: 10.13109/prkk.2019.68.7.575. PMID: 31711395.

14 Orban E, Li LY, Gilbert M et al. Mental health and quality of life in children and adolescents during the COVID-19 pandemic: a systematic review of longitudinal studies. Front Public Health. 2024;11:1275917. DOI: 10.3389/fpubh.2023.1275917. PMID: 38259801; PMCID: PMC10800626.

15 Opez RB, Heatherton TF, Wagner DD. Media multitasking is associated with higher risk for obesity and increased responsiveness to rewarding food stimuli. Brain Imaging Behav 2020;14:1050–1061. https://doi.org/10.1007/s11682-019-00056-0

16 Paulich KN, Ross JM, Lessem JM, Hewitt JK. Screen time and early adolescent mental health, academic, and social outcomes in 9- and 10- year old children: Utilizing the Adolescent Brain Cognitive Development℠ (ABCD) Study. PLoS One. 2021;16(9):e0256591. doi: 10.1371/journal.pone.0256591. PMID: 34496002; PMCID: PMC8425530.

17 Santos RMS, Mendes CG, Sen Bressani GY et al. The associations between screen time and mental health in adolescents: a systematic review. BMC Psychol. 2023;11(1):127. DOI: 10.1186/s40359-023-01166-7. PMID: 37081557; PMCID: PMC10117262.

18 Santos RMS, Mendes CG, Marques Miranda D, Romano-Silva MA. The Association between Screen Time and Attention in Children: A Systematic Review. Dev Neuropsychol. 2022;47(4):175-192. doi: 10.1080/87565641.2022.2064863. Epub 2022 Apr 17. PMID: 35430923.

19 Sina E, Buck C, Ahrens W et al. Digital media exposure and cognitive functioning in European children and adolescents of the I. Family study. Sci Rep 2023;13:18855. https://doi.org/10.1038/s41598-023-45944-0

20 Smaldone A, Honig JC, Byrne MW. Sleepless in America: inadequate sleep and relationships to health and well-being of our nation’s children. Pediatrics 2007;119(Suppl 1): S29–S37

21 S3-Leitlinie Kindesmisshandlung, - missbrauch, -vernachlässigung unter Einbindung der Jugendhilfe und Pädagogik (Kinderschutzleitlinie). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/027-069

22 Worth A, Opper E, Mess F et al. Motorische Leistungsfähigkeit, körperlich-sportliche Aktivität und Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. In: Bös K (Hrsg.). Motorik-Modul. Nomos 2009. .DOI:10.13140/2.1.4968.4808.

Autorin

Prof. Dr. med. Eva Möhler

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Universitätsklinikum des Saarlandes
Kirrberger Str. 90.2
66421 Homburg

Eva.Moehler@uks.eu