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Dermatologie, Naturheilverfahren, Medizin Dermatologie Haut
Biofaktoren

Psoriasis und Mikrobiom: Bedeutung der Biofaktoren Vitamin D und Zink

Der Beitrag beschreibt Symptomatik, Ursachen, Risikofaktoren und Behandlung der Psoriasis. Neben der schulmedizinischen Therapie können ausgewählte Biofaktoren wie Vitamin D und Zink bei Psoriasis von Nutzen sein und sich unter anderem positiv auf das Mikrobiom auswirken und damit die Entzündungsreaktionen reduzieren.


26.02.2026
H. Classen, K. Kisters
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Schlüsselwörter: Psoriasis, Mikrobiom, Vitamin D, Zink

Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die zu den Biofaktoren zählen, besitzen eine gesundheitsfördernde oder krankheitsvorbeugende biologische Aktivität. Auch bei Psoriasis können ausgewählte Biofaktoren wie Vitamin D und Zink neben der schulmedizinischen Therapie von Nutzen sein und sich unter anderem positiv auf das Mikrobiom auswirken und damit die Entzündungsreaktionen reduzieren. Neben der Bedeutung von Biofaktoren befasst sich der Beitrag mit klinischer Symptomatik, Ursachen, Risikofaktoren und Therapie der Psoriasis.

Psoriasis ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die in Schüben verläuft. Neben der typischen Dermatose mit Schuppenbildung und Juckreiz kann Psoriasis auch als Systemerkrankung auftreten, die Gelenke und Bänder, das Gefäßsystem, das Herz und die Augen betrifft. Mit einer Prävalenz von etwa 2–3 % in Deutschland und weltweit zählt Psoriasis zu den häufigsten Hauterkrankungen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sie als schwere nichtübertragbare Krankheit mit zunehmender Prävalenz eingestuft.

Was ist Psoriasis?

Die Einteilung kann nach Krankheitsbeginn oder klinischer Symptomatik erfolgen:

Krankheitsbeginn:

  • Typ 1: Krankheitsbeginn vor dem
    40. Lebensjahr, in der Regel schwererer Verlauf, Neigung zu Rezidiven, familiär gehäuftes Auftreten
  • Typ II: Krankheitsbeginn nach dem
    40. Lebensjahr, in der Regel milderer Verlauf

Klinische Symptomatik der Psoriasis:

Die Einteilung der Psoriasis nach klinischer Symptomatik umfasst verschiedene Formen, basierend auf den Hautmanifestationen.

  • Psoriasis vulgaris: Die häufigste Form, gekennzeichnet durch erhabene,
    scharfe, unregelmäßig geformte rötliche
    Plaques mit silbriger Schuppung, auch als Plaque-Psoriasis bezeichnet.
  • Beispiele für Unterformen der Psoriasis vulgaris:
    • Psoriasis punctata
    • Psoriasis anularis
  • Prädilektionsstellen: Bevorzugte Stellen sind die Streckseiten der Extremitäten (Ellenbogen und Knie), Handflächen, Fußsohlen und der Rücken. Juckreiz führt oft zum Kratzen, was die Schuppung verstärkt.
  • Weitere Formen:
    • Nagelpsoriasis: Tüpfelnägel und Ölflecken
    • Psoriasis capitis: Befall der Kopfhaut
    • Psoriasis genitalis: Befall des Genitalbereiches
    • Psoriasis-Arthritis: Befall der Gelenke
    • Psoriasis pustulosa: seltene pustulöse Form wie der Typ Zumbusch

Wie beeinflusst Psoriasis das Leben der Patienten?

Neben den körperlichen Beschwerden leiden viele Patienten unter Stigmatisierung und gesellschaftlicher Ausgrenzung, was zu einem verringerten Beschäftigungs- und Einkommensniveau führt. Die Lebensqualität ist aufgrund der Erkrankung häufig vermindert (1). Wie andere entzündliche Hautkrankheiten kann sich auch Psoriasis negativ auf die Psyche der betroffenen Patienten auswirken.

Es ist bekannt, dass Psoriasis nicht nur die Haut betrifft und auch nicht nur mit Psoriasis-Arthritis verbunden ist. Es gibt Zusammenhänge mit der Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen, dem metabolischen Syndrom mit Adipositas und Diabetes, der nichtalkoholischen Fettlebererkrankung, der Uveitis und Depressionen (2).

Adipositas ist ein wichtiger Risikofaktor für Psoriasis (3). Studien zeigen, dass bis zu 70 % der Psoriasis-Patienten übergewichtig oder adipös sind. Im Fettgewebe adipöser Menschen kommt es zu einer verstärkten Freisetzung von Interleukin-6 und Tumornekrosefaktor. Diese Zytokine fördern die systemische Entzündung und können die Psoriasis-Symptomatik verschlimmern (4).

Der Pathomechanismus der Psoriasis kann die Anfälligkeit für weitere Autoimmunerkrankungen wie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, autoimmune Schilddrüsenerkrankungen wie Morbus Basedow und Hashimoto-Thyreoiditis, rheumatische Autoimmunerkrankungen oder Alopecia areata erhöhen (5, 6) Es gibt Hinweise, dass bei Patienten mit einer Psoriasis-Diagnose eine mehr als 50 % höhere Wahrscheinlichkeit besteht, an mindestens einer weiteren Autoimmunerkrankung zu erkranken (7).

Wie wird Psoriasis diagnostiziert?

Das klinische Hautbild und der Nachweis typischer Anzeichen sind meist ausreichend für eine Psoriasis-Diagnose. Schuppige, erythematöse Plaques, die bevorzugt an den Streckseiten der Ex­tremitäten, der Kopfhaut und dem Rücken auftreten, sind charakteristisch. In Fällen, in denen die Diagnose unklar bleibt oder atypische Symptome vorliegen, kann eine Hautbiopsie nötig sein.

Histologisch zeigt sich bei Psoriasis eine verdickte Epidermis, die keulenförmig mit der Dermis verzahnt ist. Das Stratum granulosum ist häufig stark reduziert oder fehlt komplett. Im Gegensatz zu gesunder Haut behalten die Keratinozyten in den obersten Schichten der Epidermis ihren Zellkern, was als Parakeratose bezeichnet wird und auf eine unvollständige Reifung dieser Zellen hinweist. Die Epi­thelschicht ist zudem durch eine Infiltration von Entzündungszellen gekennzeichnet. Dabei dominieren CD8- und CD4-positive-T-Zellen, die eine zentrale Rolle im pathologischen Prozess spielen.

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren der Psoriasis?

Die genaue Ätiopathogenese der Psoriasis ist noch nicht vollständig bekannt, aber es werden genetische, immunologische und umweltbedingte Faktoren angenommen.

1. Genetische Faktoren:

Eine familiäre Häufung von etwa 30 bis 50 % und Zwillingsstudien sprechen für eine genetische Komponente der Psoriasis. Verschiedene Gene sind für die Psoriasis-Krankheit verantwortlich. Genomweite Assoziationsstudien haben gezeigt, dass etwa 65 genetische Regionen mit einem erhöhten Risiko für Psoriasis in Verbindung stehen. Der größte genetische Beitrag stammt von der Variante HLA-C*06:02, die eine wichtige Rolle im Immunsystem spielt. Die genetischen Varianten beeinflussen die Immunität und lösen die Psoriasis-Symptome aus (8, 9).

2. Immunlogische Faktoren:

Bei der Psoriasis als Autoimmunerkrankung ist das Immunsystem fehlreguliert. Eine Schlüsselrolle spielen dendritische Zellen, indem sie entzündungsfördernde Zytokine wie IL-23 produzieren. IL-23 führt zur Freisetzung weiterer Zytokine, die die Entzündung verstärken. Keratinozyten vermehren sich und differenzieren gestört, was zu der charakteristischen Schuppenbildung führt. Antimikrobielle Proteine und Chemokine werden freigesetzt und verstärken die Entzündung weiter. Gedächtniszellen bleiben in der Haut und können weitere Schübe auslösen. Ein bestimmtes Protein in den Melanozyten könnte Auslöser der Autoimmunreaktion sein. Außerdem wurden nicht nur in der Haut, sondern auch in den Krankheitsdomänen Knochen und Gelenke und dem Gefäßsystem nahezu identische Entzündungssignaturen nachgewiesen (10, 11).

3. Umweltfaktoren

Verschiedene negative Umwelteinflüsse und Triggerfaktoren werden diskutiert, die die Psoriasis selbst und/oder einen Psoriasis-Schub auslösen können:

  • Hautreizungen wie Sonnenbrand, Verletzungen und starke Reibung und Druck
  • Infektionen, vor allem durch Streptokokken oder Staphylokokken
  • Hormonelle Veränderungen beispielsweise in Pubertät, Schwangerschaft und Wechseljahren oder bei Schilddrüsenerkrankungen
  • Arzneimitteleinflüsse, beispielsweise durch ACE-Hemmer, Betablocker,
    Lithium, Antibiotika oder nicht steroidale Antirheumatika (NSAR)
  • Stress
  • Alkoholabusus
  • Immunschwäche: Die Psoriasis-Prävalenz ist beispielsweise bei HIV-Patienten deutlich erhöht.

Welche schulmedizinischen Therapien gibt es bei Psoriasis?

Die aktuelle S3-Leitlinie Therapie der Psoriasis umfasst verschiedene Empfehlungen (12). Bei leichten bis mäßig ausgeprägten Beschwerden sollten topische Therapien eingesetzt werden. Diese umfassen Cremes, Salben und Emulsionen mit Kortison oder Calcineurin-Inhibitoren, die entzündungshemmend und abschälend wirken.

Neben der Phototherapie mit UV-Licht, um die Entzündung zu reduzieren und das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen, werden bei schwereren Formen verschiedene systemische Therapien oral oder parenteral verwendet. Dazu gehören vor allem die Immunsuppressiva Methotrexat (Folatantagonist), Fumarsäureester und Ciclosporin A.

Zudem finden biologische Therapien Anwendung. Diese zielen auf bestimmte Zytokine ab, die an der Entzündung beteiligt sind, wie beispielsweise TNF-α-Inhibitoren, IL-17-Inhibitoren und IL-23-Inhibitoren.

Eine Ernährungsumstellung, Stressmanagement und Unterstützung, um die Lebensqualität zu verbessern und die Krankheit zu managen, runden das Therapiekonzept ab.

Psoriasis-Therapie und Biofaktorenmangel (13)

Ciclosporin A kann die Ausscheidung von Magnesium erhöhen. Das kann zu einem Magnesiummangel mit entsprechenden Mangelsymptomen wie Hypertonie, Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz führen (14).

Der Folatantagonist Methotrexat wirkt antiphlogistisch und immunsuppressiv und hemmt die Aktivierung von Folsäure, die für die Zellteilung des Immunsystems benötigt wird. Methotrexat-Präparate können daher zu einem Folsäuremangel führen, aber auch die Vitamin-B12-Resorption hemmen und so zu Mangelerscheinungen der beiden Vitamine führen. Außerdem kann der Homocystein-Serumspiegel infolge eines gestörten Folsäure- und Vitamin-B12-Stoffwechsels ansteigen. Homocystein ist ein toxi­sches Stoffwechselzwischenprodukt, das Blutgefäße schädigt und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Es gibt Hinweise, dass Psoriasis-Patienten höhere Homocystein-Serumspiegel und niedrigere Folatspiegel im Serum als gesunde Kontrollprobanden haben. Dies könnte das erhöhte Risiko für kardiovaskuläre Komorbiditäten erklären (15, 16).

Auch der entzündungshemmende Wirkstoff Sulfasalazin zur Behandlung der Psoriasis-Arthritis kann die Aufnahme und Wirkung der Folsäure hemmen (17).

Welche Rolle spielen Glukokortikoide bei der Psoriasis-Behandlung?

In der S3-Leitlinie zur Behandlung der Psoriasis wird die äußerliche Therapie mit Kortikosteroiden empfohlen. Die orale Anwendung ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen obsolet. Neben bekannten Nebenwirkungen kann es nach Absetzen der Behandlung zu ausgedehnten Rezidiven und Rebound-Phänomenen kommen. Häufig treten schwer zu therapierende Pusteln auf. Dennoch werden systemische Glukokortikoide weiter eingesetzt (18). Im Hinblick auf den Biofaktorenstatus gilt es zu berücksichtigen, dass Glukokortikoide zu einer verstärkten Ausscheidung der Biofaktoren Magnesium, Calcium, Kalium und Zink sowie von Vitamin C führen können. Zudem können oral supplementierte Glukokortikoide das Frakturrisiko erhöhen, indem sie die Osteoblastenaktivität und Calciumresorption hemmen. Dies kann sekundär zu einem Vitamin-D-Mangel führen, der ebenfalls eine Osteoporose nach sich ziehen kann (19).

Ernährung bei Psoriasis (20, 21)

Es gibt keine universelle Psoriasis-Diät. Betroffene sollten eine individuelle Ernährungsform wählen, besonders wenn die Psoriasis mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten verbunden ist. Einige Ernährungsrichtlinien haben sich jedoch bewährt. Die mediterrane Kost mit Gemüse und Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, hochwertigen Ölen und moderaten Mengen an gut verdaulichem Eiweiß aus Fisch, hellem Fleisch und Milchprodukten wird auch bei Psoriasis als hilfreich angesehen. Patienten sollten vor allem auf naturbelassene Lebensmittel und eine ausreichende Versorgung mit entzündungshemmend wirkenden Omega-3-Fettsäuren aus Kaltwasserfischen und Pflanzenölen achten.

Welche Rolle spielt Vitamin D bei Psoriasis?

Bei der Behandlung von Psoriasis ist es wichtig, zwischen der topischen Anwendung und der oralen Supplementierung zum Ausgleich eines Vitamin-D-Mangels zu unterscheiden. Vitamin D wird aufgrund seiner antiinflammatorischen und immunmodulatorischen Wirkungen seit langem bei Psoriasis-Patienten topisch eingesetzt (22). Vitamin-D-Analoga wie Calcitriol oder Calcipotriol sind synthetische Verbindungen mit ähnlicher Struktur und Funktion wie das natürliche Vitamin D. Sie reduzieren die Produktion entzündungsfördernder Zytokine, normalisieren die epidermale Hyperproliferation und den Prozess der Keratinisierung. Die Wirkstoffe werden allein oder in Kombination mit Glucocorticoiden zur lokalen Behandlung leichter bis mittelschwerer Psoriasis eingesetzt.

Obwohl die Studienlage zur oralen
Vitamin-D-Therapie zum jetzigen Zeitpunkt begrenzt ist, gibt es Hinweise aus Beobachtungsstudien auf ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-D-Mangel bei Psoriasis-Patienten (23). Zudem korreliert der Vitamin-D-Status mit dem klinischen Schweregrad der Hauterkrankung, gemessen am Psoriasis Area Severity Score (PASI-Score). Beispielhaft sind folgende Studienergebnisse (24):

  • Die Prävalenz eines Vitamin-D-Mangels bei Patienten mit Psoriasis betrug fast 60 % im Vergleich zu knapp 30 % bei gesunden Kontrollprobanden.
  • Im Winter stieg die Prävalenz des Vitamin-D-Mangels bei den Psoriasis-Patienten auf über 80 %, bei gesunden Kon­trollpersonen auf 30 %.
  • Die schlechtere Vitamin-D-Versorgung im Winter erklärt sich dadurch, dass der weitaus größte Anteil von 80 bis 90 % Vitamin D in der Haut unter dem Einfluss von UV-B-Strahlung gebildet wird.
  • Ein Vitamin-D-Mangel war unabhängig von Alter, Geschlecht, BMI, Calcium- und Parathormon-Status sowie der Jahreszeit der Blutentnahme mit der Entwicklung einer Psoriasis verknüpft.

Interventionsstudien zeigen den Nutzen einer Vitamin-D-Supplementierung bei Psoriasis – teilweise mit vergleichbaren oder besseren Effekten im Vergleich zur Anwendung von Kortikosteroiden (25, 26). Allerdings sind auch Studien dokumentiert, in denen eine Wirkung nicht nachgewiesen werden konnte (27). Ob eine orale
Vitamin-D-Supplementierung als regelhafte Therapie bei der Psoriasis dient, muss daher noch durch weitere gut designte Studien bestätigt werden. Wie bei anderen Erkrankungen könnte der Nachweis einer klinischen Relevanz von Vitamin D auch am Studiendesign scheitern. Viele randomisierte Placebo-kontrollierte Interventionsstudien schlossen Probanden ohne Vitamin-D-Mangel ein, weshalb der Nutzen einer Supplementierung nicht zu erwarten war (28, 29, 30). Außerdem sollte geprüft werden, ob tägliche orale Dosen im moderaten Bereich bessere Ergebnisse als monatliche Vitamin-D-Bolusgaben zeigen.

Fazit: Zum jetzigen Zeitpunkt kann empfohlen werden, einen Vitamin-D-Mangel bei betroffenen Patienten auszugleichen und so einen entsprechenden Therapieversuch durchzuführen.

Vitamin-D-Mangel nachweisen und ausgleichen
  • Vitamin-D-Status prüfen: Die Speicherform Calcidiol wird im Serum gemes sen. Calcidiol hat eine Halbwertszeit von ein bis zwei Monaten.
  • Referenzwerte: Das Robert Koch-Institut, die Deutsche Gesellschaft für Ernäh rung (DGE) und die WHO empfehlen einen Calcidiolspiegel von 50 nmol/l bzw. 20 ng/ml als unteren Referenzwert. In einem internationalen Expertenkonsens wurden mit einem unteren Calcidiolwert von 75 nmol/l bzw. 30 ng/ml etwas höhere Referenzbereiche empfohlen (34).
  • Bestimmung des freien Vitamin D: Der Calcidiolwert erfasst das freie, biologisch aktive Vitamin D und den an Trägermoleküle, vor allem mit 85 bis 90 % an das Vitamin-D-bindende Protein (DBP), gebundenen Teil. Da die DBP-Konzentration störanfällig ist, empfiehlt sich im Grenzbereich zusätzlich die Bestimmung des freien Vitamin D im Serum (35).
  • Maximale Caldidiolwerte: Werte über 125 nmol/l bzw. 50 ng/ml sollten vermieden werden, da sie das Risiko für Hypercalcämie, Nierensteine und Herzrhythmusstörungen erhöhen.
  • Empfohlene Dosierung: Zum Ausgleich eines Vitamin-D-Mangels werden nach momentaner Datenlage 1.000 bis 4.000 IE Vitamin D pro Tag empfohlen. Da Übergewicht das Risiko eines Vitamin-D-Mangels erhöht, können adipöse Patienten (36), aber auch solche mit chronischen Resorptionsstörungen in den ersten Behandlungswochen Tagesdosen bis zu 6.000 IE benötigen.
  • Synergistische Wirkung von Vitamin D und Magnesium: Vitamin D benö tigt Magnesium für die Umwandlung von Calcidiol in das aktive Calcitriol, während Vitamin D die intestinale Magnesiumresorption unterstützt. Beide Biofaktoren sollten auf einen Mangel hin untersucht und bei Bedarf supple mentiert werden (37, 38). Dies ist besonders bei Psoriasis-Patienten unter Ciclosporin-A-Therapie wichtig, da dieses Arzneimittel die Magnesiumaus scheidung fördert. Bei Magnesium liegen die Tagesdosen bei 300 mg, eventuell etwas höher.

Versorgung und Zufuhrempfehlungen von Vitamin D

Die beiden wichtigsten Vitamin-D-Vorstufen sind das unter UV-Strahlung gebildete oder über Nahrungsmittel tierischer Herkunft aufgenommene Vitamin D3 (Cholecalciferol) und das aus Lebensmitteln pflanzlichen Ursprungs stammende Vitamin D2 (Ergocalciferol). Beide Vorstufen werden in der Leber zu einer weiteren Zwischenstufe, dem Calcidiol
(25(OH)D), umgewandelt. In den Nieren wird bei Bedarf das biologisch aktive Calcitriol (1,25(OH)2D3) gebildet (31).

Laut Empfehlungen der D-A-CH-­Fachgesellschaften, der Gesellschaften für Ernährung in Deutschland, Österreich und der Schweiz benötigen gesunde Personen folgende Vitamin-D-Tagesmengen (32):

  • Säuglinge bis 12 Monate10 µg/Tag
  • Kinder und Jugendliche20 µg/Tag
  • Erwachsene und Senioren20 µg/Tag
  • Schwangere und Stillende20 µg/Tag
    →1 µg = 40 Internationale Einheiten (IE); 20 µg = 800 IE

Auch an den Zinkstatus denken

Zink ist ein wichtiger Cofaktor für die Funktion von über 10 % der vom menschlichen Genom kodierten Prote­ine, die etwa 3.000 Proteine und Enzyme repräsentieren. Zink-abhängige Proteine sind für zahlreiche Funktionen innerhalb der Zellen zuständig, darunter Transkriptionsregulation, DNA-Reparatur, metabolische Verarbeitung, Regulation der extrazellulären Matrix oder antioxidative Abwehr. Wachstumsprozesse, Wundheilung und die Immunfunktion sind auf eine ausreichende Zinkversorgung angewiesen (39,40).

Studien, teilweise in Form von Metaanalysen, zeigen, dass die Serumzinkspiegel bei Psoriasis-Patienten signifikant erniedrigt sind. Dies lässt vermuten, dass Psoriasis durch einen Zinkmangel begünstigt werden könnte (41, 42, 43). Eine Zinksubstitution bei Psoriasis gilt als sinnvoll (44 ,45) – nicht nur gegen die Dermatose, sondern auch zur Behandlung der Psoriasis-Arthritis (46). Weitere gut-designte Studien sind jedoch wünschenswert.

Zink: Dosierung und Überdosierung
  • Zink-Supplemente sollten gut verträglich und gut bioverfügbar sein. Dies bezüglich haben sich organisch gebundene Zinkverbindungen, darunter Zink-Methionin oder Zinkorotat bewährt.
  • Die Ernährungsgesellschaften empfehlen 8 bis 11 mg Zink pro Tag für gesunde Menschen zum Ausgleich eines Zinkmangels.
  • Die Tagesdosen bei pharmakologischem Einsatz, auch bei Psoriasis, liegen mit 15 bis 30 mg höher.
  • Der Tolerable Upper Intake Level (UL) wurde von der European Food Safety Agency auf 25 mg Zink pro Tag festgelegt. Es handelt sich um die höchste sichere Tageszufuhr, bei der auch bei lebenslanger Zufuhr keine gesundheitli chen Störungen zu erwarten sind (47).
  • Die Höchstmenge für Zink liegt laut der European Food Safety Authority bei 50 mg pro Tag. Wenn längerfristig 50 mg Zink täglich zugeführt werden, sind Anämien, Störungen im Eisen- oder Kupferhaushalt, des Immunsystems oder des Lipidstoffwechsels möglich (48).

Wie kann man einen Zinkmangel nachweisen?

Aufgrund des sehr geringen Anteils des Gesamt-Zinkgehaltes im Serum bzw. Plasma (ca. 0,1 %) wird die Blutanalyse kritisch gesehen. Zudem werden Zink-Plasmakonzentrationen durch Anpassung von Aufnahme und Ausscheidung über einen weiten Zufuhrbereich konstant gehalten. Normale Plasmawerte schließen einen Zinkmangel nicht aus. Dennoch gilt das Plasmazink als der gängige und praxistaugliche Indikator für den Nachweis eines Zinkmangels. Die Referenzbereiche für Frauen liegen bei 60–145 µg/dl bzw. 9–22 µmol/l, für Männer bei 80–170 µg/dl bzw. 12–26 µmol/l.

Alternativ möglich, aber zeitaufwändig und wenig praxistauglich ist die Zink­analyse im Vollblut. Da der überwiegende Teil von Zink erythrozytär gebunden ist, ist die Vollblutdiagnostik weniger störanfällig. Auch die Aktivität der alkalischen Phosphatase und die Zink-Bindungskapazität sind aussagekräftige, allerdings ebenfalls wenig praxistaugliche Parameter.

Fazit: Der einfachste und zuverlässigste Weg, unterstützt von der DGE, basiert auf der Anamnese möglicher Ursachen bzw. Risikofaktoren, der Zinkmangelsymptomatik und der Symptomenbesserung durch eine orale Zinksupplementierung.

Symptome eines Zinkmangels

  • Störung der Immunabwehr, erhöhte Infektanfälligkeit
  • dermatologische Erkrankungen wie beispielsweise Dermatitis, Akne, Psoriasis, Neurodermitis
  • verzögerte Wundheilung, Wundheilungsstörungen
  • trockene, schuppige Haut
  • dünne, brüchige, splitternde Finger­nägel, Beau-Rillen
  • Haarausfall, dünne, brüchige Haare
  • Wachstums- und Entwicklungsstörungen, Gewichtsverlust
  • Fertilitätsstörungen, Hypogonadismus
  • neurologische und psychische Störungen, zum Beispiel Depressionen
  • ophthalmologische Störungen wie Nachtblindheit oder Macula-Degeneration
  • Störung der Geruchs-und Geschmacks­empfindung
  • Blutbildungs- und Gerinnungsstörungen
  • endokrinologische Störungen

Psoriasis, Mikrobiom und Biofaktorenstatus

Das Darmmikrobiom spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Immunsystems und der Entstehung von Autoimmun­erkrankungen wie der Psoriasis. Es gibt zunehmend Hinweise aus Studien, dass bei betroffenen Patienten eine veränderte Bakterienzusammensetzung mit einer geringeren Vielfalt potenziell nützlicher und einer Zunahme potenziell schädlicher Bakterien besteht. Diese Dysbiose beeinflusst immunologische und entzündliche Reaktionen, wobei vor allem der IL-23/Th-17-Signalweg eine wichtige Rolle bei der erhöhten Entzündungsreaktion bei der Psoriasis spielt (49). Auch das Hautmikrobiom ist bei Psoriasis-Patienten mit einer signifikant geringeren Diversität der mikrobiellen Gemeinschaft im Vergleich zu der Haut gesunder Menschen verändert (50).

Eine gute Versorgung mit den hier erwähnten Biofaktoren Vitamin D und Zink kann die Zusammensetzung des Mikrobioms beeinflussen (51, 52, 53) Vitamin D erhöht die Diversität des Mikrobioms und kann das Wachstum gesunder Bakterienarten wie Firmicutes und Bacteroidetes fördern. Zudem stabilisiert Vitamin D durch seine entzündungshemmenden Eigenschaften und die Bildung antimikrobieller Peptide das Mikrobiom. Auch gibt es eine enge Beziehung zwischen dem Zinkstoffwechsel und dem Darmmikrobiom. Zink gilt als wichtiger Faktor für die Biodiversität der Darmbakterien. Der Biofaktor kann das Wachstum physiologischer Darmbakterien unterstützen, die Bildung pathogener Mikroben hemmen und die Darmschleimhaut stärken (54).

Fazit 

Psoriasis ist eine komplexe Autoimmunerkrankung, bei der eine ganzheitliche Therapie sinnvoll ist. Neben der schulmedizinischen Behandlung spielen Biofaktoren wie Vitamin D und Zink eine Rolle. Eine ausreichende Versorgung mit diesen Biofaktoren könnte nicht nur die Symptome lindern, sondern auch das Mikrobiom positiv beeinflussen, was wiederum die Entzündungsreaktionen reduziert. Weitere Studien sind notwendig, um die genauen Mechanismen und optimalen Dosierungen von Biofak toren bei Psoriasis zu erforschen.

Hans Georg Classen, Klaus Kisters

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6 Heitmann J et al.: Non-alcoholic fatty liver disease and psoriasis – is there a shared proinflammatory network? J Dtsch Dermatol Ges 2021 Apr; 19(4): 517-529.

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Korrespondenzadresse
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Prof. Dr. med. Klaus Kisters 
MVZ Praxisklinik und Dialysezentrum Herne, WWU Münster 
Wiescherstraße 20 
44623 Herne 

Gesellschaft für Biofaktoren e.V. 
www.gfbiofaktoren.de 
daniela.birkelbach@gfbiofaktoren.de