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Dermatologie, Allgemein- & Innere Medizin Dermatologie Dermatologie
Akne-Therapien

Laser- und energiebasierte Therapien bei Akne inversa: aktuelle Evidenz

Laser- und energiebasierte Verfahren gewinnen in der Behandlung von Akne inversa zunehmend an Bedeutung. Eine systematische Übersichtsarbeit bewertet deren Wirksamkeit in Abhängigkeit der Hurley-Stadien I–III z und zeigt Potenziale für individualisierte Therapiekonzepte.1


11.03.2026
L. Abraham
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Die chronische, rezidivierende, autoinflammatorische Erkrankung Hidradenitis suppurativa (HS), auch Akne inversa, manifestiert sich typischerweise durch schmerzhafte Abszesse, Fistelgänge und ausgeprägte Narbenbildung in apokrindrüsenreichen Arealen. Mit einer geschätzten Prävalenz von etwa 0,99 % und einer höheren Betroffenheit von Frauen bleibt HS eine relevante dermatologische Herausforderung. Neben erheblicher Schmerzsymptomatik führen funktionelle Einschränkungen – insbesondere in Beugearealen – sowie kosmetische Belastungen häufig zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität.

Die Behandlung kann medikamentös oder chirurgisch erfolgen. Trotz Fortschritten in der medikamentösen Therapie, etwa durch Antibiotika, Retinoide, Hormontherapien und Biologika, bleibt das klinische Ansprechen jedoch häufig unzureichend oder nur vorübergehend; Therapieabbrüche aufgrund unangenehmer Nebenwirkungen sind nicht selten.



Grenzen der medikamentösen Therapie bei Akne inversa

Vor diesem Hintergrund rücken chirurgische und interventionelle Verfahren zunehmend in den Fokus. Die Forschungsgruppe um Gawroński vom Universitätszentrum für Allgemeine Dermatologie und Onkodermatologie der Medizinischen Universität Breslau untersuchte in einer systematischen Übersichtsarbeit verschiedene laser- und energiebasierte Therapieansätze bei HS und ordnete deren Wirksamkeit differenziert den Krankheitsstadien nach Hurley (I–III) zu. Die Ergebnisse wurden im Journal of Clinical Medicine publiziert.

Die Autoren führten eine systematische Literaturrecherche gemäß den PRISMA-2020-Richtlinien (Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses) durch. Die Suche erfolgte unabhängig vom Publikationsjahr in den Datenbanken PubMed und Embase mit der Suchstrategie „Laser AND (Hidradenitis suppurativa OR Acne inversa)“. Von insgesamt 692 identifizierten Publikationen erfüllten 26 Studien die Einschlusskriterien und wurden qualitativ ausgewertet. Aufgrund der heterogenen Studiendesigns, Interventionen und Endpunkte verzichteten die Autoren auf eine Metaanalyse.

Evidenz zu den einzelnen Verfahren nach Krankheitsstadium

Der CO₂-Laser (Kohlendioxid-Laser) stellt die am umfassendsten untersuchte laserbasierte Therapieform bei Akne inversa dar. In den analysierten Studien wurde er überwiegend bei Patientinnen und Patienten im Hurley-Stadium II und III eingesetzt.Die Behandlung erfolgt meist durch Vaporisation oder Exzision der betroffenen Hautareale bis in gesundes subkutanes Gewebe. Anschließend erfolgt die Wundheilung primär oder sekundär.

Die analysierten Studien zeigen konsistent niedrige Rezidivraten innerhalb der behandelten Areale. Gleichzeitig berichten die Arbeiten über eine hohe Patientenzufriedenheit sowie akzeptable kosmetische Ergebnisse.Mehrere prospektive und retrospektive Studien beschreiben Heilungszeiten von durchschnittlich vier bis acht Wochen. Rezidive traten überwiegend außerhalb der behandelten Regionen auf und wurden als Ausdruck des natürlichen Krankheitsverlaufs interpretiert. Auch bei therapieresistenten und multifokalen Verläufen konnte durch CO₂-Laserverfahren in einem relevanten Anteil der Fälle eine vollständige Remission erzielt werden.

Komplikationen wie Narbenkontrakturen, vorübergehende Parästhesien oder lokale Infektionen wurden beschrieben, blieben jedoch insgesamt selten und meist gut beherrschbar. Zusätzlich wurde der fraktionierte CO₂-Laser zur Behandlung postinflammatorischer Narben sowie chronischer Ulzerationen eingesetzt. Hier zeigten sich Hinweise auf eine verbesserte Wundheilung und eine gesteigerte Mobilität der betroffenen Areale.

Der langgepulste Nd:YAG-Laser (Neodym-dotierter Yttrium-Aluminium-Granat-Laser; Nd:Y₃Al₅O₁₂) wirkt primär über die photothermolytische Zerstörung von Haarfollikeln und entzündlichen Läsionen. Damit adressiert das Verfahren zentrale pathogenetische Mechanismen der HS.

Die systematische Übersichtsarbeit zeigt, dass diese Methode insbesondere im Hurley-Stadium I und II wirksam ist. Allerdings konnten auch bei moderaten Verläufen im Stadium II–III klinisch relevante Verbesserungen erzielt werden. Mehrere kontrollierte Studien dokumentierten signifikante Reduktionen der Krankheitsaktivität, gemessen anhand etablierter Scores wie dem HS-LASI (Hidradenitis Suppurativa Lesion, Area and Severity Index) oder dem Sartorius-Score. Teilweise wurden Verbesserungen von über 60 % berichtet.

Histopathologische Untersuchungen bestätigten zudem eine Reduktion entzündlicher Infiltrate sowie eine Zerstörung der Haarfollikelstrukturen. Besonders überzeugend erwies sich die Kombination des Nd:YAG-Lasers mit topischer Therapie, etwa mit Clindamycin. Diese Kombination war der Monotherapie deutlich überlegen. Die Verträglichkeit wurde überwiegend als gut beschrieben, relevante Nebenwirkungen traten nur selten auf.

Neben klassischen Lasersystemen wurden auch energiebasierte Verfahren wie die Intensive Pulslichttherapie (IPL) und die Radiofrequenztherapie (RF) untersucht. IPL wirkt sowohl über die Reduktion follikulärer Okklusion als auch über antibakterielle Effekte. RF erzeugt unabhängig von der Hautpigmentierung Wärme in tieferen Hautschichten und kann entzündungsmodulierend wirken.

Studien bei Patientinnen und Patienten mit Hurley-Stadium II und III zeigten unter IPL eine signifikante Reduktion des Erkrankungsschweregrads im Vergleich zu unbehandelten Kontrollarealen. In der Praxis besonders relevant ist die Kombination aus IPL und RF, bekannt als LAight®-Therapie. Mehrere Studien berichteten über eine stärkere Reduktion aktiver Läsionen, eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität sowie eine gute Verträglichkeit. 

Der therapeutische Nutzen war vor allem in frühen Krankheitsstadien ausgeprägt. In fortgeschrittenen Stadien zeigte sich ein geringeres, aber dennoch messbares Ansprechen. Langzeitbeobachtungen aus dem klinischen Alltag bestätigen diese Effekte auch bei größeren Patientenkollektiven.

Neben den häufig eingesetzten Verfahren wurden auch andere Lasersysteme untersucht. Der Diodenlaser zeichnet sich durch eine tiefe Gewebepenetration und eine selektive Zerstörung der Haarfollikel aus. In kleineren Studien führte dieses Verfahren zu einer signifikanten Reduktion der Krankheitsaktivität sowie zu Verbesserungen der Lebensqualität bei guter Verträglichkeit. 

Besonders bei frühen Krankheitsstadien oder lokalisiertem Befall kann der Diodenlaser eine minimalinvasive Behandlungsoption darstellen. Bei fortgeschrittener Erkrankung sind jedoch häufig mehrere Behandlungssitzungen oder Kombinationstherapien erforderlich.

Der Alexandritlaser mit einer Wellenlänge von 755 nm zeigte ebenfalls klinische Wirksamkeit, insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit helleren Hauttypen. Studien berichten Ansprechraten von bis zu 70 % bei Hurley-Stadium I und II, verbunden mit einer Reduktion von Schmerzen und einer Verbesserung der Lebensqualität. 

Die Methode eignet sich vor allem als ergänzende Therapie zur Reduktion der follikulären Okklusion, erfordert jedoch in der Regel wiederholte Behandlungssitzungen.

Perspektiven für individualisierte Therapieansätze 

Die systematische Übersichtsarbeit zeigt, dass laser- und energiebasierte Verfahren eine relevante therapeutische Option im Management der Akne inversa darstellen. Während der CO₂-Laser insbesondere bei fortgeschrittener Erkrankung (Hurley-Stadium II–III) etabliert ist, können Nd:YAG-, IPL- und Radiofrequenz-basierte Verfahren vor allem in frühen Krankheitsstadien klinische Verbesserungen erzielen. Für den Nd:YAG-Laser werden zudem positive Effekte über mehrere Krankheitsstadien hinweg beschrieben.

Kombinationsstrategien weisen auf additive Effekte hin und könnten künftig einen stärker individualisierten Therapieansatz ermöglichen. Trotz der heterogenen Evidenzlage lässt sich für die klinische Praxis festhalten: Eine stadiengerechte, individuell angepasste Lasertherapie stellt eine wirksame und insgesamt gut verträgliche Ergänzung im multidisziplinären Management der Akne inversa dar.

 


1 Gawroński M et al. Advances in Laser Therapy for Hidradenitis Suppurativa: A Systematic Assessment of Current Evidence. Journal of Clinical Medicine. 2025;14(21):7683. https://doi.org/10.3390/jcm14217683