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Diabetologie, Allgemein- & Innere Medizin, Medizin Allgemein- & Innere Medizin Allgemein- & Innere Medizin
Diabetes

Innere Medizin fachübergreifend – Diabetologie grenzenlos

Der Mensch als Patient in der Diabetestherapie stand auf der mittlerweile 15. Fortbildungsveranstaltung „Innere Medizin fachübergreifend – Diabetologie grenzenlos“ am 6. und 7. Februar 2026 in München erneut im Mittelpunkt.


13.03.2026
P. Isenbart
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Die zwei Tage boten nicht nur eine umfassende Fortbildungsmöglichkeit in Klinik und Praxis, sondern auch die Diskussion wichtiger klinischer Themen und den Austausch gemeinsamer Erfahrungen bei der Diabetestherapie, wie die hybride Pressekonferenz am 6. Februar im Hotel Holiday Inn Munich City Centre zeigte.


Prof. Petra-Maria Schumm-Draeger, Ärztliche Direktorin, Zentrum Innere Medizin, Fünf Höfe, München, und wissenschaftliche Leiterin des Kongresses, eröffnete die Pressekonferenz und stellte das Konzept der Veranstaltung vor: „Das wesentliche Anliegen von 'Innere Medizin fachübergreifend – Diabetologie grenzenlos' ist es, weit über die Diabetologie hinaus, Diagnostik und Therapie in den Mittelpunkt zu stellen. Ein interdisziplinäres Gesundheitsmanagement für Menschen mit Diabetes mellitus ist Voraussetzung für eine Behandlung und Vermeidung von Komplikationen bei Erhaltung einer bestmöglichen Lebensqualität.“

Mindestens 9,3 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes in Deutschland

Schwerpunktthemen in diesem Jahr sind neben den aktuellen Behandlungsstrategien des Typ-1- und Typ-2-Diabetes die Fortschritte in der Diabetestechnologie, die psychischen Auswirkungen chronischer Erkrankungen, die künstliche Intelligenz, das interdisziplinäre Management bei kardiovaskulären/renalen Erkrankungen, Risikokonstellationen bei Fettstoffwechselerkrankungen und arterieller Hypertonie. Nach dem Ende letzten Jahres veröffentlichten Gesundheitsbericht 2026 der Deutschen Diabetes Gesellschaft liegt die Zahl der Menschen mit Typ-2-Diabetes in Deutschland bei mindestens 9,3 Millionen, Tendenz weiterhin steigend.

Diabetestherapie – Lebensqualität und Vermeidung von erkrankungsassoziierten Komplikationen

„Die Evolution der Diabetestherapie in den letzten 30 Jahren ist mehr als beeindruckend“, so Schumm-Draeger. „Die Behandlung wurde vor allem dadurch revolutioniert, dass unabhängig von der Kontrolle aller Risikofaktoren und einer guten Blutzuckereinstellung, zusätzliche kardio- und renoprotektive Effekte von Antidiabetika bei der Therapieauswahl genutzt werden können. Im Zentrum aller Empfehlungen steht der Patient mit Verbesserung der Lebensqualität und der Vermeidung von erkrankungsassoziierten Komplikationen. Die Therapieziele sollten realistisch erreichbar sein und regelmäßig überprüft werden im Hinblick auf Intensivierung oder auch Deeskalation der Behandlung.“

NCDs sind weltweit Haupttodesursache

Unter dem Begriff „Nichtübertragbare chronische Krankheiten“ (Non-Communicable Diseases, NCDs), wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus, werden Krankheiten zusammengefasst, die nicht ansteckend sind. „In der EU machen sie drei Viertel aller Erkrankungen aus und sind damit die Haupttodesursache weltweit. Patienten mit Diabetes mellitus haben ein deutlich erhöhtes kardiorenales Risiko“, berichtete Prof. Dirk Müller-Wieland, Medizinische Klink 1, Universitätsklinikum Aachen. 

Die aktuellen Empfehlungen der europäischen und amerikanischen Diabetes-Gesellschaften zur Diabetestherapie der Patienten mit Typ-2-Diabetes stellten die Verbesserung der Lebensqualität und eine kardiorenale Organprotektion in das Zentrum einer patientenorientierten Behandlung. Gewichtsreduktion, Blutzuckereinstellung, die konsequente Behandlung der Risikofaktoren und der Einsatz organprotektiver Medikamente bei hohem kardiorenalen Risiko gehörten dazu. „Ziel ist es, die Krankheitslast jedes einzelnen Patienten zu reduzieren. Damit ist der Fokus der Therapie nicht allein eine Blutzucker-Senkung, sondern die Prognoseverbesserung in das patientenorientierte Zentrum der Therapie gerückt“, so Müller-Wieland.

„Menschen mit Typ-1-Diabetes werden traditionell mit Insulin behandelt“, erklärte Dr. Martin Füchtenbusch, Diabetes Zen­trum am Marienplatz, München. „Klinische Studien haben in der Zwischenzeit ergeben, dass Insulinresistenz bei ihnen eine bedeutende Rolle spielt. Sie erhöht den Insulinbedarf, verstärkt die glykämische Variabilität und steigert das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen, es können außerdem Merkmale des Typ-2-Diabetes auftreten. Zur Behandlung ergeben sich neue Ansätze: Lebensstilintervention und eine medikamentöse Therapie, die klassischerweise bei Typ-2-Diabetes eingesetzt wird. Studien haben gezeigt, dass der zusätzliche Einsatz von GLP1-RA bei Typ-1-Diabetes die glykämische Kontrolle und Stabilität verbessert sowie den Insulinbedarf und das Körpergewicht senken kann“, so Füchtenbusch.

Revolution der Adipositas-Therapie

Die Bedeutung von GLP-1-Rezeptor­agonisten habe rasant zugenommen und habe auch die Adipositas-Therapie revolutioniert, erklärte Sofiya Matseyko, Mitglied der interdisziplinären Forschergruppe um Dr. Nils Krüger am TUM Klinikum Deutsches Herzzen­trum, der Harvard Medical School und des Brigham and Women’s Hospital. „Die Forschergruppe hat die Wirksamkeit von Sema­glutid und Tirzepatid in der klinischen Routine untersucht. Diese Studien sind Beispiele dafür, wie Daten aus der klinischen Praxis randomisierte kontrollierte Studien sinnvoll ergänzen und vertiefen können. Besonders wichtig ist, dass die Effekte auch bei Patienten bestehen, die die strengen Einschlusskriterien klassischer RCTs (Randomised Controlled Trials) nicht erfüllen würden“, so Matseyko.

Starker Anstieg der Technologien zur Diabetestherapie

„Diabetestechnologien verändern die Therapie von Diabetes zunehmend“, betonte Prof. Bernhard Kulzer, Fachpsychologe Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), Diabetes-Klinik Bad Mergentheim. „Insgesamt ist die Einstellung zur Digitalisierung sowohl bei HCPs (Diabetologen, Diabetesberaterinnen, Pflegepersonal) als auch bei Personen mit Diabetes sehr positiv, dies ergab die jährlich durchgeführte Umfrage 'Digitalisierung- und Technologiereport' (DT-Report). Besonders Menschen mit Diabetes sind der Meinung, dass diabetesbezogene Belastungen durch Diabetestechnologien stark reduziert werden. Insgesamt ist ein starker Anstieg der Diabetestechnologien festzustellen. In der Praxis jedoch führen sie zu einem erhöhten zeitlichen Aufwand“.

Die chronischen Stoffwechselerkrankungen Osteoporose und Diabetes seien weltweit verbreitet und gingen für die Betroffenen mit erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität und Folgeerkrankungen einher, so Prof. Walter Fassbender, Innovation, Sonic Suisse, Zürich: „Das komplexe Zusammenwirken beider Erkrankungen legt einen multifaktoriellen Therapieansatz nahe. So zeigen sich bei der antidiabetischen Therapie mit Metformin und GLP-1-Rezeptoragonisten osteoprotektive Effekte. Studienergebnisse legen nahe, dass das Bisphosphonat Alendronat eine signifikante Reduktion des Risikos postmenopausaler Frauen, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, bewirken kann.“

Dr. Stephan Kress, Arbeitsgemeinschaft Diabetes, Sport und Bewegung der Deutschen Diabetes Gesellschaft: „Sport wirkt! Gemäß einer Netzwerkanalyse gilt grundsätzlich, dass eine Kombination aus Ausdauertraining, Intervall-Ausdauertraining oder Krafttraining am wirksamsten den Nüchternblutzucker senkt. Keine Zeit – das ist vielleicht die meistgehörte Rechtfertigung, wenn es mit einer Änderung des Lebensstils nicht klappt.“ Sogenannte „Bewegungs-Snacks“ könnten eine Antwort darauf sein: Sie erforderten wenig Aufwand, seien ortsunabhängig praktikabel und zeitsparend. Gehen verbessere das kardiometabolische Risikoprofil, beim Treppensteigen reichten 5 Minuten pro Tag, um eine Wirkung zu erzielen.


 „Wir sollten der Prävention größere Aufmerksamkeit widmen. Die Zahlen der Menschen
mit Typ-2-Diabetes steigen weiterhin rasant an.“ 
Prof. Petra-Maria Schumm-Draeger


Der Risikofaktor Einsamkeit noch vor der Diabetestherapie

„Studien haben ergeben, dass Einsamkeit und soziale Isolation bedeutende Risikofaktoren für die Entstehung eines Typ-2-Diabetes sind“, erklärte Prof. Karl-Heinz Ladwig, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Klinik Rechts der Isar, TUM München. „Einsamkeit schmerzt wie eine tiefe Wunde und dominiert das gesamte Lebensgefühl, sie hat erhebliche Auswirkungen auf die somatische Gesundheit. Andauernde Einsamkeit ist außerdem mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko verbunden, mit koronaren Herzerkrankungen und Schlaganfällen. Die Integration von psychosozialen Screenings und Interventionen in die klinische Alltags-Praxis, nicht nur bei Depressionen und Angstzuständen, sondern auch bei Einsamkeit, kann von einer entscheidenden Bedeutung sein.“ Dies würde eine wertvolle Strategie zur Diabetesprävention sein und psychosoziale Faktoren in die öffentliche Gesundheit einbeziehen.

„Jedes Jahr können wir kleine Fortschritte bei der Behandlung von Typ-1- und Typ-2-Diabetes vermelden. Aber trotz aller Fortschritte: Die Herausforderungen bleiben für alle Beteiligten in Prävention, Früherkennung und Bekämpfung groß. Dies gilt unter anderem für Typ-1- und Typ-2-Diabetes mit allen ihren Begleiterkrankungen, kardiovaskuläre Erkrankungen, Lipidstoffwechselerkrankungen und Adipositas“, so Schumm-Draeger zum Abschluss der Pressekonferenz zur Diabetestherapie. „Wir sollten der Prävention größere Aufmerksamkeit widmen. Die Zahlen der Menschen mit Typ-2-Diabetes steigen weiterhin rasant an. Auch darf nicht in den Hintergrund treten, dass eine effektive, patientenorientierte Behandlung nur in einem interdisziplinären Konzept zu verwirklichen ist.“

Phillipp Isenbart

Quelle: Hybride Pressekonferenz zur Fortbildungsveranstaltung „Innere Medizin fachübergreifend - Diabetologie grenzenlos“, 6.2.2026, München. Veranstalter: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)