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Allgemein- & Innere Medizin, Gynäkologie, Frauen & Medizin Gynäkologie Gynäkologie
DMG Tagung – Teil 2

Wechseljahre im Zusammenhang mit Volkskrankheiten, Immunsystem und Klimawandel

Die 29. Jahrestagung der Deutschen Menopause Gesellschaft (DMG) fand vom 7.–8. November 2025 in Frankfurt/Main statt. Im Symposium „Menopause und Volkskrankheiten“ standen Osteoporose, Adipositas sowie Herzgesundheit bei Frauen in den Wechseljahren im Fokus. Bei den interdisziplinären Themen wurde u. a. das Zusammenspiel von Hormonen und Immunsystem erörtert. Das Symposium zu aktuellen Fragen stellte insbesondere die Rolle von Klimaveränderungen auf die Frauengesundheit in den Mittelpunkt.


30.03.2026
DMG
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In seinem Vortrag „Osteoporose Prävention – ein Update“ gab DMG-Vorstandsmitglied Prof. Peyman Hadji aus Frankfurt/Main einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der Prävention, Diagnostik und Therapie von Osteoporose. Hierzulande leben 6,3 Millionen (Mio.) Menschen mit dieser Erkrankung. Der Männeranteil ist mit 1,1 Mio. deutlich niedriger als die Zahl betroffener Frauen. Die Versorgungsrealität in Deutschland benannte Hadji als alarmierend: Trotz klar definierter Leit­linien und des 2020 eingeführten Disease-Management-Programms (DMP) Osteoporose werden nur wenige Frauen mit hohem Frakturrisiko adäquat erkannt und behandelt. Bei Frauen über 70 Jahren mit eindeutig erhöhtem Risiko wird lediglich bei 24 % eine Osteoporose diagnostiziert. Noch gravierender sei, so Hadji, die therapeutische Situation: Nur 9 % dieser Frauen erhalten eine spezifische Behandlung.

Osteoporotische Frakturen reduzieren

Vor diesem Hintergrund stellte Hadji die 10-Jahres-Studie mit Zoledronsäure von Bolland et al. als etwaige Präventionsmöglichkeit vor.1 Die randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Untersuchung umfasste mehr als 1.000 Frauen im Alter von 50 bis 60 Jahren mit T-Scores zwischen 0 und -2,5 und damit mit Osteopenie, also noch keiner manifesten Osteoporose. Die Probandinnen erhielten eine oder zwei Infusionen mit 5 mg Zoledronat, verteilt über 10 Jahre. Die morphometrische Wirbelfrakturrate lag in der Zoledronat-Gruppe bei 6,3 % verglichen mit 11,1 % in der Placebo-Gruppe, was einem relativen Risiko von 0,56 entspricht. Auch das Risiko für alle Frakturen insgesamt sowie für große osteoporotische Frakturen war deutlich reduziert (RR 0,70 bzw. 0,60). Selbst die Frauen, die nur zu Beginn eine einzige Infusion erhielten, zeigten Vorteile gegenüber Placebo. Hadji betonte, dass die Ergebnisse besonders relevant für Länder wie Deutschland mit einer großen Behandlungslücke seien. Da Frauenärztinnen und -ärzte viele Patientinnen besonders in den Wechseljahren und der Postmenopause betreuen, könnten sie entscheidend dazu beitragen, Risikofaktoren frühzeitig zu identifizieren, Knochendichtemessungen anzustoßen und präventive Maßnahmen einzuleiten.

Viszerale Adipositas in den Wechseljahren

Starkes Übergewicht ist in Deutschland wie auch in anderen westlichen Industrieländern weit verbreitet und betrifft besonders Frauen in der Lebensphase rund um die Menopause, wie Prof. Alexander Mann aus Frankfurt/Main in seinem Vortrag „Adipositas und Wechseljahre“ erörterte. Mit dem hormonellen Übergang verändert sich die Körperzusammensetzung deutlich: Während das Gesamtgewicht oft nur leicht steigt, nimmt das viszerale Fett merklich zu – ein Faktor, der Stoffwechselstörungen wie Insulinresistenz und entzündliche Prozesse begünstigt. Langzeitdaten zeigen, dass postmenopausale Frauen einen Zuwachs an Bauchfett bei gleichzeitigem Verlust an Muskelmasse entwickeln, was das metabolische Risiko unabhängig vom BodyMass-Index erhöht. Therapeutisch spielt ein aktiver Lebensstil eine zentrale Rolle. Eine Hormontherapie kann bestimmte Stoffwechselparameter positiv beeinflussen, ist jedoch nicht als primäre Präventionsmaßnahme zugelassen. Erste Hinweise auf mögliche Vorteile der Kombination aus GLP-1-Agonisten und Hormonersatztherapie seien vielversprechend, bedürften aber weiterer Forschung. Mann betonte, wie wichtig vor allem eine frühzeitige, individuell abgestimmte Beratung zu Ernährung, Bewegung und Risikofaktoren sei, um gesundheitlichen Langzeitfolgen vorzubeugen.

Curriculum Menopause

Curriculum Menopause Modul II
28.–29. August 2026, online

Curriculum Menopause Modul I
27.–28. November 2026, online

Informationen unter soft-consult.org/veranstaltungen

Herzinfarkte bei Frauen werden oft übersehen

Frauenherzen geraten beim Thema Herzgesundheit und insbesondere Herzinfarkt noch immer zu wenig in den Fokus, lautete eine zentrale Botschaft im Vortrag „Koronare Herzerkrankung und Myokardinfarkt bei Frauen“ von Dr. Lena Marie Seegers aus Frankfurt/Main. Herzinfarkte treten bei Frauen häufig mit unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, Übelkeit, Rücken oder Armschmerzen auf, was den Weg in die Notaufnahme verzögert. Zudem beeinflussen besondere Risikofaktoren wie Schwangerschaftskomplikationen oder eine frühe Menopause das Herzinfarkt­risiko erheblich, ohne in der Praxis konsequent berücksichtigt zu werden. Der in den Wechseljahren stattfindende hormonelle Wandel erhöht das Risiko für Arteriosklerose und beschleunigt Gefäßveränderungen, was Frauen in der Postmenopause besonders vulnerabel macht. Bildgebende Studien belegen außerdem, dass Frauen häufiger mikrovaskuläre Funktionsstörungen oder nicht obstruktive koronare Veränderungen entwickeln, die in der klassischen Diagnostik leichter übersehen werden. Dies mache eine geschlechtssensible kardiologische Versorgung dringlich, um Herzinfarkte bei Frauen frühzeitiger zu erkennen und ihre Prognose zu verbessern.

Hormone und Immunsystem

Der Vortrag von Prof. Christian Mang aus Hörnum zum Thema „Hormone und Immunsystem“ verdeutlichte, wie eng das hormonelle System mit den Abwehrmechanismen des Körpers verknüpft ist und welche besondere Rolle Steroidhormone dabei spielen. Mang erklärte, dass Hormone wie Östrogene, Gestagene und Glukokorti­koide weit über ihre klassischen Funktionen in Stoffwechsel, Menstruationszyklus oder Schwangerschaft hinausgehen: Sie wirken als zentrale Regulatoren immunologischer Signalwege und beeinflussen entscheidend, wie stark oder schwach das Immunsystem auf äußere Reize reagiert.

Ein Schwerpunkt seines Vortrags lag auf der modulierenden Wirkung der Östrogene. Diese können ähnlich wie Glukokortikoide immunologische Reaktionen dämpfen, was dem Körper hilft, Energie zu sparen und Gewebe vor übermäßigen Entzündungsreaktionen zu schützen. Gleichzeitig wirken Östrogene als Wachstumsfaktoren, die in der Schwangerschaft physiologisch wertvoll sind, außerhalb dieses Kontexts jedoch auch onkologische Risiken bergen können. Mang beschreibt dieses dynamische Zusammenspiel aus Stimulation und Kontrolle als evolutionsbiologisch sinnvolles Prinzip, das u. a. durch die Interaktion zwischen Östrogenen und zytotoxischen T-Zellen geprägt ist.

Ein weiteres zentrales Element des Vortrags thematisierte das pharmakologische Prinzip „Sola dosis facit venenum“ – die Dosis bestimmt, ob eine Substanz nützlich oder schädlich ist. Gerade in der modernen Hormonersatztherapie (HRT) sei eine präzise, niedrig dosierte und gewebespezifisch abgestimmte Gabe entscheidend. Nur so lasse sich eine therapeutisch gewünschte Wirkung entfalten, ohne das Immunsystem übermäßig zu unterdrücken oder Wachstumsprozesse unkontrolliert zu verstärken. Mang betonte, dass die HRT weit mehr als ein Mittel gegen typische Wechseljahresbeschwerden wie Hitze­wallungen sei. Sie könne auch immunmodulierend wirken – wobei weiterhin Forschungsbedarf zu optimalen Dosierungen und Kombinationen bestehe. So zeigten Daten aus der COVID-19-Pandemie: Weibliche Sexualhormone, insbesondere Östrogene, scheinen bei schweren Virusinfektionen eine protektive Rolle zu spielen. Sie reduzieren proinflammatorische Zytokinantworten und fördern gleichzeitig Mechanismen der immunologischen Toleranz. Dies könne erklären, warum Frauen insgesamt seltener schwere Infektionsverläufe hätten.

Klimawandel und Frauengesundheit

Ein Vortrag des Symposiums „Aktuelle Fragen der Menopausen-Sprechstunde“ thematisierte den Einfluss des Klimawandels auf weibliche Hormone: Prof. Annette Hasenburg aus Mainz stellte dar, dass der Klimawandel nicht nur eine ökologische, sondern auch eine tiefgreifende gesundheitliche Herausforderung ist, die Frauen in besonderem Maße betrifft. Extremwetterereignisse, zunehmende Hitze­perioden, Luftverschmutzung und der Verlust natürlicher Ressourcen können direkte und indirekte Auswirkungen auf die weibliche Gesundheit haben. Besonders deutlich werde dies in gynäkologischen Bereichen wie Schwangerschaft, Geburt und hormonabhängigen Erkrankungen. Denn Hitzeperioden erhöhen nachweislich das Risiko für Frühgeburten, hypertensive Schwangerschaftserkrankungen und weitere perinatale Komplikationen. Zudem stehen hormonaktive Schadstoffe, die durch Umweltveränderungen verstärkt freigesetzt oder verbreitet werden, im Verdacht, an der Entstehung hormonabhängiger Tumoren sowie anderer endokriner Erkrankungen beteiligt zu sein.

Da Frauen im Laufe ihres Lebens mehrere hormonelle Übergangsphasen durchlaufen – etwa Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause – reagiert ihr endokrines System sensibler auf klimabedingte Stressoren. Diese hormonellen Umstellungsphasen können durch Hitze, Schadstoffbelastung und psychosoziale Stressoren zusätzlich beeinflusst werden und wirken sich sowohl auf körperliche als auch auf psychische Prozesse aus.

Literatur

1 Bolland MJ et al. N Engl J Med 2025;392(3):239–248.

Die 30. Jahrestagung der DMG wird vom 12.–14.11.2026 im Kongresshaus Kap Europa der Messe Frankfurt/Main stattfinden. Als Tagungspräsidium gestalten Dr. med. Annette Bachmann, Dr. med. Aida Hanjalic-Beck und Prof. Dr. med. Peyman Hadji das Programm.


Mehr Informationen unter menopause-gesellschaft.de

Pressestelle der Deutschen Menopause Gesellschaft e. V.


DMG-Präsidentin: Dr. med. Katrin Schaudig, Praxis für gynäkologische Endokrinologie Schaudig & Schwenkhagen, HORMONEHAMBURG, Hamburg

Tagungspräsidenten: Prof. Dr. med. Thomas Römer, Köln; Dr. med. Susanne Theis, Mainz

Quelle: Jahrestagung der Deutschen Menopause Gesellschaft e. V., Frankfurt am Main, 07. - 08.11.2025