Viszerale Adipositas in den Wechseljahren
Starkes Übergewicht ist in Deutschland wie auch in anderen westlichen Industrieländern weit verbreitet und betrifft besonders Frauen in der Lebensphase rund um die Menopause, wie Prof. Alexander Mann aus Frankfurt/Main in seinem Vortrag „Adipositas und Wechseljahre“ erörterte. Mit dem hormonellen Übergang verändert sich die Körperzusammensetzung deutlich: Während das Gesamtgewicht oft nur leicht steigt, nimmt das viszerale Fett merklich zu – ein Faktor, der Stoffwechselstörungen wie Insulinresistenz und entzündliche Prozesse begünstigt. Langzeitdaten zeigen, dass postmenopausale Frauen einen Zuwachs an Bauchfett bei gleichzeitigem Verlust an Muskelmasse entwickeln, was das metabolische Risiko unabhängig vom BodyMass-Index erhöht. Therapeutisch spielt ein aktiver Lebensstil eine zentrale Rolle. Eine Hormontherapie kann bestimmte Stoffwechselparameter positiv beeinflussen, ist jedoch nicht als primäre Präventionsmaßnahme zugelassen. Erste Hinweise auf mögliche Vorteile der Kombination aus GLP-1-Agonisten und Hormonersatztherapie seien vielversprechend, bedürften aber weiterer Forschung. Mann betonte, wie wichtig vor allem eine frühzeitige, individuell abgestimmte Beratung zu Ernährung, Bewegung und Risikofaktoren sei, um gesundheitlichen Langzeitfolgen vorzubeugen.
Curriculum Menopause
Curriculum Menopause Modul II
28.–29. August 2026, online
Curriculum Menopause Modul I
27.–28. November 2026, online
Informationen unter soft-consult.org/veranstaltungen
Herzinfarkte bei Frauen werden oft übersehen
Frauenherzen geraten beim Thema Herzgesundheit und insbesondere Herzinfarkt noch immer zu wenig in den Fokus, lautete eine zentrale Botschaft im Vortrag „Koronare Herzerkrankung und Myokardinfarkt bei Frauen“ von Dr. Lena Marie Seegers aus Frankfurt/Main. Herzinfarkte treten bei Frauen häufig mit unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, Übelkeit, Rücken oder Armschmerzen auf, was den Weg in die Notaufnahme verzögert. Zudem beeinflussen besondere Risikofaktoren wie Schwangerschaftskomplikationen oder eine frühe Menopause das Herzinfarktrisiko erheblich, ohne in der Praxis konsequent berücksichtigt zu werden. Der in den Wechseljahren stattfindende hormonelle Wandel erhöht das Risiko für Arteriosklerose und beschleunigt Gefäßveränderungen, was Frauen in der Postmenopause besonders vulnerabel macht. Bildgebende Studien belegen außerdem, dass Frauen häufiger mikrovaskuläre Funktionsstörungen oder nicht obstruktive koronare Veränderungen entwickeln, die in der klassischen Diagnostik leichter übersehen werden. Dies mache eine geschlechtssensible kardiologische Versorgung dringlich, um Herzinfarkte bei Frauen frühzeitiger zu erkennen und ihre Prognose zu verbessern.
Hormone und Immunsystem
Der Vortrag von Prof. Christian Mang aus Hörnum zum Thema „Hormone und Immunsystem“ verdeutlichte, wie eng das hormonelle System mit den Abwehrmechanismen des Körpers verknüpft ist und welche besondere Rolle Steroidhormone dabei spielen. Mang erklärte, dass Hormone wie Östrogene, Gestagene und Glukokortikoide weit über ihre klassischen Funktionen in Stoffwechsel, Menstruationszyklus oder Schwangerschaft hinausgehen: Sie wirken als zentrale Regulatoren immunologischer Signalwege und beeinflussen entscheidend, wie stark oder schwach das Immunsystem auf äußere Reize reagiert.
Ein Schwerpunkt seines Vortrags lag auf der modulierenden Wirkung der Östrogene. Diese können ähnlich wie Glukokortikoide immunologische Reaktionen dämpfen, was dem Körper hilft, Energie zu sparen und Gewebe vor übermäßigen Entzündungsreaktionen zu schützen. Gleichzeitig wirken Östrogene als Wachstumsfaktoren, die in der Schwangerschaft physiologisch wertvoll sind, außerhalb dieses Kontexts jedoch auch onkologische Risiken bergen können. Mang beschreibt dieses dynamische Zusammenspiel aus Stimulation und Kontrolle als evolutionsbiologisch sinnvolles Prinzip, das u. a. durch die Interaktion zwischen Östrogenen und zytotoxischen T-Zellen geprägt ist.
Ein weiteres zentrales Element des Vortrags thematisierte das pharmakologische Prinzip „Sola dosis facit venenum“ – die Dosis bestimmt, ob eine Substanz nützlich oder schädlich ist. Gerade in der modernen Hormonersatztherapie (HRT) sei eine präzise, niedrig dosierte und gewebespezifisch abgestimmte Gabe entscheidend. Nur so lasse sich eine therapeutisch gewünschte Wirkung entfalten, ohne das Immunsystem übermäßig zu unterdrücken oder Wachstumsprozesse unkontrolliert zu verstärken. Mang betonte, dass die HRT weit mehr als ein Mittel gegen typische Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen sei. Sie könne auch immunmodulierend wirken – wobei weiterhin Forschungsbedarf zu optimalen Dosierungen und Kombinationen bestehe. So zeigten Daten aus der COVID-19-Pandemie: Weibliche Sexualhormone, insbesondere Östrogene, scheinen bei schweren Virusinfektionen eine protektive Rolle zu spielen. Sie reduzieren proinflammatorische Zytokinantworten und fördern gleichzeitig Mechanismen der immunologischen Toleranz. Dies könne erklären, warum Frauen insgesamt seltener schwere Infektionsverläufe hätten.
Klimawandel und Frauengesundheit
Ein Vortrag des Symposiums „Aktuelle Fragen der Menopausen-Sprechstunde“ thematisierte den Einfluss des Klimawandels auf weibliche Hormone: Prof. Annette Hasenburg aus Mainz stellte dar, dass der Klimawandel nicht nur eine ökologische, sondern auch eine tiefgreifende gesundheitliche Herausforderung ist, die Frauen in besonderem Maße betrifft. Extremwetterereignisse, zunehmende Hitzeperioden, Luftverschmutzung und der Verlust natürlicher Ressourcen können direkte und indirekte Auswirkungen auf die weibliche Gesundheit haben. Besonders deutlich werde dies in gynäkologischen Bereichen wie Schwangerschaft, Geburt und hormonabhängigen Erkrankungen. Denn Hitzeperioden erhöhen nachweislich das Risiko für Frühgeburten, hypertensive Schwangerschaftserkrankungen und weitere perinatale Komplikationen. Zudem stehen hormonaktive Schadstoffe, die durch Umweltveränderungen verstärkt freigesetzt oder verbreitet werden, im Verdacht, an der Entstehung hormonabhängiger Tumoren sowie anderer endokriner Erkrankungen beteiligt zu sein.
Da Frauen im Laufe ihres Lebens mehrere hormonelle Übergangsphasen durchlaufen – etwa Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause – reagiert ihr endokrines System sensibler auf klimabedingte Stressoren. Diese hormonellen Umstellungsphasen können durch Hitze, Schadstoffbelastung und psychosoziale Stressoren zusätzlich beeinflusst werden und wirken sich sowohl auf körperliche als auch auf psychische Prozesse aus.