Arbeitswelt im Wandel: Gynäkologische Praxis setzt auf moderne Konzepte
Wie kann ein zeitgemäßer Arbeitsplatz in der ambulanten gynäkologischen Versorgung aussehen? Mit dieser Fragestellung befasste sich die Gynäkologin Dr. Diana Grünberger, die vor rund 13 Monaten den Schritt in die Niederlassung gewagt hat. Vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Arbeitswelt sowie veränderter Erwartungen insbesondere jüngerer Vertragsärztinnen und Vertragsärzte entwickelte sie ein modernes Organisationskonzept für ihre Praxis in Dinslaken.
Im Rahmen ihres Vortrags stellte Grünberger die Neuausrichtung und strukturelle Weiterentwicklung ihrer Praxis vor und präsentierte konkrete Ansätze zur Optimierung von Arbeitsabläufen. Anfang 2025 hatte sie eine bestehende Gemeinschaftspraxis übernommen, die aus Altersgründen abgegeben worden war. Eine der früheren Inhaberinnen ist weiterhin in Teilzeit bis zum Eintritt in den Ruhestand als angestellte Fachärztin bei ihr tätig. Eine weitere Ärztin arbeitet in Anstellung in der Praxis. Diese Konstellation habe sowohl die Kontinuität in der Patientenversorgung als auch die schrittweise Implementierung neuer Strukturen begünstigt.
Herzstück MFA
Im Zentrum ihres Praxiskonzepts stehen die Medizinischen Fachangestellten (MFA), deren Aufgabenprofil bewusst stark medizinisch ausgerichtet ist. Administrative Tätigkeiten werden gezielt gebündelt und teilweise in flexible Arbeitsmodelle ausgelagert. So können bestimmte Aufgaben wie Abrechnungskontrollen, die Erstellung von Tageslisten sowie die Vorbereitung von Rezepten und Überweisungen auch im Homeoffice durchgeführt werden. Dies trage zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben der Mitarbeitenden bei.
Prozesse strukturieren und automatisieren
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung von Prozessen. Die Medizinerin setzt u. a. auf digitale, strukturierte Checklisten, die Patientinnen bereits vor dem Praxisbesuch ausfüllen können. Diese vorab erhobenen anamnestischen und organisatorischen Informationen ermöglichen eine effizientere Vorbereitung der Konsultation und unterstützen die MFA bei der gezielten Information der Patientinnen. Gleichzeitig könne die ärztliche Sprechzeit fokussierter genutzt werden.
Weitere konkrete Perspektiven seien der Einsatz KI-gestützter Telefonsysteme zur strukturierten Patientenanfrage sowie Softwarelösungen zur Unterstützung der Abrechnung. Beide Ansätze könnten dazu beitragen, administrative Prozesse zu standardisieren und personelle Ressourcen effizienter einzusetzen.
(Nicht-)Monetäre Anreize
Auch im Bereich der Personalführung verfolgt die Referentin moderne Ansätze. Neben einer leistungsgerechten Vergütung setzt sie auf zusätzliche monetäre und nicht-monetäre Anreize, um Motivation und Mitarbeiterbindung zu stärken. Solche Gehaltsextras würden von den Beschäftigten positiv angenommen und könnten im Wettbewerb um qualifiziertes Fachpersonal eine wichtige Rolle spielen.
Fazit
Insgesamt verdeutlichte der Vortrag, dass flexible Arbeitsmodelle und digitale Werkzeuge wesentliche Bausteine für eine zukunftsfähige gynäkologische Versorgung im ambulanten Bereich darstellen können.
Amelie Kaufmann, Redakteurin
Quelle: Hauptthema „Junge Perspektiven“ anlässlich des FOKO, 06.03.2026, Düsseldorf. Veranstalter: Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V.
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