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Leitlinie

Handekzemen vorbeugen: Aktualisierte S2k-Leitlinie zu „Beruflichen Hautmitteln“

Die S2k-Leitlinie „Berufliche Hautmittel: Hautschutz, Hautpflege und Hautreinigung" wurde als Upgrade der bisherigen S1-Leitlinie erarbeitet. Sie behandelt vor allem die Vorbeugung von Handekzemen und Kontaktdermatitis in Risikoberufen. Wir fassen die wichtigsten Neuerungen zusammen.


17.04.2026
K. Kroter
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S2k-Leitlinie
“Berufliche Hautmittel”

Auf einen Blick

  • Handwaschfrequenz auf das Minimum reduzieren; bei infektionsgefährdenden Tätigkeiten Händedesinfektion bevorzugen.
  • Hautschutzmittel ersetzen keine Schutzhandschuhe und bieten keinen Schutz gegen systemtoxische Gefahrstoffe.
  • Bei vorgeschädigter Haut: auf Inhaltsstoffe mit erhöhtem Sensibilisierungsrisiko (Tabelle 1) verzichten.
  • Anwendung von Hautschutz- oder Hautpflegemitteln mit Aluminiumchlorohydrat bei intakter Haut kann erwogen werden.
  • Verwendung von flüssigkeitsdichten Handschuhen bei Körperwaschungen und Eincremen bei Patientenpflege, um Hautkontakt mit Wasser und Reinigungsmitteln zu vermeiden

Chronische Handekzeme betreffen zwischen 1 bis 5 % der Bevölkerung. Gerade in Berufen in denen die Hautbarriere durch Feuchtarbeit geschädigt wird und die Haut in direkten Kontakt mit Gefahrstoffen tritt, kann die Punktprävalenz für Handekzeme bis zu 40 % betragen. Zu Risikoberufen zählen beispielsweise Friseurfachkräfte, Reinigungskräfte, Beschäftigte im Gesundheitswesen, Arbeitende in Metallbetrieben oder in den Bauberufen. Oft kommen bei Betroffenen Rhagaden und Hyperkeratosen hinzu, die ihrerseits die “Handarbeit” beeinträchtigen können. 

Berufliche Hautmittel ersetzen keine Schutzhandschuhe

Für eine Prävention von Handekzemen ist die richtige Anwendung von Hautschutz-, Hautpflege- und Hautreinigungsmitteln (kurz: berufliche Hautmittel) wichtig. „Die regelmäßige Anwendung von Hautschutz- und Hautpflegemitteln sowie die Durchführung einer schonenden Hautreinigung können dazu beitragen, dass die Haut die Belastungen am Arbeitsplatz besser toleriert und sich bei eingetretenen Belastungen schneller regeneriert“, betont Leitlinienkoordinator Dr. Michal Gina, Bochum. Nichtsdestotrotz ersetzen berufliche Hautmittel nicht die Verwendung von Schutzhandschuhen oder anderen Präventionsmaßnahmen nach dem STOP-Prinzip (Substitution, technische, organisatorische und persönliche Maßnahmen), die immer Vorrang haben, fügt er hinzu. Die Hautmittel sollten in ausreichenden Zeitabständen und bis zum Einwirken appliziert werden, bevor flüssigkeitsfeste Schutzhandschuhe angezogen werden. Anzumerken ist, dass der Schutz von feuchtigkeitsfesten Handschuhen mit Hautschutzmittel nicht erzielt werden kann: Hautschutz mittel dienen lediglich zum Schutz vor Irritationen und nicht zum Schutz vor systemtoxischen Arbeitsstoffen. 

Hautreinigung: so oft wie nötig, so wenig wie möglich

Da auch die Hautreinigung zu Schäden in der Hautbarriere bis hin zu irritativen Kontaktdermatitis führen kann, empfiehlt die Leitlinie die Hautreinigungsfrequenz und -dauer auf ein Minimum zu reduzieren. Bei der Wahl des Hautreinigungsmittels sollte auf folgende Punkt geachtet werden: ein neutraler bis leicht saurer pH-Wert, es sollten Tenside enthalten und möglichst reibekörperfrei sein.  Sind die Verschmutzungen stärker wird von der Benutzung von Bürsten jeglicher Art abgeraten. Stattdessen gibt die Leitlinie als Empfehlung Papiertücher und Reinigungsmittel mit modernen Reibemitteln aus biologischem Material vor. Für infektionsgefährdende Tätigkeiten ohne sichtbare Verunreinigungen: Desinfektionsmittel sind Reinigungsmitteln mit Detergenzien vorzuziehen.

Sensibilisierung und Irritationen durch berufliche Hautmittel

Berufliche Hautmittel zählen zu Kosmetika und unterliegen somit der EU-Kosmetik-Verordnung. Sie müssen somit nicht wie Arzneimittel klinische Prüfungen durchlaufen. Tabelle 1 zeigt Substanzen, die in Studien proportional häufig in Verbindung zu Kontaktallergien stehen. Von der Leitliniengruppe wird empfohlen, dass diese Stoffe vor allem bei geschädigter Haut nicht in beruflichen Hautmitteln enthalten sein sollen, um eine potentielle Kontaktallergie zu vermeiden. „Trotz der breiten Regulierung durch den Gesetzgeber dürfen berufliche Hautmittel einige Problemallergene enthalten, die zu allergischen Kontaktekzemen führen können. In diesem Bereich besteht allerdings noch weiterer Forschungsbedarf“, erklärt Prof. Manigé Fartasch, Berufsdermatologin und im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie (ABD).

Aluminiumchlorohydrat in beruflichen Hautmitteln

Die Aufnahme von Aluminium in Form von Nahrung, aber auch subkutan, wurde vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als bedenklich eingeordnet. Einer Neueinschätzung nach ist die Gesamtabsorption von Aluminium über die Haut durch in beruflichen Hautmitteln enthaltenem Aluminiumchlorohydrat deutlich geringer als angenommen, wodurch diese bei beruflichen Hautmittel zum Gebrauch erwogen werden können.

Nutzung von flüssigkeitsdichten Handschuhen im Gesundheitswesen

Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) spricht sich für einen adäquaten Einsatz für Einmalhandschuhe aus: Aus ökologischen und hygienischen Gründen wird empfohlen, die Nutzung von Einmalhandschuhen auf ein Minimum zu begrenzen. In zwei Fällen sieht die KRINKO eine Notwendigkeit von flüssigkeitsdichten Handschuhen: bei Körperwaschungen und dem Eincremen von Patienten. 


„Die Aktualisierung der Leitlinie bringt Klarheit bei der Auswahl und Anwendung der beruflichen Hautmittel. Zugleich erhöht sie das Bewusstsein für die Bedeutung von Hautschutz und entsprechenden Pflegemaßnahmen am Arbeitsplatz“, sagt Prof. Silke Hofmann, Direktorin des Zentrums für Dermatologie, Allergologie und Dermatochirurgie, HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal.


Konservierungsmittel
Chlormethylisothiazolinon (Chloromethylisothiazolinone)
Methylisothiazolinon (Methylisothiazolinone)
Duftstoffe
Citral
Eugenol
Farnesol
Geraniol
Hydroxycitronellal
Isoeugenol
Zimtaldehyd Cinnamal
Zimtalkohol (Cinnamyl Alcohol)
Naturstoff-Extrakte / Ätherische Öle
Jasmin absolut (Jasminum Officinale (Jasmine) Extract)
Lemongrasöl (Cymbopogon Schoenanthus Oil)
Nelkenöl (Eugenia Caryophyllus (Clove) Leaf Oil)
Perubalsam/Myroxylon pereirae (Balsam Peru)
Propolis (Propolis Extract)
Sandelholzöl (Santalum Album (Sandalwood) Oil)
Ylang-Ylang Öl (Cananga Odorata Flower Oil)
Tabelle 1: In Hautmitteln wegen des erhöhten Risikos einer Kontaktsensibilisierung speziell bei vorgeschädigter Haut nicht erwünschte Inhaltsstoffe. 12/12 der Experten gaben einen starken Konsens an [1].
Literatur

1. M. Gina, M. Fartasch et al. S2k-Leitlinie „Berufliche Haut-mittel: Hautschutz, Hautpflege und Hautreinigung zur Prävention von Handekzemen“ (AWMF-Register-Nr. 013 - 056) (2025) verfügbar unter: register.awmf.org/de/leitlinien/detail/013-056

2. https://idw-online.de/de/news864176