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Multidisziplinäre Therapie

Neue europäische Leitlinie soll Versorgung aneurysmatischer Gehirnblutungen verbessern

Die neue europäische Leitlinie zur Behandlung aneurysmatischer Gehirnblutungen zielt darauf ab, die Genesung und langfristige körperliche, kognitive und emotionale Funktionsfähigkeit durch eine frühzeitige, multidisziplinäre Behandlung der Subarachnoidalblutung zu verbessern.


19.05.2026
K. Breitenborn
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Europäische Leitlinie
Behandlung aneurysmatischer Gehirnblutungen

Auf einen Blick
 

  • Neue europaweite Leitlinie zur Behandlung aneurysmatischer Gehirnblutungen veröffentlicht
  • Überwiegend Menschen in einem relativ jungen Alter betroffen, zwei Drittel davon sind Frauen
  • Ziel: bessere Überlebenschancen und bessere körperliche, kognitive und emotionale Erholung der Patienten
  • Frühzeitige, multidisziplinäre Behandlung der Subarachnoidalblutung
  • Leitlinie enthält Empfehlungen zum Zeitpunkt der Therapie, zu Behandlungsmethoden und zur Vermeidung und Behandlung von Komplikationen
  • Diagnostische Methoden, um die Ursache einer Verschlechterung des klinischen Zustands zu untersuchen

Im Mai 2026 veröffentlichten die drei wichtigsten europäischen Fachgesellschaften für die Behandlung aneurysmatischer Hirnblutungen – ESO, EANS und ESMINT* – eine neue gemeinsame Leitlinie. Sie gilt europaweit und enthält aktuelle Empfehlungen zur Behandlung dieser schweren Erkrankung. Die erste Leitlinie zu diesem Thema hatte die ESO bereits vor 13 Jahren herausgegeben.

Ziel der neuen Empfehlungen ist es, die Überlebenschancen sowie die körperliche, kognitive und emotionale Erholung der Betroffenen zu verbessern. Dafür wird eine möglichst frühe und enge Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Fachrichtungen empfohlen. Grundlage der Leitlinie sind aktuelle wissenschaftliche Studien sowie die Erfahrung internationaler Experten.

Aneurysmatische Gehirnblutungen: frühzeitige, multidisziplinäre Behandlung erforderlich

Eine aneurysmatische Hirnblutung entsteht, wenn eine Aussackung an einer Hirnarterie (Aneurysma) einreißt oder platzt. Dabei gelangt Blut in den Raum zwischen Gehirn und Hirnhäuten, der normalerweise mit Liquor gefüllt ist. Diese Form der Blutung wird als aneurysmatische Subarachnoidalblutung bezeichnet und ist lebensbedrohlich.

Schätzungen zufolge haben etwa drei bis fünf Prozent der Erwachsenen ein Aneurysma im Gehirn, ohne es zu wissen. Meist verursacht es keine Beschwerden und bleibt daher unentdeckt. Platzt ein solches Aneurysma, kommt es zwar vergleichsweise selten zu einer Hirnblutung – betroffen sind jedoch häufig jüngere Menschen: Rund die Hälfte der Patienten ist jünger als 50 Jahre, etwa zwei Drittel sind Frauen.

Die Folgen einer aneurysmatischen Hirnblutung sind oft schwerwiegend. Etwa die Hälfte der Betroffenen stirbt innerhalb von drei Monaten. Viele Überlebende erreichen anschließend nicht mehr ihre frühere Selbstständigkeit oder Leistungsfähigkeit. Damit zählt diese Form der Hirnblutung zu den schwersten Schlaganfallerkrankungen und hat auch gesamtgesellschaftlich große sozioökonomische Auswirkungen.

Komplikationen nach der Blutung unbedingt vermeiden

Wie gut sich Patienten erholen, hängt nicht nur von der Stärke der Blutung ab, sondern vor allem davon, ob Komplikationen verhindert werden können. Besonders kritisch sind die ersten zwei Wochen nach der Blutung. In dieser Zeit drohen unter anderem erneute Blutungen aus dem Aneurysma sowie Durchblutungsstörungen im Gehirn, die weitere Schlaganfälle auslösen können.

Die Neurochirurgische Klinik der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) gehört international zu den führenden Zentren für neurovaskuläre Erkrankungen und Hirnaneurysmen. Der Direktor der Klinik, Prof. Nima Etminan, war als Chair und Seniorautor der Leitliniengruppe maßgeblich an der Entwicklung der neuen Empfehlungen beteiligt.


„Diese Leitlinie ist ein bedeutender Meilenstein für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit aneurysmatischen Hirnblutungen in Europa und darüber hinaus. Sie bündelt die aktuell beste verfügbare Evidenz und praxisnahe Expertenmeinungen. Die Tatsache, dass die bei der Behandlung wesentlich beteiligten Fachdisziplinen Europas diese Leitlinie gemeinsam entwickelt und verabschiedet haben, ist wichtig, um künftig eine konsistente, hochwertige Versorgung sicherzustellen.“

Prof. Nima Etminan, Mannheim


Das Spektrum der Empfehlungen ist umfangreich und adressiert Fragen wie: Zu welchem Zeitpunkt sollte ein geblutetes Aneurysma behandelt werden? Welche Behandlungsmethoden sind am besten geeignet? Welche Medikamente können dazu beitragen, das Risiko von Komplikationen in der Klinik zu senken? Aber auch diagnostische Methoden, um der Ursache einer Verschlechterung des klinischen Zustands auf den Grund zu gehen, sowie die Behandlung von Komplikationen, sind Gegenstand von Empfehlungen.

Aneurysmatische Gehirnblutungen: evidenzbasierte Orientierungshilfen für die klinische Praxis

„Die Leitlinien bieten aktuelle, evidenzbasierte Orientierungshilfen für die klinische Praxis. Darüber hinaus werden Bereiche aufgezeigt, in denen noch Unsicherheiten bestehen. Damit liefern die Leitlinien auch eine Agenda für die Forschungsschwerpunkte der kommenden Jahre“, ergänzt Prof. Gabriel Rinkel, der als Gastprofessor die Forschung in der Neurochirurgischen Klinik der UMM insbesondere im Bereich der neurovaskulären Erkrankungen unterstützt.

*European Stroke Organisation (ESO), European Association of Neurosurgical Societies (EANS) und European Society for Minimally Invasive Neurological Therapy (ESMINT)

Leitlinie

Vergouwen MDI et al. European Stroke Organisation (ESO), European Association of Neurosurgical Societies (EANS) and European Society for Minimally Invasive Neurological Therapy (ESMINT) guideline on aneurysmal subarachnoid haemorrhage. European Stroke Journal 2026; 11 (5): aakag043, https://doi.org/10.1093/esj/aakag043