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Retrospektive Kohortenstudie

Höhere Lebendgeburtenraten bei Anwendung von Progesteron in Form von Vaginalkapseln

Im Januar 2026 wurde die bislang größte retrospektive Kohortenstudie zum direkten Vergleich der beiden Darreichungsformen von Progesteron in der der assistierten Reproduktionsmedizin (ART) von Dhillon-Smith et al. publiziert. Dabei zeigten sich unter Anwendung der vaginalen Weichkapseln im Vergleich zu den Vaginalzäpfchen höhere Schwangerschafts- und Lebendgeburtenraten.1


21.06.2026
Besins Healthcare
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Progesteron gilt als zentrales Hormon für die Initiierung und den Erhalt einer Schwangerschaft. Nach Konzeption im Rahmen der ART ist die Anwendung dieses Leithormons zur Lutealphasenunterstützung (LPS) unerlässlich. Weltweit wird hierfür überwiegend Progesteron eingesetzt – am häufigsten in vaginaler Applikationsform. Mikronisiertes vaginales Progesteron (MVP) steht dabei als vaginale Weichkapsel oder als Vaginalzäpfchen zur Verfügung.

Im Rahmen der retrospektiven Kohortenstudie wurde an 23.149 Patientinnen ausgewertet, inwieweit sich die Outcomes hinsichtlich Schwangerschafts-, Lebendgeburten- und Fehlgeburtenraten unter der Anwendung von Vaginalkapseln versus Vaginalzäpfchen unterschieden. Dabei flossen in die Auswertung insgesamt 42.291 Behandlungszyklen (Vaginalkapseln: 25.738; Vaginalzäpfchen: 16.553) ein, die im Zeitraum von Januar 2017 bis Dezember 2022 in einer britischen Klinikkette durchgeführt wurden.

Berücksichtigt wurden Frauen mit IVF-/ICSI- (In-vitro-Fertilisation/intrazytoplasmatische Spermieninjektion) sowie HRT-FET-Zyklen (Frozen-Embryo-Transfer), die zur LPS ausschließlich Utrogestan®* (Vaginalkapseln) oder Cyclogest® (Vaginalzäpfchen) erhalten hatten. Die Dosierung betrug bei den Vaginalkapseln 3 × 200 mg täglich im IVF/ICSI-Zyklus beziehungsweise 2 × 400 mg täglich im HRT-FET-Zyklus. Die Vaginalzäpfchen wurden in beiden Zyklusarten mit 2 × 400 mg täglich angewendet. Primäre Endpunkte stellten die Lebendgeburtenrate(LBR) und Fehlgeburtenrate (MR/miscarriage rate) pro Zyklus dar. Als sekundärer Endpunkt wurde unter anderem die klinische Schwangerschaftsrate (CPR) definiert.1

Anwendung vaginaler Weichkapseln zeigte Vorteile

In der Subanalyse der IVF-/ICSI-Zyklen zeigte sich unter den Vaginalkapseln eine höhere CPR (38,5 %) im Vergleich zu den Vaginalzäpfchen (32,5 %). Auch hinsichtlich der LBR ergab sich ein signifikanter Vorteil zugunsten der Kapseln (34,3 % vs. 27,8 %, siehe Tabelle 1).1 Ein vergleichbares Bild ergab sich bei den HRT-FET-Zyklen. Die CPR lag unter den Vaginalkapseln bei 40,9 % gegenüber 37,7 % unter den Vaginalzäpfchen. Ebenso war die LBR in der Kapselgruppe signifikant höher (36,7 % vs. 32,9 %). Zudem wurde in dieser Kohorte eine signifikant niedrigere Fehlgeburtenrate unter Anwendung der Vaginalkapseln dokumentiert (siehe Tabelle 1).1 Die Ergebnisse wurden in einer multivariaten Analyse für die Variablen Alter, Dauer der Subfertilität, Anzahl vorheriger Zyklen, BMI, ethnische Herkunft, Ursache der Subfertilität, Anzahl der Eizellen und der transferierten Embryonen adjustiert.1

  Vaginalzäpfchen
(n = 8.420 Zyklen)
Vaginale Weichkapseln
(n = 11.149 Zyklen)
p-Wert
IVF/ICSIKlinische Schwangerschaftsrate
(CPR)
32,5 % (2.006)38,5 % (4.524)p < 0,0001
 Lebendgeburtenrate (LBR)27,8 % (1.715)34,3 % (4.026)p < 0,0001
 Fehlgeburten insgesamt14,5 % (898)13,4 % (1.573)p < 0,05
HRT-FETKlinische Schwangerschaftsrate
(CPR)
37,7 % (2.875)40,9 % (4.327)p < 0,0001
 Lebendgeburtenrate (LBR)32,9 % (2.507)36,7 % (3.879)p < 0,0001
 Fehlgeburten insgesamt19,7 % (1.500)17,2 % (1.817)p < 0,001
Tab. 1: Schwangerschaftsergebnisse unter den Vaginalzäpfchen vs. der vaginalen Weichkapseln bei IVF/ICSI- bzw. HRT-FET-Zyklen (modifiziert nach Dhillon-Smith et al.1)

 

Erklärungsansätze für die signifikant unterschiedlichen Effekte der Progesteron-Präparate

Als mögliche Ursache für die beobachteten signifikanten Wirksamkeitsunterschiede werden von den Autoren pharmakokinetische Unterschiede zwischen den Präparaten diskutiert. Die in den Vaginalkapseln enthaltenen Trägersubstanzen Sonnenblumenöl und Lecithin könnten die Passage durch lokale lipophile Zellmembranen begünstigen und so die Resorption beeinflussen. Darüber hinaus wird dem Trägeröl selbst ein möglicher deziduogener Effekt, also eine fördernde Wirkung auf die Reifung des Endometriums, zugeschrieben.

Fazit

Die Ergebnisse dieser großen retrospektiven Kohortenstudie zeigen, dass bei vaginal appliziertem Progesteron zur LPS im Rahmen der ART die Darreichungsform einen relevanten Einfluss auf den Behandlungserfolg haben kann. Die Anwendung der Vaginalkapseln war verglichen mit den Vaginalzäpfchen sowohl in IVF-/ICSI- als auch in HRT-FET-Zyklen mit besseren Schwangerschaftsergebnissen (höhere CPR und LBR) assoziiert. Die Studie überzeugt durch ihre hohe Fallzahl, die Berücksichtigung verschiedener potenzieller Confounder sowie die Fokussierung auf klinisch relevante Endpunkte. Aufgrund des retrospektiven Designs dieser Studie sollte die Wirksamkeit beider Progesteron-Präparate in einer prospektiven randomisierten kontrollierten Studie genauer untersucht bzw. verglichen werden, so die Autoren.1

Quelle: Besins Healthcare Germany GmbH