Weniger Nachwuchs durch Smartphones – mehr durch Homeoffice?
Smartphones stehen im Verdacht, Geburtenraten zu senken – Homeoffice hingegen könnte sie steigern. Zwei aktuelle Studien zeigen, wie digitale Technologien die Familienplanung auf unterschiedliche Weise verändern.
Homeoffice als Geburtenmotor
Die Digitalisierung verändert unseren Alltag tiefgreifend – und offenbar auch die Geburtenraten. Eine internationale Untersuchung des ifo Instituts und der Stanford University zeigt, dass flexible Arbeitsmodelle die Familienplanung begünstigen können. In Haushalten, in denen mindestens ein Elternteil regelmäßig im Homeoffice arbeitet, liegt die Geburtenrate im Schnitt um 14 Prozent höher als in vergleichbaren Haushalten ohne Heimarbeit. Besonders deutlich fällt der Effekt aus, wenn beide Partner von zu Hause arbeiten: Hier steigen sowohl die tatsächlichen als auch die geplanten Kinderzahlen spürbar. Für Deutschland könnte eine stärkere Verbreitung von Homeoffice laut den Forschenden jährlich rund 13.500 zusätzliche Geburten bedeuten.
Als Erklärung wird vor allem die gewonnene Flexibilität genannt. Wer Wegezeiten spart und Arbeit besser mit dem Privatleben verzahnen kann, hat offenbar eher die Möglichkeit, Kinderwünsche umzusetzen. Homeoffice allein löst zwar keine demografischen Probleme, könnte aber helfen, den Trend sinkender Geburtenraten abzufedern.
Smartphones und der Mythos vom Bevölkerungsschwund
Ganz anders liest sich zunächst eine viel diskutierte Studie zur Verbreitung von Smartphones. Sie bringt die zunehmende Nutzung mobiler Geräte mit rückläufigen Geburtenraten in Industrieländern in Verbindung. In sozialen Medien wurde daraus schnell die zugespitzte These, die Digitalisierung führe zur „Auslöschung“ der Menschheit. Doch diese Interpretation greift zu kurz.
Wie die „Unstatistik des Monats“ des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung e.V. hervorhebt, zeigt die Studie vor allem einen starken Rückgang der Geburten bei Teenagerinnen. Für Frauen zwischen 15 und 19 Jahren sank die Geburtenrate deutlich, bei den 20- bis 24-Jährigen leicht. Für Frauen über 25 – die rund 80 Prozent aller Geburten ausmachen – ließ sich hingegen kein Effekt nachweisen. Der Rückgang betrifft also vor allem ungewollte Schwangerschaften im Jugendalter, was durchaus als positive Entwicklung gewertet werden kann.
Mehr als nur ein Zusammenhang
Zugleich weisen die Daten auf problematische Begleiterscheinungen hin: Parallel zur Smartphone-Verbreitung stiegen etwa die Selbstmordraten unter Jugendlichen. Allerdings betonen die Forschenden des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, dass es sich hierbei um Zusammenhänge, nicht zwingend um direkte Ursachen handelt.
Entscheidend ist: Digitalisierung wirkt nicht eindimensional auf die Gesellschaft. Während Smartphones das Verhalten junger Menschen verändern und offenbar bestimmte Lebensrealitäten – etwa frühe Elternschaft – zurückdrängen, schafft sie zugleich neue Freiräume.
Einfluss der Digitalisierung auf Familien
Gerade das Homeoffice zeigt, dass digitale Technologien auch dazu beitragen können, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Die These vom „Aussterben durch Digitalisierung“ hält einer genaueren Betrachtung daher nicht stand. Stattdessen offenbart sich ein komplexes Zusammenspiel: Weniger ungewollte Geburten auf der einen Seite, bessere Bedingungen für geplante Familiengründungen auf der anderen. Die Zukunft der Geburtenraten dürfte damit weniger von der Technologie selbst abhängen als davon, wie sie in den Alltag integriert wird.
Quelle: ifo Institut (https://www.ifo.de/pressemitteilung/2026-03-18/paare-im-homeoffice-bekommen-mehr-kinder), RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (https://www.rwi-essen.de/presse/wissenschaftskommunikation/unstatistik)