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Allgemein- & Innere Medizin, Proktologie, Abrechnung, Wirtschaft Allgemein- & Innere Medizin Analbeschwerden
Dossier Analbeschwerden

Abrechnung proktologischer Leistungen – Worauf ist zu achten?

Juckreiz, Brennen, Schmerzen oder Blutungen im Analbereich sind in der Hausarztpraxis häufig – doch bei Abrechnung und Verordnung herrscht oft Unsicherheit. Dabei kommt es weniger auf Spezialwissen an als auf eine klare Indikation, vollständige Leistungserbringung und nachvollziehbare Dokumentation.


03.06.2026
DR. KADE
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Proktologische Beschwerden sollten nicht vorschnell als Hämorrhoidalleiden eingeordnet, sondern untersucht, differenzialdiagnostisch bewertet und – sofern die Voraussetzungen erfüllt sind – korrekt abgerechnet werden. Gerade hier bestehen in der Praxis Unsicherheiten: Welche Leistungen sind in der Versichertenpauschale enthalten? Und wie lässt sich eine Verordnung wirtschaftlich begründen? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert der Abrechnungsexperte Dr. med. Heiner Pasch aus Kürten.


Welche EBM-Ziffer gilt wann?

Ein zentraler Punkt ist die Unterscheidung zwischen Beratung, klinischer Untersuchung und instrumenteller Diagnostik. Die hausärztliche Beratung zu Ernährung, Stuhlregulation, Defäkationsverhalten, Hygiene oder symptomlindernden Maßnahmen ist ein wichtiger Bestandteil der Versorgung. Bei beratungsintensiven Verläufen kann die EBM-Ziffer 03230 für ein problemorientiertes ärztliches Gespräch relevant sein: Voraussetzung ist ein Gespräch von mindestens 10 Minuten Dauer, das aufgrund von Art und Schwere der Erkrankung erforderlich ist. Für den prokto-/rektoskopischen Untersuchungskomplex steht Hausärzt:innen die EBM-Ziffer 03331 zur Verfügung. Entscheidend ist dabei: Alle obligaten Leistungsbestandteile müssen erbracht und dokumentiert werden. Dazu gehören die rektale Untersuchung, die Patient:innenaufklärung, die Nachbeobachtung beziehungsweise -betreuung sowie mindestens eine instrumentelle Untersuchung – also eine Proktoskopie oder eine Rektoskopie. Wird eine Proktoskopie durchgeführt, ist eine zusätzliche Rektoskopie nicht erforderlich. Ohne instrumentelle Untersuchung bleibt es in der Regel bei der symptombezogenen Untersuchung im Rahmen der Versichertenpauschale.

Prokto-/Rektoskopischer Untersuchungskomplex: Worauf es bei der EBM 03331 ankommt1

Für die Abrechnung müssen die obligaten Leistungsbestandteile vollständig erbracht und dokumentiert sein. Dazu gehören:

  • rektale Untersuchung
  • Proktoskopie und/oder
  • Rektoskopie
  • Patient:innenaufklärung sowie Information zum Ablauf der vorbereitenden Maßnahmen vor dem Eingriff und zu einer möglichen Sedierung und/oder Prämedikation
  • Nachbeobachtung und -betreuung

Fakultativer Leistungsinhalt:

  • Prämedikation/Sedierung
     

 

Auf die korrekte Dokumentation kommt es an

Für die Abrechnung ist nicht nur entscheidend, dass die Untersuchung erfolgt ist, sondern dass sie im Einzelfall nachvollziehbar festgehalten wurde. „Was nicht dokumentiert ist, gilt als nicht gemacht“, so das Fazit von Dr. Pasch. Für Hausärzt:innen ergibt sich daraus eine pragmatische Botschaft: Proktologische Beschwerden lassen sich in der Praxis wirtschaftlich und abrechnungssicher versorgen, wenn Untersuchung, Beratung, Therapieentscheidung und Dokumentation zusammenpassen. Die größte Fehlerquelle ist nicht die Wahl eines bestimmten Präparats, sondern eine unvollständige oder nicht nachvollziehbare Dokumentation.

Fallbeispiel für die Abrechnung proktologischer Leistungen nach EBM 03331


Ein 52-jähriger Patient mit seit fünf Tagen bestehenden starken analen Schmerzen. Selbstmedikation mit frei verkäuflicher Rektalsalbe ohne ausreichende Linderung.

Befund
Vergrößerte Hämorrhoiden Grad II kombiniert mit einer Analfissur.

Diagnostik
Digitale rektale Untersuchung und Proktoskopie.

Therapieentscheidung
Aufgrund starker Schmerzintensität, funktioneller Einschränkung und fehlendem Ansprechen auf OTC erfolgt eine Therapieeskalation mit einem verschreibungspflichtigen Präparat (z. B. DoloPosterine® N).

Beispielhafte Dokumentation
Analfissur. Starke intraanale Schmerzen mit funktioneller Einschränkung. OTC-Therapie ohne ausreichenden Effekt. Eskalation medizinisch erforderlich.

 

Was gilt als wirtschaftlich?

Laut Dr. Pasch wird das Wirtschaftlichkeitsgebot im Sinne des § 12 SGB V häufig missverstanden. Es bedeutet nicht, dass verschreibungspflichtige Arzneimittel grundsätzlich vermieden werden müssen. Maßgeblich ist vielmehr, ob eine Behandlung im konkreten Fall ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich ist. In der Praxis folgt die Versorgung häufig einer Stufentherapie: zunächst nicht-medikamentöse Maßnahmen, anschließend OTC-Präparate und – bei unzureichender Wirkung oder ausgeprägter Symptomatik – eine Eskalation auf ein Rx-Präparat. Eine kurze Dokumentation wie „OTC ohne ausreichenden Effekt“ oder „starke Schmerzen bei Fissur“ kann ausreichen, sofern sie zum Befund passt.

Für die symptomatische Therapie können je nach Beschwerdebild unterschiedliche Optionen infrage kommen. Die Auswahl bzw. Empfehlung sollte sich dabei immer an Diagnose, Symptomatik und medizinischer Notwendigkeit orientieren.

Bei Hämorrhoidalleiden im Anfangsstadium (Grad I–II) mit Juckreiz, Nässen, Brennen sowie leichten Blutungen hat sich der pflanzliche Wirkstoff Hamamelis mit adstringierender und entzündungshemmender Wirkung bewährt (z. B FAKTU® lind Hämorrhoidensalbe).

Bei prolabierten, aber reponierbaren Hämorrhoiden (Grad II–III) kann zudem der physikalisch wirksame POSTERICARE® Hämorrhoiden-Stick eingesetzt werden: Er unterstützt die Reposition der prolabierten Hämorrhoidalpolster und kann so dazu beitragen, einem Voranschreiten des Hämorrhoidalleidens entgegenzuwirken.

Bei Juckreiz und Schmerzen im Analbereich kann ein Lokalanästhetikum wie Lidocain, etwa in Posterisan® akut, empfohlen werden. Bei akuten Schmerzen im Rahmen eines anorektalen Symptomkomplexes können auch stärker wirksame Lokalanästhetika wie Cinchocain, etwa in DoloPosterine® N, verordnet werden. Bei akutem, juckendem und gerötetem Analekzem kann eine kurzzeitige antiphlogistische Therapie mit Hydrocortisonacetat, beispielsweise Postericort®, eine Option sein.

Gut zu wissen: Nicht die Darreichungsform ist prüfungsrelevant, sondern die ärztliche Indikation. Der Wunsch der Patient:innen nach Salbe oder Zäpfchen ersetzt keine medizinische Begründung.

Für die Dokumentation gilt: Sie muss nicht ausführlich ausformuliert sein. Auch standardisierte Formulierungen sind unproblematisch, sofern sie medizinisch plausibel bleiben. Eine prüfsichere Notiz sollte Diagnose, Symptomatik, bisherigen Therapieverlauf und die Begründung der gewählten Therapie erkennen lassen.

Mehr erfahren zur Diagnostik? Besuchen Sie gern hier unsere praxisnahe CME-zertifizierte Fortbildung zum Thema Differenzialdiagnosen des Hämorrhoidalleidens.

1 Kassenärztliche Bundesvereinigung. Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM). Stand: 1. Quartal 2026. https://www.kbv.de/documents/praxis/abrechnung/ebm/archiv/2026-1-ebm.pdf (abgerufen am 12.05.2026)

Pflichttexte

Posterisan® akut 50 mg/g Rektalsalbe
Wirkstoff: Lidocain Zus.: 1 g Rektalsalbe enth. 50 mg Lidocain. Sonst. Bestandt.: Cetylalkohol, Macrogole, gereinigtes Wasser. Anw.: Anwendung bei Erwachsenen; Linderung von Schmerzen im Analbereich vor proktologischer Untersuchung; Symptomatische Behandlung von Juckreiz und Schmerzen im Analbereich (z. B. aufgrund von Hämorrhoiden). Gegenanz.: Überempfindlichkeit gg. Lidocain od. einen der sonst. Bestandteile. Nebenw.: Sehr häufig: Lokale Überempfindlichkeitsreaktionen (z. B. Jucken u. Brennen); häufig: Durchfall; gelegentlich: Anorektales Unwohlsein (z.B. leichte Schmerzen), Rötung (perianales Erythem) Enthält Cetylalkohol. Packungsbeilage beachten.DR. KADE Pharmazeutische Fabrik GmbH, Berlin  
Stand: 04/2024

Faktu® lind Hämorrhoidensalbe 
Faktu® lind Hämorrhoidenzäpfchen 
Wirkstoff: Hamamelisblätter- und -zweigedestillat/Hamamelisblätter-Auszug. Zus.: 1 g Salbe enth. 62,5 mg Destillat aus frischen Hamamelisblättern und -zweigen (1:1,12-2,08), Destillationsmittel: Ethanol 6 % (m/m). Sonst. Bestandt.: Cetylstearylalkohol (Ph. Eur.); Citronensäure-Glycerolmonooleat-Glycerolmonostearat-L-(+)-6-O-Palmitoylascorbinsäure-all-rac-alpha-Tocopherol-Lecithin (2,5:7,5:20:20:25:25); Natriumedetat (Ph. Eur.); Glycerol(mono/di/tri)[adipat/alkanoat(C6-C20)/isostearat]; dickflüssiges Paraffin; mikrokristalline Kohlenwasserstoffe (C40-C60); Propylenglycol; weißes Vaselin; gereinigtes Wasser; Wollwachs (enth. Butylhydroxytoluol). 1 Zäpfchen enth. 400 mg Auszug aus Hamamelisblättern (1:2), Auszugsmittel: Ethanol 60% (V/V). Sonst. Bestandt.: Glycerolmonooleate; Hartfett; mikrokristalline Kohlenwasserstoffe (C40-C60); Polyglycerolpoly(12-hydroxystearat); hochdisperses Siliciumdioxid, methyliert; alpha-Tocopherol (Ph. Eur.). Anw.: Salbe: Zur Besserung der Beschwerden bei Hämorrhoiden Grad I und II. Zäpfchen: Zur Linderung von Beschwerden wie Juckreiz, Brennen, leichte Blutungen bei Hämorrhoiden Grad  I u. II. Gegenanz.: Überempfindlichkeit gg. Hamamelis, Wollwachs (bei Salbe) oder einen d. sonst. Bestandteile. Nebenw.: Salbe Sehr selten: allergische Reaktionen durch Überempfindlichkeit gg. Inhaltsstoffe. Zäpfchen Häufig: kurz anhaltende Irritationen; sehr selten: allergische Reaktionen gegenüber Hamamelis-haltigen Externa. Die Salbe enthält Wollwachs, Butylhydroxytoluol, Cetylstearylalkohol und Propylenglycol. Packungsbeilage beachten. DR. KADE Pharmazeutische Fabrik GmbH, Berlin 
Stand: 03/2023

Postericort® Salbe
Postericort® Zäpfchen
Wirkstoff: Hydrocortisonacetat. Verschreibungspflichtig. Zus.: 1 g Salbe enthält 3,3 mg Hydrocortisonacetat (Ph. Eur.). Sonst. Bestandt.: Phenoxyethanol, weißes Vaselin, gereinigtes Wasser, Wollwachs (enth. Butylhydroxytoluol). 1 Zäpfchen enthält 3,3 mg Hydrocortisonacetat (Ph. Eur.). Sonst. Bestandt.: Hartfett, mittelkettige Triglyceride. Anw.: Postericort® Salbe: Zur Behandlung von akutem, juckendem, gerötetem Analekzem. Postericort® Zäpfchen: Zur Linderung von akuten, juckenden, geröteten Analekzemen, insbesondere im Analkanal und angrenzenden Enddarm. Gegenanz.: Überempfindlichkeit gg. einen Bestandteil des Arzneimittels, spezifische Hautprozesse (z. B. Tuberkulose, Lues, Gonorrhoe) im Behandlungsbereich, Varizellen, Vakzinationsreaktionen, bakterielle Hautinfektionen, Mykosen, periorale Dermatitis, Rosacea, Säuglinge. Nebenw.: Allergische Hautreaktionen (allergische Follikulitiden, Lokalreaktion, Blutung, Brennen, Juckreiz, Trockenheit, Spannung im Analbereich); bei länger dauernder Anwendung Hautatrophien, Steroidakne, Teleangiektasien, Striae. Warnhinw.: Postericort® Salbe enthält Wollwachs und Butylhydroxytoluol. Packungsbeilage beachten. DR. KADE Pharmazeutische Fabrik GmbH, Berlin
Stand: 11/2025

DoloPosterine® N Salbe (Creme) 
DoloPosterine® N Zäpfchen
Wirkstoff: Cinchocainhydrochlorid. Verschreibungspflichtig. Zus.: 1 g Creme enthält 5,0 mg Cinchocainhydrochlorid. Sonst. Bestandt.: Aluminiumstearat; Butylhydroxytoluol (Ph. Eur.); Cetylstearylalkohol (Ph. Eur.); Citronensäure-Monohydrat; Glycerolmonostearat 40 - 55; Isopropylmyristat (Ph. Eur.); Magnesiumstearat (Ph. Eur.); Palmitoylascorbinsäure (Ph. Eur.); Pentaerythritoldicocosfettsäureester; Propylenglycol; hochdisperses, hydrophobes Siliciumdioxid; weißes Vaselin; gereinigtes Wasser. 1 Zäpfchen enthält 6,0 mg Cinchocainhydrochlorid. Sonst. Bestandt.: Butylhydroxytoluol (Ph. Eur.), Citronensäure-Monohydrat, Glycerolmonostearat 40 - 55, Hartfett, Palmitoylascorbinsäure (Ph. Eur.), Propylenglycol, mittelkettige Triglyceride. Anw.: Zur symptomatischen Linderung von akuten Schmerzen bei anorektalem Symptomkomplex. Gegenanz.: Überempfindlichkeit gg. Cinchocainhydrochlorid od. einen d. sonst. Bestandteile; Kinder < 12 Jahren. Vermeidung gleichzeitiger Anwendung anderer Lokalanästhetika. Nebenw.: Lokale Überempfindlichkeitsreaktionen im Afterbereich (Jucken, Brennen); Kontaktekzem (Rötung, Bläschenbildung); generalisiertes Kontaktekzem (Rötung, Bläschenbildung mit Ausbreitung). Warnhinw.: DoloPosterine® N Salbe enthält Butylhydroxytoluol, Cetylstearylalkohol u. Propylenglycol.DoloPosterine® N Zäpfchen enthalten Butylhydroxytoluol. Packungsbeilage beachten. DR. KADE Pharmazeutische Fabrik GmbH, Berlin
Stand: 03/2023

Mit freundlicher Unterstützung der DR. KADE Pharmazeutische Fabrik GmbH