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Leitlinien, Dermatologie Dermatologie Dermatologie, Leitlinien
UVA1, UVB, PUVA

Aktualisierte S1-Leitlinie zu UV-Therapie und Photochemotherapie: Ekzeme bis Prurigo standardisiert behandeln

Wirksam bei Schuppenflechte, Neurodermitis, Handekzem, Sklerodermie und bestimmten kutanen Lymphomen: Die aktualisierte Leitlinie “Empfehlungen zur UV-Therapie und Photochemotherapie” legt ihren Fokus auf die stärkere Strukturierung der Empfehlungen nach Indikation. Welche Neuerungen den Praxisalltag besonders verändern könnten, lesen Sie hier.


12.06.2026
J. Gutmann
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S1-Leitlinie
“Empfehlungen zur UV-Therapie und Photochemotherapie”

Auf einen Blick
 

  • Aktualisierte S1-Leitlinie strukturiert Empfehlungen klar nach Indikationen (z. B. Ekzeme, Psoriasis, Prurigo, Urtikaria)
  • Differenzierte Auswahl der UV-Verfahren (UVB, UVA1, PUVA) je nach Erkrankung statt pauschaler Anwendung
  • Deutlich detailliertere Handlungsempfehlungen zu Durchführung, Dosierung und generell Therapieschemata
  • Stärkere Standardisierung für den Praxisalltag durch konkrete Entscheidungshilfen
  • Erhöhter Fokus auf Sicherheit, Patientenschutz und besondere Patientengruppen wie Kinder

Die UV-Therapie und die Photochemotherapie gehören seit Jahrzehnten zu den etablierten Verfahren in der dermatologischen Behandlung zahlreicher entzündlicher, proliferativer und pigmentierter Hauterkrankungen. Durch die Anwendung ultravioletter Strahlung können Behandler und Behandlerinnen immunmodulatorische, antiproliferative und entzündungshemmende Effekte erzielen. Insbesondere bei chronischen Dermatosen könnten diese sehr zielführend sein. Für therapeutische Zwecke werden nur die langwelligen UV-A-Strahlen und die kurzwelligeren UV-B-Strahlen genutzt. Auch eine Photochemotherapie kann induziert sein: Hier wird die Bestrahlung mit U-VA-Strahlung durch die vorherige Anwendung photosensibilisierender Substanzen, meist Psoralene, ergänzt (Psoralen + UVA = PUVA). 

Trotz moderner Systemtherapien und Biologika bleibt die UV-Therapie bei zahlreichen Hauterkrankungen eine wirksame, gut verträgliche und vergleichsweise kostengünstige Behandlungsoption. 

„Die Behandlung von Hauterkrankungen mit ultravioletter Strahlung ist auch im Zeitalter der sehr guten und wirksamen Biologika nach wie vor wichtig und unverzichtbar. Sie ist sehr gut wirksam und in der Hand erfahrener Dermatologinnen und Dermatologen sicher und nebenwirkungsarm.“

Prof. Mark Berneburg, Präsident der DDG

S1-Leitlinie UV-Therapie und Photochemotherapie integriert aktuelle Forschungsergebnisse

Die kontinuierliche Weiterentwicklung phototherapeutischer Verfahren sowie neue Erkenntnisse zu Wirksamkeit, Sicherheit und Langzeitrisiken machen eine regelmäßige Aktualisierung evidenz- und konsensbasierter Handlungsempfehlungen erforderlich. Mit der aktualisierten S1-Leitlinie „Empfehlungen zur UV-Therapie und Photochemotherapie“ hat die Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG) als federführende Gesellschaft ihre Empfehlungen überarbeitet und an den aktuellen Wissensstand zur Indikationsstellung, Durchführung und Risikobewertung der UV-Therapie und Photochemotherapie angepasst.

In der Aktualisierung der S1-Leitlinie mit Stand 9. Januar 2026 berücksichtigte die DDG zwischenzeitlich erschienene nationale und internationale Leitlinien zu den einzelnen Indikationen für eine UV-Therapie. Ebenso wurde die 2022 erschienene, evidenzbasierte britische Leitlinie zur UVB-311-nm-Lichttherapie einbezogen. Dadurch sollen bisher teils heterogene Empfehlungen harmonisiert und stärker evidenzbasiert begründet werden.

Wichtigste Indikationen und Empfehlungen für die UV-Therapie und die Photochemotherapie

Neu ist unter anderem die stärkere Strukturierung der Empfehlungen nach Indikationen. Die Leitlinie beschreibt, bei welchen Erkrankungen welche UV-Verfahren bevorzugt eingesetzt werden können. Berücksichtigt werden häufige Dermatosen wie Psoriasis, atopische Dermatitis, Vitiligo, Handekzeme, Photodermatosen, Sklerodermie, Pruritus sowie kutane T-Zell-Lymphome wie die Mycosis fungoides. Die Leitlinie fasst die wichtigsten Empfehlungen in einer Tabelle zusammen, die den häufigsten Indikationen die aktuell empfohlene UV- oder Photochemotherapie gegenüberstellt. 

Die Liste umfasst unter anderem folgende Empfehlungen:

  • Starke Empfehlung für Schmalband-UVB (Wellenlänge 311 nm) und UVA1 (mittelhoch dosiert) bei atopischer Dermatitis und sonstigen Ekzemen; schwache Empfehlung für PUVA oral und PUVA topisch (Vollbad/Teilbad oder Creme)
  • Starke Empfehlung für Schmalband-UVB (311 nm), PUVA oral und PUVA topisch bei lymphomatoider Papulose; schwache Empfehlung für UVA1 (mittelhoch dosiert)
  • Starke Empfehlung für PUVA topisch bei palmoplantarer Pustulose; nicht empfohlen wird hier die Behandlung mit UVA1 (mittelhoch dosiert) und PUVA oral
  • Starke Empfehlung für PUVA topisch bei Hand- und Fußekzem, schwache Empfehlung für Schmalband-UVB (311 nm) und UVA1

S1-Leitlinie mit detaillierteren Handlungsempfehlungen

Während frühere Versionen die Verfahren eher allgemein beschrieben, liefert die aktuelle Leitlinie deutlich detailliertere Anleitungen zur Durchführung der einzelnen Therapien. In einem neuen Kapitel 3.6 der Leitlinie werden die wichtigsten Indikationen einzeln besprochen. 

„Uns war wichtig, zu den jeweiligen Therapieverfahren wie Breitband-UVB, Schmalband-UVB, UVA1 und Photochemotherapie ganz konkrete und detaillierte Anleitungen zur Durchführung zu formulieren."

Prof. Sigrid Karrer, stellv. Klinikdirektorin der Regensburger Universitätshautklinik

Relevanz für die tägliche Praxis: Standardisierung in der medizinischen Lichttherapie

Die Leitlinie bewertet die verschiedenen UV-Modalitäten nicht mehr pauschal, sondern indikationsspezifisch. Dadurch wird deutlicher herausgestellt, dass unterschiedliche Erkrankungen von unterschiedlichen Wellenlängen profitieren. Für die Praxis bedeutet das eine präzisere Indikationsstellung statt der häufigen Standardanwendung von Schmalband-UVB bei nahezu allen entzündlichen Dermatosen.

Die wohl wichtigste strukturelle Neuerung ist das neue Kapitel 3.6, in dem die einzelnen Indikationen systematisch besprochen und die verschiedenen UV-Verfahren direkt miteinander verglichen werden. Ergänzend fasst Tabelle 1 der Leitlinie die Empfehlungen für UVB-Breitband, UVB 311 nm, UVA1 sowie orale und topische PUVA übersichtlich zusammen. Damit erhalten Dermatologinnen und Dermatologen erstmals eine Art „Entscheidungshilfe auf einen Blick“, welches Verfahren bei welcher Erkrankung bevorzugt werden sollte.

Dies dürfte die Behandlungsabläufe in Praxen und Kliniken stärker vereinheitlichen. Die Leitlinie enthält ebenfalls standardisierte Empfehlungen zu:

  • Anfangs- und Maximaldosen,
  • Dosiseskalation,
  • Umgang mit Nebenwirkungen,
  • Kontraindikationen,
  • Augen- und Hautschutz,
  • Heimtherapie,
  • Kombinationstherapien mit topischen oder systemischen Therapien und
  • Anwendung bei Kindern und Schwangeren.

Autorin: Juliane Gutmann