Zitierweise: HAUT 2026; 37 (3): 130-131
Wer eine Krebserkrankung überstanden hat, der hat auch den Schock nach der Diagnose hinter sich, viele Überlegungen zur Therapie, eine mitunter schwierige Behandlung mit vielen Nebenwirkungen und einen oft steinigen Weg zurück in den Alltag. Wer die Krebsdiagnose gerade erst erhalten hat, dem steht all das noch bevor. Dann ist es ein Glück, dass es ehemalige Krebspatienten und andere engagierte Menschen gibt, die all jenen helfen, die den weiten Weg noch vor sich haben – mit dem Wissen, dass sie sich über die Jahre im Leben mit der Erkrankung angeeignet haben.
Wer sind Onkolotsen?
Onkolotsen sind speziell ausgebildete Begleitpersonen, die Krebspatienten und ihre Zugehörigen während der Behandlung und in der Nachsorge unterstützen. Der Begriff leitet sich von „Onko-“ für Onkologie und „Lotse“ ab. Ein Onkolotse ist also eine Art „Krebs-Lotse,“ der Betroffenen dabei hilft, sich im komplexen Gesundheitssystem zurechtzufinden und ihnen bei medizinischen, organisatorischen und psychosozialen Fragen zur Seite steht. Onkolotsen fungieren als Schnittstelle zwischen Ärzten, Pflegepersonal, Betroffenen und Zugehörigen. Sie geben Orientierung und entlasten emotional und praktisch. Eine solche Unterstützung umfasst zum Beispiel:
- Organisation: Hilfe bei der Koordination von Terminen und der Kommunikation mit Ärzten und Krankenhäusern.
- Information: Bereitstellung verständlicher Informationen über die Erkrankung, Therapieoptionen und deren Auswirkungen.
- Emotionale Unterstützung: Einfühlsame Begleitung und Ansprechpartner für Ängste und Sorgen.
- Soziale Beratung: Hilfe bei Fragen zu Sozialleistungen, beruflicher Wiedereingliederung oder Rehabilitationsmaßnahmen.
Der emotionale Aspekt ist ein zentraler Bestandteil der Arbeit von Onkolotsen. Krebsdiagnosen gehen oft mit großen und überwältigenden Gefühlen einher – von Angst und Verzweiflung über Unsicherheit bis hin zu quälender Einsamkeit. Onkolotsen bieten genau dann eine entscheidende Unterstützung: Sie sind einfühlsame Begleiter, die sich Zeit nehmen, zuhören und emotional stabilisierend wirken; etwas, für das Ärzte im meist hektischen Alltag der Kliniken kaum mehr Zeit finden. Sie konzentrieren sich daher auf die medizinischen und pflegerischen Aspekte. Onkolotsen sind qualifiziert, auch auf die psychosozialen Bedürfnisse der Patienten einzugehen.
Onkolotsen unterstützen
Dazu kann die Begleitung zu einem Arztbesuch zählen, aber auch die Unterstützung vor Ort bei der ersten Chemotherapie. Manchmal helfen Onkolotsen bei der Beschaffung von Hilfsmitteln wie Rollatoren oder Pflegebetten, dann wieder bei rechtlichen und sozialen Angelegenheiten. Sie „lotsen“ ihre Patienten im wahrsten Wortsinn durch den Dschungel des Gesundheits- und Pflegesystems. Denn dafür fehlt den Betroffenen in der Regel die Kraft und auch die mentale Wachheit, um alles zu organisieren, was es in dieser herausfordernden Phase zu regeln gibt. Diese emotionale Unterstützung endet nicht bei den Krebspatienten, sondern erstreckt sich auch auf die Zugehörigen, die oft selbst sehr belastet sind. Für viele Patienten ist es hilfreich, einen zusätzlichen Menschen an der Seite zu haben, der ihre Situation versteht und eine Brücke zwischen den notwendigen praktischen Anforderungen und der emotionalen Belastung baut. Dadurch helfen Onkolotsen dabei, das gesamte soziale Umfeld der Betroffenen zu festigen. Seit dem Start des Onkolotsen-Projektes in der Sächsischen Krebsgesellschaft im Jahr 2009 wurden mehr als 300 Onkolotsen ausgebildet. Die Ausbildung ist oft eine Zusatzqualifikation und für Personen aus Gesundheitsberufen und Sozialberatungsberufen geeignet. Einigen Projekten dieser Art liegt das Ziel zugrunde, Patienten längerfristig zu begleiten und damit die Lücke zwischen medizinischer Versorgung und persönlicher Unterstützung zu schließen. In Deutschland wird das Konzept bereits von verschiedenen Institutionen und Kliniken umgesetzt und bietet für viele Krebspatienten eine wertvolle Hilfestellung im Heilungsprozess.
* Zur besseren Lesbarkeit kann in Texten das generische Maskulinum verwendet werden. Nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige aller Geschlechter.
Ulrike Borchert
Quelle: DasKrebsportal.de