Skip to main content

Dieser Beitrag ist nur für Mitglieder verfügbar!

Dermatologie, Medizin, Plastische und Ästhetische Chirurgie Dermatologie Dermatologie, HAUT
Narbenbiologie

Keloidbehandlung aus plastisch-chirurgischer Sicht

Keloide sind gutartige, fibroproliferative Narben, die über die ursprünglichen Wundgrenzen hinauswachsen und häufig mit Juckreiz, Schmerzen sowie ästhetischer Beeinträchtigung einhergehen1,2. Aus plastisch-chirurgischer Sicht ist entscheidend, Keloide nicht als Exzisionsproblem, sondern als Störung der Narbenbiologie zu verstehen1. Daraus ergibt sich ein klares therapeutisches Prinzip: Die Behandlung erfolgt primär konservativ; chirurgische Maßnahmen bleiben Ausnahmefällen vorbehalten1,3.


10.06.2026
T. Lehmann
Teilen auf:
drucken Gefällt mir merken

Zitierweise: HAUT 2026; 37 (3): 100-101

Silikonpflaster

Im Vordergrund der konservativen Therapie stehen Silikonpflaster sowie silikonhaltige Gele oder Cremes1,4,5. Sie sind alltagstauglich, wenig belastend und sowohl zur Behandlung aktiver Keloide als auch zur Rezidivprophylaxe geeignet. Ihr Nutzen beruht vor allem auf Okklusion und Hydratation der Narbe mit günstiger Beeinflussung lokaler Umbauprozesse4,5. Selbstklebende Silikonpflaster sind im klinischen Alltag besonders praktikabel, da sie in der Regel bis zu 24 Stunden kontinuierlich getragen werden können1,4,5.

Kortisoninjektionen

Ergänzend sind lokale intraläsionale Kortison­injektionen eine der wichtigsten konservativen Maßnahmen1,2. Intraläsionale Kortikosteroide, in der Praxis meist Triamcinolon, reduzieren die Kollagensynthese und die Fibroblastenaktivität und können so zu einer Abflachung des Keloids sowie zur ­Symptomlinderung beitragen2,3. Praktisch umsetzbar ist ein konsequentes Schema mit intraläsionalen Kortisoninjektionen alle 6 – 8 Wochen, angepasst an Größe und Lokalisation des Befundes. Wichtig ist die streng intraläsionale Applikation. Bei Diabetikern sollte man schrittweise vorgehen, da Kortikosteroidinjektionen vorübergehend zu erhöhten Blutzuckerwerten führen können2,6.

Laserverfahren

Laserverfahren können als ergänzende Therapie erwogen werden. Eine Behandlung aktiver Keloide wird nach der S2k-Leitlinie nicht empfohlen1. Für flache, nicht aktive Keloide kann hingegen eine Lasertherapie in Kombination mit intraläsionalen Injektionen erwogen werden1,5.

Multimodale Behandlungskonzepte

Am vielversprechendsten sind multimodale Behandlungskonzepte. Die aktuelle Evidenz spricht dafür, dass bei Keloiden vor allem die Kombination aus Silikontherapie und intraläsionalen Kortikosteroidinjektionen als konservative Erstlinientherapie den höchsten Stellenwert hat3,4. Die Strahlen­therapie ist demgegenüber keine generelle Erstlinientherapie, sondern vor allem als adjuvante Maßnahme nach Exzision bei rezidivierenden, therapierefraktären oder besonders problematischen Keloiden sinnvoll, da sie die Rezidivrate senken kann1,3.

Chirurgische Therapie

Die chirurgische Therapie ist bei Keloiden insgesamt zurückhaltend zu bewerten. Eine Exzision als Monotherapie ist wegen der hohen Rezidivneigung in der Regel nicht sinnvoll1-3. Wenn operiert wird, sollte dies nur bei ausgewählten Befunden nach frus­traner konservativer Therapie und als Teil eines multimodalen Konzeptes mit geplanter Nachbehandlung erfolgen1,3. Entscheidend ist weniger die Radikalität der Exzision als vielmehr die konsequente Rezidivprophylaxe1.

Keloide nach Piercing

Eine wichtige Ausnahme stellen Keloide nach Piercing, insbesondere am Ohrläppchen, dar, vor allem, wenn am restlichen Körper eine normale Narbenheilung stattfindet1. In dieser Konstellation ist die Primärexzision ausdrücklich vertretbar1. Plastisch-chirurgisch handelt es sich hier häufig um einen lokal ausgelösten Sonderfall mit günstigerer operativer Ausgangssituation als bei klassischen Keloiden anderer Körperregionen. Auch in diesen Fällen ist eine postoperative konservative Begleittherapie sinnvoll1,5.

Fazit

Keloide sollten aus plastisch-chirurgischer Sicht primär konservativ behandelt werden. Silikonpflaster, silikonhaltige Präparate und lokale Kortisoninjektionen bilden die therapeutische Basis1,2,4,5. Chirurgische Eingriffe bleiben Ausnahmefällen vorbehalten – außer beim typischen Piercing-assoziierten Ohrkeloid bei sonst unauffälliger Narben­anamnese1. Gerade die geduldige, konsequente konservative Führung ist bei Kelo­iden oft erfolgreicher als der vermeintlich elegante schnelle Eingriff. Denn: Plastisch-chirurgische Qualität zeigt sich bei Keloiden nicht in maximaler Resektion, sondern in der richtigen Indikationsstellung.

1. Nast A, Gauglitz G, Lorenz K et al. S2k-Leitlinie Therapie pathologischer Narben (hypertrophe Narben und Keloide) - Update 2020. J Dtsch Dermatol Ges. 2021;19(2):312-327.

2. McGinty S, Siddiqui WJ. Keloid. In: StatPearls. Treasure Island, FL: StatPearls Publishing; 2023.

3. Walsh LA, Brown BC, McKenna SP et al. Keloid treatments: an evidence-based systematic review of recent advances. Syst Rev. 2023;12:42.

4. Mustoe TA, Cooter RD, Gold MH et al. International clinical recommendations on scar management. Plast Reconstr Surg. 2002;110(2):560-571.

5. Monstrey S, Middelkoop E, Vranckx JJ et al. Updated scar management practical guidelines: non-invasive and invasive measures. J Plast Reconstr Aesthet Surg. 2014;67(8):1017-1025.

6. The Dudley Group NHS Foundation Trust. Post corticosteroid injection advice for people with diabetes, October 2025.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Tobias Lehmann

Facharzt für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie

Landgraf-Georg-Straße 100

64287 Darmstadt

E-Mail: info@drlehmann.net