Zitierweise: HAUT 2026; 37 (3): 100-101
Silikonpflaster
Im Vordergrund der konservativen Therapie stehen Silikonpflaster sowie silikonhaltige Gele oder Cremes1,4,5. Sie sind alltagstauglich, wenig belastend und sowohl zur Behandlung aktiver Keloide als auch zur Rezidivprophylaxe geeignet. Ihr Nutzen beruht vor allem auf Okklusion und Hydratation der Narbe mit günstiger Beeinflussung lokaler Umbauprozesse4,5. Selbstklebende Silikonpflaster sind im klinischen Alltag besonders praktikabel, da sie in der Regel bis zu 24 Stunden kontinuierlich getragen werden können1,4,5.
Kortisoninjektionen
Ergänzend sind lokale intraläsionale Kortisoninjektionen eine der wichtigsten konservativen Maßnahmen1,2. Intraläsionale Kortikosteroide, in der Praxis meist Triamcinolon, reduzieren die Kollagensynthese und die Fibroblastenaktivität und können so zu einer Abflachung des Keloids sowie zur Symptomlinderung beitragen2,3. Praktisch umsetzbar ist ein konsequentes Schema mit intraläsionalen Kortisoninjektionen alle 6 – 8 Wochen, angepasst an Größe und Lokalisation des Befundes. Wichtig ist die streng intraläsionale Applikation. Bei Diabetikern sollte man schrittweise vorgehen, da Kortikosteroidinjektionen vorübergehend zu erhöhten Blutzuckerwerten führen können2,6.
Laserverfahren
Laserverfahren können als ergänzende Therapie erwogen werden. Eine Behandlung aktiver Keloide wird nach der S2k-Leitlinie nicht empfohlen1. Für flache, nicht aktive Keloide kann hingegen eine Lasertherapie in Kombination mit intraläsionalen Injektionen erwogen werden1,5.
Multimodale Behandlungskonzepte
Am vielversprechendsten sind multimodale Behandlungskonzepte. Die aktuelle Evidenz spricht dafür, dass bei Keloiden vor allem die Kombination aus Silikontherapie und intraläsionalen Kortikosteroidinjektionen als konservative Erstlinientherapie den höchsten Stellenwert hat3,4. Die Strahlentherapie ist demgegenüber keine generelle Erstlinientherapie, sondern vor allem als adjuvante Maßnahme nach Exzision bei rezidivierenden, therapierefraktären oder besonders problematischen Keloiden sinnvoll, da sie die Rezidivrate senken kann1,3.
Chirurgische Therapie
Die chirurgische Therapie ist bei Keloiden insgesamt zurückhaltend zu bewerten. Eine Exzision als Monotherapie ist wegen der hohen Rezidivneigung in der Regel nicht sinnvoll1-3. Wenn operiert wird, sollte dies nur bei ausgewählten Befunden nach frustraner konservativer Therapie und als Teil eines multimodalen Konzeptes mit geplanter Nachbehandlung erfolgen1,3. Entscheidend ist weniger die Radikalität der Exzision als vielmehr die konsequente Rezidivprophylaxe1.
Keloide nach Piercing
Eine wichtige Ausnahme stellen Keloide nach Piercing, insbesondere am Ohrläppchen, dar, vor allem, wenn am restlichen Körper eine normale Narbenheilung stattfindet1. In dieser Konstellation ist die Primärexzision ausdrücklich vertretbar1. Plastisch-chirurgisch handelt es sich hier häufig um einen lokal ausgelösten Sonderfall mit günstigerer operativer Ausgangssituation als bei klassischen Keloiden anderer Körperregionen. Auch in diesen Fällen ist eine postoperative konservative Begleittherapie sinnvoll1,5.
Fazit
Keloide sollten aus plastisch-chirurgischer Sicht primär konservativ behandelt werden. Silikonpflaster, silikonhaltige Präparate und lokale Kortisoninjektionen bilden die therapeutische Basis1,2,4,5. Chirurgische Eingriffe bleiben Ausnahmefällen vorbehalten – außer beim typischen Piercing-assoziierten Ohrkeloid bei sonst unauffälliger Narbenanamnese1. Gerade die geduldige, konsequente konservative Führung ist bei Keloiden oft erfolgreicher als der vermeintlich elegante schnelle Eingriff. Denn: Plastisch-chirurgische Qualität zeigt sich bei Keloiden nicht in maximaler Resektion, sondern in der richtigen Indikationsstellung.