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Auguste Symposium

Lecanemab im Fokus: Duale Wirkung, Langzeitdaten, klinische Erfahrungen

Anlässlich des Auguste Symposiums® am 24. und 25. April 2026 kamen mehr als 500 Teilnehmende – in Frankfurt und in einem Livestream – zusammen, um gemeinsam über aktuelle Therapiemöglichkeiten und Diagnostik der frühen Alzheimer-Krankheit zu diskutieren.


13.07.2026
Eisai GmbH
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Unter dem Vorsitz von Prof. Lutz Frölich (Mannheim) und Prof. Jörg Schulz (Aachen) stand dabei der praxisnahe Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt. Mehr als 20 Expertinnen und Experten aus Universitätskliniken, kommunalen Krankenhäusern sowie der niedergelassenen Neurologie und Psychiatrie beleuchteten in interaktiven Workshops, Vorträgen sowie Podiumsdiskussionen praxisrelevante Aspekte der Implementierung und Anwendung krankheitsmodifizierender Alzheimer-Therapien. Dabei wurden aktuelle Langzeitdaten1 vorgestellt sowie die erstmalige Aufnahme von gegen beta-Amyloid gerichteten Antikörpertherapien in die S3-Leitlinie Demenzen2 diskutiert. Angewendet wird Leqembi® (Lecanemab) bei Erwachsenen mit klinisch diagnostizierter leichter kognitiver Störung (mild cognitive impairment, MCI) und leichter Demenz aufgrund der Alzheimer- Krankheit (zusammengenommen frühe Alzheimer-Krankheit) mit bestätigter Amyloid-Pathologie, die Apolipoprotein E* ε4 (ApoE ε4)-Nichtträger oder heterozygote ApoE ε4-Träger sind.3

Duale Wirkung gegen Protofibrillen und Amyloid-Plaques

Lecanemab ist ein monoklonaler Antikörper mit dualer Wirkung3: Er bindet sowohl an lösliche, neurotoxische Protofibrillen als auch an unlösliche Amyloid-Plaques,3,4 die mit Funktionsstörungen der neuronalen Signalübertragung assoziiert sind. Protofibrillen sind neurotoxische direkte Vorläufer der Amyloid-Plaques – sie verursachen synaptische Dysfunktion und induzieren entzündliche Prozesse im Gehirn.5 In der Folge kommt es zu neuronalen Schädigungen.6,7 Die fortgesetzte Elimination von Protofibrillen kann daher vorteilhaft sein.8

Signifikante Verlangsamung des Krankheitsverlaufs

Die Behandlung mit Lecanemab reduzierte in der EU-indizierten Subpopulation der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie Clarity AD die Amyloidlast im Gehirn signifikant und verlangsamte den Krankheitsverlauf im Vergleich zu Placebo über einen Zeitraum von 18 Monaten um 31 %.9 Zu den häufigsten unerwünschten Ereignissen zählten infusionsbedingte Reaktionen (26 % Verum vs. 7 % Placebo), meist asymptomatische Amyloid-assoziierte Bildgebungsanomalien (amyloid-related imaging abnormalities, ARIA) mit Hämosiderinablagerung (ARIA-H) (13 % vs. 7 %), Kopfschmerzen (11 % vs. 7 %) sowie ARIA mit Ödem (ARIA-E) (9 % vs. 1 %).9

Zunehmender Zeitgewinn durch kontinuierliche Therapie

Lecanemab ist derzeit der einzige Anti-Amyloid-Antikörper, der für eine kontinuierliche Therapie der frühen Alzheimer-Krankheit über 18 Monate hinaus zugelassen ist.3,10 Einen Hinweis auf die Bedeutung einer kontinuierlichen Behandlung dieser chronischen progredienten Erkrankung geben zunächst die Ergebnisse einer Phase-II-Studie mit 856 Betroffenen, bei der eine Therapieunterbrechung zwischen der Kernstudie und der Weiterbehandlung in der Verlängerungsphase stattfand8: Nach Therapiestopp kam es vergleichsweise rasch wieder zu einer Verschlechterung pathologischer Biomarker – mit erneutem Behandlungsbeginn normalisierten sich diese wieder. 

In der EU-indizierten Subpopulation der offenen Verlängerungsphase der Phase III-Studie Clarity AD konnte zusätzlich gezeigt werden, dass die positiven Effekte der Therapie – gegenüber unbehandelten Vergleichskohorten** – über die Zeit weiter zunehmen.1 Unter Lecanemab verdreifachte sich die Differenz im CDR-SB***-Score (Clinical Dementia Rating Sum of Boxes) – ein semistrukturiertes Interview mit der Patientin bzw. dem Patienten und einer vertrauten Person, das kognitive Fähigkeiten und Alltagsfunktionen erfasst. Nach 48 Monaten zeigte sich: von 0,5 auf 1,53 Punkte im Vergleich zur ADNI-Kohorte und von 0,66 auf 2,37 Punkte im Vergleich zur BioFINDER-Kohorte. Dies entspricht einem klinisch bedeutsamen Zeitgewinn von 9,8 bzw. 14,2 Monaten.1 81 % der behandelten Patientinnen und Patienten befanden sich nach 48 Monaten weiterhin im frühen Stadium der Alzheimer-Krankheit.11 Gegenüber der ADNI-Kohorte entspricht das einer Risikoreduktion für das Fortschreiten zum nächsten Krankheitsstadium um 32 %. Das Sicherheitsprofil zeigte keine neuen Signale.1 

Frühzeitiger Therapiebeginn als entscheidender Faktor

Aktuelle Lecanemab-Daten unterstreichen die Wichtigkeit eines frühen Einsatzes der Therapie1: Bei Patientinnen und Patienten mit niedrigen Tau-Werten blieben nach 4 Jahren 73 % ohne Verschlechterung im CDR-SB, 61 % zeigten sogar eine Verbesserung ihrer Alltagsfunktion und kognitiven Fähigkeiten. „Neben den etablierten symptomatischen Behandlungsansätzen stehen nun erstmals Therapien zur Verfügung, die in die Pathophysiologie der Alzheimer-Krankheit eingreifen, deren Progression verlangsamen und die Phase funktioneller Unabhängigkeit der Betroffenen verlängern können. Die Datenlage ist dabei eindeutig: Je früher die Therapie beginnt, desto größer der Nutzen – ein klarer Auftrag an uns, die Diagnose so früh wie möglich zu stellen“, schlussfolgerte Prof. Schulz. 

Von der Leitlinie in die Praxis: Expertenaustausch zu Erfahrungen 

Mit der Aktualisierung der S3-Leitlinie Demenzen im Februar 2026 wurde erstmals ein Kapitel zum Einsatz gegen beta-Amyloid gerichteter Antikörpertherapien bei der Alzheimer-Krankheit aufgenommen – mit einem Empfehlungsgrad B und einer Konsensusstärke von 96 %.2 Wie die Therapie im klinischen Alltag gelingt, verdeutlichte der Expertenaustausch: niedrigschwelliger Zugang für Patientinnen, Patienten und Angehörige, enge interdisziplinäre Zusammenarbeit durch Fortbildungen vor Ort sowie eine strukturierte Kommunikation mit der Radiologie beim ARIA-Management. Regelmäßige interdisziplinäre Fallbesprechungen haben sich dabei als wichtiges Instrument der Qualitätssicherung etabliert. Das Fazit: Die Implementierung von Anti- Amyloid-Antikörpertherapien kann gelingen – mit Engagement und Vernetzung aller Versorgungsebenen.

*Apolipoprotein E ist ein Protein, das am Lipidstoffwechsel des Menschen beteiligt ist. Es wird mit der Alzheimer-Krankheit in Verbindung gebracht. Bei Menschen mit nur einem (heterozygot) oder keinem Allel (Nichtträger) des ApoE ε4-Gens ist die Wahrscheinlichkeit von Amyloid-assoziierten Bildgebungsanomalien (amyloid-related imaging abnormalities, ARIA) geringer als bei Menschen mit zwei ApoE ε4-Allelen (homozygot).4 ARIA sind bekannte Nebenwirkungen von Anti-Amyloid-Antikörpern wie Lecanemab, die Schwellungen und mögliche Blutungen im Gehirn umfassen.3,4
**Die ADNI-Kohorte umfasst Studienteilnehmer der nordamerikanischen Alzheimer‘s Disease Neuroimaging Initiative. Sie war die Basis für das Studiendesign der Clarity AD-Studie und umfasst daher ein sehr ähnliches Patientenkollektiv. Im späteren Verlauf der naturalistischen Studie sind die Drop-out-Raten hoch. Wenn man davon ausgeht, dass insbesondere Patienten mit Krankheitsprogression aus der Studie ausscheiden, ist ein Bias zugunsten von ADNI zu erwarten. In der schwedischen BioFINDER-Kohorte sind ausschließlich Patienten mit MCI eingeschlossen, welche auch den größten Anteil der Patienten in der Clarity AD bilden. Dieses früher im Erkrankungsverlauf eingeschlossene Kollektiv zeigt geringere Drop-out-Raten als die ADNI-Kohorte.
***CDR-SB ist ein in klinischen Studien eingesetztes Instrument zur Bestimmung des Stadiums der Demenz bei Alzheimer-Krankheit. Es handelt sich um eine globale Skala für Kognition und Funktion, die sechs Domänen, einschließlich Gedächtnis, Orientierung, Urteilsvermögen und Problembewältigung, Leben in der Gemeinschaft, Haushalt und Hobbies sowie Körperpflege, abbildet.12



1 Frölich L et al. Posterpräsentation anlässlich des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) 2025; Poster und Abstract #DGN-IN-120
2 DGN e. V. & DGPPN e. V. (Hrsg.) S3-Leitlinie Demenzen, Version 6.0, 24.02.2026; https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/038-013, letzter Zugriff: 02.04.2026
3 Fachinformation Leqembi®; Stand September 2025; https://www.fachinfo.de/fi/detail/025319/leqembi-r-100-mg-ml-konzentrat-zur-herstellung-einer-infusionsloesung
4 van Dyck CH et al. N Engl J Med. 2023; 388(1):9-21
5 Hampel H et al. Mol Psychiatry. 2021; 26(10):5481-5503
6 Ono K et al. Int J Mol Sci 2020; 21:952
7 Almeida ZL et al. Mol Neurobiol 2025; 62:4391-4419
8 McDade E et al. Alzheimers Res Ther 2022; 14:19110
9 Frölich L et al. Posterpräsentation anlässlich des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) 2024; Poster #17
10 Gemeinsamer Bundesausschuss: Tragende Gründe zum Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Einleitung eines Stellungnahmeverfahrens zur Änderung der Arzneimittel-Richtlinie: Anlage III (Verordnungseinschränkungen und -ausschlüsse) – Nummer 10a (Lecanemab, Donanem). Dezember 2025; https://www.g-ba.de/downloads/40-268-12163/2025-1209_AMRL-III_SNV_Nr-10a-Donanemab_TrG.pdf, letzter Zugriff: 24.02.2026
11 Whetten J et al. Präsentation anlässlich der Konferenz “Clinical Trials on Alzheimer’s Disease Conference (CTAD) 2025”; #LB21
12 Morris JC. Neurology 1993; 43:2412-2414
13 Pedrosa H et al. The Journal of Nutrition, Health and Aging 2010; 14(8):703-9

Quelle: Eisai GmbH / Biogen Deutschland