Die Sjögren-Erkrankung wird häufig vor allem mit Sicca-Symptomen (trockenem Mund [87,1 %] und trockenen Augen [86,7 %]) assoziiert.1 Doch die Realität der Betroffenen geht weit darüber hinaus: 66,3% berichten über trockene Haut, 63,6 % über körperliche Fatigue (als am meisten störend u schwerwiegendstes Einzelsymptom bewertet), 52,2% über Gelenksteifigkeit und -schmerzen und 39,1 % leiden unter Brain Fog / mentale Fatigue.1 Zudem berichten 57,7 % über eine starke emotionale und psychische Beeinträchtigung, 65,5 % bewerten ihren Gesundheitszustand als schlecht oder mäßig.1 Im Schnitt vergehen 5,3 Jahre zwischen dem ersten Symptom und der gesicherten Diagnose.1 Neue Real-World-Daten aus der globalen Spotlight on Sjögren's-Studie (n = 1.155) zeigen: Die Sjögren-Erkrankung ist eine systemische Autoimmunerkrankung mit erheblicher Krankheitslast, weshalb ein dringender Bedarf an zielgerichteten Therapieoptionen besteht.1
Systemische Erkrankung mit hohem Versorgungsbedarf
Die Sjögren-Erkrankung ist nach der rheumatoiden Arthritis (RA) die zweithäufigste entzündlich-rheumatische Autoimmunerkrankung (ca. 4/1.000 Personen; Geschlechterpräferenz 9–19:1; mittleres Diagnosealter ~45 Jahre).2,3 Pathophysiologisch steht eine B-Zell-vermittelte Autoimmunreaktion im Vordergrund: Autoantikörper (Anti-Ro/SSA, Anti-La/SSB) schädigen die exokrinen Drüsen und induzieren eine systemische Entzündungskaskade. Bei >70 % der Patient*innen treten systemische Manifestationen auf.2-4 Neue Real-World-Daten bestätigen dieses Bild. Demnach wiesen 94,0 % der Befragten mindestens eine systemische Manifestation über die Sicca-Symptome hinaus auf – im Schnitt waren 1,4 Organe/Systeme betroffen.1 Am häufigsten waren Gelenke (32,3 %), Muskeln (17,3 %), das Nervensystem (10,7 %), der Gastrointestinaltrakt (9,7 %) sowie Lunge (8,5 %) und Lymphknoten (7,4 %) beteiligt.1 Dabei reicht die Krankheitslast weit über das Körperliche hinaus. So berichten 57,7 % über starke emotionale und psychische Beeinträchtigungen, 30,6 % gaben depressive Symptome an, 81,9 % erleben Hilflosigkeit. Und dennoch erhalten nur 21,0 % professionelle psychologische Unterstützung, obwohl 43,7 % sich diese wünschen.1
Deutliches Ungleichgewicht zwischen Bedarf und verfügbaren Therapien
Aktuell stehen symptomatische Maßnahmen (Augentropfen, Speichelstimulanzien, nichtsteroidale Antirheumatika [NSAIDs]), Kortikosteroide sowie Immunsuppressiva und Biologika zur Verfügung – alle ohne spezifische Zulassung für die Sjögren-Erkrankung.1,4 Die Therapieunzufriedenheit ist hoch: 93,5 % der Befragten waren nicht vollständig zufrieden mit dem verfügbaren Therapiespektrum.1 52,9 % bemängeln, dass bestehende Behandlungen nur Symptome, nicht die systemische Grunderkrankung adressieren.1 45,5 % haben ihre Medikation, überwiegend aufgrund von Nebenwirkungen (29,2 %), ohne ärztliche Rücksprache reduziert oder abgesetzt.¹
Ianalumab: Wirkmechanismus und klinische Daten
Vor diesem Hintergrund wird Ianalumab als zielgerichtete Therapieoption für die Sjögren-Erkrankung untersucht. Der vollständig humane monoklonale Antikörper verfügt über einen dualen Mechanismus: Er blockiert den BAFF-Rezeptor und damit die B-Zell-Proliferation und führt gleichzeitig zu einer Depletion der B-Zellen durch antikörpervermittelte Zytotoxizität (ADCC), die durch die Defucosylierung des Fc-Teils noch verstärkt wird.5,6 In den globalen Phase-III-Studien NEPTUNUS-1 und NEPTUNUS-2 zeigte Ianalumab (300 mg s.c. monatlich) gegenüber Placebo eine statistisch signifikante Reduktion der Krankheitsaktivität (ESSDAI; mittlere Differenz −1,2 Punkte; 95 %-KI: −2,0 bis −0,4; p = 0,0031; Woche 48, gepoolte Analyse).5