Das Hämorrhoidalleiden ist eine der häufigsten Erkrankungen in den Industrienationen.1 Typische Beschwerden sind Juckreiz, Brennen, Nässen, Fremdkörpergefühl, Prolapsneigung sowie Blutungen. Eine aktuelle Umfrage im Auftrag von DR. KADE unter 1.000 Personen im Alter von 25 bis 69 Jahren zeigt, wie präsent anorektale Beschwerden in der Bevölkerung sind: Am häufigsten berichteten die Befragten über Juckreiz im Afterbereich (76 %), das Gefühl der unvollständigen Darmentleerung (68 %), Brennen (53 %), Blut auf dem Stuhl oder Toilettenpapier (52 %), Schmerzen (42 %) und Nässen (38 %).2 Trotz dieser Beschwerden suchte die Mehrheit der Betroffenen weder ärztlichen noch pharmazeutischen Rat. Dies zeigt, wie wichtig eine offene Kommunikation über anorektale Beschwerden ist: Viele nehmen die Symptome zunächst nicht ernst oder suchen keine Unterstützung, obwohl eine frühzeitige Einordnung helfen kann, Hämorrhoidalleiden von anderen anorektalen Ursachen abzugrenzen und eine passende Behandlung einzuleiten.
Die Pathogenese des Hämorrhoidalleidens ist komplex. Neben klassischen Einflussfaktoren wie starkem Pressen, harter Stuhlkonsistenz, chronischer Obstipation, Diarrhö, erhöhtem intraabdominellem Druck sowie Schwangerschaft und Entbindung rücken aktuell auch Smartphone- Nutzung, sportliche Belastungen und genetische Prädisposition in den Fokus. Wie die genannten Faktoren zu bewerten sind, erläuterte Prof. Dr. Oliver Schwandner, Chirurg und Proktologe aus Regensburg, im Rahmen des Presse- Events "Brennende Gesundheitsfragen" von DR. KADE. Seine zentrale Einordnung: Nicht einzelne Lifestyle-Faktoren erklären das Beschwerdebild, sondern ihr Zusammenspiel mit anatomischen, funktionellen und individuellen Voraussetzungen.
Smartphone-Nutzung: moderner Verstärker eines bekannten Problems
In der aktuellen Umfrage gaben 57 Prozent der Befragten an, das Smartphone auf der Toilette zu nutzen. Bei den 25- bis 39-Jährigen waren es 78 Prozent, bei den 60- bis 69-Jährigen 33 Prozent. Unter den Smartphone-Nutzenden sitzen 41 Prozent sechs bis fünfzehn Minuten auf der Toilette, 4 Prozent sogar noch länger. 70 Prozent berichten, durch das Smartphone mehr Zeit dort zu verbringen als ursprünglich beabsichtigt.2 Eine US-amerikanische Querschnittsstudie fand eine Assoziation zwischen Smartphone- Nutzung auf der Toilette und Hämorrhoiden: In der multivariaten Analyse war die Nutzung mit einem um 46 Prozent erhöhten Risiko verbunden.3 Die Studie verweist damit auf einen relevanten Verhaltensaspekt – sollte aber nicht kausal überinterpretiert werden. Prof. Dr. Schwandner ordnet ein: „Rein aus wissenschaftlicher Sicht stellt das Smartphone keinen ‚echten‘ neuen Risikofaktor dar.“ Vielmehr sei das Smartphone ein aktuelles Beispiel für ein bekanntes Problem: verlängerte Toilettensitzungen. Die Thematik sei letztlich ein „Revival“ der früheren Diskussion um Zeitunglesen auf der Toilette, das sogenannte „Newspaper- Syndrom“. Präventiv bleibe entscheidend, längere Stuhlentleerungssitzungen zu vermeiden. Zudem weist Prof. Dr. Schwandner auf methodische Limitationen der Studie hin: Die Diagnose eines Hämorrhoidalleidens lasse sich nicht adäquat über Koloskopiebefunde stellen. Hierfür seien Anamnese und proktologische Basisdiagnostik mit Inspektion, Palpation und Proktorektoskopie maßgeblich.
Sport: differenziert statt pauschal einordnen
Auch Sport ist ambivalent zu betrachten. Moderate Bewegung kann die Darmmotilität unterstützen und damit zur Stuhlregulation beitragen. Bestimmte Belastungsformen können bei bestehendem Hämorrhoidalleiden jedoch Beschwerden verstärken. Eine italienische Beobachtungsstudie mit 312 sportlich aktiven Erwachsenen zeigte: 34 Prozent berichteten über ein Hämorrhoidalleiden.4 Besonders häufig waren Beschwerden bei Radfahren oder Reiten (57 %) sowie Bodybuilding (48 %). In der multivariaten Analyse waren Alter und Bodybuilding signifikant mit Hämorrhoidalleiden assoziiert; Trekking, alpiner Skilauf und Langlauf zeigten dagegen einen protektiven Zusammenhang. Prof. Dr. Schwandner betont entsprechend: „Das bedeutet nicht, dass generell von sportlicher Aktivität abgeraten werden sollte, sondern dass Empfehlungen differenziert erfolgen sollten.“ Für Betroffene könne es sinnvoll sein, Sportart, Intensität oder Dauer anzupassen – insbesondere bei anorektalen Beschwerden während oder nach dem Training. Auch die Umfrage bestätigt den Beratungsbedarf: 26 Prozent der Befragten berichteten mindestens eine Beschwerde im Analbereich beim oder nach dem Sport.2
Genetik: Prädisposition als weiterer Baustein
Neben Lebensstil und Stuhlverhalten weisen aktuelle Daten auf genetische Einflussfaktoren hin. In einer internationalen Genomanalyse wurden genetische Informationen von 218.920 Patient:innen mit Hämorrhoidalleiden mit Daten von 725.213 Personen ohne Hämorrhoidalleiden verglichen.5 Dabei wurden 102 Genomregionen identifiziert, die eine kausale Rolle spielen können. Besonders jüngere Patient:innen und solche mit wiederholten Operationen wiesen hohe genetische Risiko-Scores auf. Für Prof. Dr. Schwandner sind diese Daten „wichtig und wertvoll“, weil sie helfen könnten, individuelle Risikoprofile besser zu verstehen. Für die klinische Routine bleibt jedoch abzuwarten, welche Bedeutung genetische Risikoprofile tatsächlich erlangen. Aktuell stehen weiterhin beeinflussbare Faktoren im Vordergrund: Stuhlregulation, Vermeidung langer Toilettensitzungen, geeignete Bewegung und frühzeitige konservative Behandlung.
Versorgungslücke durch Bagatellisierung und Scham
Trotz hoher Beschwerdelast suchen viele Betroffene keine Unterstützung. In der Umfrage gaben 58 Prozent an, weder Praxis noch Apotheke aufzusuchen. Der häufigste Grund: Die Beschwerden seien „nicht so schlimm“. Gleichzeitig fühlt sich fast die Hälfte der Befragten psychisch belastet. Besonders bei jüngeren Männern spielen zudem Scham und Angst vor einer Untersuchung eine Rolle.2 Diese Zurückhaltung bestätigt auch eine aktuelle Querschnittsstudie zu Hämorrhoidalbeschwerden: Nur 30,8 Prozent der Teilnehmenden hatten ärztlichen Rat gesucht; häufig genannt wurden Scham, Angst vor invasiver Diagnostik und die Erwartung, die Beschwerden würden von selbst wieder abklingen.6 Für die Praxis bedeutet das: Enttabuisierung ist Teil der Versorgung, ganz nach dem Motto: „Keine Diagnose durch die Hose“. Blutabgang, Prolaps, Nässen, Juckreiz, Schmerzen oder unklare beziehungsweise wiederkehrende Beschwerden sollten gezielt angesprochen und differenzialdiagnostisch eingeordnet werden. Nicht selten gehen Beschwerden von anderen oder zusätzlich zu vergrößerten Hämorrhoiden vorliegenden Analerkrankungen wie Fissuren, Ekzeme, Perianalvenenthrombosen oder Marisken aus. Die proktologische Basisdiagnostik mit Anamnese, Inspektion, digitaler Untersuchung und – wenn Proktoskop oder Rektoskop zur Verfügung stehen – Proktoskopie oder Rektoskopie ermöglicht in den meisten Fällen eine zügige Einschätzung und Therapieentscheidung.
Symptomorientierte Therapieoptionen
Bei nicht-fortgeschrittenem Hämorrhoidalleiden stehen konservative Maßnahmen im Vordergrund: ballaststoffreiche Ernährung, ausreichende Trinkmenge, Bewegung, Stuhlregulation sowie das Vermeiden langer Toilettensitzungen und übertriebener Analhygiene. Ergänzend kann eine symptomorientierte Lokaltherapie sinnvoll sein. Für starken analen Juckreiz sowie Schmerzen im Analbereich steht Posterisan® akut mit Lidocain zur Verfügung. FAKTU® lind mit Hamamelis eignet sich bei Hämorrhoidalbeschwerden wie Juckreiz, Nässen, Brennen und leichten Blutungen und wirkt entzündungshemmend, adstringierend sowie hämostyptisch. Posterisan® protect dient der Pflege und Prophylaxe bei Hämorrhoidalleiden, schützt die Analregion vor Reizungen und kann studienbelegt dem erneuten Auftreten von Symptomen vorbeugen.7 Bei prolabierten, reponierbaren Hämorrhoidalpolstern Grad II–III erweitert der POSTERICARE® Hämorrhoiden-Stick die Therapiemöglichkeiten durch physikalische Reposition.