Im Rahmen der Phase-III-Studie RASolute 302 überlebten Erkrankte mit Pankreaskarzinom mit dem neuen Wirkstoff Daraxonrasib doppelt so lange im Vergleich zu Patientinnen und Patienten, die stattdessen mit einer Chemotherapie behandelt wurden. Die Studienergebnisse wurden im Rahmen des jährlichen Meetings der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt und zugleich im Fachjournal „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.1
13.07.2026
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Das Pankreaskarzinom gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts. Im Jahr 2023 erkrankten knapp 20.000 Menschen in Deutschland.2 Die Prognose ist sehr ungünstig, da diese Tumore oftmals keine oder nur unspezifische Symptome verursachen und deshalb zu spät erkannt werden. Dann haben sie meist schon gestreut. Nur etwa jeder Zehnte lebt fünf Jahre nach der Diagnose noch. An der Studie nahmen Patientinnen und Patienten mit bereits metastasiertem Pankreaskarzinom teil, die vorbehandelt worden waren.1 In diesem Stadium ist die Behandlung nur noch palliativ.
Daraxonrasib wirkt bei verschiedenen RAS-Mutationen
Das in der Studie getestete Arzneimittel Daraxonrasib ist ein „RAS-ON-Inhibitor“. RAS ist ein sogenanntes Protoonkogen. Es codiert für ein Protein, welches in der Zelle Wachstums- und Teilungsprozesse anstößt. Normalerweise liegt das RAS-Protein in einer inaktiven Form vor und inaktiviert sich auch wieder selbstständig. Durch eine Mutation im entsprechenden RAS-Gen kommt es zu Varianten des RAS-Proteins, die ständig aktiv sind. Das begünstigt die Tumorentstehung oder das Tumorwachstum. Mutationen des RAS-Gens kommen bei etwa 90 % der Pankreaskarzinome vor. RAS-ON-Inhibitoren hemmen dieses Protein auf eine neuartige Weise. Im Gegensatz zu bereits verfügbaren RAS-Inhibitoren, die lediglich auf eine spezifische Mutationsart abzielen, ist das neue Medikament multiselektiv und daher bei unterschiedlichen RAS-Mutationen wirksam.
In der RASolute-302-Studie wurden 500 Erkrankte untersucht, die randomisiert entweder Daraxonrasib oder eine Chemotherapie erhielten. Von den Probanden wiesen 91,8 % die sogenannte RAS-G12-Mutation auf, die restlichen andere RAS-Mutationen. Die Autorinnen und Autoren kamen nicht nur zu dem Ergebnis, dass sich in der RAS-G12-Mutations-Untergruppe die Überlebenszeit mit Daraxonrasib verdoppelte (ca. 13 Monate vs. 6,5 Monate) – auch die Zeit, in der die Krankheit nicht fortschritt, verlängerte sich. Unter Daraxonrasib blieben die Behandelten im Median 7,3 Monate progressionsfrei, während dies unter Chemotherapie lediglich 3,5 Monate der Fall war. Auch in der Gesamtauswertung kommen die Forschenden zu sehr ähnlichen Ergebnissen.
Seltener schwere Nebenwirkungen
Nebenwirkungen traten bei allen Daraxonrasib-Behandelten und auch bei 97,7 % der Personen in der Chemotherapie-Gruppe auf. Allerdings waren diese bei Daraxonrasib seltener schwer als in der Gruppe der Patienten mit Chemotherapie (61,8 % vs. 69,6 %) und führten seltenerer zu Therapieabbrüchen (1,2 % vs. 11,2 %).
Die US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) gab bereits einen Compassionate-Use-Zugang für das Medikament frei – eine Verfügbarkeit vor Zulassung in bestimmten Fällen. Der Hersteller plant nun Zulassungsanträge bei der FDA und auch weltweit. Weil das RAS-Gen bei vielen weiteren Tumorarten eine zentrale Rolle spielt, dürfte der neue Wirkstoff auch in weiteren klinischen Studien erprobt werden.
Statement von PD Dr. med. Dietrich Ruess Geschäftsführender Oberarzt und Leiter des zertifizierten Pankreaskarzinomzentrums, Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Universitätsklinikum Freiburg
“Die RASolute-302-Studie1 ist als ein „revolutionärer“ Durchbruch für Patienten mit duktalem Adenokarzinom des Pankreas (PDAC) einzustufen. Das neue Medikament Daraxonrasib ist ein intelligent gestalteter, zielgerichteter Inhibitor des Krebsmotor-Proteins RAS, welches in über 90 % der PDAC-Fälle mutiert ist und dadurch Tumorentstehung und -progression antreibt.”
“In dieser Phase-III-Studie1 wurden Patienten mit metastasiertem, finalem Stadium IV des PDAC mit Voranschreiten der Erkrankung unter Vorbehandlung mit standardmäßiger Kombinations-Chemotherapie zufallsmäßig einer Weiterbehandlung mit Daraxonrasib oder einem Wechsel auf eine Zweitlinien-Chemotherapie zugeteilt. In einer ersten Interimsanalyse zeigt sich nun, dass nicht nur die Zeit bis zum erneuten Voranschreiten der Erkrankung – sondern auch das Gesamtüberleben mit Daraxonrasib von circa 6,5 auf 13 Monate verdoppelt ist. Das ist ein enormer Fortschritt. Begleitet wird dieser von niedrigeren Raten an schwerwiegenden Nebenwirkungen, einer längerfristigen Möglichkeit der Therapiefortführung und einer längerfristigen Stabilisierung des Allgemeinbefindens der Patienten unter Daraxonrasib im Vergleich zur Chemotherapie.”
“RASolute 302 eröffnet somit erstmals eine breit zugängliche, gut verträgliche molekular zielgerichtete Therapieform für Patienten mit PDAC. Daraxonrasib wird meiner Einschätzung nach zudem zur Vorbehandlung lokal fortgeschrittener Tumoren vor chirurgischer Resektion und insbesondere für gebrechlichere, ältere PDAC-Patienten als relativ verträgliche Therapieoption eine wichtige Rolle einnehmen. Resistenzentwicklung und Entwicklung sinnvoller Kombinationstherapien sind Herausforderungen für die unmittelbare Zukunft.”
Krebsdaten Deutschland
Die aktuelle Ausgabe von „Krebs in Deutschland“ für die Jahre 2021–2023 enthält Ergebnisse zur Inzidenz, Prävalenz und zum Überleben nach Krebs. Somit können für die letzten 25 Jahre (1999–2023) Trends zur Inzidenz und Mortalität der verschiedenen Krebsarten dargestellt werden.
2 Krebs in Deutschland für 2021–2023. 15. Ausgabe. Robert Koch-Institut (Hrsg) und Deutsche Krebsregister e.V. (Hrsg). Berlin, 2025. https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE
Quelle: SMC
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