Selbstscreening im Wartezimmer für schnellere Diagnose psychischer Störungen
Bei Patienten mit psychischen Erkrankungen vergehen nicht selten Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird. In dieser Zeit stellen sich die Betroffenen oft bei mehreren Fachärzten und -ärztinnen mit körperlichen Symptomen vor. Ein Kreislauf, den niedergelassene Ärzte und Ärztinnen mit digitalen Screening-Angeboten früher durchbrechen könnten.
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Herzrasen, Schwindel, Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Erschöpfung: Was zunächst wie ein internistisches, neurologisches oder orthopädisches Problem aussieht, kann eine psychische Ursache haben. Genau darin liegt eine der größten diagnostischen Herausforderungen im Alltag von niedergelassenen Ärzten und Ärztinnen: Viele psychische Erkrankungen treten zunächst durch körperliche Beschwerden in Erscheinung. Ein Screening auf psychische Störungen kann erste wichtige Hinweise geben.
Das strukturelle Problem: Psychische Erkrankungen erscheinen körperlich
Für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte ist das keine Ausnahme, sondern tägliche Realität. Patientinnen und Patienten kommen wegen Brustenge, gastrointestinaler Beschwerden oder diffuser Schmerzen in die Praxis. Organische Ursachen werden sorgfältig abgeklärt – oft ohne richtungsweisenden Befund. Die psychische Dimension bleibt dabei leicht unentdeckt.
Ein Überblick über psychische Erkrankungen und mögliche Symptome:
- Depression: Erschöpfung, Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Appetitstörungen, Konzentrationsschwäche
- Angststörungen: Herzrasen, Schwindel, vegetativer Dysregulation und diffuse Körperbeschwerden
- ADHS im Erwachsenenalter: chronische Unorganisiertheit, Beziehungsinstabilität, Herzklopfen, Herzstolpern, Engegefühl in der Brust, Bauchschmerzen, Übelkeit
- Burnout: Erschöpfung, Atembeschwerden, Herzrasen, Engegefühl in der Brust, Schwindel, Magen-Darm-Beschwerden, Tinnitus
- Traumafolgestörungen: Schlafstörungen, Reizdarmsyndrom, chronisches Schmerzsyndrom
Diese Somatisierung ist neurobiologisch begründet: Das autonome Nervensystem, das Immunsystem und die Schmerzverarbeitung sind tief mit psychischen Prozessen verknüpft. Chronischer Stress dysreguliert die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse, zentrales Stresshormonsystem des Körpers), erhöht Entzündungsmarker, beeinträchtigt den Schlaf und erhöht die kardiovaskuläre Belastung. Was sich in der Praxis als somatisches Problem präsentiert, kann eine psychische Ursache haben – oder eine psychische Komorbidität, die den Verlauf und die Therapieresponse entscheidend mitbestimmt.
Zielgerichteter behandeln: Vorteile psychischer Früherkennung für niedergelassene Ärzte und Ärztinnen
- Je früher eine psychische Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Behandlungsergebnisse. Früh behandelte Depressionen, Angststörungen oder ADHS zeigen höhere Remissionsraten als chronifizierte Erkrankungen. Gleichzeitig sinkt das Risiko für somatische Komorbiditäten, stationäre Behandlungen, Langzeitarbeitsunfähigkeit und psychische Krisen.
- Patientinnen und Patienten mit unerkannten psychischen Erkrankungen gehören häufig zu den Vielkonsultierenden. Wiederholte Termine, umfangreiche somatische Diagnostik und Überweisungen binden Zeit und Ressourcen, ohne die eigentliche Ursache zu erfassen. Wird die psychische Dimension früh berücksichtigt, lassen sich unnötige Untersuchungen vermeiden und Konsultationen zielgerichteter gestalten.
- Psychische Komorbiditäten zählen zu den wichtigsten Prädiktoren für eine geringe Therapieadhärenz bei körperlichen Erkrankungen. Wer psychische Belastungen früh erkennt und mitbehandelt, verbessert nachweislich die Mitarbeit der Patientinnen und Patienten – und damit häufig auch den Verlauf chronischer somatischer Erkrankungen.
- Patienten und Patientinnen erhalten eine ganzheitlichere Behandlung, die die körperliche und psychische Dimension integriert. Der ganzheitliche Ansatz stärkt die Zufriedenheit und Praxisbindung der Patientinnen und Patienten und sorgt nicht zuletzt für eine bessere Versorgungsqualität.
- Eine Praxis, die psychische Gesundheit aktiv mitdenkt, differenziert sich in einem wettbewerbsintensiven Markt.
Wie strukturierte Früherkennung in der Hausarztpraxis gelingt
Entscheidend ist, psychische Früherkennung als festen Bestandteil der Anamnese zu verstehen. Erschöpfung, Schlafstörungen, Appetitveränderungen, anhaltende Schmerzen ohne organischen Befund, häufige Krankschreibungen – all das sind Frühwarnzeichen, die im hausärztlichen Kontext direkt zum Screening einladen. Standardisierte Kurzscreenings wie der PHQ-2 oder PHQ-4 oder GAD-7 sind in wenigen Minuten durchführbar und geben Hinweise auf ein Krankheitsbild oder auf das Vorliegen einer psychischen Auffälligkeit.
Hier setzt IDA Health an. Das Unternehmen stellt unter anderem ein digitales Screening-Angebot zur Verfügung, das Patientinnen und Patienten bereits vor dem Arztgespräch auf dem eigenen Smartphone nutzen können. Wissenschaftlich validierte Fragebögen erfassen verschiedene psychische Belastungsbereiche (Depression & Wohlbefinden, Angst, Stress & Burnout, Autismus-Spektrum-Störungen, ADHS sowie Trauma & Borderline-Persönlichkeitsstörung) und liefern strukturierte Ergebnisse, die – sofern Patientinnen und Patienten diese teilen möchten – als Gesprächseinstieg im Arzt-Patienten-Gespräch dienen können.
PHQ-2, PHQ-9, GAD-7: Wie anonyme Kurzscreenings in den Praxisalltag integrieren?
Die Integration in bestehende Praxisabläufe ist unkompliziert. Über einen QR-Code im Wartezimmer können Patienten und Patientinnen zum Beispiel bereits vor dem Arztgespräch ein anonymes Selbstscreening durchführen – auf dem Smartphone oder Tablet, ohne Anmeldung, in wenigen Minuten. Der Patient oder die Patientin beantworten das Screening und stimmen der Übermittlung ihrer Ergebnisse an die Praxis zu. Noch vor dem Arztgespräch liegen die Ergebnisse inklusive Scores, Interpretation, PDF-Bericht und weiterer Auswertungen im IDA-Health-Praxis-Dashboard vor. Hausärztinnen und -ärzte erhalten dadurch bereits vor der Konsultation einen strukturierten Eindruck über mögliche psychische Belastungen und können das Gespräch gezielter führen oder bei Bedarf frühzeitig an entsprechende Fachstellen überweisen.
Arztpraxen und andere medizinische Einrichtungen können sich bei IDA Health registrieren, um einen persönlichen Praxis-Account zu erhalten. Über diesen Account können sie individuelle QR-Codes und Screening-Links erstellen und festlegen, welche Screenings ihren Patientinnen und Patienten zur Verfügung stehen sollen. Außerdem können die Behandler und Behandlerinnen alle Ergebnisse in einem zentralen Dashboard verwalten. Dieses kann perspektivisch auch über Schnittstellen oder einen Link in bestehende Praxissoftware oder digitale Anamneseprozesse eingebunden werden.
Für Arztpraxen beginnt das reguläre Abonnement bei 99 Euro pro Monat. Eine direkte Abrechnung über die Krankenkassen ist derzeit noch nicht möglich.
Auch ein Link in der Terminbestätigung oder regelmäßige Screenings bei Risikopatientinnen und -patienten können ausreichen, um psychische Belastungen früher sichtbar zu machen und Patienten und Patientinnen zu sensibilisieren. Chronisch Kranke, Menschen nach operativen Eingriffen, Eltern im ersten Lebensjahr eines Kindes oder ältere alleinlebende Personen profitieren besonders von systematischen, intervallgebundenen psychischen Orientierungschecks.
Nicht zuletzt stärkt ein strukturierter Blick auf die psychische Gesundheit auch die Arzt-Patient-Beziehung. Wer sich ganzheitlich wahrgenommen fühlt, entwickelt eine stärkere Bindung an die behandelnde Praxis. Gerade in Zeiten zunehmender psychischer Belastungen wird die Arztpraxis damit zu einem entscheidenden Ort der Früherkennung – und zu einem wichtigen Baustein einer ganzheitlichen Versorgung.
Über IDA Health
IDA Health ist ein deutsches HealthTech-Startup, das digitale Screening- und KI-Lösungen für die Früherkennung psychischer Erkrankungen entwickelt. Im Mittelpunkt stehen Online-Screenings, die auf wissenschaftlich validierten Fragebögen wie PHQ-9, GAD-7, ASRS oder PCL-5 basieren. Unter https://screening.idahealth.de/ können Ärzte und Ärztinnen die Selbstscreenings zu einer breiten Palette psychischer Bereiche anbieten: Depression, Angststörungen, Burnout, chronischer Stress, allgemeines Wohlbefinden, ADHS, Autismus-Spektrum-Störungen, Traumafolgestörungen, Borderline-Persönlichkeitsstörungen sowie weitere psychische Belastungen und Komorbiditäten. Hauptzielgruppe der Screening-Angebote sind erwachsene Personen, die ihre psychische Gesundheit besser verstehen möchten oder erste Anzeichen einer psychischen Belastung bemerken. Außerdem richtet sich das Angebot an Fachkräfte wie Psychotherapeutinnen und -therapeuten oder niedergelassene Ärzte und Ärztinnen, die die automatische Auswertung der Fragebögen für eine digitale Anamnese anwenden können.
IDA Health stellt zudem eine KI-Praxissoftware für Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen zur Verfügung. Ziel dieser ist es, Behandler und Behandlerinnen durch automatisierte Anamnese, standardisierte Diagnostik und KI-assistierte Dokumentation (wie Live-Transkriptionen und Gutachtenerstellung) zu entlasten. Aktuell ist die IDA-Health-Praxissoftware inhaltlich auf Psychotherapeuten und -therapeutinnen zugeschnitten, die technische Architektur wurde jedoch so entwickelt, dass die Plattform künftig ebenso für Hausärzte und -ärztinnen oder andere medizinische Fachrichtungen angepasst werden kann.
Die diagnostische Einordnung der Selbstscreenings, Differentialdiagnostik und Therapieentscheidungen bleiben ausschließlich Aufgabe der behandelnden Ärztin, des behandelnden Arztes oder der psychotherapeutischen Fachkräfte.
Quelle: IDA Health
https://idahealth.de/blog/psychische-gesundheit-arztpraxis-frueherkennung-alle-fachrichtungen/
https://register.awmf.org/assets/guidelines/038_017m_S3_Zwangsst%C3%B6rungen_2022-07.pdf
https://www.deutsche-depressionshilfe.de/wissen/was-ist-eine-depression#diagnose