Trophoblasterkrankungen gezielt diagnostizieren und behandeln
Die überarbeitete S2k-Leitlinie systematisiert Diagnostik, Therapie und Nachsorge gestationsbedingter und nicht-gestationsbedingter Trophoblasterkrankungen. Berücksichtigt werden zudem molekularpathologische Zusatzuntersuchungen, Fertilitätsaspekte, Immuntherapie und klinische Sonderfälle.
S2k-Leitlinie
„Gestationsbedingte und nicht-gestationsbedingte Trophoblasterkrankungen“
Gestationsbedingte und nicht-gestationsbedingte Trophoblasterkrankungen gehören zu den seltenen und biologisch heterogenen Erkrankungen des Trophoblasten. Ihre geringe Inzidenz, die unterschiedlichen histopathologischen Subtypen sowie die variablen klinischen Verläufe erschweren Diagnostik und Therapie.
Die unter Federführung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG, OEGGG und SGGG) überarbeitete S2k-Leitlinie „Gestationsbedingte und nicht-gestationsbedingte Trophoblasterkrankungen“ bündelt deshalb Empfehlungen zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge und soll die Versorgungsqualität verbessern.
Klare Handlungsempfehlungen für villöse GTD
Die Leitlinie unterscheidet zwischen villösen und nicht-villösen gestationsbedingten Trophoblasterkrankungen (GTD), die sowohl benigne als auch maligne Verlaufsformen umfassen können. Zu den villösen Formen zählen Partialmole, Blasenmole und invasive Mole.
Für Partial- und Blasenmolen empfiehlt die Leitlinie die vollständige Entleerung des Trophoblastgewebes aus der Gebärmutterhöhle mit anschließender wöchentlicher Kontrolle der humanen Choriongonadotropin-(hCG)-Werte, damit persistierende GTD ausgeschlossen werden können. Besteht jedoch eine anhaltende Erkrankung, kommen je nach Befund unter anderem Re-Kürettage, Hysterektomie, prophylaktische Chemotherapie oder ergänzende Bildgebung infrage.
Auch bei invasiven Molen sind persistierende oder steigende hCG-Werte richtungsweisend. Die Leitlinie empfiehlt grundsätzlich eine Chemotherapie; nach Hysterektomie oder in ausgewählten Low-risk-Situationen kann darauf verzichtet werden. Ergänzend werden immunhistochemische und molekularpathologische Zusatzuntersuchungen villöser GTD berücksichtigt.
Empfehlungen für seltene nicht-villöse Tumorformen
Zu den nicht-villösen GTD gehören unter anderem Plazentabettknoten (Placental Site Nodule, PSN), hyperplastische Implantationsstelle (Exaggerated Placental Site, EPS), Chorionkarzinom, Plazentabett-Tumor (Placental Site Trophoblastic Tumor, PSTT) sowie epitheloider Trophoblasttumor (ETT). Die Diagnostik erfolgt hierbei nicht über den Nachweis fehlentwickelter Chorionzotten, sondern anhand anderer histopathologischer Merkmale.
Für einzelne Entitäten beschreibt die Leitlinie spezifische therapeutische Strategien. So wird der Plazentabettknoten in der Regel mittels Abrasio behandelt, während eine isolierte hyperplastische Implantationsstelle nicht chemotherapeutisch behandelt werden soll. Besteht gleichzeitig eine Partial- oder Blasenmole, richtet sich die Nachsorge hingegen nach den entsprechenden Empfehlungen für diese Erkrankungen.
Beim PSTT und beim ETT empfiehlt die Leitlinie primär eine Hysterektomie. Vor einer Hysterektomie bei PSTT soll allerdings eine pathologische Zweitmeinung eingeholt werden. Liegen hingegen Metastasen eines epitheloiden Trophoblasttumors vor, wird eine Polychemotherapie empfohlen.
Nicht-gestationsbedingte Trophoblasterkrankungen
Auch nicht-gestationsbedingte Trophoblasterkrankungen (NGTD) werden erstmals systematisch eingeordnet. Sie können unter anderem als seltene Chorionkarzinome des Ovars oder im Zusammenhang mit Endometrium- und Urothelkarzinomen mit trophoblastärer Differenzierung auftreten. Aufgrund der Seltenheit orientiert sich die Therapie laut Leitlinie an Tumorlokalisation und Histologie.
Schwangerschaft nach GTD grundsätzlich möglich
Ein weiterer Schwerpunkt der Leitlinie betrifft Schwangerschaften nach einer GTD. Grundsätzlich sind spätere Schwangerschaften möglich und nach den vorliegenden Daten nicht mit einer ungünstigen maternalen, fetalen oder neonatalen Prognose verbunden. Allerdings weist die Leitlinie auf das erhöhte Risiko erneuter Molenschwangerschaften hin. Neben Schwangerschafts- und Geburtsergebnissen berücksichtigt die Leitlinie zudem den Einfluss vorausgegangener Chemotherapien auf die Fertilität.
Ergänzend enthält die Leitlinie Empfehlungen zum Management von Hirnmetastasen, zur operativen Therapie nicht-villöser Erkrankungen, zur Patientinnenaufklärung, zu immuntherapeutischen Ansätzen sowie zu weiteren klinischen Sonderfällen und bietet damit eine umfassende Orientierung für die Versorgung dieser seltenen Tumorerkrankungen.
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). S2k-Leitlinie Gestationsbedingte und nicht-gestationsbedingte Trophoblasterkrankungen. Registernummer 032-049, Version 7.0. Stand: 01.01.2026
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.