Um die Analregion möglichst gesund zu erhalten, sind neben einer sorgfältigen Analhygiene weitere Aspekte in der Patient:innenberatung relevant. Beschwerden wie Pruritus ani, entzündliche Hautveränderungen oder Schmerzen im Analbereich können die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.
Praxisempfehlung Nr. 1: Bei der Reinigung gilt „weniger ist mehr“
Diese Devise gilt für die Proktologin Dr. med. Katharina Wiechmann (Berlin) mit Blick auf die Vorbeugung von Hautproblemen in der Analregion, Hämorrhoiden und anderen Analerkrankungen.1 So sei Vorsicht geboten vor übertriebener Hygiene durch starkes Reiben, Seifen und Duftstoffe. Eine optimale Analhygiene sei schlicht mit Wasser und Papier möglich. Dabei sollte man jedoch auf das richtige Toilettenpapier und die richtige Reinigung achten sowie anatomische Besonderheiten im Blick haben:1
Das richtige Toilettenpapier ist
- weich und mehrlagig,
- ohne Farb- und Duftstoffe,
- ungebleicht, nicht zu rau und
- kein feuchtes Toilettenpapier (kann durch Zusatzstoffe Schutzbarriere der Haut zerstören).
Während der Reinigung sollte
- Papier sparsam verwendet,
- möglichst wenig mechanisch gereizt (lieber tupfen als reiben),
- klares Wasser ohne Seife verwendet (Papier befeuchten) und
- generell auf Duft- und chemische Zusatzstoffe verzichtet werden.
Auch ein zu häufiges Waschen, das die Hautbarriere schädigt, kann zu Afterbeschwerden führen.1 Mögliche Folge ist das irritative Kontaktekzem, die häufigste Form des Analekzems.2 Vor allem für Menschen mit ohnehin empfindlicher, trockener und rissiger Haut kann das zum Problem werden. Dies trifft insbesondere bei Patientinnen zu, die z. B. unter Neurodermitis oder unter Psoriasis leiden. Bei einer instabilen obersten Hautschicht können über entstandene Risse Zusatzstoffe aus dem Toilettenpapier in tiefere Hautschichten eindringen, was Allergien begünstigt und zu mechanischen Irritationen führt.
Bei ausgeprägtem Pruritus ani infolge eines irritativen Analekzems, etwa nach übermäßiger Reinigung mit Seifen oder Detergenzien im Analbereich, kann der kurzfristige Einsatz einer kortikosteroidhaltigen Salbe wie z. B. Postericort® Linderung verschaffen.2
Anatomische Besonderheiten erschweren die Analhygiene
Bestimmte anatomische Gegebenheiten oder Erkrankungen im Bereich der Perianalregion können die Analhygiene erschweren, z. B. bei:1
- Trichteranus
- Adipositas
- Marisken oder Vorpostenfalten
- empfindlicher oder vorgeschädigter Haut, z. B. bei trockener Haut, Neurodermitis oder Psoriasis
- übermäßiger Schweißbildung
- Störung der Feinkontinenz, z. B. durch ein Hämorrhoidalleiden
- weicher oder schmierig-klebriger Stuhlkonsistenz, da die Perianalregion dann schwieriger zu reinigen ist
- postoperativen oder postnatalen Wunden z. B. nach Dammriss
TONE-Regel zur Prävention von Analbeschwerden:
- T für „three minutes“ (nicht länger als 3 Minuten sitzen),
- O für „once a day“ (1x täglicher Stuhlgang),
- N für „no straining“ (nicht pressen) und
- E für „enough fibre“, also viel Obst und Gemüse essen – die unverdaulichen Fasern halten den Stuhl weich.5
In diesen Situationen ist es zudem ratsam, von einer Rasur abzusehen, mit Wasser zu reinigen und die Analregion nach der Reinigung vorsichtig trocken zu tupfen.1 Bei persistierender Feuchtigkeit kann der intertriginöse Perianalbereich vorübergehend mit einem weichen Wattepad trocken gehalten werden.1 Wichtig ist außerdem:
- langes Sitzen generell zu vermeiden,
- auf eine ausreichende Luftzirkulation im Bereich der Analregion zu achten und
- atmungsaktive, hautfreundliche Materialien wie Baumwolle zu bevorzugen.1
Liegen erschwerte Bedingungen für eine Reinigung vor, kann eine Schutz- und Pflegecreme wie z. B. Posterisan® protect sinnvoll sein. Direkt vor dem Stuhlgang aufgetragen, schützt sie vor Irritationen – sowohl durch die Defäkation selbst als auch durch die Reinigungsprozedur.
Praxisempfehlung Nr. 2: Geeignete Unterwäsche wählen
Enge oder wenig atmungsaktive Unterwäsche kann Hitze und Feuchtigkeit stauen und die perianale Haut zusätzlich reizen. Daher sind weiche, atmungsaktive und möglichst reizstoffarme Materialien zu bevorzugen, z. B. Baumwolle oder andere hautfreundliche, gut luftdurchlässige Gewebe. Baumwolle hat den praktischen Vorteil, dass sie meist bei höheren Temperaturen waschbar ist, was die Hygiene unterstützen kann.
Auch die Form der Unterwäsche ist relevant: Tangas können mechanische Reizungen verstärken; daher sind gut sitzende Slips oder Boxershorts aus weichem, atmungsaktivem Material zu bevorzugen. Bei Verdacht auf irritative oder allergische Reaktionen kann zudem ein Wechsel des Waschmittels sinnvoll sein.
Praxisempfehlung Nr. 3: Eine physiologische Stuhlkonsistenz fördern
Zur Prävention und Nachsorge bei Analerkrankungen, z. B. beim Hämorrhoidalleiden, spielt die richtige Analpflege eine wichtige Rolle. Dabei ist insbesondere eine regulierte Defäkation mit weicher, geformter Stuhlkonsistenz anzustreben:
- Ballaststoffreich essen und ausreichend trinken, um Obstipation vorzubeugen.3
- Flohsamenschalen einnehmen: Sie machen den Stuhl weich und gleitfähig.3
- Regelmäßig bewegen: Laut WHO mindestens 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche.4
- Nicht pressen beim Stuhlgang.3
- Eine hockende Position einnehmen gegen zu starkes Pressen, etwa mithilfe eines Fußhockers.
- Toilettengänge kurz halten, um unnötigen Druck auf die Hämorrhoidalpolster zu vermeiden; längeres Sitzen, z. B. durch Smartphone-Nutzung, sollte vermieden werden.
- Den Stuhlgang nicht zu lange unterdrücken.
- Schweres Heben und langes Stehen möglichst vermeiden, um den intraabdominellen Druck und die Belastung der Hämorrhoidalpolster zu reduzieren.
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