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Gehirnscans

Was Hunde im menschlichen Gesicht lesen können

Forscherinnen und Forscher der Universität Wien finden über Gehirnscans heraus, dass Hunde aus menschlichen Gesichtsausdrücken ihre Emotionen ableiten und unterscheiden können. 


20.08.2026
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Hunde können menschliche Emotionen offenbar genauer unterscheiden, als bislang angenommen. Eine Studie von Forscherinnen und Forschern der Universität Wien konnten erstmals zeigen, dass Hunde nicht nur zwischen freundlichen und negativen Gesichtsausdrücken unterscheiden, sondern auch verschiedene negative Emotionen wie Angst, Wut und Traurigkeit auseinanderhalten können.

Für die Untersuchung beobachteten die Forschenden die Gehirnaktivität von Hunden mithilfe von Magnetresonanztomografie (MRT). Dabei zeigten sie den Tieren Bilder von Menschen mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken. 

Glückliche Gesichter haben besondere Bedeutung

Zunächst konzentrierte sich das Team auf glückliche Gesichtsausdrücke. Frühere Untersuchungen hatten bereits nahegelegt, dass Hunde menschliche Freude besonders gut wahrnehmen können.

Acht Hunde wurden während der MRT-Untersuchung mit Bildern unbekannter Menschen konfrontiert, die entweder lächelten oder einen neutralen Gesichtsausdruck zeigten. Bei den glücklichen Gesichtern zeigte sich eine erhöhte Aktivität im temporalen Kortex, die bis in den Nucleus caudatus reichte. Beide Hirnregionen spielen unter anderem bei komplexer Verarbeitung und Belohnungsprozessen eine Rolle.

Besonders die Aktivität im Nucleus caudatus ist für die Forschenden interessant. Sie könnte darauf hindeuten, dass ein lächelndes menschliches Gesicht für Hunde nicht lediglich eine visuelle Information darstellt, sondern mit einer positiven emotionalen Bedeutung verbunden ist. 

Mithilfe von Machine-Learning-Verfahren analysierte das Team, ob diese Gehirnareale auch auf andere Gesichtsausdrücke reagieren. Die untersuchten Hirnregionen reagierten dabei ausschließlich auf glückliche Gesichter. 

Hunde unterscheiden auch negative Emotionen

Anschließend wollten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wissen, ob Hunde auch verschiedene negative Gesichtsausdrücke voneinander unterscheiden können. Dafür wurden zwölf Hunde mit Bildern von Menschen konfrontiert, die Freude, Wut, Angst oder Traurigkeit zeigten. Bei der Analyse des gesamten Gehirn fanden die Forschenden unterschiedliche Aktivitätsmuster für Angst, Wut und Traurigkeit. Damit gibt die Studie erstmals Hinweise darauf, dass Hunde bestimmte negative Emotionen in menschlichen Gesichtern voneinander unterscheiden können.



Ein Ergebnis der gemeinsamen Evolution

Für die Forschenden ist diese Fähigkeit auch aus evolutionärer Sicht interessant. Hunde und Menschen stammen nicht von einem gemeinsamen jüngeren Vorfahren ab, haben aber durch die Domestizierung eine außergewöhnlich enge soziale Beziehung entwickelt.

„Sie sind einen ganz anderen evolutionären Weg gegangen, haben aber durch die Domestizierung die sozialen Fähigkeiten entwickelt, die nötig sind, um uns Menschen zu verstehen und mit uns zusammenzuarbeiten“, erklärt die leitende Autorin Laura Cuaya von der Universität Wien.

Auch Erstautor Raúl Hernández-Pérez betont, dass Hunde offenbar sehr sensibel auf kleine Veränderungen menschlicher Gesichtsausdrücke reagieren. Die Untersuchung des Hundegehirns könne dabei helfen zu verstehen, welche Anpassungen sich im Laufe der gemeinsamen Geschichte von Mensch und Hund entwickelt haben.

Emotionen werden nicht nur mit dem Gesicht gelesen

Die Ergebnisse sollten allerdings nicht so interpretiert werden, dass Hunde menschliche Gefühle genauso erleben oder verstehen wie Menschen. Außerdem nahmen ausschließlich als Haustiere gehaltene Hunde aus Familien an der Untersuchung teil. Hunde, die unter anderen sozialen Bedingungen leben, könnten menschliche Signale möglicherweise anders verarbeiten.

Hinzu kommt, dass Hunde ihre Umwelt nicht allein anhand von Gesichtsausdrücken wahrnehmen. Im Alltag kombinieren sie zahlreiche Informationen: Sie beobachten die Körpersprache, hören auf Stimme und Tonfall und nehmen Gerüche wahr. Ein unbewegtes Gesicht im MRT bildet daher nur einen kleinen Ausschnitt ihrer tatsächlichen Kommunikation mit Menschen ab.

Wie Hunde menschliche Signale zusammenführen

Genau hier möchte das Forschungsteam künftig ansetzen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen untersuchen, wie Hunde verschiedene emotionale Signale miteinander verbinden, um Menschen in ihrer Umgebung einzuschätzen. Darüber hinaus soll verglichen werden, wie Hunde- und menschliche Gehirne auf dieselben emotionalen Informationen reagieren.

Die Studie zeigt damit vor allem eines: Die soziale Wahrnehmungsfähigkeit von Hunden geht offenbar weit über die bloße Reaktion auf Belohnung oder Kommandos hinaus. Hunde haben im Laufe ihrer Entwicklung eine bemerkenswerte Fähigkeit erworben, menschliche Signale zu lesen – und dabei spielen offenbar auch unsere Gesichtsausdrücke eine wichtige Rolle.

Für Laura Cuaya ist diese Erkenntnis auch für den Umgang mit Hunden relevant. Menschen sollten Hunde stärker als emotionale Lebewesen wahrnehmen, die sich gemeinsam mit uns entwickelt haben und unsere Kommunikation auf ihre eigene Weise verstehen. Das könnte langfristig auch verändern, wie Menschen mit ihren Hunden kommunizieren und auf deren Bedürfnisse eingehen.


Quelle: Universität Wien

Literatur

Cuaya L V et al: Dog brain representations of human facial expressions: Encoding happiness and differentiating specific negative expressions. iScience, 2026. DOI: 10.1016/j.isci.2026.116900.

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