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Wissenschaftsjahr 2026

Unser Gehirn in Comics erklärt: Wenn Kunst und Wissenschaft aufeinander treffen

Wissenschaftliche Forschungsergebnisse sind nicht selten komplex und für Laien erklärungsbedürftig. Das zu ändern war das Ziel des diesjährigen Wissenschaftskommunikationsprojekts “science streets”. Elf Forschende und elf Illustratoren und Illustratorinnen gestalteten Comics zu Forschungsthemen rund ums Gehirn, die vom 1. bis 30. August in Leipzigs öffentlichem Raum ausgestellt werden. 

 

28.08.2026
J. Gutmann
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Litfaßsäulen, City-Light-Poster und Infoscreens im öffentlichen Nahverkehr zeigen in der Regel Werbung. In Leipzig wurden einige von ihnen den gesamten August über zur Kunstfläche. Im Zentrum des Kunstprojekts “science streets” stehen Comics, die Themen rund um unser Gehirn behandeln. Die Aufgabe des Kleinhirns, der Aufbau eines alternden Gehirns, Angst und Depression bis hin zur Wechselwirkung zwischen Gehirn und Körper: Die Werke von Illustratoren und Illustratorinnen helfen anhand konkreter Beispiele und Zeichnungen, unser Gehirn besser zu verstehen. Grundlage für die Comics sind aktuelle neurologische Forschungsergebnisse. 

Science-Comics: Neurologische Forschungsergebnisse in Bildern erklärt 

“Science streets” als Wissenschaftskommunikationsprojekt ist Teil der Initiative “Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft” vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Insgesamt elf Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sowie elf Illustratoren und Illustratorinnen wurden ausgewählt, um die Comics gemeinsam zu gestalten.

„Wissenschaftskommunikation erreicht häufig vor allem Menschen, die sich bereits für Wissenschaft interessieren – das wollten wir ändern.“

Agata Patyczek, wissenschaftliche Leitung von science streets und Doktorandin am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

 


Das alternde Gehirn

Wie das das Älterwerden unser Gehirn beeinflusst, ist großes Thema in der Wissenschaft und auch in den in Leipzig gezeigten Comics. Dr. Sandra Martin untersuchte etwa, wie ein alterndes Gehirn Informationen und Begriffe speichert und abruft, die wir im Laufe unseres Lebens gelernt haben. Die Illustration zu dieser Forschungsfrage kommt von James Turek, der in seinem Comic die Köpfe eines jüngeren und eines älteren Menschen gegenüberstellt. Dargestellt wird, wie sich mit dem Alter die Wege verändern, die unser Gehirn nimmt, um ein Wort zu finden. Obwohl jung und alt am Ende beide das richtige Wort finden, sehen die Wege dorthin ganz unterschiedlich aus. Bei der älteren Person ist der Weg von vielen Erfahrungen geprägt.

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Zusammenarbeit im Gehirn. Obwohl ältere Menschen Aufgaben zur Wortfindung genauso gut lösen können wie jüngere, nutzen ihre Gehirne dabei größere und stärker vernetzte Netzwerke. Neben Bedeutungs- und Kontrollnetzwerken werden auch persönliche Erfahrungen und Konzepte stärker einbezogen. Das deutet darauf hin, dass das Gehirn altersbedingte Veränderungen ausgleichen kann, indem es zusätzliche Ressourcen und alternative Wege nutzt. Moderne Bildgebung zeigt dabei, dass sich besonders die Kommunikation zwischen verschiedenen Hirnnetzwerken im Laufe des Alterns verändert.

Cabeza, Roberto et al. (2018). Maintenance, reserve and compensation: The cognitive neuroscience of healthy ageing. Nature Reviews Neuroscience, https://doi.org/10.1038/s41583-018-0068-2

Hoffman, P., & Morcom, A. M. (2018). Age-related changes in the neural networks supporting semantic cognition: A meta-analysis of 47 functional neuroimaging studies. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2017.11.010

Park, D. C., & Reuter-Lorenz, P. (2009). The Adaptive Brain: Aging and Neurocognitive Scaffolding. Annual Review of Psychology, https://doi.org/10.1146/annurev.psych.59.103006.093656

Das prädiktive Gehirn

Der Comic zum “prädiktiven (vorhersagenden) Gehirn” von Charlotte Winkler zeigt, wie unterschiedlich jeder Mensch die Welt wahrnimmt. Die Forschenden Suong Welp, Zofia Hołubowska und Jakab Pilaszanovich befassen sich mit der Frage, wie unsere Umgebung je nach bisherigen Erfahrungen und Wissen wahrgenommen wird. Der Comic zeigt, dass zwei Menschen denselben Hund sehen, ihn aber aufgrund unterschiedlicher Erfahrungen ganz unterschiedlich wahrnehmen: Die eine Person denkt an Gefahr, während die andere den Hund mit Verspieltheit verbindet. Das Gehirn nutzt dabei Erinnerungen und Erwartungen, um die aktuelle Situation zu deuten und vorherzusagen, was passieren könnte. Dadurch erleben die beiden Personen denselben Moment unterschiedlich und erinnern sich später wahrscheinlich auch verschieden daran.

Insgesamt stützen aktuelle Forschungsansätze die Vorstellung, dass Wahrnehmung eine andauernde Vermischung von eingehenden Informationen und Vorwissen ist. Die klassischen Gestaltprinzipien (wie Gruppierung und Kontinuität) zeigen etwa, wie das Gehirn dazu neigt, Teile einer Szene zu einem kohärenten Ganzen zu verbinden. Es handelt sich um eine Art eingebaute Erwartung darüber, wie Dinge normalerweise zusammenpassen.

Alle Comics finden Sie hier: https://sciencestreets.de/

Autorin
Juliane Gutmann
Online-Redakteurin
WPV. Wirtschafts- und Praxisverlag GmbH
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