Ab wann sollte man wirklich den Orthopäden aufsuchen? Welche Anzeichen müssen vorliegen?
Grundsätzlich sollten alle schmerzhaften Zustände am Kniegelenk, die länger als zwei Wochen andauern, ärztlich abgeklärt werden. Hat man sein Knie beim Sport oder anderweitig lediglich überlastet, so sind solche Beschwerden nach zwei Wochen meist verschwunden. Ein dickes geschwollenes Knie mit oder ohne Unfallereignis bedarf jedoch umgehend einer Untersuchung, da sollte nicht gewartet werden. Bei einem Unfall spricht das für eine Verletzung von Gelenkstrukturen, ohne Unfall kann so etwas ein Zeichen für eine Infektion oder eine rheumatische Erkrankung sein.
Welche Sportarten empfehlen Sie Patienten mit Knie-Problemen und welche sollte man eher meiden?
Bei Knieproblemen verbieten sich Sportarten, die das Knie stauchen, wie etwa Joggen, Volleyball- oder Fußballspielen. Ideal hingegen sind Sportarten, die das Knie zyklisch belasten wie Radfahren, Rudern oder Schwimmen. Zyklische Sportarten trainieren das Knie ideal ohne es zu schädigen. Joggen ist übrigens für kaputte Kniegelenke absolutes Gift.
Welche drei bis fünf Fragen sollten Teil des Fragenkatalogs eines jeden Patienten im Ärztegespräch zu einer möglichen Knie-OP sein?
Für mich sind die wichtigsten Fragen im OP-Beratungsgespräch: Was sind die Alternativen zur OP, Was sind die Risiken einer OP und Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Operation. Auch die Frage, wie oft der Operateur diese OP bereits durchgeführt hat, halte ich für wichtig und legitim.
Wie kann man im klassischen Büroalltag dem Knieleiden entgegenwirken? Haben Sie Tipps?
Für das Büro gilt ebenso wie für den Alltag der schöne Spruch sitzen ist das neue Rauchen. Bleiben Sie in Bewegung. Nehmen Sie die Treppe und nicht den Fahrstuhl. Wechseln Sie Ihre Position, mal ein Telefonat im Stehen oder ein Gespräch mit Kollegen beim Laufen. Ideal sind Bürotische, die wechselnd auf Sitz- oder Stehposition eingestellt werden können. Das ist übrigens auch für den Rücken ideal.
Sie sagen, dass nach einer Operation der Operateur immer zufriedener ist als der Patient – wieso ist das so?
Es gibt Studien, die genau dies zeigen. Der Operateur überprüft nach einer Operation Kriterien wie Stabilität, Beweglichkeit und das Röntgenbild. Sind alle diese Parameter perfekt, so ist auch der Operateur in der Regel zufrieden. Dem Patienten ist das perfekte Röntgenbild aber egal, diesbezüglich kann alles krumm und schief sein, er will beschwerdefrei sein und nicht länger daran erinnert werden, dass er ein künstliches Gelenk hat. Daher hat die Wissenschaft zunehmend neue Kriterien zur Beurteilung der Operationen eingeführt. Diese heißen PROMs, für ‚Patient Reported Outcome Measures‘ und sollen vermehrt die Patientenperspektive berücksichtigen.
Wie häufig gibt es das beschriebene „forgotten knee“, also das vergessene, weil beschwerdefreie Knie nach einem Gelenkersatz?
Das ‚forgotten knee‘ ist das ultimative Ziel für Patient und Chirurg. Bei den künstlichen Kniegelenken, weiß man, dass 20 % der Patienten nicht hundertprozentig glücklich mit ihrem neuen Knie sind. Dies ist ganz anders bei den künstlichen Hüftgelenken, wo wir eine viel größerer Zufriedenheit beobachten. Nach derzeitiger Studienlage beobachten wir das ‚forgotten knee‘ bei 40 – 50 % der Kniegelenkersatzoperationen.