ZITIERWEISE: VASOMED 2024; 36(2): 56-59
Bekannte Risikofaktoren für CW sind Diabetes mellitus, Polyneuropathie, schlechte Ernährung, arterielle Durchblutungsstörungen, chronische venöse Insuffizienz, höheres Alter oder eingeschränkte Mobilität (12). Ein wichtiger Bestandteil der CW-Therapie ist die leitliniengerechte Behandlung der Grunderkrankung und die Standardwundtherapie (SWT). Die SWT besteht aus dem chirurgischen Abtragen von Belägen und avitalem Gewebe, der antiseptischen Wundreinigung, dem Anlegen spezieller Verbände und regelmäßigen Verbandwechseln (3).
In den letzten Jahren wurde die Anwendung der Kaltplasmatherapie (CPT) bei chronischen Wunden zunehmend untersucht. Es gibt Berichte über den Einsatz der CPT bei verschiedenen Erkrankungen, darunter akute Wunden, chronische Wunden, Pyoderma gangraenosum, in der Zahnmedizin und in der onkologischen Grundlagenforschung. (1, 7, 8). CPT ist ein neuer Ansatz in der Medizin, bei dem kaltes Plasma verwendet wird, das durch zumindest teilweise Ionisierung der Umgebungsluft erzeugt wird (5). Das erzeugte Plasma wirkt über verschiedene biologische und physikalische Mechanismen antibakteriell, antiviral, entzündungshemmend und immunmodulierend, was sich positiv auf die Wundheilung auswirkt (2, 5, 9, 10). Im Vergleich zu bisherigen technischen Möglichkeiten der Plasmaapplikation erzeugt der hier untersuchte Applikator ein homogenes Plasmafeld über eine große Behandlungsfläche (11 x 11 cm). Im Vergleich zu bisherigen Geräten ist die Therapie unabhängig vom Untersucher, da die korrekte Plasmaapplikation automatisiert ist. Die Studie „Plasma On Chronic Wounds for Epidermal Regeneration“ (POWER) hatte zum Ziel, die CPT mit dem Goldstandard SWT zu vergleichen.
Behandlung, Gerät und Patienten
Die POWER-Studie ist eine multizentrische, randomisierte klinische Studie (RCT) zur Untersuchung der Wirkung der CPT bei chronischen, nicht heilenden Wunden. Die Studie begann 2021 und wird voraussichtlich Ende 2024 abgeschlossen sein. SWT- und CPT-Gruppen wurden verglichen, um Behandlungsunterschiede nach vier Wochen mit drei Besuchen pro Woche zu ermitteln. Beide Gruppen wurden nach dem Zufallsprinzip aus allen Zentren rekrutiert. Primärer Endpunkt war die relative Verkleinerung der Wundfläche nach einem Behandlungszeitraum von vier Wochen. Sekundäre Endpunkte, wie das Auftreten eines vollständigen Wundverschlusses, die Veränderung der Wundgewebequalität, die bakterielle Belastung, das Auftreten eines Wundrezidivs, der Wundschmerz, die Lebensqualität und die Notwendigkeit eines Krankenhausaufenthaltes, wurden ebenfalls untersucht. Der Wundverschluss wurde als 100 %ige Epithelisierung der Wunde definiert. Die Interventionsgruppe erhielt eine Wundtherapie nach der aktuellen Leitlinie und zusätzlich eine Plasmabehandlung für vier Wochen (3). Eine einzelne Kaltplasmasitzung dauerte zwei Minuten und wurde dreimal wöchentlich durchgeführt, sodass die Patienten zwölf Behandlungen erhielten.
Patienten, die mindestens 18 Jahre alt waren, konnten an der Studie teilnehmen. Eine Wundgröße zwischen 5 und 100 cm², eine arterielle oder venöse Wunde am Unterschenkel und das Bestehen der Wunde seit mindestens acht Wochen waren Voraussetzungen für den Einschluss in die Studie. Bei dem verwendeten Produkt handelt es sich um das System CPTcube/CPTpatch (Coldplasmatech GmbH, Greifswald), bestehend aus einem würfelförmigen Hauptgerät mit vollautomatischem Behandlungsprogramm (CPTcube) und einem dünnen plasmagenerierenden Folienverband zur Wundabdichtung und Plasmaapplikation (CPTpatch).