Skip to main content

Dieser Beitrag ist nur für Mitglieder verfügbar!

Gefäßchirurgie, Gefäßmedizin, Medizin Gefäßmedizin Gefäßmedizin, vasomed
vasomed 5/23

Klassifikation und Therapie der endothermalen hitzeinduzierten Thrombose

Die endothermale hitzeinduzierte Thrombose (EHIT) ist eine potenzielle spezifische Komplikation nach endovenös-thermischer Venenablation (EVTA). Das Risiko einer Thrombuspropagation bis in das tiefe Venensystem beträgt 1–2 %. Die anatomische Lage der Verschlussebene nach EVTA bzw. das Ausmaß der EHIT-Ausdehnung im tiefen Venensystem ist Grundlage der Klassifikation (EHIT oder PATE). Ein erhöhtes EHIT-Risiko wird bei größeren Venendurchmessern der Zielvene und bei vorausgegangenen venösen thromboembolischen Ereignissen, insbesondere im oberflächlichen Venensystem, diskutiert. Das therapeutische Vorgehen reicht stadienadaptiert von einer wöchentlichen Ultraschallkontrolle über eine medikamentöse Prophylaxe bis hin zur volltherapeutischen Antiko­agulation und sollte auch individuelle Risiken berücksichtigen.


02.11.2023
K. Rass, C. Altindas
Teilen auf:
drucken Gefällt mir merken

ZITIERWEISE: VASOMED 2023; 35(5): 208-214

Einleitung

Die primäre Varikose und ihre Folgeerscheinungen der chronischen venösen Insuffizienz (CVI) weisen eine globale Prävalenz von ca. 40 % bei Erwachsenen auf (26). Für die Behandlung der kausal häufig relevanten Stammveneninsuffi­zienz von V. saphena magna (VSM) und  V. saphena parva (VSP) stehen – in Deutschland als gleichwertig betrachtet – operative (Crossektomie und Stripping) und interventionell-ablative (thermische und nicht-thermische) Therapieverfahren zur Verfügung (23). 

Die endovenös thermischen Ablationsverfahren (EVTA) umfassen als etablierte Techniken die endovenöse Laserablation (EVLA) und die Radiofrequenzablation (RFA). Nach einer Entwicklung über mittlerweile 20 Jahre gelten Laser mit modifiziertem Lichtleiter (Radialfaser) und Wellenlängen ≥1.470 nm sowie Radiofrequenzsonden mit segmentaler Wärmeabgabe als derzeitiger Standard (5, 23). Diese haben sich als effektive und sichere Methoden insbesondere für die Behandlung der symptomatischen Stammveneninsuffizienz erwiesen und werden global zunehmend als Alternativen zur konventionellen Varizenchirurgie eingesetzt (18, 38). 

Bei den o. g. Standardverfahren von EVLA und RFA wird eine thermisch induzierte Koagulationsnekrose der Gefäßwand und über die Mechanismen der Proteindenaturierung und Kollagenschrumpfung mit Thrombosierung des verbleibenden Lumens eine Obliteration des zu behandelnden oberflächlichen Venensegments erzielt (36). Die endothermale hitzeinduzierte Thrombose (EHIT) ist eine potenzielle Komplikation der EVTA-Verfahren, wurde erstmals von Kabnick et al. 2006 beschrieben und wird als eine Ausbreitung der Thrombose vom proximalen Endpunkt der thermisch abladierten oberflächlichen Vene in die angrenzende tiefe Vene definiert (13). Hierbei bezieht sich der Begriff EHIT auf eine spezifische postprozedurale Entität, die sich von der tiefen Venenthrombose   (TVT) in Bezug auf Pathophysiologie, klinisches Verhalten und das sonographische Erscheinungsbild unterscheidet und deren Beschreibung und Behandlungsstrategien zunehmend an Bedeutung gewinnen. Dies zeigt sich u. a. daran, dass 2019 erstmals in der deutschen S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Varikose, wie auch 2021 durch das American Venous Forum (AVF) und die US-amerikanische Gesellschaft für Gefäßchirurgie (SVS) Leitlinien­empfehlungen zur Klassifikation und Behandlung der EHIT ausgesprochen wurden (14, 23). EHIT präsentieren sich in den meisten Fällen innerhalb der ersten 72 Stunden nach der thermischen Ablation als asymptomatisches Erscheinungsbild im Ultraschall, das eine Tendenz zur spontanen Regression zeigt, jedoch im Einzelfall auch Ausgangspunkt für die Entwicklung einer relevanten thromboembolischen Komplikation sein kann (Abb. 1) (20). In der aktuellen Literatur werden Empfehlungen zur Behandlung der verschiedenen EHIT-Stadien ausgesprochen, die zwischen „watchful waiting“ und therapeutischer Antikoagulation variieren.

Ziel dieses CME-Artikels ist es, Kenntnisse zu Definition, Klassifikation, Häufigkeit, Risikofaktoren, Prävention und Therapie der EHIT zu vermitteln.
 

Definition/Nomenklatur

Durch EVTA-Verfahren induzierte Thrombosen im Mündungssegment der behandelten Vene wurden mit deren Einführung in das therapeutische Spektrum der Stammveneninsuffizienz bereits Mitte der 2000er Jahre beobachtet (11, 21), erstmals jedoch 2006 von Kabnick als spezifische Komplikation nach endothermaler Ablation als EHIT benannt (13). Die EHIT ist somit ein postablatives Ereignis, das durch die Extension eines Thrombus aus der behandelten Stammvene in das Lumen der benachbarten tiefen Vene gekennzeichnet ist. Typischerweise tritt eine EHIT innerhalb von 72 Stunden nach der Behandlung auf, kann sich aber noch bis zu vier Wochen nach erfolgter EVTA entwickeln (19, 31). Am häufigsten findet sich eine EHIT im Bereich der saphenofemoralen bzw. -poplitealen Junktionszone, wird aber auch nach Ablation von Perforansvenen beobachtet (1).

Neben dem Terminus EHIT wurden und werden weitere Begriffe für das Auftreten einer postinterventionellen Thrombuspropagation verwendet. So ist PASTE (post ablation superficial thrombus extension) ein Terminus, der im ETAV-Consensus-Meeting 2012, das sich mit der Qualitätssicherung der EVTA-Verfahren beschäftigte, favorisiert wurde (24). Die Bezeichnung „Postablation thrombus extension“ (PATE) wurde später von Schäffer et al. anstelle von PASTE vorgeschlagen mit dem Hintergrund, dass ähnliche Erscheinungsformen auch nach nicht-thermischen Verfahren auftreten und es sich um Thrombusausbreitungen bis in das tiefe Venensystem handelt. Das Adjektiv „superficial“ ist demnach nicht korrekt und könnte verharmlosend wirken (32). Die Begrifflichkeiten EFIT (endovenous foam-induced thrombosis) und EGIT (endovenous glue-induced thrombosis) werden zur Beschreibung der Thrombusausbreitung infolge einer Schaumsklerosierung beziehungsweise Cyanoacrylat-Verklebung verwendet (4, 16). Für die nicht-thermischen Ablationsverfahren liegt derzeit international keine einheitliche und erschöpfende Definition und Klassifikation vor, da z. B. Ereignisse nach mechanochemischer Ablation bislang terminologisch nicht berücksichtigt wurden. Im internationalen Sprachgebrauch hat sich hingegen der Terminus EHIT als Komplikation nach thermischer Ablation durchgesetzt (14).

Klassifikation

Im zeitlichen Ablauf wurden Klassifikationen der EHIT von Kabnick, Lawrence und  Harlander-Locke vorgelegt (8, 13, 17). Diese basieren auf dem sonographischen postablationalen Befund und beschreiben die proximale Verschlussebene und ggf. den Grad der Thrombusausbreitung in das tiefe Venensystem. Unterschiede liegen einerseits in der betroffenen Region: Während die Kabnick-Klassifikation anatomisch allgemeingültig ist (Tab. 1), bezieht sich die Lawrence-Klassifikation auf Ereignisse in der saphenofemoralen Junktion (SFJ), also nach Ablation der VSM (Tab. 2), und die Harlander-Locke-Klassifikation auf Ereignisse in der saphenopoplitealen Junktion (SPJ), also nach Ablation der VSP (Tab. 3). Die Lawrence-Klassifikation berücksichtigt unterschiedliche superfizielle Verschluss­ebenen in Bezug auf die V. epigastrica 
superficialis, weist allerdings bei den höheren Leveln Unschärfen in den Definitionen auf. Ob die Differenzierung der Verschlusstypen/Klassen I bis III nach Lawrence eine prognostische Bedeutung hat, ist unklar und wird in der harmonisierten EHIT-Klassifikation von AVF-SVS für den wissenschaftlichen Gebrauch als optional angesehen (14). Die Zusammenführung der drei früheren Klassifizierungsschemata in die AVF-EHIT-Klassifikation zeigt Tabelle 4. Dabei ist es wichtig, zur Kenntnis zu nehmen, dass bei EHIT Klasse I noch keine Thombusaszen­sion bis in das tiefe Venensystem vorliegt und dies der o. g. Definition einer EHIT widerspricht. Eine EHIT im engeren Sinne meint somit die Klassen II–IV (Abb. 2).

In der deutschen S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Varikose wird Bezug auf die bereits erwähnte PATE-Klassifikation genommen, die sich nur in einem Punkt von der AVF-EHIT-Klassifikation unterscheidet, indem die Ausdehnung des Thrombus wenige Millimeter in die tiefe Vene hinein mit Einengung des Lumens bis zu 25 % als zusätzliche Klasse aufgenommen wurde (Tab. 5) (23, 32). Die PATE-Klassifikation ist zudem die einzige Klassifikation, die global für alle anatomischen Regionen und alle interventionellen Behandlungsformen – thermisch und nicht-thermisch – eingesetzt werden kann. Sie ist nur international bislang nicht bekannt (PubMed Recherche 08.06.2023).

Häufigkeit

Die Inzidenz von thromboembolischen Ereignissen nach EVTA liegt der Deutschen Leitlinie zufolge zwischen 0 und 3 %, basierend auf den Daten einzelner prospektiver Studien (23). In einer umfangreichen Meta-Analyse von 52 Studien mit 16.398 endothermisch behandelten Patienten wird über eine Inzidenz von TVT von 1,7 % (95 % Konfidenzintervall (KI): 0,9–2,7 %) berichtet. Diese beinhaltet EHIT-Klassen II–IV nach Kabnick (Tab. 1) mit 1,4 % (95 % KI: 0,8–2,3 %) und TVT, die nicht als EHIT klassifiziert wurden, mit 0,3 % (10).

Um langfristig möglichst effektive Therapieresultate zu erzielen, wird in jüngster Zeit das Erreichen einer „Laser-Crossektomie“ nach EVLA der VSM unter Verwendung von Radialfasern propagiert (28, 35). Dabei wird das proximale Ende des Lichtleiters in unmittelbarer Nähe zur SFJ positioniert und nicht wie bislang empfohlen mit einem Abstand von 1–2 cm zur Junktionsebene (39). Das Therapieziel ist somit ein bündiger Verschluss zur tiefen Vene hin, also entsprechend einer EHIT Klasse I. Durch die Nähe zum tiefen Venensystem könnte das Auftreten einer EHIT > Klasse I bei dieser Strategie häufiger auftreten. In einer retrospektiven Studie mit 127 „Laser-Crossektomien“ wurde über zwei EHIT (jeweils ein Ereignis Klasse II und III nach Kabnick) berichtet, entsprechend einer Inzidenz von 1,6 % (35). In einer weiteren monozentrischen randomisierten Studie wurden 71 Patienten mittels „Laser-Crossektomie“ behandelt, während in der zweiten Gruppe (n=75) der Abstand zur SFJ 2 cm betrug. Nur in Gruppe 1 wurde eine EHIT 
Klasse II nach Kabnick beobachtet (1,4 %) (28). Insofern geben diese präliminären Daten bei allerdings sehr limitierten Fallzahlen zunächst keinen Hinweis auf ein erhöhtes EHIT-Risiko nach „Laser-Crossektomie“.

Diagnostik

Die Diagnosesicherung und Klassifizierung der EHIT basiert auf der B-Bild-Sonographie, ggf. unter Zuhilfenahme des Farbdopplers (Duplex). In den Empfehlungen der AVF/SVS wird ausgeführt, dass die 
erste Nachuntersuchung an den Therapiezentren überlicherweise innerhalb der ersten drei Tage und die zweite Duplex-Kontrolle ein bis zwei Wochen nach EVTA erfolgt (14). Die Diagnose wird durch Darstellung der Thrombusausbreitung im Übergang von der thermisch abladierten oberflächlichen Vene in die benachbarte tiefe Vene gestellt (Abb. 1). Das sonographische Erscheinungsbild der EHIT unterscheidet sich von dem einer akuten TVT, indem sich die Thrombusformation der EHIT eher mit echoreichen Anteilen präsentiert (7). Vermessungen sollten so vorgenommen werden, dass Verlaufskontrollen möglich sind und die Rückbildung der EHIT objektiv bestimmt werden kann, z. B. indem die Thrombusbreite im 90°-Winkel zur Ebene der SFJ bzw. saphenopoplitealen Junktion (SPJ) gemessen wird. In Bezug zum Durchmesser der tiefen Vene kann so eine korrekte Klassifikation vorgenommen werden.

Risikofaktoren

Die Identifizierung konsistenter Risikofaktoren gestaltet sich aufgrund der geringen Inzidenz der EHIT als schwierig, sodass evidenzbasierte Empfehlungen zu präventiven Maßnahmen derzeit nicht sicher ableitbar sind. Die potenziellen Risikofaktoren für das Auftreten einer EHIT können in patienten- und interventionsassoziierte Faktoren unterteilt werden. Als patientenassoziierte Risikofaktoren wurden größere Durchmesser der behandelten Vene, vorbestehende venöse Thromboembolien in der Anamnese sowie Geschlecht, Alter und ein erhöhter BMI beschrieben. Zu den möglichen interventionsassoziierten Risikofaktoren zählen die Länge des Eingriffs, gleichzeitige Durchführung von Phlebektomien, der Abstand der Katheterspitze zum Übergang zur tiefen Vene sowie die Dauer der postablativen medikamentösen bzw. mechanischen Thromboseprophylaxe. 

Mehrere retrospektive Studien geben Hinweise auf eine Bedeutung des Venendurchmessers als Risikofaktor für das Auftreten von EHIT. Dabei wurden Assoziationen für VSM-Durchmesser >7,5 mm, >8 mm, >10 mm bzw. >11 mm und für VSP-Durchmesser >6 mm beschrieben (8, 9, 15, 29, 33). Insofern scheint der zunehmende Gefäßdurchmesser das EHIT-Risiko zu erhöhen, definitive Schwellenwerte können jedoch nicht genannt werden, auch mangels prospektiver Daten.

Die Datenlage zur Assoziation von thromboembolischen Ereignissen in der Vorgeschichte mit dem Auftreten von EHIT ist inkonsistent. Während Harlander-Locke et al. in einer Studie mit 1.000 Venenablationen eine Assoziation von TVT mit EHIT nachweisen konnten, gelang dies in zwei anderen Studien mit nahezu 7.000 Venenablationen nicht (9, 12, 37). Puggioni et al. und Chi et al. identifizierten eine oberflächliche Venenthrombose (OVT) in der Vorgeschichte als Risikofaktor für eine EHIT, letztere Arbeitsgruppe zeigte ein um den Faktor 3,6 signifikant erhöhtes EHIT-Risiko in einer prospektiven Untersuchung (3, 25). Dies wiederum konnte in einer kleineren retrospektiven Studie nicht bestätigt werden (34).

Aussagen zur Relevanz demographischer Patientendaten für das EHIT-Risiko sind in der Literatur ebenfalls widersprüchlich. Einmal wird in zwei unterschiedlichen Studien das männliche Geschlecht als Risikofaktor genannt (12, 27). In einer anderen Studie prädisponierte eher das weibliche Geschlecht für EHIT (3). In einer Studie mit 360 konsekutiven EVLA wurde nachgewiesen, dass ein Alter von über 66 Jahren die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer EHIT erhöht (3). In fünf weiteren Studien konnte jedoch kein Zusammenhang zwischen Alter und EHIT nachgewiesen werden (2, 8, 12, 15, 27).

Bezüglich interventionsassoziierter Risikofaktoren zeigen Einzelstudien eine mögliche Relevanz für simultan durchgeführte Phlebektomien, eine längere Interventionsdauer und die Position der Katheterspitze mit einem Trend zu einer geringeren Inzidenz von EHIT II, wenn die Ablation >2,5 cm distal zur tiefen Vene begonnen wird (7, 14, 27, 33). Die Wellenlänge und die eingesetzte Laserenergie sowie die Modalität der endovenösen thermischen Ablation (RFA vs. EVLA) lassen keinen Einfluss auf das Entstehen einer EHIT erkennen (14).

Zusammenfassend liegen also Hinweise vor, dass mit Zunahme des Venendurchmessers das EHIT-Risiko steigt und dass vorausgegangene venöse thromboembolische Ereignisse, insbesondere im oberflächlichen Venensystem, und möglicherweise das männliche Geschlecht mit dem Auftreten einer EHIT korrelieren.

Prävention

Für die Prävention thromboembolischer Ereignisse nach EVTA einschließlich EHIT gelten grundsätzlich die Empfehlungen der S3-Leitlinie zur „Prophylaxe der venösen Thromboembolie“ und der S2k-Leitlinie zur „Diagnostik und Therapie der Varikose“ (6, 23). Insofern empfiehlt auch die Leitlinie von AVF/SVS zur Klassifikation und Behandlung der EHIT die Verwendung einer medikamentösen (i. d. R. niedermolekulares Heparin oder Fondaparinux) und mechanischen (i. d. R. medizinische Kompressionsstrümpfe) Thromboseprophylaxe nach individueller Einschätzung des Patientenrisikos und -nutzens (14). Es liegt keine Evidenz vor, dass durch Maßnamen der Thromboseprophylaxe – medikamentös oder physikalisch – das Risiko für das Auftreten einer EHIT gesenkt werden kann (14). Um einen Nutzen der Thromboseprophylaxe zu belegen, wären allerdings aufgrund der geringen Ereignisrate randomisierte Studien mit immensen Fallzahlen erforderlich, die es vermutlich auch in Zukunft nicht geben wird. Insofern ist der Einsatz dieser Maßnahmen letztlich der Entscheidung des behandelnden Arztes vorbehalten. Da durch die Verwendung von Kompressionsstrümpfen aber zumindest das postoperative Schmerzniveau reduziert werden kann, werden diese für zumindest eine Woche nach erfolgter EVTA empfohlen (23). Eine zusätzliche medikamentöse Thromboseprophylaxe sollte bei thromboembolischen Ereignissen in der Vorgeschichte einschließlich oberflächlichen Venenthrombosen, bei bestehender Thrombophilie oder anderen Ursachen für eine Hyperkoagulabilität und/oder bei weiteren o. g. Risikofaktoren (große Venendurchmesser, männliches Geschlecht) in Betracht gezogen werden.

Aufgrund eines Trends zu weniger EHIT-Ereignissen bei Einhaltung eines Sicherheitsabstandes von >2,5 cm zur tiefen Vene wird dies zur EHIT-Prävention im Rahmen der AVF/SVS-Leitlinie nahegelegt (14, 30). Dies läuft der aktuell in Europa erkennbaren Strategie der „Laser-Crossektomie“ (s. o.) zur Steigerung der Langzeiteffektivität diametral entgegen. Lang belassene Crossenstümpfe gelten nach offen-chirurgischer Therapie als starker Risikofaktor für das Auftreten von klinisch relevanten Crossenrezidiven (22). Im Analogschluss kann die Erweiterung des Sicherheitsabstandes zur tiefen Vene nach EVTA eine Risikoerhöhung für Rezidive mit sich bringen.

Therapie

Ziel der Behandlung der EHIT besteht darin, eine klinisch signifikante TVT oder eine Lungenembolie zu verhindern, die beide in der Literatur selten als Folge der endothermischen Ablation beschrieben wurden (15). In der AVF/SVS-Leitlinie werden anhand der AVF-EHIT-Klassifikation die nachfolgenden Empfehlungen zum stadiengerechten Management der EHIT ausgesprochen. Insbesondere für EHIT I und II sind aufgrund der geringen Evidenz nur Grad-2C-Empfehlungen möglich (14). Die auf der PATE-Klassifikation basierenden und von der amerikanischen Leitlinie partiell abweichenden Empfehlungen der deutschen S2k-Leitlinie werden ebenfalls dargestellt (23).

Für EHIT I / PATE 0 (Thrombus reicht maximal bis zur Mündungsebene der tiefen Vene) wird keine Behandlung und keine duplexsonographische Verlaufskontrolle empfohlen.

Bei diesem Vorgehen besteht nach der prospektiven Untersuchung von Sufian et al. bei 4.906 thermischen Ablationen der VSM (RFA) ein Risiko von 6 % (0,12 % auf die Gesamtkohorte bezogen), dass bei sich aus einer EHIT Klasse I nach Kabnick (n=100) ein Progress zu EHIT II (n=3) oder EHIT III (n=3) entwickeln kann (37). Dieses Risiko würde somit bei o. g. Empfehlung in Kauf genommen werden, sodass nach Meinung der Autoren bei Vorliegen einer saphenofemoralen Verschlussebene eine weitere Ultraschallkon­trolle vier Wochen post ablationem erwogen werden kann.

Für EHIT II (Thrombusextension bis in die tiefe Vene mit <50 % Lumenein­engung) werden wöchentliche duplexsonographische Verlaufskontrollen empfohlen. Für Hochrisiko-Patienten (vgl. Prävention) sollte eine Thrombozytenaggregationshemmung oder eine prophylaktische ggf. therapeutische Antikoagulation in Erwägung gezogen werden. Die Ultraschallkontrollen und ggf. die Therapie können mit Nachweis der Rückbildung des Thrombus auf die Junktionsebene der SFJ bzw. SPJ beendet werden.

In der deutschen Leitlinie wird bei PATE I (Thrombusextension bis in die tiefe Vene mit <25 % Lumeneinengung) ein Vorgehen wie bei EHIT II vorgeschlagen, jedoch mit Beschränkung auf eine prophylaktische Antikoagulation, während bei PATE II (entspricht EHIT II mit einer Thrombusextension von mind. 25 % des Lumens der tiefen Vene) eine therapeutische Antikoagulation empfohlen wird.

Im Gegensatz zur Breite der Therapieempfehlung in der AVF/SVS Leitlinie zu EHIT II von prophylaktischer bis hin zu therapeutischer Antikoagulation wird die deutsche Leitlinie mit der Risikoabstufung von PATE I und PATE II einem differenzierten therapeutischen Vorgehen besser gerecht, auch wenn hierzu keine Evidenz vorliegt. Daher bleibt das Vorgehen bei EHIT II kontrovers (14).

Für die Behandlung der EHIT III und PATE III (Thrombusextension bis in die tiefe Vene mit >50 % Lumeneinengung) wird einheitlich eine therapeutische Antikoagulation unter wöchentlichen duplexsonographischen Verlaufskontrollen empfohlen. Die Therapie kann mit Nachweis der Rückbildung des Thrombus auf die Junktionsebene der SFJ bzw. SPJ beendet werden.

Da zu diesem Vorgehen keine Daten vorliegen, die eine andere Strategie sinnvoll erscheinen lassen, handelt es sich um eine 1B-Empfehlung. 

Das Behandlungsmanagement bei EHIT IV und PATE IV entspricht dem Vorgehen wie bei einer provozierten TVT mit therapeutischer Antikoagulation über mindestens drei Monate. Die deutsche Leitlinie lässt die Möglichkeit offen, nach Thrombus-Rückbildung bis auf das Niveau der SFJ ein Absetzen der therapeutischen Antikoagulation zu erwägen.

1.    Aurshina A, Ascher E, Victory J et al. Clinical correlation of success and acute thrombotic complications of lower extremity endovenous thermal ablation. J Vasc Surg Venous Lymphat Disord 2018;6:25-30.
2.    Bennaroch-Gampel J, Sheffield KM, Boyd CA et al. Analysis of venous thromboembolic events after saphenous ablation. J Vasc Surg Venous Lymphat Disord 2013;1:26-32.
3.    Chi YW, Ali L, Woods TC. Clinical risk factors to predict deep venous thrombosis post endovenous laser ablation of saphenous veins. Vasc Med 2011;16:235-236.
4.    Cho S, Gibson K, Lee SH et al. Incidence, classification, and risk factors of endovenous glue-induced thrombosis after cyanoacrylate closure of the incompetent saphenous vein. 
J Vasc Surg Venous Lymphat Disord 2020;8:991-998.
5.    De Maeseneer MG, Kakkos SK, Aherne , et al. European Society for Vascular Surgery (ESVS) 2022 Clinical Practice Guidelines on the Management of Chronic Venous Disease of the Lower Limbs. Eur J Vasc Endovasc Surg 2022;63:184-267.
6.    Encke A, Haas S, Kopp I. The prophylaxis of venous thromboembolism. Dtsch Aerztebl Online 2016;113:532–538. doi.org/10.3238/ arztebl.2016.0532
7.    Haqqani OP, Vasiliu C, O'Donnell TF, Iafrati MD. Great saphenous vein patency and endovenous heat-induced thrombosis after endovenous thermal ablation with modified catheter tip positioning. J Vasc Surg 2011;54(6 Suppl):10S-17S.
8.    Harlander-Locke M, Jimenez JC, Lawrence PF et al. Management of endovenous heat-induced thrombus using a classification system and treatment algorithm following segmental thermal ablation of the small saphenous vein. J Vasc Surg 2013;58:427-431.
9.    Harlander-Locke M, Jimenez JC, Lawrence PF et al. Endovenous ablation with concomitant phlebectomy is a safe and effective method of treatment for symptomatic patients with axial reflux and large incompetent tributaries. J Vasc Surg 2013;58:166-172.
10.    Healy DA, Kimura S, Power D et al. A Systematic Review and Meta-analysis of thrombotic events following endovenous thermal ablation of the great saphenous vein. Eur J Vasc Endovasc Surg 2018;56:410-424.
11.    Hingorani AP, Ascher E, Markevich N et al. Deep venous thrombosis after radiofrequency ablation of greater saphenous vein: a word of caution. J Vasc Surg 2004;40:500-504.
12.    Jacobs CE, Pinzon MM, Orozco J et al. Deep venous thrombosis after saphenous endovenous radiofrequency ablation: is it predictable? Ann Vasc Surg 2014;28:679-685.
13.    Kabnick LS, Ombrellino M, Agis H et al. Endovenous heat induced thrombosis (EHIT) at the superficial deep venous junction: a new post-treatment clinical entity, classification and potential treatment strategies. The Eighteenth Annual Meeting of the American Venous Forum; February 22–26, 2006; Miami/Florida.
14.    Kabnick LS, Sadek M, Bjarnason H et al. Classification and treatment of endothermal heat-induced thrombosis: Recommendations from the American Venous Forum and the Society for Vascular Surgery. J Vasc Surg Venous Lymphat Disord 2021;9:6-22.
15.    Kane K, Fisher T, Bennett M, Hicks T et al. The incidence and outcome of endothermal heat-induced thrombosis after endovenous laser ablation. Ann Vasc Surg 2014;28:1744-1750.
16.    Kulkarni SR, Messenger DE, Slim FJ et al. The incidence and characterization of deep vein thrombosis following ultrasound-guided foam sclerotherapy in 1.000 legs with superficial venous reflux. J Vasc Surg Venous Lymphat Disord 2013;1:231-238.
17.    Lawrence PF, Chandra A, Wu M et al. Classification of proximal endovenous closure levels and treatment algorithm. J Vasc Surg 2010;52:388-393.
18.    Lawson JA, Gauw SA, van Vlijmen CJ et al. Prospective comparative cohort study evaluating incompetent great saphenous vein closure using radiofrequency-powered segmental ablation or 1470-nm endovenous laser ablation with radial-tip fibers (Varico 2 study). J Vasc Surg Venous Lymphat Disord 2018;6:31-40.
19.    Lurie F, Kistner RL. Pretreatment elevated D-dimer levels without systemic inflammatory response are associated with thrombotic complications of thermal ablation of the great saphenous vein. J Vasc Surg Venous Lymphat Disord. 2013;1:154-158.
20.    Marsh P, Price BA, Holdstock J et al. Deep vein thrombosis (DVT) after venous thermoablation techniques: rates of endovenous heat-induced thrombosis (EHIT) and classical DVT after radiofrequency and endovenous laser ablation in a single centre. Eur J Vasc Endovasc Surg 2010;40:521-527.
21.    Mozes G, Kalra M, Carmo M et al. Extension of saphenous thrombus into the femoral vein: a potential complication of new endovenous ablation techniques. J Vasc Surg 2005;41:130-135.
22.    Mumme A, Hummel T, Burger P et al. High ligation of the saphenofemoral junction is necessary. Results of the German Groin Recurrence Study. Phlebologie 2009;38:99-102.
23.    Pannier F, Noppeney T, Alm J et al. S2k-guidelines: diagnosis and treatment of varicose veins. Hautarzt 2022;73(Suppl1):1-44.
24.    Pavlovic MD, Schuller-Petrovic S, Pichot O et al. Guidelines of the First International Consensus on Endovenous Thermal Ablation for Varicose Vein Disease – ETAV Consensus Meeting 2012. Phlebology 2015;30:257-273.
25.    Puggioni A, Marks N, Hingorani A et al. The safety of radiofrequency ablation of the great saphenous vein in patients with previous venous thrombosis. J Vasc Surg 2009;49:1248-1255.
26.    Rabe E, Guex JJ, Puskas A et al.; VCP Coordinators. Epidemiology of chronic venous disorders in geographically diverse populations: results from the Vein Consult Program. Int Angiol 2012;31:105-115.
27.    Rhee SJ, Cantelmo NL, Conrad MF, Stoughton J. Factors influencing the incidence of endovenous heat-induced thrombosis (EHIT). Vasc Endovascular Surg 2013;47:207-212.
28.    Rits J, Maurins U, Rabe E et al. Lower prevalence of stump reflux after endovenous laser flush ablation of the great saphenous vein. Vasa 2022;51(4):222-228.
29.    Ryer EJ, Elmore JR, Garvin RP et al. Value of delayed duplex ultrasound assessment after endothermal ablation of the great saphenous vein. J Vasc Surg 2016;64:446-451.
30.    Sadek M, Kabnick LS, Rockman CB et al. Increasing ablation distance peripheral to the saphenofemoral junction may result in a diminished rate of endothermal heat-induced thrombosis. J Vasc Surg Venous Lymphat Disord 2013;1:257-262.
31.    Santin BJ, Lohr JM, Panke TW et al. Venous duplex and pathologic differences in thrombus characteristics between de novo deep vein thrombi and endovenous heat-induced thrombi. J Vasc Surg Venous Lymphat Disord. 2015;3:184-189.
32.    Schäffer N, Weingard I, Kinderlen M et al. Appositionsthrombus als Komplikation endovenöser Katheterverfahren (Post ablation thrombus extension [PATE]). Phlebologie 2018;47:93-101.
33.    Sermsathanasawadi N, Voravitvet TY, Chinsakchai K et al. Risk factors for endovenous heat-induced thrombosis after endovenous radiofrequency ablation performed in Thailand. Phlebology 2016;31:582-587.
34.    Skeik N, Zimmerman KP, Tretinyak AS et al. The success and safety of endovenous ablation in patients with previous superficial venous thrombosis: a retrospective case-control study. Vasc Endovascular Surg 2013;47:353-358.
35.    Spinedi L, Stricker H, Keo HH et al. Feasibility and safety of flush endovenous laser ablation of the great saphenous vein up to the saphenofemoral junction. J Vasc Surg Venous Lymphat Disord 2020;8:1006-1013.
36.    Sroka R, Pongratz T, Siegrist K et al. Endovenous laser application. Strategies to improve endoluminal energy application. Phlebologie 2013;42:121-129.
37.    Sufian S, Arnez A, Labropoulos N, Lakhanpal S. Incidence, progression, and risk factors for endovenous heat induced thrombosis after radiofrequency ablation. J Vasc Surg Venous Lymphat Disord 2013;1:159-164.
38.    Van der Velden SK, Pichot O, van den Bos RR et al. Management strategies for patients with varicose veins (C2-C6): Results of a worldwide survey. Eur J Vasc Endovasc Surg 2015;49:213-220.
39.    Wittens C, Davies AH, Bäkgaard N et al. Management of Chronic Venous Disease; Clinical Practice Guidelines of the European Society for Vascular Surgery. Eur J Vasc Endovasc Surg 2015;49:678-737.

Interessenkonflikte 
C. Altindas: keine
K. Rass: Mitgliedschaften: Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (Wissenschaftlicher Beirat), Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (Stellvertrender Sektionsleiter)

Korrespondenzadresse

PD Dr. med. Knuth Rass
Eifelklinik St. Brigida
Zentrum für Venen- und Dermatochirurgie
Kammerbruchstraße 8
52152 Simmerath
knuth.rass(at)artemed.de