Strategie 3: Feedback einholen
Es ist schwer, den Fussel auf dem eigenen Rücken zu erkennen, geschweige denn zu entfernen; vorhanden ist er trotzdem. Je höher ein Mensch in der Hierarchie steht, desto weniger erhält er Rückmeldungen, weder positive noch negative. Wer klopft Ihnen mal anerkennend auf die Schulter und sagt Ihnen, wie gut Sie etwas gemacht haben? Oder wäscht Ihnen, wenn nötig, mal gehörig den Kopf? Holen Sie sich aktiv Rückmeldungen ein, sei es von erfahrenen Kollegen oder Ihrem Team, am besten regelmäßig und von verschiedenen Seiten. Das stärkt und bestätigt und gibt Ihnen zudem die Möglichkeit, Dinge zu verbessern oder abzustellen, zum Wohle aller Beteiligten, inklusive Ihnen selbst. Auch das ist Qualitätsmanagement.
Strategie 4: Kommunikation als Kleber
Gehören Sie vielleicht zu der Hälfte der Menschheit, die eher sachorientiert ist und der Kommunikation weniger notwendig erscheint? Aus Ihrer Sicht nachvollziehbar; die andere Hälfte der Menschheit ist allerdings menschenorientiert und hat mehr Kommunikationsbedarf. Die Funktion von Kommunikation ist ähnlich der von Mörtel oder Zement, ohne den kein Gebäude standfest ist, sondern bei der nächsten stärkeren Erschütterung zu einem Steinhaufen zusammenfällt.
Der Wert von gelungener Kommunikation kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Genialerweise bietet Ihnen der Praxisalltag eine Fülle von Gelegenheiten, mit Ihrem Team zu kommunizieren: Angefangen mit der morgendlichen Begrüßung, der kurze Plausch an der Rezeption, Teambesprechungen, Jahresgespräche, das Zwischendurchgespräch in der Teeküche, Loben oder der gelegentliche Teamevent. Kommunikation ist DER Schlüssel für erfolgreiches Führen.
Strategie 5: Praxisbesprechungen nutzen
Im turbulenten Praxisalltag fallen regelmäßige Teamsitzungen gern unter den Tisch. Verständlich, denn sie kosten Zeit, und ist die Behandlung des Patienten mit akuten Herzproblemen nicht wichtiger? Jein, im ersten Moment schon, doch mittel- und langfristig „fliegt“ Ihnen Ihr Team „um die Ohren“, wenn die regelmäßige Kommunikation ausbleibt (siehe Strategie 4). Außerdem bieten Ihnen Besprechungen mit dem gesamten Team eine hervorragende Möglichkeit, sich in Ihrer Führungsrolle zu zeigen, ein Gespür für die allgemeine Stimmung zu bekommen und wichtige Botschaften zu vermitteln. Verbunden mit einem netten Austausch auf menschlicher Ebene werden Teambesprechungen zum wichtigen Beziehungskitt und zur Schmiede für Vertrauen und Zusammenhalt.
Strategie 6: Augen auf bei Konflikten
In Ihrer Praxis gibt es keine Konflikte? Fantastisch, das spricht dafür, dass Sie bereits viel Führungsarbeit und Teampflege geleistet haben. Oder auch, dass eventuell etwas übersehen wurde. Überall da, wo Menschen aufeinandertreffen, gibt es hin und wieder Konflikte. Das ist normal und natürlich. Die Frage ist nur: Wie gehen wir damit um? Sehen wir bei Konflikten dauerhaft weg und räumen sie nicht aus dem Weg, ziehen sie genauso wie bei einer nichtbehandelten Appendizitis Konsequenzen nach sich, und zwar meist größere als die ursprünglichen. Gehen Sie Konflikte beherzt an und sehen Sie genau hin. Entscheiden Sie: Wo bedarf es welchen Eingriffs? Dafür können Sie genauso ein Gespür entwickeln und Wissen darüber erlangen wie in der medizinischen Diagnostik.
Strategie 7: Freude
Als Letztes möchte ich Ihnen eine alte Weisheit mit auf den Weg geben. Eine Binsenwahrheit, die für so vieles gilt, was wir tun. Es hilft, GERN zu führen. Bekanntlich wird alles leichter und wir erbringen eine bessere Leistung, wenn wir eine Aufgabe mit Freude ausführen. Vielleicht fällt Ihnen die ein oder andere Führungsaufgabe noch leichter, wenn es Ihnen gelingt, Ihre Einstellung dazu zu ändern. Denn Führen kann tatsächlich Freude machen! Führen heißt gestalten, Ihren Berufsalltag gestalten. Führen heißt, Menschen bewegen, Ziele erreichen. Ihre ureigenen Ziele, als Mediziner in Ihrer Praxis. Dabei wünsche ich Ihnen viel Freude und Erfolg.
► Weitere Impulse und Knowhow zum Thema erfahren Sie in diesem Seminar: 26.09.2019 in Berlin „Führungsstark in der Praxis. Strategien für den Arzt und die Ärztin als erfolgreiche Führungskraft“