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vasomed 5/23

Intermittierende Pneumatische Kompression

Die Intermittierende Pneumatische Kompression (IPK, syn: Apparative Intermittierende Kompression, AIK) arbeitet mit pneumatischen Wechseldrücken. Sie wird angewendet zur Thromboembolieprophylaxe, Entstauungstherapie bei Ödemerkrankungen und hat positive Effekte hinsichtlich der arteriellen und venösen Durchblutung mit Verbesserung der klinischen Symptome und schnellerer Ulkusheilung. 


25.08.2023
S. Reich-Schupke
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ZITIERWEISE: VASOMED 2023; 35(5): 179-181

Die eingesetzten Geräte und die Therapie­schemata unterscheiden sich abhängig von ihrer Indikation und Ziellokalisation. Sie können ambulant und stationär sowie bei langfristiger Indikation auch als Heimgeräte eingesetzt werden.

Indikationen und Kontraindikationen

Entsprechende den Leitlinien gelten folgende Empfehlungen für Indikationen (Tab. 1) und Kontraindikationen (Tab. 2). Bei Vorliegen einer absoluten Kontraindikation soll keine IPK durchgeführt werden. Bei Vorliegen einer relativen Kontraindikation kann unter engmaschiger klinischer Kontrolle und entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen eine IPK angewendet werden ( siehe Nebenwirkungen und Komplikationen).

 

Bei folgenden Indikationen soll eine IPK erfolgen
  • Thromboembolieprophylaxe, wenn keine medikamentöse Prophylaxe möglich ist
Bei folgenden Indikationen sollte eine IPK erfolgen
  • Ulcus cruris venosum mit fehlender Heilungstendenz trotz konsequenter Kompressionstherapie mittels Strumpfsystemen oder Kompressionsverbänden
  • schwere chronische venöse Insuffizienz im Stadium C4b bis C6 (CEAP-Klassifikation)
  • Extremitätenlymphödem, additiv bei fehlender Kompensation unter Komplexer Physikalischer Entstauungstherapie
  • periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) mit stabiler Claudicatio intermittens oder kritischer Ischämie, wenn ein angeleitetes Übungsprogramm nicht möglich ist und eine interventionelle oder operative Rekonstruktion nicht in Frage kommt
Bei folgenden Indikationen kann eine IPK erfolgen
  • posttraumatische Ödeme
  • therapieresistente venös bedingte Ödeme
  • Lipödem mit relevantem sekundärem Ödem
  • Extremitätenlymphödem, additiv zur Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie
  • Hemiplegie mit sensorischer Störung und Ödem
  • Thromboembolieprophylaxe zusätzlich zur medikamentösen Prophylaxe

Tab. 1: Indikationen für die IPK.

absolute Kontra­indikationen der IPK
  • dekompensierte Herzinsuffizienz
  • ausgedehnte Thrombophlebitis, Thrombose oder Thromboseverdacht
  • akutes Erysipel
  • akute Phlegmone
  • Kompartmentsyndrom
  • schwere, nicht eingestellte Hypertonie
  • Daneben soll bei okkludierenden Prozessen im Lymph­abstrombereich, bei denen es unter IPK zu einem Stau im Leistenbereich oder Genitalbereich gekommen ist, keine IPK durchgeführt werden.
relative Kontraindikationen der IPK
  • ausgedehntes, ggf. offenes Weichteiltrauma der Extremitäten
  • ausgeprägte Neuropathie der Extremitäten
  • blasenbildende Dermatosen wie z. B. IgA-Dermatitis oder Pemphigoid

Tab. 2: Kontraindikationen für die IPK.

Nebenwirkungen und Komplikationen

Bei sorgfältiger Indikationsstellung, Beachtung der Kontraindikationen sowie korrekter Anwendung der Geräte und suffizienter Aufklärung des Patienten – insbesondere im Falle einer Heimanwendung – handelt es sich bei der IPK um eine effektive und sichere Therapie­maßnahme.

Unerwünschte Ereignisse sind in der Literatur nur sehr vereinzelt beschrieben und kommen auch nach eigener Erfahrung bei korrekter Anwendung der IPK extrem selten vor. Die beschriebenen Hautschäden traten vor allem unter mehrtägiger, kontinuierlicher Anwendung der IPK im Rahmen der Thromboembolieprophylaxe auf. 

Folgende Hinweise können bei der Anwendung der IPK Nebenwirkungen und Komplikationen vermeiden: 

Zur Vermeidung von Hautschäden sollte ein textiler Hautschutz unter der Kunststoffmanschette eingesetzt und eine regelmäßige Inspektion und Pflege der Haut durchgeführt werden. 

Zur Verhinderung von Nervenschädigungen und Druck­nekrosen sollte insbesondere bei schlanken oder kachektischen Patienten eine Polsterung über Dispositionsstellen erfolgen. 

Genitallymphödeme wurden in keiner Studie seit 1998 beschrieben bzw. explizit verneint. Es sollte darauf geachtet werden. Wenn es unter der IPK beim Lymphödem zu einer Zunahme des Ödems im Becken- oder Genitalbereich kommt, soll auf eine weitere Durchführung der IPK verzichtet und die Diagnostik bezüglich eines Abflusshindernisses erweitert bzw. wiederholt werden. 

Durchführung 

Abhängig von den unterschiedlichen Indikationen, zu erreichenden Ziel-Gefäßsystemen und der Gewebebeschaffenheit soll das Therapieprotokoll individuell festgelegt werden. Dabei sollen vorrangig Mehrstufengeräte eingesetzt werden. Unter kritischer Wertung der vorhandenen Literatur gibt die Leitlinie zu den jeweiligen Indikationen Empfehlungen zu Therapieschema, Dauer der Therapie und zur Einstellung der Geräte. Im Folgenden die wichtigsten Aspekte in Kürze: 

Thromboembolieprophlyaxe

Die Kernempfehlungen zu den verschiedenen Indikationsstellungen zur Thromboseprophylaxe wurden in der S3-Leitlinie zur Venösen Thromboembolieprophylaxe erarbeitet und werden hier nur erwähnt.

Chronische venöse Insuffizienz

Bei der chronischen venösen Insuffizienz sollte mit mehrstufigen Manschetten ein sequentieller Druckaufbau von distal nach proximal mit 30–40 mmHg beim Ulkus bis 50 mmHg eine Stunde/Tag dreimal pro Woche erfolgen mit einer Inflations-/Deflationszeit von 15 s/10 s.

Lymphödem und Lipödem

Zur Therapie des Lymphödems sollten Mehrstufengeräte mit intermittierenden Kompressionsdrücken angewendet werden, wobei am Bein abhängig von der Gewebebeschaffenheit bis zu 120 mmHg und am Arm bis 40 mmHg Druck aufgebaut werden sollten. Dabei sollten längere In- und Deflationszeiten (je um 50 s) und ein sequentieller Druckaufbau gewählt werden. Die Therapie erfolgt additiv. Zur IPK bei Lipödem existiert kein Therapie­schema, es werden Inflationsdrücke um 30 mmHg verwendet.

Periphere arterielle Verschlusskrankheit

Bei der pAVK mit stabiler Claudicatio intermittens oder kritischer Ischämie sollte die IPK mit Fuß und Wadenmanschette, Zielanpassdrücken von 
85–120 mmHg, kurzer Inflationszeit, drei Zyklen pro Minute und täglicher Anwendung durchgeführt werden. Voraussetzung für eine Therapie mit IPK ist jedoch, dass eine interventionelle oder operative Rekonstruktion nicht in Frage kommt und ein angeleitetes Übungsprogramm nicht möglich ist. 

Ödeme anderer Genese

Auch zur Reduktion des postrekonstruktiven Ödems und des posttraumatischen Ödems kann die IPK eingesetzt werden. Eine geringe Evidenz gibt es auch bei der Hemiplegie mit sensorischer Störung und Ödem sowie bei der diabetischen Fußläsion.

Hinweise für die Praxis 

Die Geräte zur IPK sind im Hilfsmittelverzeichnis gelistet und können – idealerweise nach einer ärztlich kontrollierten Erprobungsphase – auch entsprechend verordnet werden. Allerdings weisen die Empfehlungen der Leitlinien durch das Expertengremium und das Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes einige Diskrepanzen auf. Zu beachten sind insbesondere folgende Aspekte und 

Differenzen: 

  • Das Hilfsmittelverzeichnis stellt Ein- und Mehrstufengeräte gleichwertig nebeneinander, während die Leitlinie Mehrstufengeräte bevorzugt.
  • Im Hilfsmittelverzeichnis existieren einige Indikationen der Leitlinie nicht wie z. B. die pAVK.
  • Die Empfehlungen für den maximalen Druck beim Beinlymphödem weisen in der Leitlinie 120 mmHg, im Hilfsmittelverzeichnis nur 100 mmHg auf.
  • Das Hilfsmittelverzeichnis nennt keine Kontraindikationen und Risiken.

Sollte es zu Problemen bei der Verordnung kommen, so kann es hilfreich sein, darauf hinzuweisen, dass laut Hilfsmittelverzeichnis für die Versorgung mit Hilfsmitteln zur Kompressionstherapie die jeweils gültigen Leitlinien der Fachgesellschaften zu beachten sind. 

Insbesondere für die die Heimanwendung soll dem Patienten eine klare ärztliche Anweisung zum Einsatz der IPK gegeben werden bzgl. folgender Parameter: 

  • Dauer der Anwendung pro Tag 
  • Häufigkeit der Anwendungen pro Tag oder pro Woche 
  • Dauer der Anwendung insgesamt 
  • Druckeinstellung 
  • Schutzmaßnahmen bzgl. potentieller Nebenwirkungen (s. o.) 
  • notwendiger ärztlicher Kontrollen im Verlauf

Fazit für die Praxis 

Die IPK ist bei richtiger Indikationsstellung und Anwendung – auch additiv – eine effektive und sichere Therapie­methode insbesondere in der Behandlung der beschriebenen Gefäß- und Ödem­erkrankungen sowie der Thromboseprophylaxe. 

Literatur 
1.    S1-Leitlinie Intermittierende pneumatische Kompression (IPK, AIK), AWMF Registernummer: 037/007. register.awmf.org/de/leitlinien/detail/037-007
2.    Rabe E, Reich-Schupke S (Hrsg). Intermittierende pneumatische Kompressionstherapie. WPV. Verlag, Köln 2020.

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Stefanie Reich-Schupke
Privatpraxis für Haut- und Gefäßmedizin
Hertener Str. 2, 45657 Recklinghausen 
info(at)haut.nrw 
https://haut.nrw/